Pinky und Brain #1

(44 Seiten, Comic, Dino-Verlag, DM 4,90)

Und wieder startet eine neue Comic-Serie auf dem bereits reichlich überfüllten deutschen Comic-Markt. Diesmal bezieht man sich auf die TV-Zeichentrickserie „Pinky und der Brain“, die hierzulande am Sonntagvormittag auf Pro7 zu sehen ist.
Pinky und Brain sind zwei Labormäuse, die die Weltherrschaft an sich zu reißen versuchen - naja, zumindest Brain hat sich dies zum Ziel gesetzt, und er wird dabei von seinem trotteligen Freund Pinky unterstützt.
Die Frage, die sich angesichts der Umsetzung einer Trickserie (die nebenbei gesagt m.E. zu einem der Highlights des Pro7-Programms gehört) ins Comicheft stellt, ist natürlich, ob diese in dem anderen Format überhaupt funktionieren kann. Und Skepsis ist hierbei sicherlich angebracht, auch wenn zum Beispiel die Simpsons durchaus eine recht respektable Adaption ins Heftformat geschafft haben.
In der ersten der Geschichten will Brain die Weltherrschaft an sich reißen, indem er 1.050.572 Amerikaner dazu bringt, gleichzeitig die Toilettenspülung zu betätigen, um so eine ungeheure Sogwirkung zu entfachen, die jeden, der sich in 30m Umkreis von einer Toilette aufhält, an der Schüssel festsaugt. Um dieses Ziel zu erreichen, plant Brain, daß er und Pinky zu Comic-Superhelden werden, die die edelsten Eigenschaften der anderen Comic-Superhelden in sich vereinen, um so die Comic-Fans dahingehend zu beeinflussen, daß sie auf sein Kommando die Spülung ziehen...
Ganz klar ist natürlich, daß es durch Pinkys Schuld mal wieder ganz anders kommt, als es eigentlich geplant war. Es entwickelt sich im Lauf der Geschichte eine Satire auf die Comic-Welt, die durchaus ihren Charme hat und zu überzeugen vermag.
Im zweiten Teil des Heftes verfällt Brain auf den Plan, sich mittels eines verkleinerten U-Boots in das Gehirn des Präsidenten der Vereinigten Staaten zu schießen, um dort eine Mini-Fernsteuerung zu installieren, mit deren Hilfe er die Handlungen des Präsidenten beeinflussen kann...
Hier nehmen die Autoren natürlich die „Reise ins Ich“ (oder auch den 80er Jahre-Nachfolger „Die Phantastische Reise“) aufs Korn und karikieren sie aufs kräftigste. Daß dabei der Plan, die Weltherrschaft an sich zu reißen, natürlich scheitern muß, ist einmal mehr selbstverständlich.
Beiden Geschichten bleibt gemein, daß die Umsetzung der stark satirischen TV-Serie ins Comic-Heft nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluß war. Herausgekommen sind zwei passable Stories, die jedoch nicht den (im TV durchaus vorhandenen) Tiefgang der Satire aufweisen, den man von der Serie gewohnt ist. Natürlich liegt dies mit daran, daß man pro Story weniger als 20 Seiten zur Verfügung hat, was Entwicklungen recht unmöglich macht; vor allem, da man teils mit recht großformatigen Zeichnungen arbeitet.
Nichtsdestotrotz bleibt insgesamt jedoch ein recht vergnügliches Comic-Heft übrig, das zwar imstande ist, die Wartezeit auf die nächste TV-Folge zu verkürzen - ein vollwertiger Ersatz hierfür ist jedoch nicht gegeben.

Fazit:
Die Umsetzung ins Heftformat beschert dem Leser mit an sich guten Pinky und dem Brain-Stories eine durchaus vergnügliche Alternative zur TV-Serie, die jedoch aufgrund der Kürze und den damit einhergehenden Kompromissen an die Geschichte nicht an das Original heranreicht. Das ist dann „befriedigend“ - aber leider auch nicht mehr...
8 Punkte.

Winfried Brand

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