Robert Rankin:

“Jenseits von Ealing“

(Dritter Roman der legendären BRENTFORD-TRILOGIE (in ca. 5 Teilen))
OT: East of Ealing
Ü: Axel Merz
GB 1984
(381 Seiten, Taschenbuch, Bastei Lübbe 24255, ISBN 3-404-24255-6, DM 12,90)
- erschienen: April 1999 -

In Brentford ist mal wieder einiges los. Norman, der erfinderische Eckladenbesitzer, konstruiert ein Perpetuum mobile, um sich die Arbeit zu erleichtern - auf seine eigene (höchst erfinderische) Weise. Pooley und Omally würden ja gern an Normans Glück teilhaben, aber er läßt sie nicht. Dafür führt eine andere von Pooleys Unternehmungen endlich zum Erfolg: Er gewinnt beim Pferderennen. Er glaubte ja schon immer, daß es mit seiner jeweils nächsten Methode endlich klappen würde, und diesmal ist es soweit. Durch die komplett gewonnene „Sechserwette“ wird er zum Multimillionär. Schon bald macht ihm dies jedoch gewaltig zu schaffen - denn die Firma TORE & FENSTER CORP. hat es sich in den Kopf gesetzt, das Geld abzuschaffen und dafür alle Menschen wie auch die Waren in den Kaufhäusern mit einem Strichcode zu versehen. Waren werden also gescannt, um verkauft zu werden (Waren-Nr. und Preis etc. - für sowas sind Strichcodes ja selbst in unserem Universum schon seit längerer Zeit üblich), und die Menschen werden anschließend ebenfalls gescannt, um auf diese Weise völlig bargeldlos zu bezahlen, so sie denn kreditwürdig sind (was bei Jim Pooley ja nun, wenn auch noch so ausnahmsweise, absolut der Fall ist). Und wie nicht anders zu erwarten, kommt es schon bald darauf zu unheimlichen Geschehnissen in (und um) Brentford...

Robert Rankin bietet mit diesem Roman mal wieder viel zu lachen - nicht nur die profitgierige TORE & FENSTER CORP. (so eine Art Computerfirma - man übersetze den Firmennamen bitte zwecks besseren Verständnisses nur mal kurz ins Englische zurück), die mit unlauteren Machenschaften die Erlangung der Weltherrschaft anstrebt, hat es mir da angetan. Und Übersetzer Axel Merz sowie Lektor Stefan Bauer tun ihr übriges, um den Leser zu unterhalten.
Aber alle Fehler hat leider, leider (Herr Bauer, Herr Bauer!) selbst der brentfordsuchende Saarländer (oder ist er vielleicht doch ein Ire?) nicht entdeckt. Beispiele verkneife ich mir ausnahmsweise (Ätsch!). Wer sich wirklich dafür interessiert, mag sie selber suchen - vorhanden sind genügend, leider...

Trotz allem: Gute Unterhaltung, wenn auch nicht ganz so „Genial!“ (multiples Klappentext-Zitat vom Vorgängerband) wie der Vorgängerband. Bei Rankins Wortspielereien sind Lacher geradezu vorprogrammiert (und das meiste davon ist ja auch recht gut (oder zumindest ziemlich kreativ) übersetzt - >:-))) - spontan fällt mir da zum Beispiel die Geste namens ‘Effenberg’ ein, deren englisches Original ‘Gazza’ (bzw. ‘Gascoigne’) gelautet haben dürfte, jedenfalls wenn ich die diesbezügliche Anmerkung richtig verstanden habe...) Nur kommt mir die Idee der „Trilogie in ca. fünf Teilen“ irgendwie doch leicht von einem gewissen Herrn D. Adams entlehnt vor (* Das kommt immer darauf an. Wenn das im Original bereits so dastand, "entlehnte" Adams wohl eher bei Rankin, da 1984 (Erscheinungsjahr des Originals dieses Romans) der vierte Anhalter-Band noch nicht mal in der Mache war, vom fünften ganz zu schweigen... Winy) (* Aber geplant werden Anhalter 4 + 5 da ja wohl schon gewesen sein - oder etwa nicht? Heike?) (* In Anbetracht der Tatsache, daß Adams jeweils mit einem Scheck zu einem neuen Buch überredet werden mußte, waren die Teile sicherlich nocht nicht geplant... Winy). Naja, warten wir erstmal ab, was da noch so alles auf uns zukommt. Auf jeden Fall wohl recht bald (beispielsweise: im nächsten Band) eine Verknüpfung mit dem Hugo-Rune-Zyklus. Ich hoffe bloß, daß man diesen zum besseren Verständnis des Ganzen nicht unbedingt gelesen haben muß - auf mich trifft das nämlich nicht zu. Vielleicht könnte mir mal jemand Hugo-Rune-Rezis zukommen lassen? Aber vielleicht könnte mir auch jemand die Aufgabe des mühseligen und zeitraubenden Robert-Rankin-Rezensierens (kurz: RRR) komplett abnehmen? Am liebsten wäre mir latürnich jemand, der den Hugo-Rune-Zyklus schon kennt - ebenso wie auch die bisher hier rezensierten (mit diesem sind’s deren drei) Bände. Dies soll nicht etwa heißen, daß mir das Lesen keinen Spaß gemacht hätte, ganz im Gegentum! Aber irgendwie glaube ich, daß ich für Gag-Fantasy in Zyklusform (speziell mit der Befürchtung im Hinterkopf, daß ein Supermegariesenmammutgigazyklus draus werden könnte) keine sonderlich geeignete Rezensentin bin...

Fazit:
Obwohl mir ein paar Fehlerchen auffielen und die ‘Kabbelei’ zwischen Lektor und Übersetzer manchmal doch ein klein wenig nervt, ist dieser Roman durchaus empfehlenswert - zumindest für Leute, die Gag-Fantasy mögen, die vorhergehenden Bände kennen und jede Menge (möglichst schwärzlichen) Humor mitbringen. Man sollte auch grundsätzlich ALLEM gegenüber aufgeschlossen sein (ich mag nun mal das Wort ‘tolerant’ nicht - dies hat aber herzlich wenig mit dem ebenfalls hier rezensierten und im Deutschen „Toleranz“ betitelten Buch von Sheri S. Tepper zu tun), wenn man „Jenseits von Ealing“ lesen möchte, denn der Heiligen Kühe werden (wie üblich) mal wieder einige (aus)geschlachtet.

Dies bringt mich zur Wertung: Ich gebe
12 Punkte.

Heike Brand


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