Barbara Büchner:

„Blaubarts Schloß“

D 1999
(320 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9027, ISBN 3-453-14937-8, DM 14,90)
- erschienen: April 1999 -

Märchen sind nicht immer kindergerecht geschrieben. (* Fast nie! Siehe weiter unten... Heike) Märchen sollen uns auch oft etwas über das Leben erzählen und uns mit ihrer >Moral von der Geschicht’< den rechten Weg weisen. Nun ja, dies trifft auch auf dieses Buch von Barbara Büchner zu. Kindgerecht ist es bestimmt nicht geschrieben, aber das ist für einen „älteren“ Leser natürlich nicht negativ. Das Buch bewegt sich eher in Richtung des sogenannten Schauerromans - oder eben auch nicht so harmloser Märchen. (Obwohl die alten Märchen ja meist auch gar nicht so harmlos sind.) (* Latürnich nicht - die ‘Grimmigen Gebrüder’ haben viel ‘verharmlost’! Aber laß’ Dir im gleichen Atemzug gesagt sein, daß selbst heute noch viele - sogar jüngere - Eltern den „Struwwelpeter“ (u. ä.) als wertvolle und wohlberechtigte Erziehungsmaßnahme ansehen... Heike)
Ein neun Jahre altes Mädchen wird mit dem Zug zu seinem Onkel Abelard geschickt, um auf dem Schloß Carnanoth bei ihm zu leben. Auf einer Zwischenstation in einem Hotel erhält das Mädchen vor der Weiterreise ein Geschenk von ihrem Onkel überreicht. Dabei handelt es sich um die Geschichte von Merle, die von ihren Eltern zum Schloßherrn geschickt wurde, um ihm frische Erbeeren zu überbringen, aber der Schloßherr ist nicht nur auf die kleinen Mitbringsel von Kindern aus, sondern auch sehr an ihnen selbst interessiert.
Das junge Mädchen wird von einem Chauffeur zu ihrem Onkel befördert - und im Schloß ihres Verwandten immer mehr in eine unheimliche Geschichte hineingezogen. Sie wird selbst zu Merle, der Figur aus dem ihr zugeschickten Buch, und Realität und Phantasie verschwimmen immer mehr, bis sie schließlich untrennbar verwoben sind.
Die Autorin versteht es geschickt, ihre Geschichte aufzubauen. Die Hinreise im Zug entspricht noch fast unserer realen Welt, aber auch hier tauchen schon irreale Elemente auf, die schließlich ganz in einer märchenhaften Umwelt enden.
Es ist ein schön geschriebenes Buch über die Bildung der Bewußtheit eines Menschen und über das Erkennen, was richtig und falsch ist. Damit sind wir auch schon bei der größten Schwäche des Romans — der Moral von der Geschicht’. Diese Moral wird am Ende so bestimmend, daß sie mir den Spaß, den ich beim Lesen dieses Buches anfangs hatte, ziemlich verdirbt.
Bis dahin wäre das Buch meiner Meinung nach ein sicherer Kandidat für 14 oder gar 15 Punkte gewesen, doch so wird es am Ende ziemlich gekippt. Noch mehr zu verraten, wäre wahrscheinlich schlecht, und vielleicht urteilen andere Leser auch völlig anders über den Sinn der dargestellten Werte (ganz bestimmt sogar). Ich möchte nur noch soviel sagen: Leser hat dieser Roman gewiß verdient - wenn nur dieser Schluß nicht wäre (für mich). Aber das ist sicherlich Ansichtssache.
10 Punkte

Bernd Krosta


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