Zum
Inhalt:
Anthony van Horne hat ein Problem: Seit vor einem Jahr der
Supertanker Valparaiso auf ein Riff gelaufen und leckgeschlagen ist,
wobei er seine Ladung Öl an der Küste Floridas verteilt
hat, plagen ihn Träume des Ereignisses. Denn er war der
Kapitän des Tankers und hatte die Brücke zum Zeitpunkt des
Unglücks verlassen, um sich unter Deck in seiner Kabine einem
Migräneanfall hinzugeben. Seitdem quälen ihn diese
Alpträume, fühlt er sich über und über mit
Öl verschmutzt. Inzwischen ist er dazu übergegangen,
sonntags nachts im Brunnen einer für Touristen aufgestellten
Kirche rituelle Waschungen vorzunehmen, um sich so von dem Öl
und der Schuld zu befreien.
Doch eines Sonntags trifft er auf einen Engel, stilecht mit Schwingen
und Heiligenschein - nur daß dieser flackert. Der Engel stellt
sich als Rafael vor, und auch er hat ein Problem: Gott ist tot. Aber
nicht nur, daß Gott tot ist - seine leiblichen Überreste
sind auch auf die Erde gefallen und schwimmen nun im Meer herum.
Rafael möchte, daß van Horne wieder mit der Valparaiso auf
Reisen geht; diesmal, um den Leichnam Gottes zu bergen und in ein
Grab in der Arktis zu schleppen, wo er eingefroren werden soll.
James Morrow gilt zu Recht als einer der besten Satiriker der Science
Fiction. Dies beweist er auch im vorliegenden Roman wieder, in dem er
sich dem Ableben Gottes und den daraus resultierenden Folgen mit
geschärftem Blick und teilweise noch schärferer Feder
widmet.
Die Geschichte des Abschleppens Gottes sucht sicherlich ihresgleichen
in der SF-Literatur. Dabei erzählt Morrow die Handlung im Rahmen
der skurrilen Prämisse durchaus in vollem Ernst weiter, woraus
sich Situationen ergeben, die man zuerst kaum glauben
möchte.
Natürlich wirkt sich der Anblick der Leiche auf die Mannschaft
des Tankers aus, deren Moral immer mehr aus dem Ruder zu laufen
scheint, bis die Entwicklung in einem Höhepunkt geradezu
explodiert und hier erst einmal wieder Ruhe einkehrt.
Doch auch der Vatikan, dem inzwischen langsam klar wird, daß
man nun freie Hand hat, da auch die Engel aus Gram den Löffel
abgegeben haben, plant offensichtlich anderes mit dem Leichnam, als
ursprünglich von den Engeln vorgesehen war. Dessen ungeachtet
greift eine Gruppe von Atheisten in das Geschehen ein, die ebenfalls
ihre eigenen Interessen verfolgt.
Aus diesen Zutaten mixt Morrow eine aberwitzige Geschichte, die an
keiner Stelle langweilig wirkt, den Leser vielmehr in ihren Bann
zieht und bis zur letzten Seite nicht mehr losläßt.
Daß man dabei auch mehr als einmal befreit auflacht bzw. das
Lachen einem vor Beklemmung fast im Hals steckenbleibt, ist
eigentlich selbstverständlich bei einem satirischen Werk dieser
Qualität.
Alles in allem also ein Roman, der gut und gerne seine 15 Punkte
verdient hätte, wäre - ja, wäre da nicht die deutsche
Übersetzung, die zwar durchaus durchdacht, jedoch in einer Form
daherkommt, die an eine Beta-Version erinnert, die nicht mehr
korrekturgelesen wurde. Völlig untypisch für Horst Pukallus
machen sich dann Schreib- und Grammatikfehler in einem Maße
breit, das nicht mehr vertretbar erscheint.
Da faßt ein Glas Wasser schon mal 10 cm³ (0,01 Ltr.)
(* Das wäre dann kein Sturm im Wasser-, sondern im
Schnapsglas, wenn ich das richtig verstehe... Heike), oder ein
Priester beeilte sich durch die Straßen der Stadt
davon. Bei einem Propangaskocher flammt das Glas
auf, und das Packeis kirscht verhalten. (* Da
hammse dann halt ein bißchen granite mit
Kirscharoma dazugepackt... Heike)
Aus all diesen Tippfehlern erwachsen dann Grammatikfehler, wenn aus
einem jeder ein jedem wird, was in
Abwandlungen ebenfalls recht häufig zu finden ist.
In dem Plakattitel Pembroke & Flume präsentieren:
Ardennenoffensive suche ich übrigens immer noch das zweite
T, das laut der Übersetzung vorhanden sein
sollte...
All dies ist um so verwunderlicher, da Horst Pukallus eigentlich als
einer der sehr guten Übersetzer bekannt ist. Ich kann es mir
wirklich nur so erklären, daß aus Versehen die falsche
Version der Übersetzung beim Verlag gelandet ist.
(* ...wo dann der Fehler gemacht wurde, blind vorauszusetzen,
daß es schon die richtige Version sein würde... Kennst Du
übrigens den Witz, daß angeblich (vor Jahren mal) eine
Band (es war natürlich gar keine!) einer
Plattenfirma eine leere (sogar noch original-eingeschweißte!!!)
Democassette geschickt hat - und den üblichen Brief
zurückbekam: Tja, Leute, Eure Mucke ist ja ganz gut, aber
zur Zeit haben wir keine Verwendung für Euch... War,
glaube ich, in Wie bitte? oder so. Kein weiterer
Kommentar nötig, oder? Heike)
Fazit:
James Morrows Das Gottesmahl bietet einen fantastischen
Roman für alle, die mit intelligenter Satire etwas anfangen
können. Wenn auch der eine oder andere gottesgläubige
Mensch (* Diese gelten bereits als aussterbende Art und
stehen unter strengem Naturschutz, was allerdings wohl nicht mehr
viel nützen wird... Heike) zumindest bei einzelnen Szenen so
seine Problemchen haben dürfte (z.B. wenn ein Priester über
die Genitalien Gottes philosophiert), so bleibt im Großen und
Ganzen eine Geschichte, die ihresgleichen sucht. Die Übersetzung
im Beta-Stadium reißt den Roman dann leider in der Wertung
wieder von der Höchstpunktzahl herunter auf
13 Punkte.