Das kleine
Dorf Irion liegt in dem vom Bürgerkrieg gespaltenen Land Ejland,
das von der Religion des Agonis beherrscht wird. Hier lebt der junge
Krüppel Jem in einer kleinen Burg zusammen mit seiner todkranken
Mutter und der religiösen Tante Umbecca. Sein Leben ist armselig
und grausam, da er durch seinen körperlichen Makel als Ausgeburt
der Hölle betrachtet wird. Linderung in seinem Leben bringt erst
der Zwerg Zacharias, der sich liebevoll um ihn kümmert.
Ebenfalls kein besonders schönes Leben hat Cata, die Tochter des
Einsiedlers Silas. Beide werden von den gläubigen Anhängern
des Gottes Agonis geschmäht und verfolgt. Daß aber auch
die Anhänger dieses Gottes beileibe keine Engel sind, zeigt die
Geschichte der Fünf, einer Jungendbande um den
dicken Polty, der seine Umgebung mit allen nur erdenklichen
Grausamkeiten malträtiert, ohne dafür zur Rechenschaft
gezogen zu werden.
Im Laufe ihres Erwachsenwerdens begegnen sich Jem und Cata und
verlieben sich ineinander. Dabei hat Cata einen seltsamen magischen
Einfluß auf Jem, denn in ihrer Nähe vermag er auf einmal
seine verkrüppelten Beine wieder zu benutzen.
Doch leider sucht der Krieg auch diese Gegend hier wieder heim, und
so wird Irion wieder zur Garnison. Mit den Soldaten ziehen auch
Haß, Gewalt und Fanatismus ein. So müssen die
herumziehenden Vargas auf einmal unter großen Verfolgungen
leiden, doch sie harren tapfer aus, glauben sie doch an ihr Schicksal
bei der Wiedervereinigung der fünf Götter, die vor
über 1000 Jahren gemeinsam aus dem Paradies vertrieben worden
sind...
Der Kreis
des Orokon ist auf der einen Seite klassische Fantasy. So
muß mal wieder die Welt gerettet werden, bzw. es geht um
Veränderungen globalen Ausmaßes, und wieder einmal ist ein
kleiner Junge völlig ungewollt das Zentrum der ganzen Handlung -
und seine Träume vom Heldendasein werden sich auf ungeahnte
Weise erfüllen.
Doch auf der anderen Seite haben wir hier einen völlig anderen
Rahmen. Alles findet auf kleiner Ebene statt. Es gibt keine
großen Reisen über Tausende von Kilometern, es gibt keine
Kriege mit Tausenden von Toten. Es gibt nur ein großes
Rätsel, das bisher in einem kleinen Dorf verborgen war, welches
bislang an seinen eigenen kleinen Konflikten und Intrigen schon genug
zu tun hatte. Hier findet nun das Leben der wichtigen Charaktere
statt. Es sind alles Kinder, deren Aufwachsen und zunehmende
Verstrickung in das große Rätsel gezeigt wird. Stück
für Stück wird die Geschichte aufgebaut. Dabei wechselt
ständig die erzählerische Perspektive, und auch die
Erzählreihenfolge ist nicht immer chronologisch. Das erschwert
das Lesen zwar stellenweise, führt aber auch dazu, daß der
Leser einmal auf ungewöhnliche Weise an die Geschichte
herangeführt wird.
Der Kreis des Orokon ist kleine gemütliche Fantasy,
die aber bestimmt noch an Geschwindigkeit zunehmen wird. Gerade der
erste Band (Der Tanz des Harlekin) läßt die Geschichte
langsam angehen, in dem er Stück für Stück das Leben
der Kinder schildert. Erst in Band zwei (Der rote Schlüssel)
kommt die eigentliche Story zum Tragen, ist aber aufgrund der guten
Vorbereitung dann um so besser.
Fazit:
Fantasy der kleinen Schritte - manchmal allerdings ein wenig zu klein
- trotzdem unglaublich faszinierend. Keine Fließband-Fantasy,
sondern durchaus anspruchsvoll geschriebene Literatur.
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