Patricia Kennealy-Morrison:

„Die Nebelhecke“

(Sechster Roman des Keltia-Zyklus)
OT: The Hedge of Mist
Ü: Irene Holicki
USA 1996
(717 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9013, ISBN 3-453-14040-0, 24+90++)
- erschienen: Januar 1999 -

Taliesin, Pen-barrd Keltias, wird bei seiner Rückkehr aus dem Reich der Leuchtenden von Marguessan, der Zwillingsschwester seiner Frau Morgane, gefangengenommen und sein Gedächtnis gelöscht. Doch Arthur, der Hochkönig Keltias und Pflegebruder Taliesins, kann ihn nach zwei Jahren Gefangenschaft befreien. Eigentlich sollte Taliesin die Nachricht vom Raub des Grals überbringen, der von Marguessan gestohlen wurde, doch aufgrund seiner Gefangennahme haben dies die Leuchtenden selbst getan. Marguessan, die immer noch der Meinung ist, sie sei die wahre Erbin der Krone Keltias, will den Gral in sein dunkles Gegenstück verwandeln, um endlich ans Ziel ihrer Wünsche zu kommen. Um den Gral wieder zu erringen, muß sich nun eine vom Dan (Schicksal) zusammengeführte Gruppe auf die Suche begeben. Neben Taliesin und seiner Frau Morgane gehören auch Gweniver, die Hochkönigin der Kelten, sowie weitere Verwandte, aber auch einfaches Volk zu den Suchenden. Lediglich Arthur wurde vom Dan auferlegt, sich nicht an der Suche beteiligen zu dürfen. Gwain jedoch, der jüngste Sohn Marguessans, der sich von seiner Mutter abgewendet hat, nimmt ebenfalls an der Suche teil.
Nach der Überfahrt über das Meer zu einem unerforschten Kontinent auf dem Planeten Tara, der keltischen Hauptwelt, werden die Suchenden getrennt. Nach dem Erleben vieler Abenteuer trifft sich ein Großteil der Gruppe auf der Insel Beckery, wo es zum endgültigen magischen Kampf um den Gral kommt. Auf der einen Seite stehen Morgane und Arthurs Tochter Donah, auf der anderen Marguessan und ihre Tochter Galeron. Morgane und Donah gewinnen den Kampf, womit die Magie der Heilkraft nach Keltia zurückkehrt, der Gral aber verschwindet in einer anderen Sphäre.
Marguessan gibt jedoch keine Ruhe. Als Arthur zu einer Befreiungsaktion in den Weltraum startet, wird sie herausgefordert. Die Begründung für die Herausforderung liegt in dem von Marguessan ausgestreuten Gerücht, Arthur hätte mit seiner Schwester Morgane geschlafen. Doch auch dieser Falle Marguessans kann Keltia entgehen. Nun entschließt sich Taliesin, als Spion ins feindliche Lager einzudringen und mehr über die weiteren Pläne Marguessans zu erfahren. Doch trotz durch Magie unterstützter Tarnung wird er entdeckt; erst in letzter Sekunde kann er von Morgane gerettet werden. Es kommt jedoch noch schlimmer: Keltia wird von auswärtigen Feinden bedroht. Arthur stellt sich dem Kampf, doch dabei wird sein Schiff schwer beschädigt. In der Gewißheit, Keltia nie wiederzusehen, schickt er Taliesin und sechs andere Gefährten zurück nach Keltia, um sodann mit seinen restlichen Gefährten den Freitod zu wählen.
Als Gweniver von Arthurs Tod erfährt, der allerdings dem Volk gegenüber geheimgehalten wird, beschließt sie, zugunsten ihres Sohnes abzudanken. Da dieser allerdings noch minderjährig ist, bildet sie zusammen mit Morgane und Ygrawn, der Witwe Uthyrs, des vorherigen Hochkönigs der Kelten, einen Regentschaftsrat.
In der nun folgenden friedlichen Zeit baut Taliesin den Orden der Drachen auf, in den nur magisch Hochbegabte aufgenommen werden. Unterdessen beschäftigt sich Morgane mit der Möglichkeit, ganz Keltia in einen undurchdringlichen Schutzschirm zu hüllen, wohl wissend, daß sie dabei sterben kann. Schließlich kommt der große Tag, der Schutzschirm, eine Synthese aus Technik und Magie, soll aufgebaut werden. Doch kurz vor dem Ziel erscheint Marguessan, und ein tödlicher Zweikampf zwischen den Schwestern beginnt...

Ist dieser Roman auch spannender als sein Vorgänger, bleibt immer noch die große Frage, ob eine Neuerzählung der Artus-Saga, versehen mit einem kräftigen Schuß Science Fiction und gut gewürzt mit diversen Sagen und Mythen der Erdgeschichte, wirklich der Weisheit letzter Schluß ist. Kürzer und mit mehr eigenen Ideen versehen, hätte dieser Zyklus sicherlich begeistern können, aber so bleibt beim Leser lediglich ein flauer Nachgeschmack zurück.
Stilistisch ist der Roman in Ordnung, nur das ständige Blättern im Anhang nervt ein wenig. Weniger typisch keltische Worte wären hier sicher mehr gewesen. Es kann einfach nicht angehen, daß man auf einer Seite drei Wörter nachschlagen muß, nur um im Anhang zu erfahren, daß ein Faß, ein Dolch und ein Trinkgefäß sich hinter den Begriffen verstecken.
Und last but not least, die Fehler:
1. Seite 196: „Denn Gwain Pendreics Leichnam saß nicht mehr im Sattel seines braunen Streitrosses.“ (Ohne Worte!!!)
2. Während sich Arthur mit dem gegnerischen Kommandanten per Funk unterhält (während eines Raumkampfes), gibt er mehrere Steuersequenzen in sein Kommandopult ein. Davon sorgen die ersten beiden dafür, daß sich sein Raumschiff in den Überhimmel (den keltischen Hyperraum) begibt und zu einem unbekannten Ziel fliegt, während der dritte dafür sorgt, daß eine Botschaft an Keltia und dessen Volk abgeht. Wäre ja nicht so schlimm, bestünde diese Botschaft nicht aus wörtlicher Rede (während des Gesprächs mit einem Feind), nach der auf der Brücke von Arthurs Schiff andächtige Stille herrscht!!!
3. „Zwei Wächter - der eine war Tergau - saßen, das blanke Schwert in der Faust, vor seiner Kabinentür; ...“ Klingt ganz normal, ist aber wahrscheinlich ein Übersetzungsfehler. Denn auf der vorherigen Seite erfahren wir, daß Tergau die Schwester Taliesins ist...

Fazit:
Kürzer und besser, und es hätte auch mehr Punkte gegeben. Eine solche Coverversion, um einmal einen Ausdruck aus dem Musikgeschäft zu verwenden, ist gerade mal 7 Punkte wert.

Ritchie Eberle


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