Zum
Inhalt:
Block Arkansas wurde 2012 nach langer Planungsphase als Projekt mit
dem Status above top secret gestartet. Heute, 150 Jahre
später, leben in diesem, einen Kilometer unter der
Erdoberfläche gelegenen und hermetisch abgeschlossenen Komplex
die sogenannten Tics. Sie bilden eine reine künstliche
Männergesellschaft, die von einem Computer mit Namen Ciah
geleitet wird. Zwar existieren hier unten auch Frauen, doch sind
diese in einem eigenen Komplex hermetisch von den Männern
abgeschlossen und dienen nur noch als Gebärmaschine. Cal ist
einer dieser gentechnisch manipulierten Tics, vielleicht sogar der am
weitesten entwickelte. Doch nach einem erfolgreich
durchgeführten Polizeieinsatz gegen einen Sexualverbrecher, der
unerlaubt mit einer Frau zusammen war, scheint Ciah irgendetwas gegen
ihn im Schilde zu führen.
Ob Genetics der erste deutsche schwule SF-Thriller ist
oder nicht, darüber mögen andere entscheiden -
übrigens ist sich auch der Verlag in diesem Punkt nicht sicher.
Lutz Büge jedenfalls entwickelt als Schwuler hier das
düstere Bild einer Männerwelt, die, von Militärs und
Geheimdiensten geplant und verwirklicht, nach und nach in sich
zusammenbricht.
Sicherlich mag der Computer Ciah den einen oder anderen an Big
Brother aus Orwells 1984 erinnern, und die weitere
Handlung kann einen gewissen Touch von Logans Run
auch nicht verheimlichen. Lutz Büge strickt jedoch aus diesen
Zutaten einen SF-Thriller, der spannend und interessant daherkommt.
Der Autor verläßt sich dabei nicht auf die reinen Elemente
des Thrillers, sondern analysiert seine künstliche
Männerwelt bis ins Innerste, gbit den zwischenmenschlichen
Interaktionen Raum, sich zu entwickeln. Gerade diese Analyse dieser
(eigentlich von vornherein zum Scheitern verurteilten) Utopie einer
reinen Männergesellschaft (und sei es nur, weil die
Militärs einen besseren Menschen schaffen wollen), verhilft
diesem Roman zu seinem wirklichen Reiz.
Interessant sind auch Büges Charaktere. Diese leben, zeigen
Gefühle und entwickeln sich weiter - und auch der Computer Ciah
entwickelt teilweise fast menschliche Züge, wenn es um die Frage
geht, wie es mit seiner geistigen Gesundheit bestellt ist. Gerade die
Schilderung der Entwicklung von Menschlichkeit in einer
unmenschlichen Umgebung gelingt dem Autor gut, indem er seine
Protagonisten immer menschlicher werden läßt, je mehr
Unmenschlichkeit ihnen entgegengeworfen wird.
Daß in diesem Szenario die Rolle des Gentechnikers, der die
Entwicklung des Menschen vorantreiben will, ausgerechnet einem
Computer überlassen bleibt, der sich selber für unfehlbar
hält, der keine Gefühle entwickeln kann, mag einen
Interpretationsansatz darstellen, wenn es um die Frage der
Einstellung des Autors zur Gentechnik im Allgemeinen geht. Ciah
jedoch hegt insgeheim auch Zweifel an der moralischen Richtigkeit
ihres Tuns, kann diese nicht offen zeigen und wird von diesem
Zwiespalt in eine Lage gebracht, die sich als höchst
gefährlich und unberechenbar erweist.
Insgesamt hat Lutz Büge hier einen Roman vorgelegt, der
sicherlich ungewöhnlich daherkommt, seine Gesellschaftskritik
jedoch mittels einer Mischung aus Faszination und Schrecken
angesichts der Düsternis dieser Welt an den Leser bringt.
Daß daraus dann ein spannender und lesenswerter SF-Thriller
geworden ist, ist durchaus erfreulich.
Fazit:
Lutz Büges Roman Genetics entpuppt sich als
spannender, aber auch sozial- und gesellschaftskritischer SF-Thriller
reinsten Wassers, dessen Lektüre man guten Gewissens
weiterempfehlen kann.
12 Punkte