Lynn Flewelling:

"Das Licht in den Schatten"

(Die Schattengilde - Band 1)
OT: Luck in the Shadows
Ü: Susi Grixa
(636 Seiten, Taschenbuch, Bastei Lübbe 20327, ISBN 3-404-20327-5, 16+90++)
- erschienen: März 1998 -

Der junge Jäger Alec wird nahe seiner Heimat ungerechtfertigterweise in den Kerker geworfen. Dort drohen ihm nun Folter und Tod - wenn da nicht der Barde Rolan wäre. Zusammen mit ihm gelingt Alec die Flucht. In der Freiheit entpuppt sich Rolan als jemand anders: Sein wahrer Name ist Seregil. Er ist ein - Wanderer, jemand, der beobachtet. Er heuert Alec als Führer an. Bald haben beide Vertrauen zueinander gefunden, und Seregil nimmt Alec als Lehrling bei sich auf. Er will ihm das eine oder andere über die Welt beibringen.
In dem Dorf Wolde schlüpft Seregil in eine seiner unzähligen Identitäten, den Barden Windover, und Alec wird kurzerhand zum Jungbarden. Hier treffen sie auf Plenimaraner, ein kriegerisches Volk, und auf einen Lord mit seinem Schwarzmagier Mardus. Seregil dringt in dessen Quartier ein und entwendet ein seltsames Amulett.
Auf der Weiterreise erkrankt Seregil schwer, doch Alec hält treu zu seinem Freund; und nach einer langen, schweren Reise kommen sie endlich nach Rhiminee, der vermeintlichen Heimat Seregils. Doch anstatt endlich ihre Ruhe zu bekommen, geht der Streß für Alec und Seregil erst so richtig los. Hier treffen sie auf den Meistermagier Nysander und seinen aufstrebenden Gehilfen Thero. Der böse Magier tritt aber erst einmal in den Hintergrund. Denn in Rhiminee sind gefährliche Intrigen im Gange, die auch Seregil den Kopf kosten können und scheinbar nichts mit den Plenimaranern und dem Magier aus dem Norden zu tun haben. Oder?

Wenn man anfängt, "Das Licht in den Schatten" zu lesen, ist man schnell von den beiden sympathischen Charakteren Alec und Seregil gefangen. Lynn läßt sich nicht von der Versuchung leiten, hier den einfachen Weg des Lehrmeisters und Schülers zu gehen. Zu sehr ist Seregil auf den jungen Alec angewiesen und kann auch von ihm lernen. Seregil ist ein Alleskünstler; er scheint überall bekannt zu sein und geht damit auf eine so leichtfüßige Weise um, daß es den Leser so fesselt, daß man kaum bemerkt, wie die Zeit vergeht.
Der Roman ist auf der einen Seite ein "klassischer" Fantasyroman, da er sich mit Magie, alten Legenden und fernen und vergessenen Wesen beschäftigt. Er geht damit aber auf eine so erfrischende und mitreißende Weise um, daß zu keinem Zeitpunkt das Gefühl der Langeweile aufkommt oder man den Eindruck gewinnt, daß Lynn sich hier ihren Roman zusammengeklaut hat. Vielmehr hat sie ihre eigenen Vorstellungen von Magie und Legenden; und daß diese nicht so kompliziert sind wie bei vielen anderen Autoren, ist eine schöne Abwechslung.
Ansonsten hat man hier einen Mantel-und-Degen-Roman in einer Fantasyverpackung vor sich, der voller Tempo und schöner Träume steckt.
Beim Lesen fiel mir auf, wie die Charaktere, ihre Vergangenheit und viele Details dieser Welt sehr sorgsam und umfangreich aufgebaut werden. Nebenei wird die Handlung bald so komplex und vielfältig, wie es eigentlich nur bei sehr großen und umfangreichen Werken der Fall ist. In der Tat scheint sich der Roman in Rhiminee in viele kleine Episoden zu verirren, daß man sich zwangsläufig fragen muß, wie die Autorin den Rahmen bis zum Romanende zu Ende bringen will. Die Erlösung erfolgt dann erst auf der letzten Seite: Fortsetzung folgt.

Fazit:
Wenn ich sage: "Ich bin begeistert", ist das eine der Untertreibungen des Jahres! "Das Licht in den Schatten" ist eines der mitreißendsten und faszinierendsten Fantasywerke, das ich seit Tad Williams' Osten Ard-Saga gelesen habe. Und wenn die weiteren Teile nur halb so gut werden, dann werden sie fast alles andere auch in den Schatten stellen! Uneingeschränkt empfehlenswert.

Alexander Haas

(zum Interview mit Lynn Flewelling)

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