Interview mit Lynn Flewelling

Die noch recht unbekannte amerikanische Autorin Lynn Flewelling legte dieses Jahr mit dem vielgelobten Band "Das Licht in den Schatten" ihr Roman-Debüt vor.
Sie ist 1958 im amerikanischen Bundesstaat Maine geboren und lebt dort auch heute mit ihrem Mann, zwei Söhnen und diversen Haustieren. Neben ihrer Schriftstellerei war sie auch schon als Lehrerin, Verkäuferin und Anstreicherin tätig. Heute arbeitet sie nebenbei noch als freie Journalistin. Überhaupt scheint sie viel mit Texten zu tun zu haben und den ganzen Tag nichts anderes zu tun, als zu lesen. So ist die Liste ihrer Lieblingsautoren umfangreich und betont unvollständig (sie umfaßt immerhin 44 Namen) und enthält alles von Sir Arthur Conan Doyle, William Shakespeare, Christopher Marlowe, Homer über Umberto Ecco und Dostoyevski bis hin zu Ursula LeGuin, Magret Atwood und Stephen King.
In dem folgenden Interview tauchen leider viele Namen aus ihrem Buch auf, die sie kommentiert. Leider war es in der Vorstellung dazu nicht möglich, diese so darzustellen, daß nicht alles verraten werden würde. Hier hilft also nur, es selber zu lesen, aber das lohnt sich!!

AH: Wie bist Du dazu gekommen, Fantasy zu schreiben? Was fasziniert Dich daran, Geschichten zu schreiben?

Lynn: Ich habe, seit ich ein Kind war, davon geträumt, Schriftstellerin zu werden, besonders, nachdem ich "Illustrated Man" von Ray Bradbury gelesen hatte. Mit den Jahren habe ich angefangen, Kurzgeschichten (ziemlich erfolglos) und Zeitungsartikel (sehr erfolgreich) zu schreiben. Heute bin ich gleichzeitig freie Journalistin.
Das Wichtigste an meiner "Ausbildung" war das Lesen. Ich lese alle Arten der Literatur, besonders aber mag ich historische Romane , klassische Romane und Mythen. Deshalb lag es für mich nahe, Fantasy zu schreiben.
Was mir beim Schreiben am meisten Spaß macht, ist, daß ich mich dabei in dieser anderen Welt verliere. An einem guten Tag fliegt die Zeit nur so dahin, und auf dem Papier passieren Dinge, mit denen ich zuvor nie gerechnet hatte.

AH: Was fasziniert Dich an der Fantasy?

Lynn: Fantasy ist in der Regel sehr charakterbezogen. In jedem Buch oder Film - egal, aus welchem Genre - und auch im wirklichen Leben faszinieren mich Menschen: Die Art, wie sie denken, warum sie was machen, eine Reihe von endlosen Überraschungen. Fantasy erlaubt Experimente, die in der herkömmlichen Literatur nicht möglich sind - Magie, extrem lange Lebensspannen, verschiedene Rassen, das Erschaffen von ganzen Welten und Historien. Aber im Endeffekt läuft alles doch auf die Charaktere hinaus.
Zum Beispiel: Ich habe wenig Interesse an Action-Filmen, aber ich liebe die "Lethal Weapon"-Filme, weil die Charaktere von Mel Gibson und Danny Glover so extrem überzeugend und die daraus folgenden Handlungen und Schwierigkeiten unglaublich lustig waren. Wenn ein Buch oder ein Film wenig überzeugende und gute Charaktere hat, verliere ich sehr schnell das Interesse - egal, wie verwickelt und gut die zugrundeliegende Idee ist. Es muß immer jemand da sein, den ich mag und/oder den ich nicht leiden kann. Anthony Burgess beschreibt in "Uhrwerk Orange" einen unglaublich perfekt abscheulichen Protagonisten - aber der ist so verdammt interessant. Ein wirklicher Anti-Held. Das wirklich Heimtückische an diesem Buch ist, daß der Autor den Leser so tief in die Welt des Hauptprotagonisten zieht, daß er beginnt, mit ihm zu sympathisieren. Das ist gut gemachte Literatur.
Fantasy und Science Fiction erlauben es dem Autor aber auch, mit allen möglichen Dingen des realen Lebens auf eine versteckte, kreative Weise zu experimentieren. Ich begann "Das Licht in den Schatten" mit vielen "was wäre, wenn...?" im Hinterkopf zu schreiben. Was wäre, wenn ein Held bisexuell ist? Was wäre, wenn das Geschlecht kein einschränkender Faktor in einer mittelalterlichen Gesellschaft ist? Was wäre, wenn es verschiedene Arten der Magie gibt, gute und schlechte? Was passiert, wenn jemand mehrere Jahrhunderte lang lebt, was sind dann die sozialen und biologischen Probleme und Einschränkungen? In den meisten guten Fantasy-Werken gibt es nicht einfach nur die Geschichte, sondern die Personen ändern sich, reagieren, wachsen und verändern ihre Umgebung.

AH: Könntest Du Dir vorstellen, einen Science Fiction-Roman zu schreiben?

Lynn: Im Moment arbeite ich an einer Geschichte in unserer heutigen modernen Welt, die verschiedene Elemente von Fantasy und Science Fiction verbindet (eine Menge Gentechnik).
Aber im großen und ganzen ist SF nicht ganz mein Ding. Als ich aufwuchs, las ich Bradbury, Asimov, Clarke, Heinlein, Le Guin - alles große Geschichtenerzähler, die ihre Charaktere vor die Science gestellt haben, doch die ist definitiv vorhanden. Ich habe mich über die Jahre von diesem Genre entfernt. Ich greife lieber zu einem historischen Roman oder einem non-fiction-Buch. Traurigerweise glauben viele, daß es - wenn man selbst einmal ein hauptberuflicher Schriftsteller ist - schwieriger ist, sich selbst einmal hinzusetzen und ganz einfach so etwas zu lesen, besonders, wenn es dem ähnelt, mit dem man sich beschäftigt. Das bringt einen um!

AH: Manchmal habe ich das Gefühl, daß die Trennung zwischen Fantasy und Science Fiction sehr streng ist. Die Autoren betrachten sich entweder als Fantasy- oder als SF-Autoren. Kannst Du dir denken, warum das so ist?

Lynn: Kürzlich habe ich auf einer Con einen Button gesehen, auf dem stand: "Sex ist nicht Liebe - Gesetz ist nicht Gerechtigkeit - Science Fiction ist keine Fantasy." Da ist etwas dran, aber die Trennung ist eigentlich gar nicht so hart, und viele Autoren schreiben recht erfolgreich beides.
Normalerweise bezeichnete man ein Buch mit Drachen und Magie als Fantasy, eines mit Weltraum, Raumschiffen und Lasergewehren als Science Fiction. Das hat sich aber schon längst geändert. Als was würdest Du Star Wars bezeichnen? Es gibt da Raumschiffe, Magier, viele gute Charaktere und wenig Science. Hier bei uns nennen wir so etwas "Space Opera". Es ist definitiv mehr wie Fantasy.
Aber auch heute, wenn eine Geschichte in der Vergangenheit angesiedelt ist, ist es Fantasy, in der Zukunft ist es Science Fiction; und doch bieten sich heute viele Möglichkeiten. Patrick O’Learys "Door Number 3" (* Anm. d. Red.: deutscher Titel ist der Redaktion unbekannt) ist eher SF, wobei Charles de Lint (* Anm. d. Red.: aktueller Roman "Grünmantel" bei Heyne erschienen - Rezension in Flash Nr. 25) eher moderne städtische Fantasy schreibt.
Meine "Schattengilde"-Bücher sind ganz klar Fantasy-Romane. Sie sind bewußt in eine Szenerie des 12. Jahrhunderts gesetzt. Dort gibt es Magie und begrenzte technische Möglichkeiten. So etwas Science Fiction zu nennen, wäre ziemlich sinnlos.

AH: Als ich "Das Licht in den Schatten" las, dachte ich an einigen Stellen: "Das ist wie ein Abenteuer eines Fantasy-Rollenspiels geschrieben!" Liege ich da richtig? Hast Du jemals Fantasy-Rollenspiele gespielt? Wenn ja, was hast Du gespielt, und welche Charaktere hast Du am liebsten gespielt?

Lynn: Oh je! Ja, ich habe damals auf dem College in den frühen 80ern Advanced Dungeons & Dragons gespielt und sogar ein wenig gemeistert. Gespielt habe ich alle möglichen Arten von Charakteren, schwerpunktmäßig aber diejenigen, die eher von ihrem Verstand lebten als von ihren Superkräften. Das war der natürlichste Weg für mich, da ich ja mit literarischen Gestalten wie Odysseus, ‘The Scarlet Pimpernel’ (* Anm. d. Red.: deutscher Name der Redaktion unbekannt) und Sherlock Holmes aufgewachsen bin. Aber nein, meine Bücher basieren nicht auf Rollenspielabenteuern, obwohl ein Prototyp Seregils sich damals entwickelt hat. Ich habe für eine Weile auch mal SF-Rollenspiele gemacht (Traveller), und meine Charaktere dort haben sich ähnlich entwickelt. Ich schätze, das ist halt das, was mich interessiert; aber es interessierte mich auch schon, bevor ich angefangen habe zu spielen.
Ich schrecke etwas davor zurück, wenn meine Bücher mit Fantasy-Rollenspielen verglichen werden, weil viele der Bücher, die auf Rollenspiel-Abenteuern basieren, wirklich schlecht sind. "Man hört die Würfel noch rollen", könnte man sagen. Manche sind recht gut, aber hier war der Autor oft Autor, bevor er Spieler geworden ist. Ich habe zu viele junge Autoren gesehen, die keinen Hintergrund über Mythen und Legenden hatten, die nur das gelernt haben, was in den begrenzten Inhalten von Spielbüchern vermittelt wird. Das zeigt sich auch in ihren Arbeiten. Kein Verleger kauft eine Arbeit, die bereits auf der ersten Seite Trolle, Goblins, Drachen und Halblinge präsentiert. Es zeigt von Anfang an, daß der Autor seine Ideen aus einem sehr kleinen Pool bezieht.
Auf der anderen Seite lesen sich Homers "Ilias" oder "Odyssee" und "Beowulf" wie gut gemachte Rollenspiele. Ebenso Tolkiens "Herr der Ringe" oder "Der Mann mit der eisernen Maske". Warum? Weil sie die Quelle für die Rollenspiele sind. Ihre Macher nahmen ihre Ideen aus diesen Legenden, Geschichten, Träumen und Mythen.
Ich schätze, die Faszination von Spielen und Fantasy ist sehr JUNGisch. (* Dies bezieht sich auf den Psychologen G.C. Jung. d.Red.) Das menschliche Wesen trägt gewisse Geschichten in sich, und die Ausprägungen sind sehr vielfältig.

AH: Wie viele Teile wird die "Schattengilde" haben, und wann wird der Zyklus beendet sein?

Lynn: Ich bin mir nicht sicher. Ähnlich wie auch bei Asimovs Roboter-Serie, Moorcocks Elric-Büchern oder Conan Doyles ‘Sherlock Holmes’-Geschichten glaube ich, daß diese Charaktere noch viele Geschichten zu erzählen haben. Wie diese Autoren plane ich, über Seregil und Alec zu schreiben, solange (und wann) mir gute Dinge für sie einfallen. Das könnte noch Jahre dauern. Aber ich schreibe keine Trilogie, keinen Fünfteiler oder etwas ähnliches - nur eine Serie von zusammenhängenden Geschichten, die sich mit den Leben dieser Menschen beschäftigen, die ich mir vorgenommen habe. In der Zwischenzeit gibt es aber auch noch viele andere Geschichten, die ich gerne schreiben würde.

AH: Wann wird der zweite Teil der "Schattengilde" in Deutschland veröffentlicht?

Lynn: Ich bin nicht sicher. Da mein deutscher Verleger beide Bücher recht schnell nacheinander gekauft hat, denke ich, daß der zweite Band - "Stalking Darkness" - im nächsten Jahr erscheinen wird.

AH: Wirst Du auch Promotion in Deutschland / Europa machen?

Lynn: Ich würde sehr gerne, wenn mein Verleger mich nach drüben holen will. Ich war seit 1980 nicht mehr in Europa.

AH: Ist die Welt der "Schattengilde" ganz Deine eigene Kreation oder hast Du Dich auch von anderen Quellen beeinflussen lassen?

Lynn: Die kurze Antwort lautet, daß alles meine eigene Erfindung ist, manchmal aus der bloßen Luft heraus geschaffen und manchmal inspiriert durch ein bißchen Recherche oder Experimentieren, aber dann in etwas ganz Eigenes umgewandelt.

AH: Die meisten Autoren bringen einige biographische Teile oder wenigstens ein wenig von sich in die Geschichte oder in einige Charaktere ein. Wo bzw. wer bist Du in "Das Licht in den Schatten"?

Lynn: Großartige Frage! Ich denke, daß da Teile von mir über das ganze Buch verstreut sind, manchmal absichtlich, manchmal lediglich als unterbewußte Schöpfung während des Schreibprozesses. Andere sind gar nicht von mir, sondern Erfindungen, die bewußt einer Vielzahl von Quellen entnommen sind - jemand, den ich kenne, ein Gesicht, das ich durch ein Schaufenster gesehen habe, ein Gespräch, das ich in der U-Bahn mitbekommen habe. Einen Charakter zu erschaffen, ist so, als würde man in der Haut eines anderen stecken. Während ich sie erschaffe, dringe ich in ihre Köpfe ein. Es ist, als würde man den Traum von jemand anderem träumen.
Ich beanspruche Seregil und Alec als "Alter Egos", als Träger einiger Teile von mir in indirekter Art. Da gibt es keine genaue Übereinstimmung, nur Gedanken. Ich habe gescherzt, daß es Seregil wäre, der ich gerne wäre, doch Alec ist wahrscheinlich näher an der Wirklichkeit dran; und Thero repräsentiert das, was ich am wenigsten an mir mag, nur mit verstärkten Wesenszügen. Mein Mann behauptet, daß Beka Cavish ihn an die Person erinnert, die ich damals auf der High School war. Eine andere gute Freundin glaubt, in mir den Magier Nysander zu sehen, was ich als großes, aber überraschendes Kompliment sehe. Es wäre großartig, wenn ich solche Ausgeglichenheit und Weisheit besäße. Vielleicht kann ich dies eines Tages erreichen.
Andere Charaktere, wie Mardus, kommen aus tieferen Bereichen der Seele. Kriminelle und Psychopathen faszinieren mich. Sie sind wie Außerirdische - ihre Motivation ist unergründlich. Während der Zeit, als man den Serienkiller Jeffery Dahmer faßte und ihm den Prozeß machte, war ich wie besessen. Ich las alles über ihn. Wie kann ein Mensch, der so normal aussieht, dennoch anderen Menschen so greuliche Dinge antun?
Gewöhnlich kreiere ich als Inspirationsquelle für ein Buch den zentralen Bösewicht, hier Lord Mardus. Er ist - wie eben beschrieben - unter bestimmten Gesichtspunkten total verrückt, aber dennoch glaubt er, ein höheres Ziel zu verfolgen. Für ihn sind Alec und Seregil die Bösen bzw. die Ungläubigen.
Mardus ist wie ein Hai. Er tötet ohne bösen Willen und hat sich unter absoluter Kontrolle. Für mich ist so jemand viel schlimmer als ein unkontrollierbares, sabberndes Monster. Sie existieren wirklich und wandeln mitten unter uns. Ich weiß nicht, was das über mich aussagt, aber es macht unglaublich Spaß, Charaktere wie diesen zu erschaffen.

AH: In den letzten Fantasy-Romanen, die gelesen habe, war Magie immer etwas extrem Kompliziertes und Gefährliches (z.B. in Tad Williams Osten Ard-Saga). In Deiner Welt scheint die Magie sehr natürlich zu sein. Absicht oder Zufall?

Lynn: Absicht! Glaube ich. Jeder Autor hat irgendwie seine eigene Ansicht darüber, "was" Magie denn überhaupt ist. Auf Cons gibt es darüber immer endlose Diskussionen. Um für "meine" Magie zu sprechen, sollte beachtet werden, über wen gesprochen wird. Die Magie der Oresker, wie Nysander, benötigt viele Jahre des Trainings. Die Zauberer, die dem Leser begegnen - Nysander, Magyana und sogar Thero - sind geübte Meister. Ganz klar sieht es bei ihnen so einfach und natürlich aus, aber sie haben auch die Begabung dafür, und sie haben es ihr ganzes Leben lang geübt. Doch es ist auch sehr kräfteraubend - sie können nicht einfach einen uralten Spruch wieder und immer wieder ohne Pause verwenden, außerdem können manche bestimmte Arten sogar gar nicht erlernen.
Nimm doch jemanden wie Seregil, jemanden, der keinerlei Begabung hat. Er richtet mit den einfachsten Sprüchen eine Riesenverwüstung an, und so wurde ihm eine Ausbildung verweigert, weil es für "ihn" selbst zu gefährlich wäre. Und die schwarze Magie der Plenimaraner ist etwas ganz anderes - zumindest, soweit wir das bisher wissen - es ist eine völlig andere Wissenschaft, viel gefährlicher und dunkler und viel schmutziger.

AH: Was mir an "Das Licht in den Schatten" besonders gut gefallen hat, war, daß es viele kleine Geschichten zu enthalten schien, die alle zu einem größeren Rahmen gehören. Hattest Du je die Befürchtung, den Kontakt zu diesem Rahmen zu verlieren, oder hattest Du je daran gedacht, nur eins anstatt mehrerer Bücher aus der Geschichte zu machen?

Lynn: Danke! Und Du hast recht! Es gehen dort eine Menge Dinge vor, und keiner der Charaktere ist schon am Ende seiner Möglichkeiten oder Entwicklung angelangt.
Und ja, es war manchmal schwierig, immer im Rahmen zu bleiben, den ich aufgebaut habe. Ich schätze, das ist der Grund, warum ich für meine Bücher immer länger brauche als andere. Aber ich glaube auch, daß dieser komplexe Rahmen nötig ist, um eine logische Story zu entwerfen. Seregil lebt aufgrund seiner Karriere und Lebensinhalte in einer völlig anderen Welt als ein Wirt oder eine behütete Dame. Um diese Menschen herum passieren dieselben Dinge, doch nehmen sie sie ganz anders wahr als Seregil.
Aus der Sicht des Autors erlaubt dieser Aufbau dem Leser, die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven zu erfahren, und so weiß er genauer als die einzelnen Charaktere (vielleicht mit Ausnahme von Nysander), was denn nun passiert. Es gibt ihm eine gewisse Allwissenheit - und gleichzeitig dem Autor die Möglichkeit, eine größere Spannung zu erzeugen. Der Leser sieht, wie Mardus hinter Seregil her ist oder wie Seregil die Leraner ausspioniert, und er weiß mehr über Alecs Natur als dieser selbst. Genau dies repräsentiert für mich das wahre Leben. Keiner von uns hat den totalen Überblick, sondern sieht nur das kleine Stück, das wir gerade erleben.
Weil das erste Buch den größeren Rahmen nicht schließt, bleibt das Gefühl der Unvollständigkeit. Die Fortsetzung "Stalking Darkness" greift die Handlung an diesem Punkt auf (Ursprünglich war in der Tat nur ein Buch geplant, aber es gab da Probleme mit dem Verleger). Das zweite Buch schließt die Handlung ab, läßt aber Platz für weitere Geschichten. Das Dritte, "Traitor’s Moon", ist zur Zeit in Arbeit und setzt dort ein, wo "Stalking Darkness" aufhört, ist aber ein eigenständiger und in sich geschlossener Band und keine Fortsetzung. Die Leben der Charaktere werden weitergehen (einige zumindest), und die früheren Ereignisse sind Teil der Geschichte des Landes; die Handlung wird aber ein sinnvolles Ende haben. Weitere Bände in dieser Serie werden wahrscheinlich auch einbändig werden.

AH: Hast Du schon Pläne für die Zeit nach der "Schattengilde"?

Lynn: Mein nächstes Projekt ist ein düsterer Roman, der zur Zeit den Titel "The Bone Doll’s Twin" trägt. Er wird in derselben Welt spielen, springt aber einige Jahrhunderte zurück und erzählt die Geschichte der skalanischen Königinnen.
So sehr ich Seregil und Alec auch mag, so sehr brauche ich auch mal eine Pause von den beiden, und ich will einmal aus der Perspektive einer Protagonistin heraus erzählen.

Das Interview führte Alexander Haas

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