Paula Volsky:

„Die Pforten der Dämmerung“

OT: The Gates of Twilight
Ü: Michael Morgental
USA 1996
(527 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9030, ISBN 3-453-14941-6, DM 16,90)
- erschienen: März 1999 -

Zum Inhalt:
Die Anhänger der Religion von Aoun-Vater drängen in Aveshq immer mehr in den Vordergrund, so daß die Vanaaren, die Aveshq besetzt halten, der Meinung sind, sich um diese Religion kümmern zu müssen. Renille von Chaumelle erhält den Auftrag, den Sitz der Religion, JiPhaindru, auszuspionieren. Da er aveshqianisches Blut in den Adern hat, fällt es ihm nicht schwer, sich als Einheimischer auszugeben. Mit Hilfe seines alten aveshqianischen Lehrers lernt er erst einmal mehr über die Religion von Aoun-Vater und schleicht sich dann in das Heiligtum ein. Doch hier erwartet ihn mehr, als er voraussehen konnte. Aoun-Vater ist ein reales Wesen, dessen Grausamkeit ohnegleichen ist. Seine Anhänger beginnen, den Spion zu jagen, und dieser hat kaum noch Chancen, seinen Landsleuten von seinen Entdeckungen zu berichten, da inzwischen überall in der Stadt Aufstände ausgebrochen sind und die vanaarische Residenz belagert wird.

Paula Volsky ist mit „Die Pforten der Dämmerung“ ein schöner, stimmungsvoller Fantasy-Roman gelungen, in dem es zwar wieder einmal um nicht mehr und nicht weniger als die Rettung der Welt geht, der jedoch ungewöhnlicherweise auf einem kleinen, überschaubaren Stück dieser Welt spielt.
Der traumhaft-märchenartige Stil des Romans vermag den Leser sehr schnell zu fesseln und bis zum Ende nicht mehr loszulassen. Dabei entwickelt sich die Handlung teilweise in recht interessanten und ungewöhnlichen Bahnen, die für das Genre ziemlich untypisch zu nennen sind.
Natürlich haben wir es bei „Die Pforten der Dämmerung“ mit einem handlungsmäßig eher klassischen Fantasy-Roman zu tun. Da haben wir die Wesenheit, die von einer höheren Ebene auf die Welt hinabgestiegen ist und sich hier als grausame Gottheit darstellt. Da haben wir den Helden, der - schwer gebeutelt und allen Gefahren trotzend - dieser Wesenheit gegenübertritt, um die Gefahr abzuwenden, die sie für die Welt bedeutet. Da haben wir die Prinzessin, die dem Helden tapfer zur Seite steht, die gar die einzige ist, die ihm in seinem Kampf helfen kann, da sie den Schlüssel zur anderen Ebene besitzt. Und doch - bei all diesen klischeehaften Zutaten kommt ein erfrischender Roman heraus, der vor allem auf stilistischer Ebene vollends zu überzeugen vermag.
Sicherlich hat die Autorin die Fantasy mit diesem Roman nicht neu erfunden - was sie jedoch geschaffen hat, braucht auch keinen Vergleich mit anderen Werken zu scheuen. Die in epischem Stil erzählte Story ist durchaus spannend und interessant - und im Gegensatz zu diversen Autoren, die ähnlich epische Werke von sich geben, ist dieses Werk mit dem vorliegenden Band bereits abgeschlossen. Und auch hiermit setzt sich die Autorin erfreulich von ihren Kollegen/Kolleginnen ab, die in letzter Zeit anscheinend nur noch Mammut-Zyklen zuwege bringen können.

Fazit:
Ein angenehmer, spannender, epischer Fantasy-Roman, dessen Lektüre sicherlich kein Fehler ist. Die Autorin ist in der Lage, ihrer Geschichte trotz der Verwendung diverser Genre-Klischees eine eigene Dynamik zu verschaffen, die das Werk lesenswert macht und es von anderen Werken des Genres abhebt.
12 Punkte.

Winfried Brand


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