William Horwood:

„Der Kampf um das Herzland“

(Die Wölfe der Zeit 2)
OT: The Wolves of Time, Seekers at the WolfRock
Ü: Gabriele Burkhardt
GB 1997
(605 Seiten, Hardcover, Weitbrecht, ISBN 3-522-71921-2, DM 48,00)
- erschienen: März 1999 -

Zum Inhalt:
Die Wölfe der Zeit haben das Herzland für sich erobert. Doch noch ist die Gefahr nicht gebannt, die von den Madjaren droht, jenem Wolfsrudel, dessen Anführer von Klimt besiegt werden konnte, dessen Leitwölfin und einer ihrer Söhne jedoch jetzt die Führung übernommen haben. Immer mehr deutet es sich an, daß die Wölfe der Zeit ihre Bestimmung nur erfüllen können, wenn sie weitere Wölfe auf ihre Seite ziehen. Doch dies ist nicht ganz so einfach, da auch der Krieg der Menschen sich immer weiter ausbreitet. Das dunkle Jahrtausend der Wölfe ist zwar fast vorbei - die prophezeite Rückkehr Wulfs zu den Göttern muß jedoch erst noch erkämpft werden.

Mit „Der Kampf um das Herzland“ liegt nun der zweite Band der Wölfe der Zeit vor, mit dem William Horwood seine Tierfantasy-Saga offensichtlich auch zum Ende führt. Zwar war Band 1 noch als Beginn einer Trilogie angekündigt, doch ist mir persönlich nach dem Ende von Band 2 nicht mehr ersichtlich, wie man hier noch einen weiteren Band dranhängen könnte...
Wie schon im ersten Band, der im letzten Jahr eine Neuauflage im Taschenbuch bei Heyne erfuhr (Rezension in Flash Nr. 27), gelingt es Horwood wieder, den Leser in seiner Geschichte zu fangen. Die Wölfe mit ihrem Mythen, ihren Lebensweisen, ihren Charaktereigenschaften sind gut geschildert, geben der Geschichte den Reiz, der sie ausmacht. An einzelnen Stellen mag es dem Leser zwar erscheinen, daß die Wölfe insgesamt dabei ein bißchen zu sehr vermenschlicht werden, doch kann dies dem Zauber des Buches selber keinen Abbruch tun. Und abgesehen davon: Wer kennt sich in der Psyche eines Wolfes schon so gut aus, daß er sagen könnte, wo die Unterschiede zwischen Vermenschlichung und einfachen Wolfs-Angewohnheiten liegen?
Viel zu sehr wird der Leser auch von der Geschichte gefangengenommen, wird durch die Welt der Wölfe geleitet wie der menschliche Sucher und Wanderer, der die Geschichte von Tervicz, dem Bukov-Wolf, erzählt bekommt. Die Geschichte von der Erfüllung einer Prophezeihung, von Wolfsgöttern und dem Erstarken der Wolfsheit, während die Menschheit sich selbst zerfleischt.
William Horwood spannt dabei einen weiteren Rahmen, als dies z.B. in „Watership Down“ der Fall ist - seine Geschichte entwickelt sich als eine Sintflut, die im zweiten Jahrzehnt des kommenden Jahrtausends ganz Europa überschwemmt, die Menschen an den Abgrund treibt und die Wölfe erstarken läßt. Der Autor entwickelt hieraus eine spannende, hochinteressante Geschichte, die insgesamt gut an den ersten Teil anknüpft und diesen in verschärfter Form fortführt.
Ein bitterer Wermutstropfen findet sich jedoch in der Tatsache, daß der Roman in der neuen deutschen Rechtschreibung übersetzt wurde, was ihn teilweise nicht gerade einfach lesbar macht, da man zu oft über Worte stolpert und durch gestrichene Kommata den Sinnzusammenhang eines Satzes auch erst beim zweiten Lesen so richtig versteht. Bei einigen Sachen frage ich mich allerdings, ob dies denn wirklich so seine Richtigkeit hat, wenn hier von den „Neunzigerjahren“ die Rede ist (Was machen wir dann bei einem alten Wein? Einen „Achtzehnhundertdreiundachzigerjahrgang“???) oder aus greulich „gräulich“ wird... (* Das sollte eigentlich kein Zustand, sondern eine Farbe sein... Heike) Da bleibt dann nur die Feststellung: „Furcht erregend“ ist die neue deutsche Schlechtschreibung, „mithilfe“ derer diese Übersetzung „verfasst“ wurde. Ich hätte nicht gedacht, „dass“ die deutsche Sprache Ende der „Neunzigerjahre“ solch eine Wendung nehmen würde. (Und da soll nochmal einer sagen, die Veränderungen wären nur minimal bemerkbar...)

Fazit:
Nicht nur für Wolf-Fans empfehlenswert. Wer gerne auch einmal eine gute Tierfantasy liest, liegt mit den beiden Bänden der „Wölfe der Zeit“ sicherlich genau richtig. Die spannende und interessante Geschichte hat einiges an Pluspunkten zu bieten - wobei man allerdings den ersten Teil gelesen haben sollte, wie dies meistens der Fall ist. Ungeachtet der neuen deutschen Rechtschreibung (die natürlich nicht mit in die Wertung einfließt) gibt das dann
12 Punkte.

Winfried Brand


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