1.
Schmetterlinge - von Richard Paul Russo
Mason findet sich ohne Erinnerung im Urwald wieder. Er entdeckt eine
Hütte, aber nichts ist so, wie es scheint. Zudem wird Mason noch
verfolgt, und die Jäger kommen unaufhaltsam immer
näher.
Interessant geschriebene Geschichte mit einer guten Auflösung
oder etwas in der Art halt - man muß ja nicht alles
verstehen.
13 Punkte
2. Pilgrim 7 - von Stephen Baxter
Der Flug des Astronauten Wally Schirra mit der Sigma 7 aus dem
Mercury-Programm (1962) verläuft etwas anders als in unserer
Realität.
Gab es in dieser Zeit, eben 1962, nicht so eine kleine Krise, die
leicht hätte anders ausgehen können?!
12 Punkte
3. Der Fahrradmechaniker - von Bruce Sterling
Amerika nach dem Zusammenbruch - oder auch nur etwas später als
heute. Jedenfalls gibt es die Vereinigten Staaten nicht mehr. Sie
sind von einer Art Nachfolgeorganisation, der NAFTA, abgelöst
worden. In dieser Situation lebt der Fahrradmechaniker Lyle in seinem
Wohnmobil einige Stockwerke über dem Erdboden, denn das Mobil
ist an Ketten und Flaschenzügen aufgehängt. Die Gegend ist
eine Art freie Zone. Vielleicht könnte man auch Slumgebiet dazu
sagen; jedenfalls trauen sich die Behörden nicht unbedingt
hierher.
Lyle erhält immer noch die Post eines ehemaligen Mitbewohners
zur Aufbewahrung, und eines Tages trifft ein neues Päckchen
ein.
Gute Story, könnte auch gut zu einem Roman ausgearbeitet
werden.
14 Punkte
4. Kathedrale Nr. 3 - von Ben Jeapes
Die Kathedrale von Coventry ist zum zweiten Mal zerstört worden.
Nach den Bombenangriffen der Deutschen im Zweiten Weltkrieg ist sie
jetzt mit ganz Coventry durch eine Atombombe dem Boden gleichgemacht
worden. In den verstrahlten Ruinen hofft der überlebende Dechant
auf einen dritten Neuaufbau und zeichnet seine Wunschvorstellungen in
den Staub.
Nachdenkliche Geschichte, auch über die Religion.
12 Punkte
5. "Ausgeflippt" oder die Zeugung des Heiligen Joshua von Missouri
- von Rainer Erler
Ein altes Tagebuch berichtet von einer ungewollten Zeitreise, die
aber doch einem höheren Zweck diente und unsere Welt (oder
besser eine Parallelwelt) bis in die Gegenwart beeinflußte.
Nicht schlecht, die Idee hat mir gut gefallen.
12 Punkte
6. Nekropolis - von Maureen F. McHugh
Diyet ist in der Nekropolis, der Totenstadt, aufgewachsen, die zu
einer Stadt der Lebenden, der Armen wurde. Die Story beschreibt eine
islamische Welt, in der die junge Diyet schließlich verkauft
wird, um im Haushalt ihres Besitzers zu arbeiten. Dort lernt sie
einen Harni, ein biologisches Konstrukt, in der Gestalt eines
attraktiven Mannes kennen.
Gefällt mir gut, die Autorin zeigt einige Einblicke in die
islamische Gesellschaft auf.
13 Punkte
7. Die Haraschta - von Usch Kiausch
Eine Geschichte über das Bewußtwerden des Widerstandes des
Einzelnen gegen den diktatorischen Staat. Man kann viel in diese
Story interpretieren, so wie ich es im ersten Satz mache. Eine sich
wohl ewig wiederholende Geschichte.
12 Punkte
8. Lizas Lieder - von Andy Duncan
Amerika in den 30er Jahren. Der Musikagent und Vertreter für ein
"Universaltherapeutikum" Alvin Pleasants lernt die Sängerin Liza
kennen. Sie hat eine faszinierende Stimme, nur mit den
Plattenaufnahmen will etwas nicht funktionieren.
Eine schöne, menschliche Geschichte, nicht unbedingt SF, nur
eine bißchen Fantasy, aber unbedingt lesenswert.
13 Punkte
9. Der Test - von Achim Stößer
Benedikt Wyssbrod findet sich in einer unwirklichen Umgebung wieder.
Wie schon der Titel sagt, wird er von etwas oder von jemandem zu
einem bestimmten Zweck getestet.
12 Punkte
10. Die wilde Jagd - von Zbynìk Rill
Der alte Wotan ist die Wurzel allen Übels. Und er versucht, den
armen, vom Leben geschlagenen Bauern Gottfried Sudelfeld in seinen
Bann zu ziehen.
Eher eine Fantasygeschichte oder ein Märchen, paßt nicht
so ganz zu den bisherigen Storys und ist auch nicht unbedingt in
einem für mich lesenswerten Schreibstil geschrieben.
8 Punkte
11. Totenwache - von M. Shayne Bell
Vielleicht könnte man die Geschichte auch den letzten Kampf
nennen, nichts wirklich Besonderes, auch nichts Überraschendes.
Mehr lohnt sich nicht zu schreiben.
7 Punkte
12. Feldforschung - von Frank Borsch
Die reale Welt, ohne Computer und Internet, ist zum Ghetto geworden,
in dem nur die Ausgestoßenen und Heruntergekommenen, leben. Nur
wenige Online-Bürger und Touristen trauen sich hierher.
10 Punkte
13. Nahrung - von Jacques Mondoloni
In einer heruntergekommenen Gegend an der französischen
Ostküste, irgendwann in der ersten Hälfte des
einundzwanzigsten Jahrhunderts, begegnet der Erzähler Manille,
einem Krüppel und ehemaligen Raumfahrer, der eine seltsame Reise
erlebt hat.
Teilweise nicht schlecht geschrieben; ob alles so unbedingt
wissenschaftlich okay ist, bin ich mir nicht so sicher - aber
dafür ist es ja SF. Und irgendwas hat die Story.
12 Punkte
14. Der Biomantics letzter Gemahl - von Ray Aldrigde
Bis auf die komische Satzstellung des Titels wirklich eine sehr gute
Story. (* Die Satzstellung ist vollkommen richtig, wenn auch
vielleicht heutzutage nicht mehr unbedingt gebräuchlich. Aber
mir will scheinen, daß der Titel ein 's' zuviel enthält...
Wurde wahrscheinlich aus dem Originaltitel übernommen, ohne
daß sich jemand besondere Gedanken dazu gemacht hat.
Heike)
Eine riesiges, gentechnisch gezeugtes Wesen versorgte und
schützte einst die Menschen vor der heimischen Natur auf dem
Planeten Selevand. Nun ist es das letzte seiner Art, und der
Nachfolger seines gestorbenen Gemahls oder Besitzers ist auf dem Weg
hierher. Und die Biomantic weiß, daß der neue Gemahl sie
töten soll.
Dieses monströse Wesen erzeugt Geschöpfe aus tierischer
DNA, die sehr an die Wesen aus "Die Insel des Dr. Moreau" erinnern,
aber so ganz ist die Biomantic nicht mehr damit zufrieden.
Eine phantastische Geschichte, von der man gerne mehr gelesen
hätte.
15 Punkte
15. Marie in grün und rosa - von Michael Windgassen
Von der UFO-Entführung zur Reinkarnation - eine
überfrachtete Story, die nicht so recht weiß, was sie
will. Schnell abhaken.
5 Punkte
16. Winterfliegen - von Fritz Leiber
Hat sich einer von Euch schon mal einen Phantasiefreund geschaffen?
Hier scheint es etwas mehr als nur Phantasie zu sein - ein
lesenswerter, phantastischer Leiber - eben Leiber.
15 Punkte
17. Genesis - von Francis Carsac
Was wir schon immer über die Entstehung des Lebens auf diesem
Planeten vermutet haben. Nicht gerade originell.
6 Punkte
18. Eine Attacke auf die Sinne - von Jan Polacek
Seltsame (?) Entwicklungen bei der menschlichen Sexualität - aus
der Idee hätte man vielleicht mehr machen können oder
müssen. So ist nicht viel dabei rumgekommen.
7 Punkte
19. Der mechanische Junge - von Thomas F. Monteleone
Der kleine Billy hält sich nicht für ein lebendes Wesen,
und irgendetwas scheint mit ihm (sonst hätte die Story ja keinen
Sinn) tatsächlich nicht zu stimmen.
Wie schon öfter geschrieben, ganz nett.
10 Punkte
20. Selbstopferung - von Francis Amery (Pseudonym von Brian
Stableford)
Ein Wissenschaftler begeht den Jahrestag des Todes seiner Tochter und
gleichzeitig ihren Geburtstag auf seine eigene Art.
Eine düstere Geschichte, deren Endaussage nicht gerade neu, aber
nichtsdestotrotz interessant geschrieben ist.
13 Punkte
Gesamtresümee:
Eine gelungene Kurzgeschichtensammlung mit wenigen Ausrutschern -
insgesamt wirklich lesenswert. Wer eine Gesamtnote möchte, kann
sie ja anhand der einzelnen Bewertungen ausrechnen.