Tom Arden:

„Der Tanz des Harlekin“

(Der Kreis des Orokon 1)
OT: First Book of the Orokon: The Harlekin’s Dance (Part 1 + 2)
Ü: Wolfgang Thon
GB 1997
(251 Seiten, Paperback, Goldmann 24745, ISBN 3-442-24745-4, DM 18,00)
- erschienen: Dezember 1998 -

„Der rote Schlüssel“

(Der Kreis des Orokon 2)
OT: First Book of the Orokon: The Harlequin’s Dance (Parts 3 + 4)
Ü: Wolfgang Thon
GB 1997
(347 Seiten, Paperback, Goldmann 24746, ISBN 3-442-24746-2, DM 20,00)
- erschienen: März 1999 -

Das kleine Dorf Irion liegt in dem vom Bürgerkrieg gespaltenen Land Ejland, das von der Religion des Agonis beherrscht wird. Hier lebt der junge Krüppel Jem in einer kleinen Burg zusammen mit seiner todkranken Mutter und der religiösen Tante Umbecca. Sein Leben ist armselig und grausam, da er durch seinen körperlichen Makel als Ausgeburt der Hölle betrachtet wird. Linderung in seinem Leben bringt erst der Zwerg Zacharias, der sich liebevoll um ihn kümmert.
Ebenfalls kein besonders schönes Leben hat Cata, die Tochter des Einsiedlers Silas. Beide werden von den gläubigen Anhängern des Gottes Agonis geschmäht und verfolgt. Daß aber auch die Anhänger dieses Gottes beileibe keine Engel sind, zeigt die Geschichte der „Fünf“, einer Jungendbande um den dicken Polty, der seine Umgebung mit allen nur erdenklichen Grausamkeiten malträtiert, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Im Laufe ihres Erwachsenwerdens begegnen sich Jem und Cata und verlieben sich ineinander. Dabei hat Cata einen seltsamen magischen Einfluß auf Jem, denn in ihrer Nähe vermag er auf einmal seine verkrüppelten Beine wieder zu benutzen.
Doch leider sucht der Krieg auch diese Gegend hier wieder heim, und so wird Irion wieder zur Garnison. Mit den Soldaten ziehen auch Haß, Gewalt und Fanatismus ein. So müssen die herumziehenden Vargas auf einmal unter großen Verfolgungen leiden, doch sie harren tapfer aus, glauben sie doch an ihr Schicksal bei der Wiedervereinigung der fünf Götter, die vor über 1000 Jahren gemeinsam aus dem Paradies vertrieben worden sind...

„Der Kreis des Orokon“ ist auf der einen Seite klassische Fantasy. So muß mal wieder die Welt gerettet werden, bzw. es geht um Veränderungen globalen Ausmaßes, und wieder einmal ist ein kleiner Junge völlig ungewollt das Zentrum der ganzen Handlung - und seine Träume vom Heldendasein werden sich auf ungeahnte Weise erfüllen.
Doch auf der anderen Seite haben wir hier einen völlig anderen Rahmen. Alles findet auf kleiner Ebene statt. Es gibt keine großen Reisen über Tausende von Kilometern, es gibt keine Kriege mit Tausenden von Toten. Es gibt nur ein großes Rätsel, das bisher in einem kleinen Dorf verborgen war, welches bislang an seinen eigenen kleinen Konflikten und Intrigen schon genug zu tun hatte. Hier findet nun das Leben der wichtigen Charaktere statt. Es sind alles Kinder, deren Aufwachsen und zunehmende Verstrickung in das große Rätsel gezeigt wird. Stück für Stück wird die Geschichte aufgebaut. Dabei wechselt ständig die erzählerische Perspektive, und auch die Erzählreihenfolge ist nicht immer chronologisch. Das erschwert das Lesen zwar stellenweise, führt aber auch dazu, daß der Leser einmal auf ungewöhnliche Weise an die Geschichte herangeführt wird.
„Der Kreis des Orokon“ ist kleine gemütliche Fantasy, die aber bestimmt noch an Geschwindigkeit zunehmen wird. Gerade der erste Band (Der Tanz des Harlekin) läßt die Geschichte langsam angehen, in dem er Stück für Stück das Leben der Kinder schildert. Erst in Band zwei (Der rote Schlüssel) kommt die eigentliche Story zum Tragen, ist aber aufgrund der guten Vorbereitung dann um so besser.

Fazit:
Fantasy der kleinen Schritte - manchmal allerdings ein wenig zu klein - trotzdem unglaublich faszinierend. Keine Fließband-Fantasy, sondern durchaus anspruchsvoll geschriebene Literatur.
12 Punkte

Alexander Haas


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