John Sinclair

"Ich töte jeden Sinclair"

(532 Seiten, Taschenbuch, Bastei-Lübbe 14153, ISBN 3-404-14-153-9, DM 12,00)
- erschienen: März 1999 -

Bastei-Lübbe beglückt uns also schon im voraus mit dem Buch zur John Sinclair-TV-Serie, die nach neuesten Angaben ja im Herbst ’99 starten soll. Das Taschenbuch enthält die Geschichte des Pilotfilms wie auch der 7 bis jetzt gedrehten Sinclair-Episoden. Die einzelnen Storys entstanden nach den Seriendrehbüchern, die wiederum auf Romanen aus der Sinclair-Serie basieren (sollen).

1) Ich töte jeden Sinclair
Ein ehemaliges Stammesoberhaupt des Sinclair-Clans, das eigentlich schon seit Jahrhunderten tot sein sollte, hat sich vorgenommen, alle Sinclairs umzubringen. Ein großes Familientreffen bei den Ruinen von Sinclair-Castle bietet ihm eine gute Gelegenheit dazu. John, Bill und Glenda machen sich auf, um dies zu verhindern...
Die Geschichte stammt aus den Bänden 1025 und 1026 der Sinclair-Erstauflage. Zwei sehr gute Romane. Glücklicherweise wurde die Geschichte kaum geändert. Es fällt gleich auf, daß die Dialoge weit über dem durchschnittlichen Sinclair-Niveau liegen, also wahrscheinlich nicht aus Darks Feder stammen, sondern aus den Drehbüchern übernommen wurden. Wie schon am Originalroman, fand ich an dieser Kurzversion nichts zu meckern. Atmosphärisch dicht, actionreich und spannend bis zum Schluß. 14 Punkte.

2) Der Hexenclub
In Prag ermorden mehrere Männer völlig grundlos ihre Familien. Sie haben alle den gleichen Nachnamen: Tischer. John eilt nach Prag und findet heraus, daß alle Opfer der Hexe Lukretia verfallen waren... (* Etwa Lukretia Borgia? ;-) Heike)
Die zweite Kurzgeschichte basiert auf Band 125 der Gespenster-Krimi-Reihe. Es handelt sich also um eine Geschichte aus der Zeit vor der eigenständigen Sinclair-Serie. Ich habe diesen Roman zwar nicht gelesen, entnehme aber der Zusammenfassung im Sinclair-Lexikon, daß er stark abgeändert wurde. Das hat der Geschichte nicht im geringsten geschadet. Leider wurden die Geschehnisse zu schnell abgehandelt - auf gerade mal 53 Seiten. Schade, man hätte wesentlich mehr daraus machen können. 9 Punkte

3) Das Todeskarussell
Der Geist eines vor Jahren zu unrecht gelynchten Zigeunerführers nimmt Rache an den Bewohnern eines kleinen Dorfes irgendwo in England. John wird von seinen Kollegen zu Hilfe gerufen...
Der Gespenster-Krimi Nr. 200 gehörte meiner Meinung nach zu den schwächeren Romanen Jason Darks. Diesmal hat Jason es jedoch geschafft, den Originalroman zu überbieten. Das einzige Problem ist, wie beim Vorgänger, die begrenzte Seitenanzahl (ich glaube, es waren nicht einmal 50 Seiten). Es bleibt eine kurzweilige, actionreiche Geschichte. 10 Punkte

4) Die Rattenkönigin
London wird von einer Rattenplage heimgesucht. Die kleinen Biester sind ungewöhnlich aggressiv und fallen sogar Menschen an. John macht zufällig die Bekanntschaft von Isabel, die anscheinend mit den Ratten kommunizieren kann...
Nach dem Titel „Die Rattenkönigin“ wird man im Sinclair-Lexikon vergebens suchen. Die Geschichte baut wahrscheinlich auf Taschenbuch Nr. 189, „Die Rattenhexe“, auf. Alles in allem ein sehr durchschnittlicher Roman, mit einem überraschenden Ende. Geändert wurden hier eigentlich nur die Namen der Hauptpersonen, ansonsten blieb die Geschichte im großen und ganzen gleich. 8 Punkte.

5) Anruf aus dem Jenseits
Aus einem Londoner Hospital verschwinden binnen kurzer Zeit 10 Neugeborene. Die Eltern der entführten Babys behaupten, kurz vorher jeweils von verstorbenen Verwandten angerufen und gewarnt worden zu sein. Eines Tages erhält auch die hochschwangere Sheila Conolly einen Anruf ihres längst verstorbenen Vaters...
Auf John Sinclair-Band 21 aufbauend, erzählt Jason Dark hier die beste Geschichte im ganzen Roman. Die Spannung hält sich bis zum Schluß, auch wenn man sich die Lösung relativ schnell denken kann. 14 Punkte

6) Engelsgrab
John muß sich Samuel, einem gefallenen Engel, stellen, der sich vorgenommen hat, möglichst viele Schutzengel samt Schützlingen zu töten...
Taschenbuch Nr. 204 lieferte für diese Episode das Vorbild. Die Geschichte ist zwar atmosphärisch dicht, doch alles in allem zu konfus. Da tauchen plötzlich Leute auf, die man überhaupt nicht kennt und die binnen kürzester Zeit wieder sterben. Und so richtig geschieht in dieser Story auch nichts. Und irgendwie hat man sich bei dem Drehbuch doch stark von dem Film „God’s Army“ „inspirieren“ lassen. Bei weitem die schwächste Kurzgeschichte. 6 Punkte

7) Der Sensenmann als Hochzeitsgast
John, Bill und Glenda werden zur Hochzeit ihrer Freundin Anja nach Deutschland eingeladen. Doch leider hat diese sich eine verfluchte Kapelle für ihre Hochzeit ausgesucht. Und Johns Erzfeind, der Schwarze Tod, hat mit der Braut seine eigenen Pläne...
Auf diese Geschichte hatte ich mich am meisten gefreut, denn Band 81, auf dem das Drehbuch basiert, ist mein persönlicher Lieblings-Sinclair. Umso verdutzter war ich dann, als ich mitbekam, wie stark doch die Geschichte abgewandelt wurde. Nichtsdestotrotz war auch diese Geschichte sehr spannend und actionreich; darunter mußte jedoch die Atmosphäre leiden. (* Als ich selbst noch John Sinclair gelesen habe, hatte ich durchaus den Eindruck, das wäre bei dieser Heftromanserie halt ab und zu schon mal der Fall... Heike)
Wenn man die Geschichte schauspielerisch und von den Effekten her gut umsetzt, bin ich mir sicher, daß „Der Sensenmann als Hochzeitsgast“ die beste TV-Episode sein wird... aber zwischen Fernsehen und gedrucktem Wort liegen Welten. (* Lassen wir uns halt überraschen... Hoffentlich wird’s keine allzu böse Überraschung. Heike) Und so bleibt es bei „nur“ 12 Punkten.

8) Das Horror-Kabinett
Ein Dämon in Zwergengestalt versucht, die Kontrolle über die Kinder eines kleinen rumänischen Dorfes zu erlangen, um sie zu zwingen, ihre Elten zu töten. Erneut wird John von seinen Kollegen um Mithilfe gebeten.
Ich muß zugeben, daß ich keine Ahnung habe, welcher Roman hier als Grundlage genommen wurde. In der Titelliste von John Sinclair ist kein Roman mit dem Namen „Das Horror-Kabinett“ aufgeführt, und ich kann mich nicht erinnern, jemals einen Roman gelesen zu haben, auf dem diese Geschichte aufbauen könnte. (* Tja, soweit dann zu Deinem Vor-Wörtchen... ;-) Heike)
Ist an sich auch nicht so wichtig. Hauptsache ist, daß auch diese Geschichte bis zum Schluß spannend war. Leider wurde sie gegen Ende etwas zu kitschig, so daß es auch hier nicht für ein „sehr gut“ reichen wird. 12 Punkte

Alles in allem machen die Kurzgeschichten Lust auf die neuen Sinclair-Filme, die anscheinend kein billiger „Akte X“-Abklatsch à la „Operation Phoenix“ werden. (* Hoffen wir das Beste! Heike) Sollten sich die Geschichten wirklich eng an die Drehbücher gehalten haben, so verspricht die Serie mehr als nur eine große Effekt-Orgie zu werden. Aber warten wir es lieber erstmal ab...
Das Paperback „Ich töte jeden Sinclair“ ist aufgrund seiner teils sehr guten Geschichten auf alle Fälle lesenswert. Enttäuscht bin ich trotzdem. Ich hatte mir davon neue Hintergrundinformationen zur Serie erhofft, wenigsten das eine oder andere Kurzinterview mit einem der Darsteller oder Regisseure, aber Fehlanzeige. Stattdessen wird man mit den längst bekannten Bildern auf dem Cover und der Rückseite abgespeist. So reicht das gerade mal für insgesamt
8 Punkte.

Danijel Majic


Interesse? Hier kannst Du dieses Buch direkt bei amazon.de bestellen.


home...