Band 1967: „Die List des Scoctoren“

Autor: Uwe Anton

Weiter geht’s mit der Geschichte in Chearth.
Vergangenheit:
Auf dem Planeten Pauthor bereiten sich alle zu einer Ehrung des Meisters des Sandes und Protektors Mhogena vor. Doch dieser bricht die Vorbereitungen plötzlich ab und reist zum Planeten Keroufa, auf dem seine Gelegeschwester Chetona als Agrarökonomin arbeitet. Antrieb für diese Reise ist sein rätselhafter toter Bruder, der sich immer noch gelegentlich bei ihm meldet.
Am Ziel angekommen, muß er feststellen, daß seine Schwester einer Umweltkatastrophe zum Opfer gefallen ist. Am Ort der Zerstörung hat er eine Vision, in der der Himmel über dem Planeten voller Raumschiffe hängt. Er erkennt Raumschiffe aus Algion. Sie waren bereits vor etwa 600 Jahren in Chearth und wollten die Bewohner von ihrer fanatischen Religion überzeugen. Schließlich kam es zu einigen kriegerischen Konflikten, worauf jeder weitere Kontakt abbrach. Was blieb, war das Ritual der Einigkeit, in der die Bewohner eines Planeten mittels ihrer mentalen Fähigkeiten einen planetenumspannenden Schirm schufen, mit dem sie die Algioten auf Distanz halten konnten. Das Ritual ist geblieben, auch wenn heute kaum mehr einer weiß, woher es stammt.
Mhogena wird nun von seinem alten Lehrmeister Botagho aufgenommen. Dieser outet sich ihm gegenüber als der 5. Bote von Thoregon. Er hat Mhogena als seinen zukünftigen Nachfolger erkoren und will ihn mit einigen Geheimnissen vertraut machen. Doch vorher muß Mhogena noch in einer Prüfung zeigen, daß er würdig ist.
Er muß einen mehrdimensionalen Tunnel durchfliegen, der noch aus der Zeit der Tiefe stammt und in dieser Region des Weltalls versteckt worden ist. Früher sind hier viele Raumschiffe verschwunden, und nun nutzen die Meister des Sandes dieses Gebiet für Prüfungsaufgaben wie diese.
Nachdem Mhogena nun also bestanden hat, erfährt er, daß Botegha nicht nur der 5. Bote, sondern auch der geheimnisvolle Zwilling ist, nach dem Mhogena so lange geforscht hat - und daß es die Meister des Grauen Sandes tatsächlich gibt. Er erhält von dem Boten bereits ein Passantum, und dann machen sich die beiden auf den Weg nach Shaogen-Himmelreich zu den den Baolin-Nda.
Kaum im Deltaraum angekommen, müssen sie auch schon wieder fort: Die Koalition ruft Botagho zu fernen Aufträgen. So verschiebt sich Mhogenas Aufnahme in die Kreise der Meister des Grauen Sandes um einige Jahrzehnte, bis Botagho wieder zurückkehrt.
Es vergehen vierzig Jahre bis zu diesem Zeitpunkt. Dann ist Mhogena endlich der 5. Bote. Die Koalition läßt ihm dann auch keine größere Pause, und in den nächsten 30 Jahren ist er fast ununterbrochen im Einsatz, bis sich dann seine Vision erfüllt: Die Algiotischen Wanderer sind wieder da und bringen Tod und Verderben über Chearth.

Gegenwart:
Seit geraumer Zeit sind die Galaktiker nun schon dabei, Chearth mit den Propaganda-Reden von Vil an Desch zu bestrahlen. Mit einigen kleinen Raumschiffen fliegen sie durch feindliches Territorium und senden die live gesprochenen Botschaften. Dabei müssen sie ständig vor anfliegenden Raumschiffen auf der Hut sein, die genau diese Aktionen verhindern wollen. Doch die Fremden sitzen am längeren Hebel, denn Vil an Desch geht langsam aber sicher die Luft aus. Er benötigt sein Elcoxol, ohne das er nicht leben kann.
Eine mögliche Lösung erscheint mit Dro ga Dremm, dem neuen Oberbefehlshaber der Algioten in Chearth. Er bittet Vil an Desch zu einem Gespräch an Bord seines Schiffes, auf dem er auch an das Elcoxol herankommen kann. Die Galaktiker fühlen sich bei der Sache zwar nicht wohl, willigen aber dann doch ein, da sie Vil an Desch nicht mutwillig umbringen wollen. Und vielleicht läßt sich aus der Sache ja noch etwas herausschlagen.
So bricht also ein gut ausgerüstetes Einsatzteam zu den Algioten auf, die man an einem eigens dafür ausgesuchten Platz trifft.
An Bord des feindlichen Schiffes läuft dann an sich alles wie geplant. Dro ga Dremm willigt Vil an Desch ein Elcoxol-Bad zu. Jedoch will er ihn danach umbringen, und so muß der mitgereiste Tekener dem Scoctoren aus der Klemme helfen. Per mitgebrachtem Transmitter bringt man sich schließlich wieder in Sicherheit.

Gegenwart: die MERLIN
Die kleine Blue Tuyula wird vom Bordarzt Mangana geweckt. Vincent Garron wandelt wieder an Bord, und es scheint ihm gar nicht gutzugehen. Es gelingt schließlich, ihn mit vereinten Kräften unter einem Paratron-Schirm in der Krankenstation festzuhalten, was ihm aber gar nicht zu passen scheint. Er will wieder zurück zu seinen Farben, zurück zu seinem Elysium...

Na also, die Terraner sind also doch nicht die gewissenlosen Burschen, die auf Algioten-kommt-raus einen Krieg gewinnen wollen. Was tut man also nicht alles für einen superwichtigen (und doch eigentlich super extrem fanatischen) Kriegsgefangenen, der nun endlich mit all seinem Fanatismus (den Rest spar’ ich mir an dieser Stelle) die Fronten gewechselt hat? Das alles natürlich nur aufgrund ein paar realistischer und richtiger Beweise. Als ob das für religiöse Fanatiker schon jemals Überzeugungsgrund genug gewesen wäre! Und ich dachte immer, die würden sich in solchen Situationen durch einen noch viel größeren Fanatismus auszeichnen, aber vermutlich sind die Algioten da ja etwas anders drauf. Und nun schwingt Vil an Desch eine Rede nach der anderen an seine ehemaligen Frontkameraden, bis er sich an den Rand der Erschöpfung und in die dringende Nähe des nächsten Elcoxol-Bades bringt. Die nun folgende Idee ist eigentlich gar nicht schlecht: Wenn das Bad nicht zum gefangenen kommt - dann muß der Gefangene halt zum Bade gehen. Und wie die Herren Tekener (* Äääh - mehrere Tekeners??? Heike) die dahinter gestellte Falle entschärfen und ihre Köpfe sowie den ihres momentanen Lieblingsgefangenen aus der Schlinge ziehen, war auch gar nicht schlecht gemacht. Ansonsten beschäftigte sich jene Ebene vor allem mit Vil an Desch, der feurige Reden hält, und dem Davonlaufen vor algiotischen Schiffen. An sich wenig aufregend, aber gut und umfassend geschildert.
Auf der anderen Ebene haben wir mal wieder das frühere Leben des Mhogena. Er wird nach langer Zeit endlich 5. Bote von Thoregon, enträtselt den seltsamen Zwilling und erfährt von den Meistern des Grauen Sandes. Gelegentlich taucht auch mal wieder der Schattenbruder auf, dessen Funktion und Verfahrensweise mir immer noch nicht klar ist.
Im großen und ganzen war es gerade dieser Teil, der mir an dem Roman gefallen hat. Es wurde mal wieder ein Rahmen zurück in die Vergangenheit gespannt, der deutlich macht, wie wenig abgeschlossen viele Ereignisse sind und inwieweit sie Ergebnisse und Auswirkungen tragen können. So fand ich das Auftauchen dieses einen Tiefenbahnhofs gut und interessant in die Handlung eingefügt. Auf der anderen Seite wird auch endlich ein wenig gezeigt, wie die Koalition arbeitet - auch wenn es mich wundert, daß der alte 5. Bote extra bis nach Shaogen-Himmelreich fliegen muß, um sich einen neuen Auftrag zu holen. Auch über die 30 Jahre Arbeitszeit von Mhogena im Dienst der Koalition erfahren wir nichts. Aber es gibt im Zusammenhang mit Thoregon noch einen weiteren Punkt, der mir äußerst unklar ist und den ich für sehr wichtig halte.
Beim Lesen der letzten beiden Romane war mir zu keinem Zeitpunkt klar, welchen offenen Stellenwert die Koalition in Chearth hat. Mir scheint, als ob sie zu Mhogenas Zeiten immer noch im Chearther Untergrund agiert, und das kann ich mir eigentlich doch gar nicht vorstellen. Die Gharrer sind doch schon seit langer Zeit die Wächter der Sonnentresors, und das sollen sie einfach so gemacht haben, ohne großen kosmischen Auftrag? Und was ist mit dem Pilzdom? Haben die sich nie um seine Funktion gekümmert? Also, hier hätte ich doch ganz gerne noch das eine oder andere deutliche Wort!

Fazit:
Ansonsten ein guter, solider Abschluß des Doppelbandes.
11 Punkte

Alexander Haas

Eigentlich war ein solcher Ausgang der Aktion der Galaktiker ja schon vorauszusehen. Daß gerade der neue Anführer der Algioten sich von den Reden Vil an Deschs hätte überzeugen lassen, wäre nicht nur zu einfach, sondern auch einfach zu unwahrscheinlich gewesen. Aber wenigstens seine Ladung Elcoxol hat der Scoctore nun bekommen - das ist doch auch schon mal was. Und leider damit auch das einzige Ergebnis des gesamten Heftes in der Gegenwartshandlung, die zwar spannend und interessant geschrieben war, die Handlung dieser Ebene im Allgemeinen eigentlich jedoch kein Stück weitergebracht hat.
Dies gilt naturgemäß auch für die Vergangenheitsebene, die seltenst das Potential zum Fortschreiten der Gegenwartshandlung bieten kann. Jedoch war es interessant zu erfahren, wie Mhogenas persönliche Geschichte denn nun weitergeht. Und daß die thoregonschen Boten auch noch klammheimlich eine weitere Aufgabe auf ihren Zettel geschrieben bekommen haben, bietet zumindest Anlaß zu einigen Spekulationen. Die Ergebnisse dieser Spekulationen hat dann Rainer Castor jedoch schon im Computer dieses Heftes vorweggenommen. Denn angesichts der Tatsache, daß die Boten verschollene oder neue Ausgänge der Brücke in die Unendlichkeit finden sollen, ist es mehr als nur wahrscheinlich, daß es sich bei dieser um ein altes Artefakt handelt, das von Thoregon nur mehr oder weniger zufällig benutzt wird. Damit gewinnen auch die Fragen nach den seltsamen Vorkommnissen auf der Brücke selber, die wir vor einigen Heften schon hatten, weiter an Bedeutung. Denn die alleinigen Herrscher über dieses „Transportmittel“ sind die Thoregoner ja nun wohl doch nicht. Ich vermute mal recht stark, daß dieser Themenkomplex jedoch erst in den Bänden nach 2000 näher beleuchtet werden wird. Schließlich bietet er sich hierfür geradezu an - und nebenbei hieß es ja schon, daß man inzwischen die ersten Pfeiler für die Handlung nach dem großen Jubiläum einschlagen will. Die Frage nach den Erbauern der Brücke dürfte wohl eindeutig einer dieser Pfeiler sein. (* ...denn was wäre schon eine Brücke ohne Pfeiler? :-))) Heike)
Bleibt zum Schluß dieser recht kurz geratenen Rezension noch der Hinweis auf zwei Kleinigkeiten, die KNF übersehen hat und die den Leser durchaus zum Schmunzeln bringen können:
Zum einen wäre da die Erkenntnis, daß man mit 50 Jahren bereits seinen 70. Geburtstag feiern kann (zu finden direkt in der ersten Spalte des Romans auf Seite 4) - eine Lebensweisheit, die ich mir unbedingt merken muß. Jetzt weiß ich wenigstens, weshalb man im Rhodan-Universum inzwischen so alt werden kann... <grins>
Zum anderen wäre da die Bemerkung am Ende der zweiten Spalte von Seite 53. Den Unterschied zwischen „Hitzetod“ und „Wärmetod“ hätte ich dabei nämlich auch gern einmal erklärt bekommen. Allerdings geht hier aus dem Zusammenhang eindeutig hervor, daß es sich bei der zweiten Variante um einen „Kältetod“ handeln sollte...
Viel mehr läßt sich zu diesem Roman - der die Handlung nicht besonders weitergebracht hat, dafür aber auf jeden Fall angenehm und teilweise auch spannend zu lesen war - eigentlich gar nicht schreiben. Und die Spekulationen zur Vergangenheitshandlung hat netterweise Rainer Castor bereits in seinem Computer vorweggenommen...
Insgesamt bleibt Uwe Antons erster Doppelband innerhalb der PR-Serie sicherlich einer der besseren seiner Art, da der Autor ausnahmsweise recht problemlos mit dem zweiten Band an die Qualitäten des ersten Bandes anknüpfen kann. Und verglichen mit den anderen Bänden der Chearth-Ebene hat Anton endlich einmal keinen Landser-Roman vorgelegt - was beweist, daß auch diese Ebene durchaus ihr Potential hat.

Fazit:
Zwar kein Roman, der die Gesamthandlung der Ebene besonders weit voranbringt, präsentiert sich „Die List des Scoctoren“ jedoch als angenehm zu lesendes und in Teilen gar spannendes Werk, das durchaus die Qualitäten des ersten Teils des Doppelbandes beibehalten kann. Demnach gibts hierfür dann auch die gleiche Benotung, nämlich eine glatte „2“, oder auch:
11 Punkte.

Winfried Brand

Nun hat Uwe Anton also den ersten Doppelband seiner PR-Laufbahn abgeliefert, und es darf angemerkt werden, was insgesamt davon zu halten ist.
Einer der häufigsten Kritikpunkte (und dies wohl zu Recht) bei den Doppelbänden ist ja der, daß der Stoff oftmals nur für einen einzigen Roman ausreichen würde.
Ein guter Autor weiß natürlich, wie er dieses vermeintliche Manko umgeht: Er nutzt den freien Platz, um den Figuren etwas mehr Raum und Tiefe zu verleihen, oder er entwirft eine interessante Nebenhandlung.
In diesem Fall ist ziemlich klar ersichtlich, wie Uwe Anton vorgegangen ist: Er hat den Großteil des Doppelwerkes mit dem Werdegang Mhogenas gefüllt und sich damit bei der Wahl der Priorität wohl eindeutig für die interessantere der beiden Handlungsebenen entschieden.
Auch wenn die Handlung um den Fünften Boten auch in diesem Heft keine wirklich neuen Erkenntnisse zutage bringt, so hat Anton es in seinem zweiten Band immerhin vermeiden können, diese allzu gestreckt erscheinen zu lassen. Der kosmische Hauch ist zumindest andeutungsweise spürbar, und es wird wieder einmal Bezug auf einen früheren Zyklus genommen (Endlose Armada).
Was die zweite Handlungsebene angeht, so spielt diese sich zwar auf einer mehr actionbetonten Schiene ab, dafür ist sie jedoch immerhin die spannendere von beiden.
Vor allem die Szenen an Bord des algiotischen Schiffes hat Anton fesselnd geschildert, wobei der Wechsel zur Vergangenheitsebene genau im richtigen Moment stattfindet - ein netter Trick, um die Spannung noch zu schüren, der m.E. in einer Serie wie PR viel öfter angewendet werden könnte.

Fazit:
Wenn man an diesem Doppelband etwas bemängeln könnte, dann, daß die beiden Romane die Handlung in Chearth kaum oder eigentlich gar nicht vorangebracht haben.
Ansonsten ist der zweite Teil nicht viel besser, aber auch nicht schlechter als sein Vorgänger.
Die Wertung bleibt also dieselbe.
9 Punkte

Stefan Robijn

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