Band 1965: „Mission des Boten“

Autor: Robert Feldhoff

11. Januar 1291 NGZ - Camelot:
Die SOL ist wieder in der Heimat und in der Hand von Galaktikern. Perry Rhodan besucht seine Basis auf Camelot, aber nicht mit Urlaubsplänen. Er will hoch hinaus. Er will das Galaktikum davon überzeugen, in welcher Gefahr sich die Milchstraße befindet.
Und er will die SOL ein wenig auf Vordermann bringen. Aber nicht in ein paar Monaten, wie Homer G. Adams es ihm anbietet. Er hat nur drei Tage! Dann findet nämlich in Mirkandol eine große Sitzung statt, auf der er vor dem Galaktikum reden will. Er macht Julian Tifflor zu seinem Botschafter. Er soll auf Arkon alles in die Wege leiten, damit Camelot auf dieser Sitzung als Hauptredner anerkannt wird. Um das zu erreichen, ist Perry Rhodan auch dazu bereit, die galaktischen Daten von Camelot bekanntzugeben.
Doch zunächst fliegt er ins heimatliche Sol-System. Hier trifft er Cistolo Khan, der von ihm die Herausgabe der SOL fordert. Dies ist für Rhodan völlig unverständlich und nicht akzeptabel. Doch auch er stößt auf Ablehnung. Khan ist nicht bereit, ihm die Schiffe zu geben, die Rhodan als Unterstützung gegen die Kosmokratenfabrik MATERIA fordert.
Nun begibt sich Perry Rhodan auf die Brücke in die Unendlichkeit. Er will mit Atlan in Chearth sowie mit den Helioten Kontakt aufnehmen. Das zweite erweist sich als ungemein schwierig; und als er den Zugang erzwingt, erblickt er nur einen leeren Raum. Die Koalition ist noch nicht konstituiert, und so wird sich dieser Raum wohl erst am Ende dieses Jahres füllen. Doch einen Effekt hatte die Angelegenheit. Die Brücke ist völlig außer Kontrolle, und nur mit Mühe gelingt Rhodan der Rückweg. Hier stellt sich heraus, daß im normalen Universum inzwischen zwei Tage vergangen sind.
Derweil hat Tifflor Camelot als Hauptredner durchgeboxt. Er mußte nur versprechen, daß die SOL einen kleinen Showflug veranstaltet, zusammen mit ein paar Arkon-Einheiten.
Schließlich hält Rhodan seine erste Rede in Mirkandol, und am Ende gibt er tatsächlich die galaktischen Koordinaten von Camelot bekannt. Tifflor ist entsetzt. Für ihn kommt das einem Verrat gleich.
Nach Rhodan spricht Blo Rakane, der weiße Haluter. Er gibt der Öffentlichkeit bekannt, daß das gesamte Volk der Haluter nach Chearth ziehen wird, um dort Atlan gegen die Feinde Thoregons zu unterstützen. Danach kommt es zur Abstimmung über Rhodans Pläne. Das Ergebnis ist für die einen triumphal - für die anderen niederschmetternd. 87 Prozent der galaktischen Räte haben sich gegen die Hilfe für Perry Rhodan ausgesprochen, darunter auch Arkon und die LFT.
Enttäuscht zieht Rhodan von dannen. Doch er gibt sich nicht geschlagen. Er hat ein Ziel, aber dafür braucht er Hilfe. Es gelingt ihm, Blo Rakane davon zu überzeugen, daß er in der Milchstraße bleibt und Rhodan mit seinem wissenschaftlichen Verstand unterstützt. An seiner Statt wird Icho Tolot die Haluter nach Chearth führen.

Na, wenn das kein Roman war, der jeden Leser in ein Wechselbad der Gefühle gestürzt hat, dann weiß ich es auch nicht. Zwar hatte er keine wirklich einheitliche dramatische Handlung, sondern bestand eigentlich nur aus kleinen einzelnen Episoden, aber die hatten es rein inhaltlich gewaltig in sich. Am deutlichsten wird dies bei der gigantischen Ohrfeige, die das Galaktikum Perry Rhodan verpaßt. Nun ist es endgültig klar. Rhodan hat nicht nur in der Heimat keinen Kredit mehr, sondern im Rest der Milchstraße auch nicht. Noch nicht einmal das positive Beispiel der Haluter kann ihn noch retten. Nun muß er mal wieder allein sehen, wie er mit der Sache zurechtkommt. Am Ende bleibt er entweder ohne Dank oder bekommt sogar noch Schelte für die Unruhe, die er mitgebracht hat. Nichts scheint dem Galaktikum lieber zu sein, als brav und friedlich die Augen zu schließen und der Dinge zu harren, die da kommen mögen. Da wollen die Haluter nicht mitmachen. Sie kaufen sich so nebenbei das größte Raumschiff, das jemals in der Milchstraße gebaut worden ist (nach OLD MAN). Mit 4.800 Metern schlägt der Flottentender da so einiges; und sie machen sich geschlossen nach Chearth auf. Ich muß sagen, das wird bestimmt heiter. Waren die Haluter schon an sich mein Lieblingsvolk im Perry Rhodan-Universum, so bin ich mal gespannt, was für ein gigantisches Chaos die Jungs in Chearth anrichten werden - und vor allem, mit welchen Waffen sie dort aufzutauchen gedenken. Es scheint ja, daß sie einiges im Gepäck haben. Also, ich bin da mal richtig neugierig.
Doch auch die Handlung in der Milchstraße verspricht einiges. Ich denke, es handelt sich wirklich um ES, die da im Zentrums-Black Hole festsitzt und nun hoffen muß, daß Rhodan mal wieder daherkommt und ihren Hintern rettet. Denn so wie es aussieht, scheint MATERIA ja wohl eine ziemliche Gefahr für alles zu sein, was sich in diesem Schwarzen Loch auch aufhält.
Doch nicht nur dort wird es spannend werden. Es bleibt abzuwarten, wie die Galaktiker auf die Bekanntgabe von Camelots Koordinaten reagieren werden. Wird Arkon wirklich angreifen? Dabei muß ich doch noch in aller Kürze erwähnen, daß ich die Flottenkonzentration im Arkon-System für ziemlich übertrieben halte. Das waren ja Ausmaße wie zu alten Imperiumszeiten; und ich kann eigentlich nicht glauben, daß sich Arkon ganz allein und in aller Stille zur galaktischen Supermacht aufgeschwungen hat, ohne daß die anderen - und hier besonders die Terraner - sich da eingemischt hätten. Und daß sie es im Moment zumindest nicht haben, zeigt ja, daß sie immer noch auf ihre kleine Flotte von Schiffen wie die PAPERMOON vertrauen.

Fazit:
Viel, viel war drin - und noch mehr, was sich daraus ergeben kann. Hat mir sehr gut gefallen, deswegen auch
13 Punkte

Alexander Haas

Meistens sind die Romane Robert Feldhoffs Schlüsselromane - und so auch dieser. Was jedoch Robert dem guten Perry hier antut, hat schon seine ganz eigenen Qualitäten. Ich glaube kaum, daß Rhodan im Lauf der Serie schon einmal so glatt und übereinstimmend abgefertigt wurde, wie es in diesem Roman der Fall war. Da half dann auch das Bekanntgeben der Koordinaten Camelots nichts - die Galaktiker sind auch durch einen Rhodan und das Auftauchen einer Legende mit dem Namen SOL nicht zu einer Hilfsexpedition in Sachen Thoregon zu überreden. Und auch, daß ES sich möglicherweise in Gefahr befinden könnte, rührt die galaktischen Räte nicht besonders.
Allerdings paßt diese Handlung dann auch genau in den bisher vorgegebenen Rahmen der Einstellung der Milchstraßenvölker zu Thoregon und irgendwelchen Hilfeleistungen im Allgemeinen, deren direkter Nutzen nicht so ganz ersichtlich ist. Es steht jedoch zu befürchten, daß die Galaktiker noch im Lauf dieses Zyklus’ die Folgen dieser Haltung zu spüren bekommen werden.
Immerhin sorgen die Cameloter dafür, daß die SOL wenigstens eine Rumpf-Besatzung bekommt - allerdings: Wer, wenn nicht Camelot, wäre dafür sonst noch in Frage gekommen? Und Blo Rakane, sowie mit ihm Bré Tsinga, bleibt auch erst einmal in der Milchstraße zurück. Ich schätze, auf dieser Handlungsebene dürfte in den nächsten 44 Heften noch einiges auf uns zukommen.
Der Auftritt Perrys in Mirkandol wurde von Robert Feldhoff jedenfalls recht eindrucksvoll geschildert - und auch der nachfolgende Redner Blo Rakane stand dem in nichts nach. Schade nur, daß es im Endeffekt nichts gebracht hat. Momentan ist auch noch nicht ersichtlich, in welcher Form sich dies in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten vielleicht noch ändern sollte. Einzig und allein ein Rundumschlag Shabazzas und seines Meisters in der Milchstraße könnte hier vielleicht noch für ein Umdenken sorgen - da jedoch selbst Goedda dies nicht geschafft hat, bleibt auch dies noch fraglich. Da ist es wohl wahrscheinlicher, daß es auch nach Band 2000 in den bisherigen Bahnen weitergehen wird. Allerdings stellt sich inzwischen die Frage, wer denn nun schneller über Camelot auftaucht: Die LFT oder die Arkoniden? Die Flotten dürften jedenfalls schon unterwegs gewesen sein, bevor Perry mit seiner Rede zum Ende gekommen ist...
Auf der zweiten Handlungsebene haben wir dann die beispiellose Zusammenarbeit der Haluter, die ihr gesamtes Volk auf die Reise nach Chearth schicken. Im Rahmen der PR-Handlung muß dies wohl als Sensation gewertet werden - und als einziger Lichtblick im ansonsten trostlosen Gemeinschaftsbild der Galaxis.

Fazit:
So langsam stimmt in diesem Zyklus dann auch endlich die Umsetzung des an sich sehr ergiebigen und hochinteressanten Grundthemas Thoregon. Das Lesen macht jedenfalls wieder richtig Spaß - und Robert Feldhoffs Roman gibt das seinige hinzu. Momentan stimmt es einfach wieder.
14 Punkte.

Winfried Brand

Und wieder muß Rhodan eine Niederlage hinnehmen; wieder gibt es eine Enttäuschung mehr, was die Kooperationsbereitschaft der Galaktiker angeht.
Eigentlich war es ja vorauszusehen, daß sich auch diesmal kein Schwein für die weit weg scheinenden Probleme, geschweige denn für die Koalition Thoregon, interessieren würde - schließlich soll es ja spannend bleiben, und allzu leicht soll Perry der Kampf gegen MATERIA ja auch nicht gemacht werden.
Allerdings wird diese dummdreiste Kopf-in-den-Sand-Mentalität der Milchstraßenvölker doch langsam unglaubwürdig. Es kann einfach nicht angehen, daß die Cameloter wieder mal so ziemlich die einzigen sind, die schnallen, daß die Ereignisse über kurz oder lang auch auf die heimatlichen Gefilde übergreifen werden. So schlau müßten die anderen Völker angesichts der Geschehnisse aus jüngster Vergangenheit doch mittlerweile auch sein! Zumindest hätte Feldhoff die Abstimmung etwas knapper ausgehen lassen können - somit hätten die Arkoniden und vor allem die Terraner(!!!) nicht ganz so dämlich dagestanden. Gerade die LFT müßte doch am besten wissen, daß es nicht reicht, die Fenster zu verschließen und sich im Keller zu verstecken, wenn einem möglicherweise der Planet unterm Hintern weggebombt wird, zumal die drohende Gefahr sich nicht mal in irgendeiner fernen Galaxis, sondern in der Milchstraße befindet.
Da man über das Ausmaß und die möglichen Folgen der Katastrophe ziemlich genau informiert wurde, halte ich dieses Ergebnis für schlichtweg unwahrscheinlich, wenn man es mal vom realistischen Standpunkt betrachten will. (* Unverbesserlicher Optimist! Guck Dir doch mal die heutige Menschheit an und rechne das auf die in PR angenommenen zukünftigen Verhältnisse und eventuelle Fremdrassen hoch. (Letztere werden ja nicht gezwungenermaßen viel schlauer als Menschen sein - leider...) Ich persönlich halte so eine Vogel-Strauß-Politik für SEHR realistisch... Heike)
Davon abgesehen, hat Feldhoff mit diesem Roman wieder mal eine wirkliche Spitzenleistung hingelegt. Was Stil, Atmosphäre und Handlungsaufbau angeht, so gibt es hier kaum Anlaß zu Kritik. Robert versteht es wie kaum ein anderer Autor, der Über-Figur Perry Rhodan den Hauch kosmischer Größe zu verleihen. Dabei vergißt er nie, daß der Jahrtausende alte Held nur ein Mensch mit Schwächen und Fehlern ist, der auch schon mal mit den Kopf voran durch Wände rennt, wenn es keine andere Lösung zu geben scheint und das Leben ganzer Planetenbevölkerungen auf dem Spiel steht.
Daß sich hinter dem Proto-Tor wohl noch niemand aufhalten konnte - nun, das hätte Perry zumindest ahnen können. Aber daß die Brücke in die Unendlichkeit jetzt plötzlich als eine Art fühlendes, denkendes Wesen beschrieben wird, widerspricht doch erheblich den früheren Beschreibungen. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist die Brücke nun erstmal beleidigt, weil PR so rigoros gegen ihre Gesetze verstoßen hat; aber nach ein paar Tagen wird sie sich dann wieder einkriegen, und der Bote darf sie erneut betreten... Entschuldigung, aber das ist doch nun wirklich haarsträubender Unsinn.
Der Fund des merkwürdigen Skeletts dagegen darf wohl als mystischer Höhepunkt des Romans gewertet werden. Hier bietet sich endlich mal wieder Nahrung für Spekulationen. Von einem Übermaß an knackigen Rätseln kann zur Zeit ja nicht gerade die Rede sein. Hier bietet sich also schließlich mal wieder eines, welches an die Anfänge des Großzyklus anknüpfen könnte, als man das Arsenal vorfand und auch der Leser sich noch nichts Konkretes darunter vorstellen konnte.
Die Rede des 6. Boten fiel dann letztlich doch weniger pathetisch aus, als manch einer vielleicht erwartet hätte. Dafür sind die Probleme wohl auch zu akut und die Zeit zu knapp.
Am Ende wendet sich dann trotz herber Enttäuschung doch noch alles einigermaßen zum Guten. Und wie es bei PR so üblich ist, bekommt jede der Hauptfiguren ihren festen Platz zugeteilt, an dem sie in den nächsten Wochen und Monaten agieren wird. Tolot hierhin, Bré Tsinga dorthin, Blo Rakane hier entlang. Sinn und Zweck der Übung soll wohl hauptsächlich ein ausgewogenes Verhältnis der Figuren in den einzelnen Handlungsebenen sein. Allerdings neigt sich die Waage doch ziemlich heftig in Richtung Chearth. Ob dort nun so viele Handlungsträger benötigt werden... ich weiß nicht.

Fazit:
Trotz der letztlich vergeblichen Bemühungen des 6. Boten - Roberts Leistung ist alles andere als das! In gewohnt locker flockigem Stil, aber dennoch getragen von kosmischem Flair, präsentiert er das Geschehen, ohne daß auch nur eine Nanosekunde lang so etwas wie Langeweile aufkommt. Feldhoff hat es mal wieder geschafft, die PR-Serie mit einem kleinen Meisterwerk zu bereichern.
13 Punkte

Stefan Robijn

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