(134 Seiten, Paperback, Edition Metzengerstein, ISBN 3-932320-02-6, 17+00++)
Zum Inhalt:
Das Reliquiar
Der Protagonist reist auf Einladung seines Schulfreundes Ulrich
Hommes, seines Zeichens Pfarrer der kleinen Gemeinde Dernig, in die
Eifel. Schon bald nach seiner Ankunft wird er mit drei seltsamen
Fresken aus der Zeit des Baus der Kirche konfrontiert. Auf dem ersten
Bild ist eine Stiftsfrau zu sehen, ihr gegenüber eine
dämonenähnliche Gestalt; das zweite zeigt das
dämonenähnliche Wesen, wie es anscheinend beim Bau der
Kirche hilft; und auf dem dritten ist ein Reliquiar abgebildet, in
dem das dämonische Wesen eingeschlossen ist. Von Monsignore
Scheuner erfahren die beiden, daß beim Austausch des Hochaltars
in dessen Mensa nur ein vergilbter Zettel zu finden war, nicht jedoch
das dorthin gehörige Reliquiar. Und so macht sich der
Protagonist auf, das Geheimnis des verschwundenen Reliqiuars zu
lösen.
Die Wächter
Bei Raunbach ist die Leiche eines Mönches in einem Teich
gefunden worden. Kommissar Glaub übernimmt die Ermittlungen und
quartiert sich erst einmal in dem Kloster ein, zu dem der Mönch
gehörte. Immer mehr verdichten sich die Hinweise, daß die
Mönche ein Geheimnis bewahren, und Glaub will ihnen auf die Spur
kommen.
Garniert werden die Novellen, die beide schon etwas älteren
Datums sind, mit einem Nachwort von Franz Rottensteiner, das mich als
Rezensent in gewisse Bedrängnis bringt, geht Rottensteiner doch
sehr ausführlich auf beide Novellen ein und läßt mir
kaum noch eine Möglichkeit, etwas zu diesem Buch zu sagen, ohne
daß es gleich wie abgeschrieben erscheint. Versuchen wir es
trotzdem.
Michael Siefener läßt in beiden Novellen (in "Das
Reliquiar" stärker als in "Die Wächter") seine Vorliebe
für H.P. Lovecraft durchklingen, sowohl stilistisch als auch
inhaltlich. Er schreibt zwar nicht direkt über die "Großen
Alten", doch sind die Geschichten vom Aufbau her durchaus mit
Lovecraft vergleichbar. In "Das Reliquiar" wird dies besonders
deutlich, denn diese Novelle ist im typisch lovecraftschen
Tagebuchstil gehalten, und das Ende ist bereits am Anfang bekannt -
nur nicht, wie es dazu kam. Der Protagonist schreibt die Erlebnisse
nieder, weil die Ermittlungsarbeiten der Polizei zu keinem
befriedigenden Ergebnis geführt haben. Er handelt nicht, weil er
sich mitteilen will, sondern weil er muß. Die Geschichte selbst
entwickelt sich dann langsam und unaufhaltsam zu ihrem
Höhepunkt.
"Die Wächter" krankt leider ein wenig an der fehlenden
Begründung der Motivation des Kommissars, den Tod des
Mönches überhaupt näher zu untersuchen. Er hat
eigentlich gar keinen Grund, sich dergestalt in diese Ermittlungen
einzuschalten, da alles auf einen Unfall oder Selbstmord hindeutet
und ein Motiv für einen Mord nicht vorhanden ist. Trotzdem nimmt
er die Ermittlungen auf. Die Novelle gestaltet sich dann in der Art
eines Kriminalromans mit einer halbwegs überraschenden
Auflösung. Teilweise erinnert mich die Geschichte in einzelnen
Grundzügen an "Der Name der Rose", was Siefener jedoch
abschwächt, indem er dieses Buch selbst im Text
erwähnt.
Beiden Novellen gemeinsam ist Michael Siefeners Gefühl für
die deutsche Sprache. Er spielt geradezu mit ihr und lädt den
Leser ein, seinen Spielen zu folgen. Sein geradezu bestechend
schöner Stil macht dieses Buch zu einem Erlebnis der besonderen
Art. Würde der deutsche Käufer dem deutschen Autor auf dem
Phantastik-Sektor auch nur die kleinste Spur einer Chance
gewähren, müßte Siefener eigentlich schon längst
zu den ganz Großen des Genres zählen. So bleibt es nur den
Kleinverlagen vorbehalten, seine Werke zu veröffentlichen.
Fazit:
Zu diesem Buch kann man nur jedem, der sich ein wenig für die
phantastische Literatur interessiert, eine dringende Kaufempfehlung
aussprechen. Ich habe in letzter Zeit kaum etwas Gleichwertiges
gelesen. Die schöne Aufmachung setzt das Tüpfelchen auf das
i.