Band 1963: „Die Gestalter“

Autor: H.G. Francis

Aba Ossaq ist auf der Flucht vor seinem Volk. An Bord eines Kriegsschiffes der Yac-Real hat er den Kommandeur übernommen. Langfristig gesehen will er sich hier in der Gegend eine Machtposition aufbauen. Doch es gibt einen Faktor, den er nicht auf der Rechnung hatte. Im Volk der Yac-Real gibt es die Dunklen Magister. Es sind geistig begabte Personen, die sogar in der Lage wären, Aba Ossaq außer Gefecht zu setzen. Der erste, auf den der Gestalter trifft, bietet ihm seine Zusammenarbeit an, um damit das Volk der Yac-Real zu beherrschen, denn auch die Dunklen Magister wissen, was gut für sie ist. Doch Aba Ossaq hat andere Pläne, und so täuscht er eine Kooperation zunächst vor, um dann zu sehen, wie er die Dunklen Magister wieder los wird.
Zunächst aber muß er erkennen, daß sein aktueller Körper nicht unbedingt das Nonplusultra ist, denn er will ja nicht in den Krieg, sondern eher in die Politik. (* Naja - ist manchmal auch’n bißchen wie Krieg... Heike) So setzt er sich also von der Schlacht ab, was wohl dazu führt, daß der Kommandant demnächst wegen Feigheit vor dem Feind verurteilt wird, aber das kümmert Aba Ossaq eher wenig.
Doch auch hier geht nicht alles so glatt, wie er sich das vorgestellt hat. Bevor er den Wirt wechseln kann, wird er gefangen, verurteilt und hingerichtet. Erst in allerallerletzter Sekunde und mit viel, viel Glück gelingt es ihm, sich zu retten.
Nun aber kann er befreit aufspielen. Auf jeden Fall könnte er das, wenn das Schicksal ihm nicht immer in die Quere käme. Zunächst gönnt er sich eine Pause, bevor er auf den Thronfolger und dann auf den Herrscher der Yac-Real wechselt. Allerdings kommt er genau in dem Moment in dessen Körper an, als der Herrscher vergiftet wird. So muß wieder einmal ganz, ganz schnell ein Ersatz her; und so landet er nach einer kleinen Odyssee endgültig im Körper des Thronfolgers. Als erstes sorgt er dafür, daß die Dunklen Magister für den Tod des alten Herrschers verantwortlich gemacht werden, und läßt sie beseitigen. Nun kann er in aller Ruhe darangehen, seinen Machteinfluß zu vergrößern.
Aba Ossaq hat in seinem Plan allerdings seine Familie vergessen. Nachdem sie seine Spur verloren haben, gehen sie ihrer Lieblingsbeschäftigung nach: Frieden stiften - und sie haben sich ausgerechnet den Konflikt der Truzenen und Yac-Real ausgesucht! Sie finden Aba Ossaq und bringen ihn zurück zum Schwarm. Allerdings bekommt er nun einen anderen Namen: Sha Bassa - ‘im Dunkel der Sterne’.
Wie zuvor bekommt er Hausarrest, und wie zuvor zeigt er sich uneinsichtig, aber diesmal schwört er allen Rache.
Eines Tages treffen die Gestalter auf die Helioten, und diese machen sie zum ersten Volk von Thoregon. Sie sollen einen wichtigen Beitrag zur Errichtung und Erhaltung des PULSES leisten, dem Ort, an dem die Koalition entstehen wird.
Während die Familie noch überlegt, arbeitet Sha Bassa weiter an seinen Racheplänen. Wieder tötet er einen Gestalter. Doch dann bekommt er seltsamen Besuch. Es handelt sich um Cairol den Zweiten, den Beauftragten von Torr Samaho. Er versucht, Sha Bassa als Streiter gegen die Koalition zu gewinnen, ist aber zunächst erfolglos, denn der Gestalter verspricht sich davon nichts. Dennoch stellt sich heraus, daß Cairol stärker ist als er, und mit mentaler Gewalt entzieht dieser ihm alles, was er bisher über Thoregon erfahren hat.
In der Gegenwart erreicht Alaska mit der VIRTUA/18 den Planeten Duxic. Hier treffen im Verlauf von drei Wochen alle Virtuellen Schiffe ein. Sie sollen ihren K(osmischen)-Faktor an Bord nehmen. Es stellt sich heraus, daß es sich dabei um die Gestalter handelt. Doch leider weiß man nicht, wo sich diese aufhalten. Die Virtuellen Schiffe müssen sich also erst auf die Suche nach ihnen machen. Gemeinsam mit Toricelly, einem großen weiblichen Alien, macht sich Alaska auf den Weg. Mit System durchforsten sie den Computer und haben bald einige Konflikte gefunden, in denen die Gestalter aktiv sein könnten, was sich dann auch als Treffer herausstellt. Vom ersten Boten von Thoregon, Jorim Azao, erfährt er von der Existenz des Gestalters Sha Bassa, der verschwunden ist. Für Alaska ist der Zusammenhang mit Shabazza sofort klar, nur will dem ersten Volk von Thoregon nicht in den Kopf, daß einer ihrer Angehörigen ein vielfacher Mörder sein soll...

Mir scheint, daß die Koalition von Anfang an nicht viele Freunde hatte. Seit langer Zeit arbeiten im Geheimen viele Wesen an der Entstehung, und es sieht so aus, als ob auf der anderen Seite mindestens genausoviele genauso hart arbeiten würden, um ihnen den Spaß zu verderben. Jeder Schritt scheint bekannt und wird verfolgt. Immer scheint die Gegenseite einen Schritt weiter zu sein. Und doch hat es die Koalition bis hierhin geschafft; und mit den Terranern an Bord kann ja kaum noch was schiefgehen.
Aber bleiben wir näher am Band:
Die relevanten Daten der Geschichte der Gestalter sind ja nun bekannt. Was mich verwundert hat, ist jedoch, was die Guten die letzten 3.000 Jahre so gemacht haben. Anscheinend hat es ihnen in dieser Galaxis so gut gefallen, daß sie sich hier kaum wegbewegt haben. Um so verwunderlicher ist es, daß sich in Thoregon keiner um ihren Aufenthaltsort gekümmert hat und so die Piloten der Virtuellen Schiffe selbst auf die Suche nach ihren Passagieren gehen müssen. Und dann kommt Meister Saedelaere an und hat das verschwundene Volk innerhalb von ein paar Seiten gefunden!?! Für mich wirkte der Schluß dieser Ebene dann doch ein wenig arg knapp. Auf der anderen Seite hatten wir schon genug Episoden in diesem Zyklus, die man gut und gerne in einen Band hätte packen können; so will ich auch mal mit einer etwas kürzeren Handlung zufrieden sein. Zumal die Vorbereitung an sich gar nicht mal schlecht war. Die Einführung der verschiedenen Piloten war in meinen Augen recht amüsant, und besonders die neue „Freundin“ von Alaska gefällt mir recht gut. Wenn die beiden eine Weile zusammen durchs Weltall fliegen, würde ich das sehr begrüßen.
Ansonsten, fürchte ich, müssen wir abwarten, was uns so die Zukunft noch bringen wird.

Fazit:
Mal wieder ganz nett - nicht gut - nicht schlecht - manchmal ein wenig einfallslos - aber so reichts immerhin noch für
8 Punkte

Alexander Haas

Und weiter geht es mit der Geschichte um Shabazza, die Gestalter und die Virtuellen Schiffe.
Wie schon so oft bei Doppelbänden fällt jedoch leider auch dieser gegenüber seinem Vorgänger um einige Punkte ab. Dies liegt diesmal vor allem daran, daß so ziemlich jeder Leser bereits beim letzten Heft mitbekommen haben dürfte, daß es sich bei Aba Ossaq um den jungen Shabazza handelt. Von daher löst die weitere Geheimniskrämerei um diesen Sachverhalt beim Leser eher ein gewisses Gefühl der Langeweile aus, verbunden mit einem „Ja, wir wissens, jetzt schreibt es doch endlich“-Stöhnen...
Auf der Alaska-Ebene fragt selbiger auf Seite 19 dann auch folgerichtig bezüglich der geheimnisvollen K-Faktoren: „Sollte das K in diesem Fall etwa ganz banal für kosmisch stehen?“ Ja - natürlich. Und mit „banal“ hat Alaska dann den Vogel auch gleich abgeschossen. Denn „banal“ könnte man vieles in diesem Roman nennen. Das große Rätsel wurde ja, wie erwähnt, bereits im letzten Band gelüftet. Anstatt jedoch in anderer Form weiterzumachen, bleibt auch hier über weite Strecken die Handlung um den jungen Shabby im Vordergrund - eine Handlung, die im Großen und Ganzen weder Neues noch wirklich Interessantes, geschweige denn Überraschendes zu Tage bringt. Gerade der Überraschungseffekt, der den letzten Roman in die hohen Punktgefilde gehoben hat, wird hier ausgelutscht und und in abgedroschener Form dem Leser wieder dargeboten.
Auch die Beschreibung der Technik des Virtuellen Schiffes wird bei weitem nicht dem gerecht, was sie denn nun darstellen soll. Fast ist der Leser angesichts der „Banalität“ versucht, in seiner Vorstellung ein paar Siganesen am Werk zu sehen. Es bleibt zu hoffen, daß sich dies in den nächsten Romanen bessert und die Virtuellen Schiffe den Rahmen bekommen, den sie eigentlich verdienen.
Nichts Neues also unter der Sonne? Nun, dem ist dann zum Glück doch nicht ganz so.
Zum einen hätten wir da den Besuch des Thoregon-Botschafters bei den Gestaltern. Hierzu zwei Anmerkungen: Zum einen sollen also die Gestalter den PULS stabilisieren. Das deutet dann nicht nur darauf hin, daß die sich aufbauende Energie ohne das Einwirken der Gestalter das Superbeben bewirken würde. Wir haben zusätzlich ja noch das Wissen, daß in Thoregon auch Superintelligenzen eingewoben sind. Davon ausgehend, daß sich diese hinter dem Prototor befinden und die eigentlichen Initiatoren von Thoregon sind (Hinweise hierzu folgen auch noch im nächsten Absatz), ergibt sich zusammen mit dem alten Hinweis, daß mit diesem Großzyklus das Zwiebelschalenmodell eine Modifizierung erfahren wird, die Vermutung, daß der PULS dazu dienen soll, den anwesenden SIs zu helfen, in eine andere Existenzebene zu gelangen, die nichts mit den bekannten Entwicklungsmöglichkeiten in Richtung Materiequellen bzw. -senken zu schaffen hat - also auch hier einen „dritten Weg“ zu beschreiten.
Und nun der schon erwähnte Hinweis bzw. das Indiz dafür, daß sich wirklich SIs hinter Thoregon versammelt haben: Die Gestalter wurden vor ca. 3.000 Jahren ausgewählt - als erstes Volk Thoregons! Wer außer SIs hat schon die Möglichkeit, über Vergangenheit und Zukunft hinweg seine Pläne zu schmieden? Immerhin sind die Pilzdome teilweise schon weit vor diesen 3.000 Jahren auf den entsprechenden Welten aufgetaucht. Eine Einwirkung zumindest einer SI muß also als gegeben angenommen werden (allerdings wissen wir dies ja auch schon seit der Erwähnung der „hochrangigen SI“ im Schwarzen Loch).
Um auf die Virtuellen Schiffe zurückzukommen: Etwas seltsam erscheint mir dann ja doch die Auswahl der Piloten durch alle Völker aller möglichen Galaxien hindurch. Welches Kriterium hier Pate stand, ist sicherlich noch nicht ersichtlich. Daß all diese Vertreter ihrer Völker jedoch plötzlich so Thoregon-enthusiastisch sind, erscheint mir ein wenig seltsam angesichts der Tatsache, daß Thoregon bisher aus gerade mal sechs Völkern besteht, die sich erst einmal zusammenraufen müssen. Jetzt die Vertreter von Nicht-Thoregon-Völkern auf die Schiffe zu holen, ist mir sinnmäßig noch nicht so ganz klar, nachdem man sich bisher allergrößte Mühe gab, so ziemlich alle anderen außen vor zu halten und erst einmal innerhalb der Koalition klar Schiff zu machen. Allerdings könnte dies auch damit zusammenhängen, daß ja noch ca. 2,5 Schiffe der Fertigstellung harrten, als der Deltaraum der Zerstörung anheimfiel. D.h., die Schiffe hätten erst in diversen tausend Jahren aufbrechen und ihre Piloten suchen sollen. Bis dahin hätte Thoregon dann wohl so stark dagestanden, daß man sich auch einen Namen unter Nicht-Mitgliedsvölkern gemacht hätte. Dem gegenüber steht jedoch die Aussage, daß die Schiffe einen wichtigen Beitrag zum PULS leisten sollen. Und die Frage steht natürlich im Raum, wie die geplanten Schiffe in der kurzen Zeit zwischen Zerstörung des Deltaraums und dem Konstituierenden Jahr überhaupt hätten fertiggestellt werden sollen. Irgendwas beißt sich da in den Schwanz...

Fazit:
Durch das krampfhafte Aufrechterhalten eines Geheimnisses, das schon seit dem letzten Roman gar keines mehr ist, verliert der zweite Teil der Shabazza-Lebensgeschichte an Wirkung. Statt dessen fügen sich Fragen ein, die den Sinn der Virtuellen Schiffe betreffen, so daß diese Handlungsebene an Bedeutung gewinnt. Allerdings reicht dies nicht, um den Roman aus der „Banalität“ hervorzuheben, die Alaska bereits auf Seite 19 erwähnt.
8 Punkte.

Winfried Brand

Was sich im letzten Heft bereits andeutete, ist nun also zur Gewißheit geworden:
Das große Geheimnis um die Identität Shabazzas ist gelüftet. Wir haben es also tatsächlich mit dem Angehörigen eines Thoregon-Volkes zu tun.
Angesichts der Aussagen dieses Romans stellt sich allerdings nun die Frage, inwieweit Shabazza den Auftrag seines Meisters nach dessen Vorgaben ausführt und inwieweit er hier nach eigenem Ermessen schaltet und waltet. Denn daß der Einsatz von diversen Plagen wie Goedda, welche ganze Planeten entvölkerten, wirklich von den Kosmokraten befohlen wurde (wenn es sich denn tatsächlich um diese handelt), wird wohl eher unwahrscheinlich sein. Eines dürfte aber wohl jedem klar sein: So ganz unrecht hätten die Kosmokraten nicht, wenn sie die Ziele oder besser die Vorgehensweise Thoregons in Frage stellen und kritisieren.
Frieden um jeden Preis, das ist es, was Thoregon will, und das hat bei den Galornen schon mal nicht geklappt, welche mit der radikalen Methode des Shifting einem Volk nicht nur die Aggressionen, sondern auch den Lebenswillen nahmen. Die Frage, ob Kriege nun nötig sind oder ob es nicht doch ein friedliches Miteinander auf globaler Ebene geben kann, ohne den Drang nach Eroberung und ohne nachbarliche Zwistigkeiten, ist sicher müßig. Aber ich denke, daß H.G. Francis in seinem zweiten Band um die Gestalter dieses Problem sehr gut dargelegt hat und somit vielleicht auch die seit 1900 etwas ins schlechte Licht geratenen Kosmokraten damit in ihrem Tun wieder etwas nachvollziehbarer werden. Sicherlich sind sie letztlich nicht als Gegner Thoregons zu verstehen, sondern eher als Bewahrer der Ausgewogenheit, des kosmischen Gleichgewichts, welches sie durch Thoregon gefährdet sehen. Francis hat mit diesem Band meines Erachtens einen der besten Romane seiner PR-Laufbahn abgeliefert.
Er schafft es, die Geschichte der Gestalter und die des Shabazza sowohl auf atmosphärischer als auch auf stilistischer Ebene brillant zu erzählen und vermag vor allem die Beweggründe Shabazzas sehr glaubwürdig zu schildern. Die über die Jahrhunderte immer tiefer werdende Kluft zwischen dem jungen Gestalter und seiner Familie sowie sein Weg vom kleinen Außenseiter bis zum mächtigsten, gleichwohl kaltblütigsten Vertreter seiner Art wird ausführlich und mit behutsamer Steigerung der Spannung beschrieben.
Doch auch die zweite Handlungsebene weiß zu überzeugen. Während im ersten Heft des Doppelbandes noch die Erkundung des Virtuellen Schiffes anstand, so wird Alaska hier nun bereits vor große Aufgaben gestellt.
Die Gestalter hat man ja nun relativ schnell und ohne große Schwierigkeiten ausfindig gemacht, was aber sicher einer langwierigen Suche über mehrere Bände hinweg vorzuziehen ist.
Wie um die Klasse des Romans abzurunden, hat Ralph Voltz dann auch wieder mal ein wunderschönes Titelbild hingezaubert, das zu betrachten man nicht müde wird. Auch wenn man sich nach der Lektüre der entsprechenden Szene ein Grinsen nicht verkneifen kann... Nur wenige Minuten nach der auf dem TB festgehaltenen Szenerie wimmelt es nämlich auf dem großen Platz nur so vor exotisch aussehenden Aliens. Nun, entweder hat Ralph es sich hier ein bißchen einfacher gemacht, oder er hat sich bewußt für die schlichte Eleganz entschieden, wobei ich eher auf letzteres tippe, da die beiden wie verloren wirkenden Figuren im Kontrast zu den Virtuellen Schiffen wohl doch mehr hermachen als ein Massenauflauf der übrigen Piloten. Allerdings sollte Ralph beim nächsten Mal darauf achten, daß er Alaska einigermaßen korrekt darstellt. Der Träger der Haut wurde immer als kurzhaarig und hager beschrieben. Der Mann auf dem TB sieht eher aus wie Cistolo Khan.

Fazit:
Ein Roman, auf den wir lange gewartet und an den wir einige Erwartungen gestellt haben. Mich zumindest hat Francis ganz und gar nicht enttäuscht. Eine Spitzenleistung! Der Mann gehört ins Team! (Ähh, wat is?)
14 Punkte

Stefan Robijn

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