Teresa Edgerton:

„Unter dem Trollmond“

OT: Goblin Moon
Ü: Alfons Winkelmann
USA 1991
(477 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9020, ISBN 3-453-14928-9, DM 14,90)
- erschienen: März 1999 -

Zum Inhalt:
Caleb Braun ist Treibgutsammler in der Stadt Thornburg - ein nicht gerade angesehener Beruf. Zusammen mit seinem Neffen Jedidiah fischt er jedoch eines nachts einen Sarg aus dem Fluß, der eine seltsame Leiche enthält, die fast noch lebendig wirkt. Da in dem Sarg auch noch eine Menge Bücher liegen, beschließt er, diesen zu seinem Bekannten Gottfried Jenk zu bringen. Kurz darauf gibt Caleb das Treibgusammeln auf und beginnt in der Buchhandlung Jenks zu arbeiten. Jedidiah hingegen bekommt eine Stelle bei einem Glasmacher, was seinem Onkel gar nicht gefällt, da diese in dem Ruf stehen, einen magischen Geheimbund zu bilden.
Währenddessen bangt Miß Seramarias Vorder um die Gesundheit ihrer Cousine, die - schon seit Jahren kränkelnd - von ihrer Mutter von einem Modearzt zum nächsten weitergereicht wird, diese ihr jedoch nicht helfen können. Doch als Jarl Skogsgra in ihr Leben tritt, scheint Elsie Vorder endlich auf den Weg der Besserung zu kommen. Sera hingegen mißtraut dem Jarl...

„Unter dem Trollmond“ bietet dem Leser eher ungewöhnliche Fantasy-Kost, da Teresa Edgerton einen recht altertümlich wirkenden Stil anwendet. So schafft sie jedoch auch eine Atmosphäre, die an die Anfänge des 18. Jahrhunderts erinnert. Die Feudalherrschaft wirkt vor, die Reichen und Adligen geben sich ihren seltsamen Spielchen hin, wirken Ränke und Intrigen - und sind vor allem sehr Ich-bezogen.
Theresa Edgerton erfindet für ihre Geschichte dann auch keine eigene Welt, sondern verfremdet die unsere nur leicht. So existieren zwar Zwerge und Elfen, die mit den Menschen friedlich nebeneinander in Thornburg leben, doch erkennt der Leser Städte- und Ländernamen meistens recht problemlos wieder.
Unter diesen Voraussetzungen entwickelt sich eine recht leise Geschichte, die mehr von ihrer sprachlichen und atmosphärischen Seite her wirkt, als daß sie wirklich Spannung beim Leser erzeugen könnte. Stattdessen ist sie einfach nur schön zu lesen, vesetzt den Leser in eine altmodische Stimmung und läßt ihn eine Zeitlang darin verweilen, bis er das Buch wieder aus der Hand legt.
Bereits die Kapitelüberschriften sind geeignet, einen ersten Einblick in die herrschende Stimmung zu erteilen. So existieren hier Überschriften wie „3. Kapitel - In welchem es um die morbiden Vergnügen der Reichen geht. Miß Seramarias Vorder wird dem Leser vorgestellt“, „4. Kapitel - In welchem Jedidiah in ehrbare Gesellschaft gerät“ oder „38. Kapiel - Welches der Leser als Ruhe vor dem Sturm erachten mag“.
Insgesamt hat der Roman jedoch darunter zu leiden, daß die Handlung nur langsam in Schwung kommt. Wirkliche Spannung wird dabei zugunsten der atmosphärischen Wirkung zurückgestellt, und auch der Sinn der ganzen Handlung wird dem Leser nicht so ganz klar. Daß er dann am Ende darauf kommt, daß er offensichtlich den ersten Band eines Zyklus gelesen hat, drückt dann auch die Stimmung wieder ein wenig. Die Anzeichen, daß die Handlung sich weiter entwickeln wird und noch das eine oder andere Buch folgt, sind unübersehbar, auch wenn Heyne leider darauf verzichtet hat, auf so eine Kleinigkeit hinzuweisen.

Fazit:
„Unter dem Trollmond“ bietet leise, atmosphärische Fantasy, die sich stilistisch am frühen 18. Jahrhundert orientiert. Ein schön zu lesender Roman - jedoch auch nicht mehr.
8 Punkte.

Winfried Brand


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