Zum
Inhalt:
Die Wölfe der Zeit haben das Herzland für sich erobert.
Doch noch ist die Gefahr nicht gebannt, die von den Madjaren droht,
jenem Wolfsrudel, dessen Anführer von Klimt besiegt werden
konnte, dessen Leitwölfin und einer ihrer Söhne jedoch
jetzt die Führung übernommen haben. Immer mehr deutet es
sich an, daß die Wölfe der Zeit ihre Bestimmung nur
erfüllen können, wenn sie weitere Wölfe auf ihre Seite
ziehen. Doch dies ist nicht ganz so einfach, da auch der Krieg der
Menschen sich immer weiter ausbreitet. Das dunkle Jahrtausend der
Wölfe ist zwar fast vorbei - die prophezeite Rückkehr Wulfs
zu den Göttern muß jedoch erst noch erkämpft
werden.
Mit Der Kampf um das Herzland liegt nun der zweite Band
der Wölfe der Zeit vor, mit dem William Horwood seine
Tierfantasy-Saga offensichtlich auch zum Ende führt. Zwar war
Band 1 noch als Beginn einer Trilogie angekündigt, doch ist mir
persönlich nach dem Ende von Band 2 nicht mehr ersichtlich, wie
man hier noch einen weiteren Band dranhängen könnte...
Wie schon im ersten Band, der im letzten Jahr eine Neuauflage im
Taschenbuch bei Heyne erfuhr (Rezension
in Flash Nr. 27), gelingt es Horwood wieder, den Leser in seiner
Geschichte zu fangen. Die Wölfe mit ihrem Mythen, ihren
Lebensweisen, ihren Charaktereigenschaften sind gut geschildert,
geben der Geschichte den Reiz, der sie ausmacht. An einzelnen Stellen
mag es dem Leser zwar erscheinen, daß die Wölfe insgesamt
dabei ein bißchen zu sehr vermenschlicht werden, doch kann dies
dem Zauber des Buches selber keinen Abbruch tun. Und abgesehen davon:
Wer kennt sich in der Psyche eines Wolfes schon so gut aus, daß
er sagen könnte, wo die Unterschiede zwischen Vermenschlichung
und einfachen Wolfs-Angewohnheiten liegen?
Viel zu sehr wird der Leser auch von der Geschichte gefangengenommen,
wird durch die Welt der Wölfe geleitet wie der menschliche
Sucher und Wanderer, der die Geschichte von Tervicz, dem Bukov-Wolf,
erzählt bekommt. Die Geschichte von der Erfüllung einer
Prophezeihung, von Wolfsgöttern und dem Erstarken der Wolfsheit,
während die Menschheit sich selbst zerfleischt.
William Horwood spannt dabei einen weiteren Rahmen, als dies z.B. in
Watership Down der Fall ist - seine Geschichte entwickelt
sich als eine Sintflut, die im zweiten Jahrzehnt des kommenden
Jahrtausends ganz Europa überschwemmt, die Menschen an den
Abgrund treibt und die Wölfe erstarken läßt. Der
Autor entwickelt hieraus eine spannende, hochinteressante Geschichte,
die insgesamt gut an den ersten Teil anknüpft und diesen in
verschärfter Form fortführt.
Ein bitterer Wermutstropfen findet sich jedoch in der Tatsache,
daß der Roman in der neuen deutschen Rechtschreibung
übersetzt wurde, was ihn teilweise nicht gerade einfach lesbar
macht, da man zu oft über Worte stolpert und durch gestrichene
Kommata den Sinnzusammenhang eines Satzes auch erst beim zweiten
Lesen so richtig versteht. Bei einigen Sachen frage ich mich
allerdings, ob dies denn wirklich so seine Richtigkeit hat, wenn hier
von den Neunzigerjahren die Rede ist (Was machen wir dann
bei einem alten Wein? Einen
Achtzehnhundertdreiundachzigerjahrgang???) oder aus
greulich gräulich wird... (* Das sollte
eigentlich kein Zustand, sondern eine Farbe sein... Heike) Da
bleibt dann nur die Feststellung: Furcht erregend ist die
neue deutsche Schlechtschreibung, mithilfe derer diese
Übersetzung verfasst wurde. Ich hätte nicht
gedacht, dass die deutsche Sprache Ende der
Neunzigerjahre solch eine Wendung nehmen würde. (Und
da soll nochmal einer sagen, die Veränderungen wären nur
minimal bemerkbar...)
Fazit:
Nicht nur für Wolf-Fans empfehlenswert. Wer gerne auch einmal
eine gute Tierfantasy liest, liegt mit den beiden Bänden der
Wölfe der Zeit sicherlich genau richtig. Die
spannende und interessante Geschichte hat einiges an Pluspunkten zu
bieten - wobei man allerdings den ersten Teil gelesen haben sollte,
wie dies meistens der Fall ist. Ungeachtet der neuen deutschen
Rechtschreibung (die natürlich nicht mit in die Wertung
einfließt) gibt das dann
12 Punkte.