Und
wieder startet eine neue Comic-Serie auf dem bereits reichlich
überfüllten deutschen Comic-Markt. Diesmal bezieht man sich
auf die TV-Zeichentrickserie Pinky und der Brain, die
hierzulande am Sonntagvormittag auf Pro7 zu sehen ist.
Pinky und Brain sind zwei Labormäuse, die die Weltherrschaft an
sich zu reißen versuchen - naja, zumindest Brain hat sich dies
zum Ziel gesetzt, und er wird dabei von seinem trotteligen Freund
Pinky unterstützt.
Die Frage, die sich angesichts der Umsetzung einer Trickserie (die
nebenbei gesagt m.E. zu einem der Highlights des Pro7-Programms
gehört) ins Comicheft stellt, ist natürlich, ob diese in
dem anderen Format überhaupt funktionieren kann. Und Skepsis ist
hierbei sicherlich angebracht, auch wenn zum Beispiel die Simpsons
durchaus eine recht respektable Adaption ins Heftformat geschafft
haben.
In der ersten der Geschichten will Brain die Weltherrschaft an sich
reißen, indem er 1.050.572 Amerikaner dazu bringt, gleichzeitig
die Toilettenspülung zu betätigen, um so eine ungeheure
Sogwirkung zu entfachen, die jeden, der sich in 30m Umkreis von einer
Toilette aufhält, an der Schüssel festsaugt. Um dieses Ziel
zu erreichen, plant Brain, daß er und Pinky zu
Comic-Superhelden werden, die die edelsten Eigenschaften der anderen
Comic-Superhelden in sich vereinen, um so die Comic-Fans dahingehend
zu beeinflussen, daß sie auf sein Kommando die Spülung
ziehen...
Ganz klar ist natürlich, daß es durch Pinkys Schuld mal
wieder ganz anders kommt, als es eigentlich geplant war. Es
entwickelt sich im Lauf der Geschichte eine Satire auf die
Comic-Welt, die durchaus ihren Charme hat und zu überzeugen
vermag.
Im zweiten Teil des Heftes verfällt Brain auf den Plan, sich
mittels eines verkleinerten U-Boots in das Gehirn des
Präsidenten der Vereinigten Staaten zu schießen, um dort
eine Mini-Fernsteuerung zu installieren, mit deren Hilfe er die
Handlungen des Präsidenten beeinflussen kann...
Hier nehmen die Autoren natürlich die Reise ins Ich
(oder auch den 80er Jahre-Nachfolger Die Phantastische
Reise) aufs Korn und karikieren sie aufs kräftigste.
Daß dabei der Plan, die Weltherrschaft an sich zu reißen,
natürlich scheitern muß, ist einmal mehr
selbstverständlich.
Beiden Geschichten bleibt gemein, daß die Umsetzung der stark
satirischen TV-Serie ins Comic-Heft nicht unbedingt der Weisheit
letzter Schluß war. Herausgekommen sind zwei passable Stories,
die jedoch nicht den (im TV durchaus vorhandenen) Tiefgang der Satire
aufweisen, den man von der Serie gewohnt ist. Natürlich liegt
dies mit daran, daß man pro Story weniger als 20 Seiten zur
Verfügung hat, was Entwicklungen recht unmöglich macht; vor
allem, da man teils mit recht großformatigen Zeichnungen
arbeitet.
Nichtsdestotrotz bleibt insgesamt jedoch ein recht vergnügliches
Comic-Heft übrig, das zwar imstande ist, die Wartezeit auf die
nächste TV-Folge zu verkürzen - ein vollwertiger Ersatz
hierfür ist jedoch nicht gegeben.
Fazit:
Die Umsetzung ins Heftformat beschert dem Leser mit an sich guten
Pinky und dem Brain-Stories eine durchaus vergnügliche
Alternative zur TV-Serie, die jedoch aufgrund der Kürze und den
damit einhergehenden Kompromissen an die Geschichte nicht an das
Original heranreicht. Das ist dann befriedigend - aber
leider auch nicht mehr...
8 Punkte.