Frank Festa (Hrsg.):

„Lovecrafts dunkle Idole“

(H.P. Lovecrafts Blibliothek des Schreckens - Band 1)
(Anthologie)
D 1999

1) Matthew Phipps Shiel: „Das Haus im Sturm“
OT: The House of Sounds
Ü: Michael Siefener

2) Maurice Level: „Der Abdruck der Hand“
OT: unbekannt
Ü: Gutti Ulsen

3) Francis Marion Crawford: „Das Totenlächeln“
OT: The Dead Smile
Ü: Michael Siefener

4) Irvin S. Cobb: „Fischkopf“
OT: Fishhead
Ü: Michael Siefener

5) Mary E. Wilkons-Freeman: „Die Schatten an der Wand“
OT: The Shadows on the Wall
Ü: Michael Siefener

6) Villiers de L’Isle Adam: „Die Marter der Hoffnung“
OT: La torture par l’espérance
Ü: Helene und Herbert Kühn

7) Ambrose Bierce: „Halpin Fraysers Tod“
OT: The Death of Halpin Frayser
Ü: Michael Siefener

8) Lafcadio Hearn: 4 Erzählungen aus „Phantasien“
OT: Fantastics
Ü: Else v. Hollander

9) Robert Barlow: „Eine blaß erinnerte Geschichte“
OT: A Dim-Remembered Story
Ü: Michael Siefener

10) Ralph Adams Cram: „Das Tote Tal“
OT: The Dead Valley
Ü: Michael Siefener

(171 Seiten, Paperback, Blitz-Verlag, ISBN 3-932171-98-5, DM 19,80)
- erschienen: April 1999 -

1) Matthew Phipps Shiel: „Das Haus im Sturm“
In einem seltsamen, einsam gelegenen Haus auf der Insel Rayba werden eigenartige Geräusche selbst durch die allgegenwärtige und allübertönende Brandung hörbar. Ein alter Fluch scheint sich zu erfüllen.

2) Maurice Level: „Der Abdruck der Hand“
In einem Zug unterhält man sich über einen seltsamen Mord, bei dem anscheinend jede Spur, die zum Täter führen könnte, verwischt wurde.

3) Francis Marion Crawford: „Das Totenlächeln“
Als Sir Hugh Ockram stirbt, nimmt er ein Geheimnis mit ins Grab, das seinen Sohn und dessen Verlobte betrifft. Das Lächeln des Leichnams verfolgt die beiden immer mehr, bis sie versuchen, hinter das Geheimnis zu kommen.

4) Irvin S. Cobb: „Fischkopf“
Fischkopf ist ein seltsamer, zurückgezogen lebender Mann, dessen Kopf dem eines Fisches ähnelt. Man erzählt sich über ihn, daß er mit den eigenartigen Fischen im See reden könnte.

5) Mary E. Wilkins-Freeman: „Die Schatten an der Wand“
Als Edward stirbt, erscheint an einer Wand des Zimmers ein seltsamer Schatten, der zu dem Toten zu gehören scheint.

6) Jean Marie Villiers de L’Isle-Adam: „Die Marter der Hoffnung“
Am Vorabend seiner angekündigten Hinrichtung durch die Inquisition versucht Rabbi Aser Abarbanel aus den Kerkern zu fliehen.

7) Ambrose Bierce: „Halpin Fraysers Tod“
Ein Körper ohne Seele irrt im Wald herum, während ein von Erinnerungen heimgesuchter Mann von seiner Mutter ermordet wurde.

8) Lafcadio Hearn: Vier Erzählungen aus „Fantastics“
Eine Auswahl von vier Short-Short-Stories aus der Geschichtensammlung „Fantastics“ von Lafcadio Hearn, die vor allem durch die bildhafte Sprache besticht.

9) Robert H. Barlow: „Eine blaß erinnerte Geschichte“
Ein Mann wird durch einen Zufall in eine weit entfernte Zeit versetzt und stößt hier auf das Schloß von Yrn.

10) Ralph Adams Cram: „Das Tote Tal“
Zwei Jungen, nächtens auf dem Heimweg, geraten in ein seltsames Tal, in dem der Tod zu hausen scheint.

In diesem ersten Band der „Bibliothek des Schreckens“ hat sich Herausgeber Frank Festa auf die literarischen Vorbilder, Einflüsse und Liebhabereien H.P. Lovecrafts gestürzt; er vermittelt dem Leser hierbei einen schönen Einblick in die unheimliche Literatur in etwa der Jahrhundertwende. Fast alle ausgewählten Texte wurden von Lovecraft in dessen „Supernatural Horror in Literature“ oder in seinen zahlreichen Briefen an Freunde erwähnt.
Dabei finden sich in diesem Band durchaus sehr unterschiedliche Erzählungen - von der phantastisch angehauchten Geschichte bis zum Splatter-Vorgänger.
Stilistisch kommt jedoch Robert Barlows Erzählung Lovecraft am nächsten, die nicht nur in dieser Hinsicht eine Ausnahme in diesem Band bildet. Bei Robert Barlow handelte es sich um einen Schüler und Freund Lovecrafts, der später das Schreiben aufgegeben hat. Die enthaltene Geschichte ist erst kurz vor Lovecrafts Tod erschienen.
Insgesamt bietet „Lovecrafts dunkle Idole“ einen interessanten Einblick in die literarischen Vorlieben Lovecrafts, dürfte in dieser Hinsicht jedoch nicht unbedingt für die Liebhaber der modernen Horrorliteratur dieses Jahrzehnts geeignet sein, da man allen Geschichten einen durchaus altertümlichen Touch anmerkt, der jedoch leider ein wenig durch die Tatsache gestört wird, daß (wie auch in manchen anderen Romanen der April-Auslieferung des Blitz-Verlags) hier grundsätzlich jemand der Meinung war, daß man die neue Rechtschreibung einführen sollte - was man dann jedoch auch nicht konsequent durchgezogen hat, sondern der Meinung war, daß es genüge, die „ß“ entsprechend in „ss“ umzuwandeln (dies aber wenigstens in korrekter Weise). Sorry, das ist aber noch lange nicht alles, was diese Rechtschreibreform an Änderungen gebracht hat.
Insgesamt stört diese penetrante Verwendung des „ss“ dann jedoch die Atmosphäre der Stories, die hierdurch stark verliert und an manchen Stellen ganz den Bach heruntergeht. Das hätte man eigentlich vermeiden können...

Fazit:
Eine Anthologie für literaturgeschichtlich Interessierte und Lovecraft-Fans, die gerne wissen möchten, was der Autor selber so an Lesestoff bevorzugte. Durch das Vorhandensein von immerhin vier deutschen Erstveröffentlichungen ergibt sich hier ein sehr interessantes Werk, das atmosphärisch jedoch ein wenig vom Verlag zerkorrigiert wurde. Wegen der stark gestörten Atmosphäre gibt es dann auch nur
11 Punkte.

Winfried Brand

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