Thomas Ziegler:

"Eine Kleinigkeit für uns Reinkarnauten"

(Blitz Band 10)
(173 Seiten, Paperback, Blitz Verlag, ISBN 3-932171-10-1, 19+80++)
- erschienen: Mai 1998 -

Zusammen mit der titelgebenden Story präsentiert uns der Blitz Verlag in diesem Paperback noch drei weitere Stories von Thomas Ziegler: "Methusalem", "Tief unten im Tal" und "Marie".
In "Methusalem" wirft Ziegler einen Blick in eine Zukunft, in der Kinder von den älteren Mitbürgern gehaßt, ja gefürchtet werden. Die Überalterung hat hier zu einer Polarisierung geführt, die nur noch in der Gewalt enden kann.
In "Tief unten im Tal" zerteilt er die Bevölkerung in "arm" und "reich". Während die Reichen oben hinter ihren befestigten Mauern leben, findet man die Armen auf der Müllkippe im Tal wieder.
"Marie" versetzt einen Astronauten in eine Station auf einem Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Er wartet darauf, daß er endlich abgelöst wird; seine Freundin leistet ihm "Gesellschaft".
"Eine Kleinigkeit für uns Reinkarnauten": Die Wiedergeburt ist bewiesen. Nun gibt es Reinkarnauten, die die Sterbenden - natürlich gegen die Zahlung einer entsprechenden Summe - in einen Mutterschoß ihrer Wahl geleiten, wo sie dann wiedergeboren werden. Doch die Deutschen kommen in ihrem Trauma auf die Idee, daß man sich im Schoß von Hitlers Mutter einnisten und so den Holocaust verhindern könnte. Eine Kleinigkeit für Mr. Valentin...

Die titelgebende Story "Eine Kleinigkeit für uns Reinkarnauten" nimmt auch gleichzeitig den Hauptteil des Paperbacks (fast 100 Seiten) ein, während die anderen drei Stories sich zusammen mit gerade mal 80 Seiten begnügen müssen. Hier zeigt sich dann auch deutlich, daß Ziegler mit längeren Werken besser zurechtkommt.
Während die ersten drei Stories durch die Bank eine apokalyptische Momentaufnahme der Zieglerschen Zukunft bieten, setzt "Eine Kleinigkeit für uns Reinkarnauten" dort an, wo die Stärken des bereits in dieser Reihe veröffentlichten Romans "Alles ist gut" (Rezension in Flash Nr. 32) liegen: Die apokalyptische Zukunftsvision wird durch die tiefschwarze Brille des Sarkasmus gesehen und mit einem kräftigen Schuß Ironie und Satire gewürzt dem Leser serviert. Zu Recht erhielt Thomas Ziegler für diese Novelle auch schon den Kurd-Laßwitz-Preis.
Die ersten drei Stories plätschern dagegen mehr oder weniger vor sich hin; der zündende Funke fehlt ihnen dann doch, obwohl sie hervorragend geschrieben und gut lesbar sind. Doch Zieglers tiefschwarzer, bissiger Humor kommt bei ihnen einfach nicht zum Zuge, obwohl auch diese drei Geschichten durchaus ihre Reize haben. So zum Beispiel Zieglers Talent der Charakterisierung von Personen oder auch der genauen, wirklichkeitsnahen Beschreibung von Begebenheiten. Trotz allem können diese Stories nicht ganz überzeugen.

Fazit:
"Eine Kleinigkeit für uns Reinkarnauten" ist sicherlich empfehlenswert, jedoch hauptsächlich wegen der titelgebenden Novelle. Die drei weiteren Stories kann man jedoch getrost als kleine Beigabe genießen, als Vorbereitung auf den Höhepunkt des Paperbacks.

Winfried Brand

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