Zum
Inhalt:
Für Laenea Trevelyan ist der sehnlichste Wunsch in
Erfüllung gegangen: Sie ist in die Reihe der Piloten aufgenommen
worden. Die Piloten sind als einzige in der Lage, den Transit im
Zwischenraum bei vollem Bewußtsein zu erleben. Die
Crewmitglieder und die Passagiere müssen in Tiefschlaf versetzt
werden, damit sie den Transit gesund überstehen können.
Doch die Piloten müssen für die Fähigkeit, den
Hyperraum bewußt zu erleben, einen Preis bezahlen: Ihr Herz
wird durch einen Apparat ersetzt, der die Alterungserscheinungen
unterbindet. Kurz nach der Operation flieht Laenea aus dem
Krankenhaus. Doch bei ihren ehemaligen Kollegen von der Crew wird sie
nur widerwillig empfangen, erst die Piloten scheinen ihr freundlicher
gesonnen zu sein. Normale Menschen stehen Piloten immer ein wenig
skeptisch gegenüber, da diese als eine Art Überwesen
betrachtet werden. Immer wieder werden sie nach ihren Eindrücken
während des Transits gefragt, doch sie weigern sich,
hierüber Auskunft zu geben. Dann aber trifft Laenea auf Radu,
ein Crewmitglied, das gerade seine erste Reise hinter sich hat, und
verliebt sich in ihn. Es scheint allerdings so, als ob die Operation
auch einen körperlichen Riegel zwischen Piloten und normale
Menschen schieben würde, denn beide erleiden mit der Zeit immer
stärkere Schmerzen, wenn sie dem anderen körperlich nahe
sind. Doch auch Radu scheint kein normaler Mensch mehr zu sein. Als
sein Heimatplanet von einer Seuche heimgesucht wurde, war Laenea
eines der Crewmitglieder, die Hilfe gegen die Krankheit gebracht
haben, woraufhin er sich schon damals in sie verliebte. Radu ist
jedoch der einzige auf dem Planeten, der zwar an der Seuche
erkrankte, die Krankheit jedoch auch überwunden hat. Alle
anderen, die davon befallen wurde, mußten sterben. Dabei
scheint etwas in seinem Organismus verändert worden zu sein,
denn als er mitten im Transit plötzlich erwacht, stellt sich
heraus, daß er nicht nur gegen die üblichen Schlafdrogen
an Bord immun zu sein scheint, sondern auch den Transit ohne
Schäden zu überstehen imstande ist. An dieser
Fähigkeit haben naturgemäß nicht nur die Piloten
Interesse, die ihre Felle davonschwimmen sehen, sondern auch die
Behörden, die sie untersuchen wollen. Radu versucht, sich dem
Zugriff beider Gruppen zu entziehen, doch als er hört, daß
Laenea während eines Übungsflugs als verschollen gemeldet
wird, fühlt er sich in der Lage, sie wiederzufinden, da die
beiden eine Verbindung zueinander haben. Solche Rettungsmissionen
wurden allerdings schon zu Anfang der überlichtschnellen
Raumfahrt aufgegeben, da sie kein Ergebnis zeitigten. Radu versucht,
die Piloten davon zu überzeugen, daß er eine reelle Chance
hat, die Verschollenen zu finden. Und so bricht schließlich ein
Schiff mit Radu an Bord auf, um die bisher unglaublichste Reise der
Menschheit durchzuführen und zu Erkenntnissen zu gelangen, nach
denen jeder Pilot schon lange sucht...
Ups, da ist der Inhaltsanriß zu diesem Roman doch weitaus
umfang- und vor allem weitreichender ausgefallen, als er eigentlich
geplant war. Daß er dabei dem Buch nicht einmal ansatzweise
gerecht wird, mag vielleicht erstaunen, ist spätestens nach der
Lektüre des Romans jedoch verständlich. Zwar verliert sich
Vonda N. McIntyre bei diesem Roman, der im Original nun doch schon
einige Jährchen auf dem Buckel hat, nicht gerade in
undurchschaubaren Tiefen, doch haftet der Geschichte ein ganz eigener
Reiz an, der schwer weiterzuvermitteln ist.
Schon auf den ersten Seiten vermag die Autorin den Leser regelrecht
gefangenzunehmen, ihn in die Story einzubinden und an die
Geschehnisse zu fesseln, die in relativ gemächlichem Tempo ihren
Lauf nehmen. Dabei legt sie wesentlich mehr Wert auf die Entwicklung
der Charaktere als auf ein Voranpeitschen der Geschehnisse, was der
Atmosphäre des Romans eindeutig zugute kommt.
Und der Roman lebt dann auch hauptsächlich von seiner
Atmosphäre. Dies geht sogar soweit, daß die bahnbrechende
Entdeckung Laeneas gegen Ende des Romans fast schon zur
Nebensächlichkeit verkommt. Die Autorin bleibt hier jedoch ihrem
bisherigen Konzept treu, die Charaktere in den Vordergrund zu
stellen, und so bleiben die Auswirkungen der Entdeckung für den
Leser erst einmal im Dunkeln. Viel wichtiger ist für die
Autorin, ihre Protagonisten glaubhaft zum Ende des Romans zu
führen, was der Leser ihr gerne zu danken bereit ist.
Insgesamt präsentiert sich "Superluminal" als ein Roman, der
eher leise daherkommt, dem Leser jedoch aufgrund der Qualität
der Handlungsschilderung kaum Möglichkeiten läßt,
geeignete Stellen zu finden, um die Lektüre einmal zu
unterbrechen. Hier liegt ein Roman vor, der das phantastische Element
der Erzählung nahtlos mit der menschlichen Komponente verbindet,
so daß beide eine faszinierende Einheit eingehen, wobei der
menschliche Teil insgesamt überwiegt, was jedoch nur Space
Opera-Puristen wirklich stören dürfte. Denn Action ist in
diesem Roman nun wirklich nicht angesagt. Stattdessen
präsentiert uns die Autorin einen Roman um eine großartige
Entdeckung der Menschheit, bei der die Sicht der Protagonisten die
Hauptrolle spielt. Der Roman ist dabei angenehm, flüssig und vor
allem auch äußerst interessant geschildert und auch zu
lesen.
Fazit:
Vielleicht nicht unbedingt ein ultimativer Klassiker, stellt
"Superluminal" jedoch sicherlich einen sehr sympathischen und
angenehmen Roman dar, der das Interesse des Lesers zu keiner Zeit
erlahmen läßt. Eine Empfehlung für jeden, der gerne
auch einmal leisere Romane des Genres liest, kann fast
uneingeschränkt ausgesprochen werden.
13 Punkte