Vonda N. McIntyre:

"Superluminal"

OT: Superluminal
Ü: Ingrid Herrmann
USA 1983
(398 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/5995, ISBN 3-453-13983-6, DM 14,90)
- erschienen: Februar 1999 -

Zum Inhalt:
Für Laenea Trevelyan ist der sehnlichste Wunsch in Erfüllung gegangen: Sie ist in die Reihe der Piloten aufgenommen worden. Die Piloten sind als einzige in der Lage, den Transit im Zwischenraum bei vollem Bewußtsein zu erleben. Die Crewmitglieder und die Passagiere müssen in Tiefschlaf versetzt werden, damit sie den Transit gesund überstehen können. Doch die Piloten müssen für die Fähigkeit, den Hyperraum bewußt zu erleben, einen Preis bezahlen: Ihr Herz wird durch einen Apparat ersetzt, der die Alterungserscheinungen unterbindet. Kurz nach der Operation flieht Laenea aus dem Krankenhaus. Doch bei ihren ehemaligen Kollegen von der Crew wird sie nur widerwillig empfangen, erst die Piloten scheinen ihr freundlicher gesonnen zu sein. Normale Menschen stehen Piloten immer ein wenig skeptisch gegenüber, da diese als eine Art Überwesen betrachtet werden. Immer wieder werden sie nach ihren Eindrücken während des Transits gefragt, doch sie weigern sich, hierüber Auskunft zu geben. Dann aber trifft Laenea auf Radu, ein Crewmitglied, das gerade seine erste Reise hinter sich hat, und verliebt sich in ihn. Es scheint allerdings so, als ob die Operation auch einen körperlichen Riegel zwischen Piloten und normale Menschen schieben würde, denn beide erleiden mit der Zeit immer stärkere Schmerzen, wenn sie dem anderen körperlich nahe sind. Doch auch Radu scheint kein normaler Mensch mehr zu sein. Als sein Heimatplanet von einer Seuche heimgesucht wurde, war Laenea eines der Crewmitglieder, die Hilfe gegen die Krankheit gebracht haben, woraufhin er sich schon damals in sie verliebte. Radu ist jedoch der einzige auf dem Planeten, der zwar an der Seuche erkrankte, die Krankheit jedoch auch überwunden hat. Alle anderen, die davon befallen wurde, mußten sterben. Dabei scheint etwas in seinem Organismus verändert worden zu sein, denn als er mitten im Transit plötzlich erwacht, stellt sich heraus, daß er nicht nur gegen die üblichen Schlafdrogen an Bord immun zu sein scheint, sondern auch den Transit ohne Schäden zu überstehen imstande ist. An dieser Fähigkeit haben naturgemäß nicht nur die Piloten Interesse, die ihre Felle davonschwimmen sehen, sondern auch die Behörden, die sie untersuchen wollen. Radu versucht, sich dem Zugriff beider Gruppen zu entziehen, doch als er hört, daß Laenea während eines Übungsflugs als verschollen gemeldet wird, fühlt er sich in der Lage, sie wiederzufinden, da die beiden eine Verbindung zueinander haben. Solche Rettungsmissionen wurden allerdings schon zu Anfang der überlichtschnellen Raumfahrt aufgegeben, da sie kein Ergebnis zeitigten. Radu versucht, die Piloten davon zu überzeugen, daß er eine reelle Chance hat, die Verschollenen zu finden. Und so bricht schließlich ein Schiff mit Radu an Bord auf, um die bisher unglaublichste Reise der Menschheit durchzuführen und zu Erkenntnissen zu gelangen, nach denen jeder Pilot schon lange sucht...

Ups, da ist der Inhaltsanriß zu diesem Roman doch weitaus umfang- und vor allem weitreichender ausgefallen, als er eigentlich geplant war. Daß er dabei dem Buch nicht einmal ansatzweise gerecht wird, mag vielleicht erstaunen, ist spätestens nach der Lektüre des Romans jedoch verständlich. Zwar verliert sich Vonda N. McIntyre bei diesem Roman, der im Original nun doch schon einige Jährchen auf dem Buckel hat, nicht gerade in undurchschaubaren Tiefen, doch haftet der Geschichte ein ganz eigener Reiz an, der schwer weiterzuvermitteln ist.
Schon auf den ersten Seiten vermag die Autorin den Leser regelrecht gefangenzunehmen, ihn in die Story einzubinden und an die Geschehnisse zu fesseln, die in relativ gemächlichem Tempo ihren Lauf nehmen. Dabei legt sie wesentlich mehr Wert auf die Entwicklung der Charaktere als auf ein Voranpeitschen der Geschehnisse, was der Atmosphäre des Romans eindeutig zugute kommt.
Und der Roman lebt dann auch hauptsächlich von seiner Atmosphäre. Dies geht sogar soweit, daß die bahnbrechende Entdeckung Laeneas gegen Ende des Romans fast schon zur Nebensächlichkeit verkommt. Die Autorin bleibt hier jedoch ihrem bisherigen Konzept treu, die Charaktere in den Vordergrund zu stellen, und so bleiben die Auswirkungen der Entdeckung für den Leser erst einmal im Dunkeln. Viel wichtiger ist für die Autorin, ihre Protagonisten glaubhaft zum Ende des Romans zu führen, was der Leser ihr gerne zu danken bereit ist.
Insgesamt präsentiert sich "Superluminal" als ein Roman, der eher leise daherkommt, dem Leser jedoch aufgrund der Qualität der Handlungsschilderung kaum Möglichkeiten läßt, geeignete Stellen zu finden, um die Lektüre einmal zu unterbrechen. Hier liegt ein Roman vor, der das phantastische Element der Erzählung nahtlos mit der menschlichen Komponente verbindet, so daß beide eine faszinierende Einheit eingehen, wobei der menschliche Teil insgesamt überwiegt, was jedoch nur Space Opera-Puristen wirklich stören dürfte. Denn Action ist in diesem Roman nun wirklich nicht angesagt. Stattdessen präsentiert uns die Autorin einen Roman um eine großartige Entdeckung der Menschheit, bei der die Sicht der Protagonisten die Hauptrolle spielt. Der Roman ist dabei angenehm, flüssig und vor allem auch äußerst interessant geschildert und auch zu lesen.

Fazit:
Vielleicht nicht unbedingt ein ultimativer Klassiker, stellt "Superluminal" jedoch sicherlich einen sehr sympathischen und angenehmen Roman dar, der das Interesse des Lesers zu keiner Zeit erlahmen läßt. Eine Empfehlung für jeden, der gerne auch einmal leisere Romane des Genres liest, kann fast uneingeschränkt ausgesprochen werden.
13 Punkte

Winfried Brand


Interesse? Hier kannst Du dieses Buch direkt bei amazon.de bestellen.


home...