"Curdled"

Schwarze Komödie
USA 1996, 86 Min (FSK 16)
Darsteller: Angela Jones, William Baldwin u.a.
Drehbuch: John Maass & Raul Puig
Regie: Reb Braddock

Die kleine Gabriella muß in ihrer Heimat Kolumbien eines Tages erleben, wie ein Mann erst erschossen wird und dann vor dem Laden ihrer Mutter auf den Beton fällt. Neugierig bestaunt die Kleine die Leiche und das Blut, während die anderen Zeugen bereits zum nächsten Opfer der Schießerei eilen.
Jahre später: Gabriella (Angela Jones) hat es in die USA, nach Miami, verschlagen, wo sie in einer Bäckerei arbeitet. Geprägt von jenem Kindheitserlebnis, ist sie seither von Gewaltverbrechen fasziniert und sammelt alle Zeitungsberichte, derer sie habhaft werden kann, in einem Album. Besonders auf eine Frage sucht sie Antwort: Können Köpfe reden, nachdem man sie vom Körper abgetrennt hat? Im Fernsehen, in einer Soap-Episode, wurde es nämlich so gezeigt!
Eines Tages ergibt sich für Angela eine einmalige Gelegenheit. Im Fernsehen sieht sie Werbung für eine Putzfirma, die sich darauf spezialisiert hat, an Tatorten von Gewaltverbrechen sauberzumachen. Kurzerhand schmeißt sie den Job in der Bäckerei und nimmt die Herausforderung an.
Nach kurzer Zeit der Einarbeitung bei den leichten Fällen geht es an die komplizierten. Genauer gesagt an den aktuellen Tatort des „Blaublut-Killers“ (William Baldwin). Dieser tötet Frauen aus der High Society, bzw. er foltert sie zunächst und köpft sie zum Schluß.
Bei diesem aktuellen Fall konnte das Opfer jedoch noch den Namen ihres Mörders in den Fußboden ritzen. Da unerwarteterweise Zeugen am Tatort auftauchten und das Blut des Opfers immer wieder über die betreffende Stelle schwappte, mußte der Mörder zunächst das Feld räumen.
Weil mal wieder viel in der Stadt zu tun war, nahm es die Polizei mit der Beweisaufnahme nicht allzu genau; und so findet Angela Tage später unter der Lache den Namen des Täters.
Dieser befindet sich jedoch ebenfalls im Haus und bekommt dies mit.
Angelas Freund ist ebenfalls von dem seltenen Hobby fasziniert. Da die Putzkolonne an diesem Tag nicht mit der Arbeit fertig geworden ist, zeigt Angela ihm den Tatort in der Nacht; aber dann läßt ihr Freund sie dort allein.
Der Killer nutzt die Situation und will jetzt die Zeugin aus dem Weg räumen. Doch es kommt anders. Er rutscht auf dem Blut aus und wird ohnmächtig.
Die beiden hatten kurz zuvor noch darüber gefachsimpelt, ob Köpfe, die vom Körper abgetrennt wurden, reden können, worüber ein Streit entfacht war.
Jetzt nutzt Angela die Situation, stellt den Kassettenrekorder auf „Aufnahme“ und muß feststellen, daß sie recht hatte - nicht der „Blaublut-Killer“...

Eine rabenschwarze Komödie verbirgt sich hinter „Curdled“, die von Quentin Tarantino („From Dusk Till Dawn“) produziert wurde und die von der ersten bis zur letzten Minute Spaß macht...
Den größten Teil der Kosten dürfte wohl William Baldwin verschlungen haben. Dummerweise zu Unrecht, denn er bleibt die ganze Zeit über blaß.
Oder anders ausgedrückt: Angela Jones spielt ihn glatt an die Wand. Es ist ein Genuß, ihr zuzuschauen, besonders bei ihrem Tanz zu dem feurigen Soundtrack in der Wohnung des Opfers. Sie fühlt sich unbeobachtet und spielt die Mord-Szene so nach, wie sie sich diese vorstellt.
Wer jetzt denkt, „Curdled“ sei ein Horror-Film, der liegt falsch. Nicht in einer Szene des Films wird Gewalt angewendet, die der Zuschauer zu Gesicht bekommt. Die Szene mit dem sprechenden Kopf (die erste) findet im Fernsehen statt, und man sieht Angela zu, als sie wie ein kleines Kind darüber staunt. Die zweite Szene wird ebenfalls nicht gezeigt, genausowenig wie die Morde des Killers.
Sicherlich ist „Curdled“ ein sogenannter Low-Budget-Film, aber die Idee und die Umsetzung - vor allem aber Angela Jones und die Filmmusik - entschädigen für die praktisch nicht vorhandenen F/X. (* Da sieht man mal wieder, daß es auch ‘ohne’ geht, gelle? Sowas sollte ruhig Schule machen! Heike)
In einer Szene berichtet eine Reporterin über den Blaublut-Killer und erwähnt auch die beiden auf der Flucht befindlichen Gecko-Brüder, die auf dem Weg durch die Staaten seien und eine Blutspur hinter sich herzögen; passenderweise werden die Fotos der beiden Brüder eingeblendet (gespielt von George Clooney und Quentin Tarantino - zu sehen in „From Dusk Till Dawn“)...

Punktabzüge gibt es für die miese Vorstellung von William Baldwin, die Vollbild-Fassung, den Tippfehler auf dem Cover und den zu protzigen Hinweis auf Tarantino, ebenfalls auf dem Cover.
11 Punkte

Guido Latz

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