Band 1961: „Ein Sechstel SENECA“

Autor: Arndt Ellmer

Die SOL ist auf dem Weg irgendwohin, und die Besatzung hat keinen Einfluß auf den Kurs. Das kann nicht so bleiben. Perry Rhodan wäre natürlich nicht Perry Rhodan, hätte er nicht mal wieder den Plan! Immer unter der Beobachtung der Robotspione SENECAs, machen sich die neuen Solaner daran, der Biopositronik erneut ein Schnippchen zu schlagen.
Die Besatzung ist in viele kleine Gruppen aufgeteilt, die alle ihren Aufgaben nachgehen. So sollen einige SENECA in Sicherheit wiegen; andere sorgen dafür, daß Tautmo wieder einen Orter bauen kann. Allerdings hat er dabei nicht immer die Bedingungen, die er gerne hätte, denn ständig kommt Bully daher und verlegt ihn, damit SENECA ihn nicht entdeckt.
Inzwischen arbeiten Rhodan, Trabzon und Monkey mal wieder an einem Risikoplan. Es geht darum, nicht den ganzen Rechner zu zerstören, sondern mittels einer alten Sondereinrichtung nur einen Teil zu sprengen. Das einzige Problem an der Sache: Trabzon muß irgendwie unbemerkt an die Biopositronik herankommen! Aber der Weg ist ja bekanntlich das Ziel, und wer wäre denn ein echter Terraner, wenn er sich von solchen Lappalien abschrecken lassen würde?
Doch die Präsenz der Roboter wird immer drängender, und Monkey hat immer mehr Probleme mit ihnen. So bleibt auch das eine oder andere Feuergefecht nicht aus. Wenigstens scheint damit von den Planern abgelenkt zu sein. Und schließlich nimmt Projekt Zellteilung seinen Lauf. Allerdings ist die SOL auch mittlerweile an ihrem Ziel angekommen - und das heißt Dengejaa Uvesco, das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße.
Es gelingt einem Team, dem Monkey und Trabzon angehören, in SENECA einzudringen, allerdings nicht unbemerkt - und nun macht der Computer Jagd auf die beiden. Doch sie sind schneller. In Zusammenarbeit mit dem Zentralen-Team gelingt es, herauszufinden, in welchem Teil der Positronik SENECAS sich die Nanokolonne befindet. Der Bioteil wird abgetrennt und der verseuchte Teil der Positronik vernichtet. Die SOL ist wieder in menschlicher Hand.
Doch das Glück ist nicht von langer Dauer. Am Ereignishorizont des Black Hole taucht eine große Raumstation auf, die Kosmokratenstation MATERIA. Nur mit einem waghalsigen Manöver gelingt es der SOL, sich aus deren Traktorstrahlen zu befreien und zu fliehen.
Nun nimmt sich Perry Rhodan SENECA vor, und dieser erklärt, wie er von der Nanokolonne übernommen wurde und was MATERIA in der Milchstraße will. In dem Schwarzen Loch befindet sich wohl eine hochrangige Superintelligenz, die hervorgelockt werden soll. Sie soll im Zusammenhang mit Thoregon stehen und vermutlich gefangen werden.

Kaum zu glauben, aber es scheint, als ob sich denn nun doch und endgültig und so weiter die SOL/THOREGON VI in der Hand von Perry Rhodan befindet - und zack! mal wieder Ende der Handlungsebene ist; nächste Woche geht’s weiter mit Alaska. Zugegebenermaßen befinden wir uns an einen recht starken Sinnabschnitt, aber im großen und ganzen bleibe ich bei meiner Forderung nach längeren Ebenen. Ansätze dazu hat’s ja in der jüngsten Vergangenheit bereits gegeben.
Doch zumindest über eines kann man sich im Moment nicht beschweren, das kosmische Flair. Wir werden zur Zeit ja richtig damit eingedeckt. Nun scheinen die Kosmokraten ja auch persönlich auf der Bühne erschienen zu sein; eine neue SI wird in Kürze ja wohl auch wieder mitspielen - und ich muß sagen, diese Richtung finde ich gar nicht schlecht. Kann von mir aus die nächsten 38 Bände so weitergehen.
Aber zurück zum nicht weniger kosmischen SENECA. Ich will jetzt gar nicht meine Triaden aus der letzten Rezi wiederholen, aber ich bleibe bei meiner Behauptung: „Ohne den Blechkasten hätten wir uns die letzten drei Bände sparen können!“ Und das wäre im großen und ganzen gar nicht mal so schlimm gewesen, auch wenn ich sagen muß, daß Arndt Ellmer hier in meinen Augen schon wieder einen ganz passablen Band abgeliefert hat. Doch dazu später. Zugegeben, manchmal muß sich eine Handlung entwickeln, und man kann nicht alles in wenigen Worten abhandeln. Aber im großen und ganzen war die SENECA-Ebene wenig befriedigend. Irgendwie war klar, hier kommt ein wenig Streß mit der Nano-Kolonne; und am Ende hat Perry dann doch gewonnen. Zugegeben, das ist immer so. Aber gerade die SOL zum Zentrum zu machen, fand ich nicht besonders klug, da klar war, daß sie - nachdem das Ding endlich wieder eingeführt worden ist - so schnell nicht wieder aus der Serie verschwindet. Das hat wohl kaum ein SOL-Hasser geglaubt, und ich demzufolge auch nicht. Allerdings kann ich nicht umhin, mir den dramatischen Effekt vorzustellen, wenn es die SOL im letzten Band doch erwischt hätte. Ich stelle mir vor: Die SZ 1 entkommt in Richtung Terra, und der Rest vergeht im Abwehrfeuer der Erde! Welch ein erhebender Gedanke! Zwar hätte die Redaktion für die nächsten 10 Jahre mit ein paar Drohbriefen und Briefbomben leben müssen, und es hätte ein Geschrei gegeben, das wahrscheinlich das des letzten Aktivatorträgersterbens weit übertönt hätte, aber wäre es die Sache nicht wert gewesen? Einer meiner Lieblingsautoren hat mal gesagt, daß der Leser dem Autoren grundsätzlich alles zutrauen muß, damit eine richtigen Spannung auftauchen kann. Leider ist es aber so, daß es in der Perry Rhodan-Serie Elemente gibt, die unantastbar sind bzw. an deren Unantastbarkeit der Leser glaubt. Wenn man jetzt die SOL also dahin schickt, wohin sie meines Erachtens gehört, dann würde der eine oder andere Leser wieder mit etwas mehr Kribbeln an den Roman gehen, denn vielleicht ist dann ja doch noch Gucky dran oder Tolot oder Atlan oder...!!!
Na, liebe Redaktion, wäre das nicht die eine oder andere Briefbombe wert? (* ’Tschuldige, daß ich mich ausgerechnet hier jetzt so reinhänge - aber eine BRIEFBOMBE? Wenn Du jemals selbst eine bekommen hättest, würdest Du sicher niemandem nahelegen, eine solche zu riskieren... Immerhin kann sowas auch ziemlich tödlich enden, und für meinen Geschmack gab es in der letzten Zeit schon ein paar Todesfälle zuviel. Heike)
Aber will hier ja niemanden irgendwelche Flausen in den Kopf setzen! Oder...? (* Besser nicht! Es könnten die falschen Leute auf die falschen Flausen kommen... Heike)
Aber ganz schnell zurück zum Roman. Ich habe ja angedeutet, daß Arndt hier mal wieder durchaus lesenswert zugeschlagen hat. Es ist immer interessant, wenn Menschen ihre Schwächen zu ihren Stärken machen. In meinen Augen hat Arndt kein gutes Händchen, wenn es darum geht, Dinge anschaulich zu beschreiben - und genau das hat er hier genutzt. Der große Vorteil der Besatzung der SOL bestand darin, die ganze Zeit scheinbar völlig sinnlos im Schiff umherzulaufen und so den richtigen Leuten den Platz und die Zeit zu geben, gegen SENECA vorzugehen. Dies führte dazu, daß ich den Roman so schnell wie kaum einen anderen gelesen habe. Dies nun aber nicht, weil ich viele Passagen übersprang, sondern weil mein Lesetempo sehr hoch war. Ich hatte das Gefühl, von den Geschehnissen an Bord mitgerissen zu werden. Und auch wenn Tautmo Aagenfelts Charakterisierung völlig neben der Linie war (es wurde in den letzten Bänden versucht, ihm ein gewisses Selbstvertrauen anzudichten, was Arndt völlig ruiniert hat), aber gerade seine Verzweiflung bei den ganzen Ortswechseln war sehr gut nachvollziehbar und liebevoll beschrieben. Alles in allem war es gerade das Chaos an Bord, das diesen Roman in meinen Augen richtig gut machte.

Fazit:
Chaos rules! Sag ich auch immer! Deswegen gibt’s hier von mir für Arndt schon wieder
10 Punkte

Alexander Haas

Die Besatzung im Kampf gegen SENECA - tja, irgendwie war das nicht ganz so überzeugend, was Arndt uns da vorgelegt hat. Allzu verworren wirkt die Handlung über große Strecken, bis überhaupt endlich einmal klar wird, was das Ganze bis hierhin eigentlich sollte.
Gut, daß SENECA die SOL in Richtung MATERIA in Marsch setzte, war ja schon zu erwarten - schließlich sollte die Kosmokraten-Fabrik ja in der Milchstraße auftauchen, und irgendeinen Grund mußte der Rechner ja auch haben, das SOL-System auszuspionieren. Von daher war es nicht überraschend, daß er nun mit der SOL die Ergebnisse abliefern wollte.
Alles in allem ist das dann von Arndt Ellmer ja auch nicht gerade schlecht geschildert worden - nur war das (anscheinend) ziellose Herumgehopse an Bord der SOL dann doch ein wenig zu viel für mich. Zu lang zieht sich die Handlung dahin, jagt von einer Verfolgung in die nächste, bis dann endlich einmal so etwas wie eine Linie hineinkommt.
Sobald diese dann aber auf den letzten zehn Seiten auftaucht, wird der Roman auch gleich deutlich besser. Daß SENECA in einer einzelnen Partition befallen sein mußte, konnte der Leser ja schon aus dem Titel erfahren - daß es Perry in diesem Roman jedoch schon gelingen würde, die Nano-Kolonne loszuwerden, war allerdings ein bißchen überraschend. Andererseits hätte man im anderen Fall jetzt auf MATERIA gelegen und wäre Shabazza bzw. seinem Auftraggeber in die Hände gefallen (wobei dann endgültig auch für Rhodan klar gewesen wäre, daß man sich mit den Kosmokraten angelegt hat).
Interessant in diesem Zusammenhang ist dann auch, daß man jetzt endlich auch offiziell davon erfährt, daß Thoregon zumindest im Zusammenhang mit einer „hochrangigen“ Superintelligenz steht, auch wenn noch nicht bekannt ist, um welche es sich handelt. (* Vielleicht heißt diese Superintelligenz ja Egon - oder Thor - vielleicht auch Egon Thor - oder Thor Egon? >:-))) Heike) Allerdings ist anzunehmen, daß wir es hier mit einem alten Bekannten zu tun bekommen werden - immerhin hat sich die SI im Zentrums-Black Hole der Milchstraße versteckt - wenn das kein Zeichen ist.
Bis wir jedoch erfahren, wer sich denn nun da versteckt, werden wir noch ein wenig warten müssen - schließlich blendet man natürlich genau in dieser Situation auf die nächste Handlungsebene um. Allerdings muß ich sagen, daß ich auf die Alaska-Ebene mit dem Virtuellen Schiff schon seit längerem gespannt bin und einiges an Hoffnung hier hineinstecke. Wir werden sehen, ob H.G. Francis im nächsten Roman diese Erwartungen auch erfüllen kann.
Viel mehr bleibt jedoch zu diesem Roman nicht zu sagen, dessen Ende zwar überzeugend geschildert, dafür aber auch nicht gerade überraschend war. Wovon reden wir Rezensenten denn seit inzwischen weit mehr als einem Jahr? Nun ja, jetzt hat auch Rhodan es verstanden... <grins>

Fazit:
Insgesamt relativ kurzweilig, jedoch auch reichlich verworren in der Handlungsführung, präsentiert uns Arndt Ellmer diesen Roman. Erst gegen Ende kommt so etwas wie Linie in die Handlung, wobei der Roman dann auch deutlich an Qualität zulegen kann.
8 Punkte.

Winfried Brand

Es scheint sich doch wieder einiges zu tun in der Serie, und wie um meine Behauptung vor einigen Wochen, es gäbe zur Zeit keine Rätsel mehr, Lügen zu strafen, teilt man uns in der Vorschau mit: „Rätsel gibt es also genug“...
War der Rezensent da vielleicht wieder etwas vorschnell mit seinem Urteil? Möglich, aber warten wir erstmal ab, was oder besser wer sich hinter dieser „hochrangigen“ Superintelligenz verbirgt.
Nun, was den Roman von Arndt betrifft, so muß ich zugeben, daß ich bei der Beurteilung eines PR-Heftes selten so hin- und hergerissen war.
Einerseits bietet Ellmer hier eine durchaus rasante Handlung, welche auf den letzten Seiten einen fast schon kosmischen Höhepunkt mit der Begegnung MATERIAs erlebt.
Andererseits hat mir die Art der Handlungsführung irgendwie überhaupt nicht zugesagt.
Anstatt das Geschehen in einer überschaubaren Chronologie zu schildern, reiht Ellmer bis kurz vor Schluß einfach die Kapitel scheinbar willkürlich aneinander; diese ganzen Täuschungsmanöver, die kleinen und größeren Aktionen gegen SENECA, mögen zwar alle in einem logischen Zusammenhang stehen, wirkten auf mich aber eher etwas chaotisch. Da wußte der eine nicht mehr, was der andere gerade tut; vor allem Rhodan selbst schien mir nicht recht zu wissen, was er zuerst und zuletzt machen sollte. Erst in dem Moment, da man den Zugang zu SENECA geschaffen hat und das Bordgehirn wie eine Festplatte in Partitionen aufteilt, kommt so etwas wie eine klare Linie in die Handlung.
Wo Horst Hoffmann in der letzten Woche seine Geschichte auf mehreren Ebenen erzählt hat, beschränkt Ellmer sich auf nur eine Ebene und beschreibt das Geschehen an Bord der SOL sowie den verzweifelten Kampf gegen die Nano-Kolonne (wobei mir, nebenbei bemerkt, die Bezeichnung „Gallertkügelchen“, besser gesagt die Form der Nano-Kolonne an sich überhaupt nicht gefallen hat). Natürlich konnte man diesen Konflikt an Bord der SOL gar nicht anders lösen, als die Terraner zu technischen Tricks greifen zu lassen; von daher will ich Arndt auch keinen allzugroßen Vorwurf machen, daß er sich auf diesem Gebiet regelrecht ausgetobt hat. Allerdings war das, was sich hier ohne Unterbrechung über fast 50 Seiten erstreckte, nach meinem Dafürhalten doch etwas zuviel des Guten.
Hätte es nicht zwischendurch immer mal wieder kleine Handlungs-Fortschritte in Richtung MATERIA und Spekulationen über SENECAs Absichten gegeben, ich wäre heute noch nicht durch mit dem Teil.
Erst die Ereignisse auf den letzten 10 Seiten konnten mich voll überzeugen und sozusagen zurückholen aus der Welt der „Reflexions-Bündelfeldprojektoren“ und der wildgewordenen TARA-V-UHs.
Der wirklich spannend dargestellte, tollkühne Kamikaze-Flug gegen MATERIA und schließlich die gesammelten Erkenntnisse SENECAs, diese Elemente haben dann doch noch einen gehörigen Einfluß auf meine Endwertung gehabt.

Fazit:
Daß Ellmer sich mit seinem neuen Werk keine Mühe gegeben hat, kann man nun wirklich nicht behaupten.
Die Aktionen an Bord der SOL schildert er mit einer ungeheuren Dichte, in der für die kleinen Feinheiten am Rande aber wieder mal kaum Platz blieb. Mir persönlich war das etwas zu chaotisch. Erst das letzte Sechstel (wie sinnig) rettete den Roman in die höheren Punktegefilde hinein.
9 Punkte

Stefan Robijn

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