Bastei-Lübbe
beglückt uns also schon im voraus mit dem Buch zur John
Sinclair-TV-Serie, die nach neuesten Angaben ja im Herbst 99
starten soll. Das Taschenbuch enthält die Geschichte des
Pilotfilms wie auch der 7 bis jetzt gedrehten Sinclair-Episoden. Die
einzelnen Storys entstanden nach den Seriendrehbüchern, die
wiederum auf Romanen aus der Sinclair-Serie basieren (sollen).
1) Ich töte jeden Sinclair
Ein ehemaliges Stammesoberhaupt des Sinclair-Clans, das
eigentlich schon seit Jahrhunderten tot sein sollte, hat sich
vorgenommen, alle Sinclairs umzubringen. Ein großes
Familientreffen bei den Ruinen von Sinclair-Castle bietet ihm eine
gute Gelegenheit dazu. John, Bill und Glenda machen sich auf, um dies
zu verhindern...
Die Geschichte stammt aus den Bänden 1025 und 1026 der
Sinclair-Erstauflage. Zwei sehr gute Romane. Glücklicherweise
wurde die Geschichte kaum geändert. Es fällt gleich auf,
daß die Dialoge weit über dem durchschnittlichen
Sinclair-Niveau liegen, also wahrscheinlich nicht aus Darks Feder
stammen, sondern aus den Drehbüchern übernommen wurden. Wie
schon am Originalroman, fand ich an dieser Kurzversion nichts zu
meckern. Atmosphärisch dicht, actionreich und spannend bis zum
Schluß. 14 Punkte.
2) Der Hexenclub
In Prag ermorden mehrere Männer völlig grundlos
ihre Familien. Sie haben alle den gleichen Nachnamen: Tischer. John
eilt nach Prag und findet heraus, daß alle Opfer der Hexe
Lukretia verfallen waren... (* Etwa Lukretia Borgia? ;-)
Heike)
Die zweite Kurzgeschichte basiert auf Band 125 der
Gespenster-Krimi-Reihe. Es handelt sich also um eine Geschichte aus
der Zeit vor der eigenständigen Sinclair-Serie. Ich habe diesen
Roman zwar nicht gelesen, entnehme aber der Zusammenfassung im
Sinclair-Lexikon, daß er stark abgeändert wurde. Das hat
der Geschichte nicht im geringsten geschadet. Leider wurden die
Geschehnisse zu schnell abgehandelt - auf gerade mal 53 Seiten.
Schade, man hätte wesentlich mehr daraus machen können. 9
Punkte
3) Das Todeskarussell
Der Geist eines vor Jahren zu unrecht gelynchten
Zigeunerführers nimmt Rache an den Bewohnern eines kleinen
Dorfes irgendwo in England. John wird von seinen Kollegen zu Hilfe
gerufen...
Der Gespenster-Krimi Nr. 200 gehörte meiner Meinung nach zu den
schwächeren Romanen Jason Darks. Diesmal hat Jason es jedoch
geschafft, den Originalroman zu überbieten. Das einzige Problem
ist, wie beim Vorgänger, die begrenzte Seitenanzahl (ich glaube,
es waren nicht einmal 50 Seiten). Es bleibt eine kurzweilige,
actionreiche Geschichte. 10 Punkte
4) Die Rattenkönigin
London wird von einer Rattenplage heimgesucht. Die kleinen Biester
sind ungewöhnlich aggressiv und fallen sogar Menschen an. John
macht zufällig die Bekanntschaft von Isabel, die anscheinend mit
den Ratten kommunizieren kann...
Nach dem Titel Die Rattenkönigin wird man im
Sinclair-Lexikon vergebens suchen. Die Geschichte baut wahrscheinlich
auf Taschenbuch Nr. 189, Die Rattenhexe, auf. Alles in
allem ein sehr durchschnittlicher Roman, mit einem
überraschenden Ende. Geändert wurden hier eigentlich nur
die Namen der Hauptpersonen, ansonsten blieb die Geschichte im
großen und ganzen gleich. 8 Punkte.
5) Anruf aus dem Jenseits
Aus einem Londoner Hospital verschwinden binnen kurzer Zeit 10
Neugeborene. Die Eltern der entführten Babys behaupten, kurz
vorher jeweils von verstorbenen Verwandten angerufen und gewarnt
worden zu sein. Eines Tages erhält auch die hochschwangere
Sheila Conolly einen Anruf ihres längst verstorbenen
Vaters...
Auf John Sinclair-Band 21 aufbauend, erzählt Jason Dark hier die
beste Geschichte im ganzen Roman. Die Spannung hält sich bis zum
Schluß, auch wenn man sich die Lösung relativ schnell
denken kann. 14 Punkte
6) Engelsgrab
John muß sich Samuel, einem gefallenen Engel, stellen, der sich
vorgenommen hat, möglichst viele Schutzengel samt
Schützlingen zu töten...
Taschenbuch Nr. 204 lieferte für diese Episode das Vorbild. Die
Geschichte ist zwar atmosphärisch dicht, doch alles in allem zu
konfus. Da tauchen plötzlich Leute auf, die man überhaupt
nicht kennt und die binnen kürzester Zeit wieder sterben. Und so
richtig geschieht in dieser Story auch nichts. Und irgendwie hat man
sich bei dem Drehbuch doch stark von dem Film Gods
Army inspirieren lassen. Bei weitem die
schwächste Kurzgeschichte. 6 Punkte
7) Der Sensenmann als Hochzeitsgast
John, Bill und Glenda werden zur Hochzeit ihrer Freundin Anja nach
Deutschland eingeladen. Doch leider hat diese sich eine verfluchte
Kapelle für ihre Hochzeit ausgesucht. Und Johns Erzfeind, der
Schwarze Tod, hat mit der Braut seine eigenen Pläne...
Auf diese Geschichte hatte ich mich am meisten gefreut, denn Band 81,
auf dem das Drehbuch basiert, ist mein persönlicher
Lieblings-Sinclair. Umso verdutzter war ich dann, als ich mitbekam,
wie stark doch die Geschichte abgewandelt wurde. Nichtsdestotrotz war
auch diese Geschichte sehr spannend und actionreich; darunter
mußte jedoch die Atmosphäre leiden. (* Als ich
selbst noch John Sinclair gelesen habe, hatte ich durchaus den
Eindruck, das wäre bei dieser Heftromanserie halt ab und zu
schon mal der Fall... Heike)
Wenn man die Geschichte schauspielerisch und von den Effekten her gut
umsetzt, bin ich mir sicher, daß Der Sensenmann als
Hochzeitsgast die beste TV-Episode sein wird... aber zwischen
Fernsehen und gedrucktem Wort liegen Welten. (* Lassen wir
uns halt überraschen... Hoffentlich wirds keine allzu
böse Überraschung. Heike) Und so bleibt es bei
nur 12 Punkten.
8) Das Horror-Kabinett
Ein Dämon in Zwergengestalt versucht, die Kontrolle
über die Kinder eines kleinen rumänischen Dorfes zu
erlangen, um sie zu zwingen, ihre Elten zu töten. Erneut wird
John von seinen Kollegen um Mithilfe gebeten.
Ich muß zugeben, daß ich keine Ahnung habe, welcher Roman
hier als Grundlage genommen wurde. In der Titelliste von John
Sinclair ist kein Roman mit dem Namen Das Horror-Kabinett
aufgeführt, und ich kann mich nicht erinnern, jemals einen Roman
gelesen zu haben, auf dem diese Geschichte aufbauen könnte.
(* Tja, soweit dann zu Deinem Vor-Wörtchen... ;-)
Heike)
Ist an sich auch nicht so wichtig. Hauptsache ist, daß auch
diese Geschichte bis zum Schluß spannend war. Leider wurde sie
gegen Ende etwas zu kitschig, so daß es auch hier nicht
für ein sehr gut reichen wird. 12 Punkte
Alles in allem machen die Kurzgeschichten Lust auf die neuen
Sinclair-Filme, die anscheinend kein billiger Akte
X-Abklatsch à la Operation Phoenix werden.
(* Hoffen wir das Beste! Heike) Sollten sich die
Geschichten wirklich eng an die Drehbücher gehalten haben, so
verspricht die Serie mehr als nur eine große Effekt-Orgie zu
werden. Aber warten wir es lieber erstmal ab...
Das Paperback Ich töte jeden Sinclair ist aufgrund
seiner teils sehr guten Geschichten auf alle Fälle lesenswert.
Enttäuscht bin ich trotzdem. Ich hatte mir davon neue
Hintergrundinformationen zur Serie erhofft, wenigsten das eine oder
andere Kurzinterview mit einem der Darsteller oder Regisseure, aber
Fehlanzeige. Stattdessen wird man mit den längst bekannten
Bildern auf dem Cover und der Rückseite abgespeist. So reicht
das gerade mal für insgesamt
8 Punkte.
