(Projekt Caniron - Band 1)
(176 Seiten, Taschenbuch, Elf und Adler Verlag, ISBN 3-929500-00-0, 8+80++)
Eine kleine Raumflotte um das
Kommandoschiff WALHALLA ist unterwegs zu einem bisher unbekannten
Sonnensystem. Dieses soll zwecks Besiedlung eines oder mehrerer
geeigneter Planeten erforscht werden, denn nach einem Krieg, dem
diverse Heimatplaneten zum Opfer fielen, ist man auf der Suche nach
einem neuen Zuhause. Admiral Caniron Odyn hat aus Vertretern aller
heimatlos gewordenen Rassen sowie einigen Robotern einen
Erkundungstrupp zusammengestellt, dem die Begutachtung der Planeten
dieses Systems obliegt. Er bringt fünf der Kundschafter zu ihrem
Raumschiff und verabschiedet sich voll banger Hoffnung von ihnen.
Das Erkundungsschiff COLONEL mit seiner zusammengewürfelten
Mannschaft landet auf einem der Planeten des zu untersuchenden
Sonnensystems. Die Mannschaft - die eine zuvor beobachtete
Atomexplosion zunächst für einen Test hielt - muß
feststellen, daß hier ein Krieg tobt, für den zum Teil die
gleichen Wesen verantwortlich sind, die auch ihre Heimatplaneten auf
dem Gewissen haben. Mit antiquierten Waffen und dem Mut der
Verzweiflung macht man sich an die Verteidigung - ein aussichtsloses
Unterfangen?
Oliver H. Herde hat sich für seinen Roman ein Szenario
ausgedacht, das Geschichte, nordische Mythologie, Science Fiction und
Fantasy-Elemente miteinander verbindet. Das ist ja nun keine
schlechte Idee, vielleicht nicht unbedingt das Neueste vom Neuesten
oder sonstwie der letzte Schrei (wobei zu beachten ist, daß der
Roman bereits 1992 veröffentlicht wurde), aber ganz im
allgemeinen finde ich den Versuch lobenswert, deutsche SF-Literatur
an den Mann (und die Frau) zu bringen.
Viel mehr Positives - außer, daß das Niederschreiben
dieser Geschichte dem Autor ziemlichen Spaß gemacht haben
muß - läßt sich allerdings leider kaum sagen. Schon
stilistisch wird zunächst nicht gerade viel geboten. In dem
Bestreben, möglichst genau zu beschreiben, wurden viele
Sätze einfach zu lang - und dadurch teils auch langweilig bis
ermüdend.
Manches andere liest sich sehr holprig; es kommen ungeschickte
Formulierungen und unvollständige Sätze vor. Viele Stellen
mußte ich mehrmals lesen, um sie zu verstehen, und ob ich
wirklich alles richtig verstanden habe, kann ich teilweise noch immer
nicht mit Bestimmtheit sagen.
Bis auf einen Charakter (Nig - ein Elf) wird von den
Handlungsträgern zumeist nicht wesentlich mehr als das Aussehen
beschrieben. Und nicht immer ist das, was die Charaktere so tun, auch
im nächsten Kapitel noch nachvollziehbar. Mal reagieren die
Leute so, mal so, ohne daß hierfür Gründe erkennbar
wären.
Bleiben wir doch gleich bei den Elfen. Angeblich sprechen diese ein
wenig seltsam. Aber selbst der ziemlich gut ausgearbeitete Nig tut
das nicht immer; und die später beschriebene Halbelfin Brunabora
scheint diese Eigenart gar nicht zu haben. Das könnte allerdings
damit zu tun haben, daß sie ja keine ‘richtige’ Elfin ist. Oder
hab ich da möglicherweise was überlesen? Reden nur
‘reinrassige’ Elfen so ein Kauderwelsch?
So ganz klar wird mir auch nicht, wie viele Hüte Nig denn nun
hatte oder noch hat.
Bei dem zu erforschenden Sonnensystem handelt es sich anscheinend um
UNSER System. Allerdings scheinen mir dann doch ein paar Angaben
nicht so ganz zu stimmen. Ein Beispiel: Auf Seite 24 heißt es
über den Planeten, den die Kundschafter gerade anfliegen,
daß seine Umlaufzeit 225 Tage, seine Eigendrehung 243 Tage
beträgt. Moment mal! Ist die ‘Eigendrehung’ nicht das gleiche
wie ein Tag auf dem Planeten? Ein Tag auf diesem Planeten währt
also länger als ein JAHR dort??? (Keine Ahnung, ehrlich - TUT
das einer der Planeten hier bei uns? Ich glaube nicht!) Und
irgendwann später (ich glaube, wir sind tatsächlich noch
auf dem gleichen Planeten) wird erwähnt, eine Nacht dort
würde ca. 60 Tage dauern. (Damit können ja nur irgendwelche
"Standardtage" gemeint sein - wie lang irdische Tage sind,
können die Kundschafter eigentlich noch nicht wissen, und sie
sollten sie dann auch nicht als Rechengrundlage verwenden, meine
ich.) Der Tag wäre dann sicher vergleichbar lang, aber wohl
nicht wesentlich länger, oder? Gehen wir also einmal von 120
Tagen aus, die einen kompletten Planetentag (d. h., Tag und
Nacht) ausmachen würden - dann fehlen mir aber irgendwo noch 123
Tage. Wie sieht es damit aus? (Oder hab ich schon wieder was nicht
mitbekommen oder falsch verstanden?)
Einzelne militärische Ränge werden zwar erwähnt, aber
für mich bleiben sie von Anfang bis Ende böhmische
Dörfer. Vor allen Dingen frage ich mich dann doch irgendwie,
warum ein deutscher Autor ausgerechnet die englischen (bzw.
amerikanischen?) Bezeichnungen verwendet. (Die Heimatsuchenden
stammen schließlich nicht von der Erde - wenn auch irgendwie
eine Verwandtschaft mit den Erdlingen angedeutet wird...) Im
übrigen habe ich den Eindruck, daß die Sache mit den
Rangbezeichnungen für die Story so wenig Bedeutung hat,
daß man die Ränge ebenso wie die dazugehörigen
Erklärungen größtenteils auch hätte weglassen
können.
Weshalb auf Seite 99 das Gespräch zwischen dem Admiral der
Skorpionsflotte und Genosse Lenin - äh, Quatsch >;-))) -
Ninehl erwähnt wird, entzieht sich meinem Verständnis. Soll
da noch etwas nachkommen? Zur Zeit sieht es m. E. nicht so aus,
und ich weiß auch nicht so recht, ob das wünschenswert
wäre.
Nicht ganz lupenrein finde ich die starke Einbeziehung
nördlicher Mythologien sowie die Hinweise auf die Verwandtschaft
der einzelnen Völker. Da muß man einfach mal sehen, was
noch draus wird... ich persönlich hoffe, daß davon nicht
mehr allzuviel in der Story vorkommt.
Positiv erwähnen möchte ich aber noch, daß teilweise
die Gedanken und Gefühle recht realistisch geschildert werden -
wenn auch vielleicht teilweise wieder ein bißchen zu
ausführlich - und einmal sogar Feinde als denkende,
fühlende Lebewesen beschrieben werden, die man nicht
unnötig quälen soll und will. Auf der anderen Seite
bekämpft man diese Feinde natürlich, aber das ist wohl eine
andere Sache. Hier wäre vielleicht als Kritikpunkt anzumerken,
daß man bei der aufgeschlossenen und friedlichen Einstellung
des Völkergemischs auf dem Erkundungsschiff den Krieg nicht in
Frage stellt, sondern stattdessen sofort mitschießt.
Natürlich weiß ich nicht, wie ich mich fühlen
würde, wenn ich auf einmal den Aliens gegenüberstehen
würde, die soeben die Erde zerballert haben... wahrscheinlich
ziemlich besch... [ätsch! >:-)] ...ädigt.
Als gut ausgearbeitet erachte ich ansonsten noch die Vielzahl der
Rassen sowie deren Gestaltung. Gerade darüber machen sich die
meisten Autoren, in deren Geschichten mehrere Planeten oder auch nur
mehrere Kontinente vorkommen (ja, selbst Profis!) oft nur wenige oder
gar keine Gedanken. Entweder GIBT es dort nur eine ([halbwegs]
intelligente) Rasse, oder auf die anderen wird nur am Rand
hingewiesen, oder es gibt zwar mehrere, aber die sind dann
untereinander sehr ähnlich - oder die Welt ist eine Kolonie, und
dies dann wieder einmal meist von nur einer Rasse. Hier deutet sich
nun meines Wissens die erste Kolonisierung eines bereits von mehreren
Rassen bewohnten Planeten durch mehrere Rassen an...
Fazit:
Ich muß zugeben, mein Gesamteindruck zu ‘Fremde Welten’ ist
ziemlich durchwachsen. Es kommt zwar nur wenig Spannung auf,
offensichtlich scherzhaft gemeinte Passagen zur Auflockerung des
Gesamtthemas ziehen nicht immer so recht, und nicht alles scheint mir
so ganz stimmig zu sein. Aber zum Ende des Romans hin relativiert
sich einiges des hier Gesagten. Außerdem interessiert mich, wie
die Geschichte weitergeht. Und eigentlich ist meiner Meinung nach
jeder Versuch, der deutschen SF-Literatur ein wenig auf die
Sprünge zu helfen, durchaus lobens- und unterstützenswert.
Daher erstmal keine Wertung - ich werde die Reihe auf jeden Fall
weiterlesen. Vielleicht kann ich ja nach der Lektüre der
späteren Bände (Band 3 ist in Vorbereitung) eine
detailliertere Kritik abgeben.
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Die Flotte der gemischten Völker der Menschen, Elfen
und Aroschin, etwa fünfzig Einheiten stark, zieht auf
der Suche nach einer neuen Heimat durch das unendliche All.
Als ein bewohnbares Sonnensystem entdeckt wird, wird ein
Erkundungstrupp vorausgeschickt. Dieser Trupp entdeckt auf
zwei Planeten einheimisches Leben. Nebenher gibt es im
System auch noch Invasoren aus einem anderen System. Und
außerdem treiben sich auch die Skorps im System herum,
die Rasse, die sowohl das System der Menschen als auch das
der Elfen und Aroschin zerstört hat... |