(Band 1 der Trilogie "Die Wölfe der Zeit)
OT: The Wolves of Time - Journey to the Heartland
Ü: Michael Morgental
(557 Seiten, Taschenbuch, Heyne 01/10525, ISBN 3-453-13109-6,
16+90++)
- erschienen: Febraur 1998 -
Zum Inhalt:
Die Legende besagt, daß vor fast tausend Jahren, in einer Zeit,
in der die Menschen immer weiter auf dem Vormarsch waren und die
Existenz der Wölfe bedrohten, Wulf, der oberste der Götter
der Wolfheit, sein eigenes Gesetz mißachtete und sich zu einer
sterblichen Wölfin gesellte. Durch die von ihm selbst
aufgestellten Regeln muß er nun vom Wulfsfelsen hinabsteigen
und tausend Jahre als Sterblicher unter den sterblichen Wölfen
leben, ohne daß er sich an seine früheren Leben erinnern
kann. Nur Wulfin, seine betrogene Gefährtin, beschließt,
ihm zu folgen und auf ihn aufzupassen, wenn er dereinst in tausend
Jahren zusammen mit den Wölfen der Zeit zum Wulfsfelsen
zurückkehrt und wieder unter den Göttern der Wolfheit
aufgenommen wird.
Das dunkle Jahrtausend der Wölfe ist nun fast vorbei, und
Tervicz, einer der letzten Wölfe des Bukov-Rudels, heult die
Legende, woraufhin einige über ganz Europa verstreute Wölfe
den Drang verspüren, das Herzland aufzusuchen, jenen
geheimnisvollen Ursprungsort der Wolfheit, in dem irgendwo der
Wulfsfelsen liegt, der vor vielen Jahrhunderten zum letzten Mal von
Wölfen besucht wurde. Doch das Herzland ist das Gebiet der
Madjaren, der als Wächter zurückgebliebenen Wölfe, die
das Ziel ihrer Aufgabe vergessen zu haben scheinen, das Herzland und
den Wulfsfelsen zu bewachen, bis die Wölfe der Zeit erscheinen.
Während Wölfe aus ganz Europa in Richtung Herzland wandern,
um sich dort zum Rudel der Wölfe der Zeit
zusammenzuschließen, sind die Madjaren kampfbereit, um das
Revier zu verteidigen.
Im Auftaktband zur Trilogie "Die Wölfe der Zeit" ist William
Horwood eine wunderbare Erzählung gelungen, die den Leser zu
verzaubern vermag. "Die Reise ins Herzland" entpuppt sich als eine
Mischung aus Fabel, Fantasy und Mythos. Dabei macht Horwood nicht den
Fehler, der vielen "Tierromanen" zu eigen ist, und vermenschlicht
seine Charaktere, sondern beläßt ihnen ihre
Tier-Eigenschaften und baut um diese herum die Mythen auf, die den
Roman zum Leben erwecken. In dieser Hinsicht dürfte Horwood so
ziemlich einmalig unter den Autoren sein, denn man hat nie das
Gefühl, daß hier Menschen agieren könnten; es sind
immer die Wölfe, an die man denkt. Und ihre Mythen sind auch
ihre eigenen und nicht die der Menschen, was dem Roman einen
zusätzlichen Reiz gibt.
Auch tauchen in dem Roman nur sehr selten Menschen auf, so daß
der Leser nicht viel davon bemerkt, daß er sich am Ende des 20.
Jahrhunderts befindet. Menschen sind nur dann anzutreffen, wenn sie
die Wege der Wölfe kreuzen, auch wenn davon auszugehen ist,
daß zwei Menschen in den späteren Bänden noch eine
größere Rolle übernehmen werden - so der Mensch, der
mit dem Wolf tanzt... (* Du meinst doch sicher den, der sich
‘nen Wolf tanzt... Heike) äh, der wohl noch in die
Wolfsgemeinschaft aufgenommen wird, und der Jägermann, der als
Gegenspieler noch eine größere Rolle bekommen wird.
Ansonsten sind die Wege der Wölfe so angelegt, daß Horwood
auf Menschen problemlos verzichten kann.
Zwar ist die Anreise der einzelnen Wölfe in das Herzland ein
wenig lang ausgefallen, jedoch ist sie alles in allem stimmungsvoll
beschrieben. Horwood stellt sich vor allem bei den Beschreibungen als
von Tolkien beeinflußt heraus, der ausführlich alles
beschreibt, was ihm unter die Finger kommt.
Was sich daraus entwickelt, ist eine wunderbare Wolfsgeschichte, die
selbst den Rezensenten zu fesseln vermag, der eher ein
Katzenliebhaber ist und daher naturgemäß mit diesem Teil
der Tierwelt eigentlich nicht viel anfangen kann. Umso erstaunlicher
ist die Faszination, die dieses Buch ausübt, was nicht zuletzt
am Stil Horwoods liegt, der in der Übersetzung sehr gut
wiedergegeben ist.
Fazit:
Für Wolfsliebhaber ist die Trilogie "Die Wölfe der Zeit"
ein absolutes Muß. William Horwoods Roman wird sie verzaubern
und für eine ganze Weile in eine andere Welt versetzen, aus der
sie gar nicht mehr auftauchen wollen. Aber auch für die
Nicht-Wolfsliebhaber bietet der Roman genügend interessante
Ansatzpunkte und vermag vielleicht sogar das Interesse an Wölfen
in ihnen zu wecken. Durchgehend empfehlenswert.