1)
Matthew Phipps Shiel: Das Haus im Sturm
In einem seltsamen, einsam gelegenen Haus auf der Insel Rayba werden
eigenartige Geräusche selbst durch die allgegenwärtige und
allübertönende Brandung hörbar. Ein alter Fluch
scheint sich zu erfüllen.
2) Maurice Level: Der Abdruck der Hand
In einem Zug unterhält man sich über einen seltsamen Mord,
bei dem anscheinend jede Spur, die zum Täter führen
könnte, verwischt wurde.
3) Francis Marion Crawford: Das
Totenlächeln
Als Sir Hugh Ockram stirbt, nimmt er ein Geheimnis mit ins Grab, das
seinen Sohn und dessen Verlobte betrifft. Das Lächeln des
Leichnams verfolgt die beiden immer mehr, bis sie versuchen, hinter
das Geheimnis zu kommen.
4) Irvin S. Cobb: Fischkopf
Fischkopf ist ein seltsamer, zurückgezogen lebender Mann, dessen
Kopf dem eines Fisches ähnelt. Man erzählt sich über
ihn, daß er mit den eigenartigen Fischen im See reden
könnte.
5) Mary E. Wilkins-Freeman: Die Schatten an der
Wand
Als Edward stirbt, erscheint an einer Wand des Zimmers ein seltsamer
Schatten, der zu dem Toten zu gehören scheint.
6) Jean Marie Villiers de LIsle-Adam: Die Marter der
Hoffnung
Am Vorabend seiner angekündigten Hinrichtung durch die
Inquisition versucht Rabbi Aser Abarbanel aus den Kerkern zu
fliehen.
7) Ambrose Bierce: Halpin Fraysers Tod
Ein Körper ohne Seele irrt im Wald herum, während ein von
Erinnerungen heimgesuchter Mann von seiner Mutter ermordet wurde.
8) Lafcadio Hearn: Vier Erzählungen aus
Fantastics
Eine Auswahl von vier Short-Short-Stories aus der Geschichtensammlung
Fantastics von Lafcadio Hearn, die vor allem durch die
bildhafte Sprache besticht.
9) Robert H. Barlow: Eine blaß erinnerte
Geschichte
Ein Mann wird durch einen Zufall in eine weit entfernte Zeit versetzt
und stößt hier auf das Schloß von Yrn.
10) Ralph Adams Cram: Das Tote Tal
Zwei Jungen, nächtens auf dem Heimweg, geraten in ein seltsames
Tal, in dem der Tod zu hausen scheint.
In diesem ersten Band der Bibliothek des Schreckens hat
sich Herausgeber Frank Festa auf die literarischen Vorbilder,
Einflüsse und Liebhabereien H.P. Lovecrafts gestürzt; er
vermittelt dem Leser hierbei einen schönen Einblick in die
unheimliche Literatur in etwa der Jahrhundertwende. Fast alle
ausgewählten Texte wurden von Lovecraft in dessen
Supernatural Horror in Literature oder in seinen
zahlreichen Briefen an Freunde erwähnt.
Dabei finden sich in diesem Band durchaus sehr unterschiedliche
Erzählungen - von der phantastisch angehauchten Geschichte bis
zum Splatter-Vorgänger.
Stilistisch kommt jedoch Robert Barlows Erzählung Lovecraft am
nächsten, die nicht nur in dieser Hinsicht eine Ausnahme in
diesem Band bildet. Bei Robert Barlow handelte es sich um einen
Schüler und Freund Lovecrafts, der später das Schreiben
aufgegeben hat. Die enthaltene Geschichte ist erst kurz vor
Lovecrafts Tod erschienen.
Insgesamt bietet Lovecrafts dunkle Idole einen
interessanten Einblick in die literarischen Vorlieben Lovecrafts,
dürfte in dieser Hinsicht jedoch nicht unbedingt für die
Liebhaber der modernen Horrorliteratur dieses Jahrzehnts geeignet
sein, da man allen Geschichten einen durchaus altertümlichen
Touch anmerkt, der jedoch leider ein wenig durch die Tatsache
gestört wird, daß (wie auch in manchen anderen Romanen der
April-Auslieferung des Blitz-Verlags) hier grundsätzlich jemand
der Meinung war, daß man die neue Rechtschreibung
einführen sollte - was man dann jedoch auch nicht konsequent
durchgezogen hat, sondern der Meinung war, daß es genüge,
die ß entsprechend in ss umzuwandeln
(dies aber wenigstens in korrekter Weise). Sorry, das ist aber noch
lange nicht alles, was diese Rechtschreibreform an Änderungen
gebracht hat.
Insgesamt stört diese penetrante Verwendung des ss
dann jedoch die Atmosphäre der Stories, die hierdurch stark
verliert und an manchen Stellen ganz den Bach heruntergeht. Das
hätte man eigentlich vermeiden können...
Fazit:
Eine Anthologie für literaturgeschichtlich Interessierte und
Lovecraft-Fans, die gerne wissen möchten, was der Autor selber
so an Lesestoff bevorzugte. Durch das Vorhandensein von immerhin vier
deutschen Erstveröffentlichungen ergibt sich hier ein sehr
interessantes Werk, das atmosphärisch jedoch ein wenig vom
Verlag zerkorrigiert wurde. Wegen der stark gestörten
Atmosphäre gibt es dann auch nur
11 Punkte.