Zum
Inhalt:
Caleb Braun ist Treibgutsammler in der Stadt Thornburg - ein nicht
gerade angesehener Beruf. Zusammen mit seinem Neffen Jedidiah fischt
er jedoch eines nachts einen Sarg aus dem Fluß, der eine
seltsame Leiche enthält, die fast noch lebendig wirkt. Da in dem
Sarg auch noch eine Menge Bücher liegen, beschließt er,
diesen zu seinem Bekannten Gottfried Jenk zu bringen. Kurz darauf
gibt Caleb das Treibgusammeln auf und beginnt in der Buchhandlung
Jenks zu arbeiten. Jedidiah hingegen bekommt eine Stelle bei einem
Glasmacher, was seinem Onkel gar nicht gefällt, da diese in dem
Ruf stehen, einen magischen Geheimbund zu bilden.
Währenddessen bangt Miß Seramarias Vorder um die
Gesundheit ihrer Cousine, die - schon seit Jahren kränkelnd -
von ihrer Mutter von einem Modearzt zum nächsten weitergereicht
wird, diese ihr jedoch nicht helfen können. Doch als Jarl
Skogsgra in ihr Leben tritt, scheint Elsie Vorder endlich auf den Weg
der Besserung zu kommen. Sera hingegen mißtraut dem Jarl...
Unter dem Trollmond bietet dem Leser eher
ungewöhnliche Fantasy-Kost, da Teresa Edgerton einen recht
altertümlich wirkenden Stil anwendet. So schafft sie jedoch auch
eine Atmosphäre, die an die Anfänge des 18. Jahrhunderts
erinnert. Die Feudalherrschaft wirkt vor, die Reichen und Adligen
geben sich ihren seltsamen Spielchen hin, wirken Ränke und
Intrigen - und sind vor allem sehr Ich-bezogen.
Theresa Edgerton erfindet für ihre Geschichte dann auch keine
eigene Welt, sondern verfremdet die unsere nur leicht. So existieren
zwar Zwerge und Elfen, die mit den Menschen friedlich nebeneinander
in Thornburg leben, doch erkennt der Leser Städte- und
Ländernamen meistens recht problemlos wieder.
Unter diesen Voraussetzungen entwickelt sich eine recht leise
Geschichte, die mehr von ihrer sprachlichen und atmosphärischen
Seite her wirkt, als daß sie wirklich Spannung beim Leser
erzeugen könnte. Stattdessen ist sie einfach nur schön zu
lesen, vesetzt den Leser in eine altmodische Stimmung und
läßt ihn eine Zeitlang darin verweilen, bis er das Buch
wieder aus der Hand legt.
Bereits die Kapitelüberschriften sind geeignet, einen ersten
Einblick in die herrschende Stimmung zu erteilen. So existieren hier
Überschriften wie 3. Kapitel - In welchem es um die
morbiden Vergnügen der Reichen geht. Miß Seramarias Vorder
wird dem Leser vorgestellt, 4. Kapitel - In welchem
Jedidiah in ehrbare Gesellschaft gerät oder 38.
Kapiel - Welches der Leser als Ruhe vor dem Sturm erachten
mag.
Insgesamt hat der Roman jedoch darunter zu leiden, daß die
Handlung nur langsam in Schwung kommt. Wirkliche Spannung wird dabei
zugunsten der atmosphärischen Wirkung zurückgestellt, und
auch der Sinn der ganzen Handlung wird dem Leser nicht so ganz klar.
Daß er dann am Ende darauf kommt, daß er offensichtlich
den ersten Band eines Zyklus gelesen hat, drückt dann auch die
Stimmung wieder ein wenig. Die Anzeichen, daß die Handlung sich
weiter entwickeln wird und noch das eine oder andere Buch folgt, sind
unübersehbar, auch wenn Heyne leider darauf verzichtet hat, auf
so eine Kleinigkeit hinzuweisen.
Fazit:
Unter dem Trollmond bietet leise, atmosphärische
Fantasy, die sich stilistisch am frühen 18. Jahrhundert
orientiert. Ein schön zu lesender Roman - jedoch auch nicht
mehr.
8 Punkte.