Konrad Schaef / Achim Mehnert:

„Die Stunde der Verräter“

(Raumschiff Promet - Neue Abenteuer - Band 6)
D 1999
(170 Seiten, Paperback, Blitz-Verlag, ISBN 3-932171-72-6, DM 19,80)
- erschienen: April 1999 -

Zum Inhalt:
Auf der Erde erfreut sich die Führungsspitze der zerschlagenen HTO keiner guten Umstände. Während Peer Orrell und Jörn Callaghan weiterhin im Gewahrsam der Space Police auf dem Mond eingekerkert sind, wurden auch Arn und Junici Borul sowie Vivien Raid gefangengenommen - jedoch von der Gaia-Front unter der Führung des virtuellen Adamson, die sich fanatisch gegen den Aufbruch in den Weltraum und natürlich gegen die Moraner stellen. Ihnen droht nun ein „Verfahren“, das nicht anders als mit ihrem Tod enden kann.
Im Katai-Sektor versucht inzwischen die Besatzung der PROMET IV, die AVATARA weiterhin von ihrem Plan abzubringen, einen Krieg mit der Erde anzuzetteln. Shalyn Shan hat es immerhin geschafft, daß ein Friedensbotschafter der AVATARA zur Erde geschickt werden soll - somit scheint ein Abwenden des Krieges noch in greifbare Nähe gerückt zu sein. Trotzdem versucht man weiterhin, Verbündete unter den Völkern der AVATARA zu finden, und kann den Alatiden Mylyk dazu überreden, dem „Mega-Match“ zu neuer Spannung zu verhelfen, indem dieser einen Verräter spielt. Der Alatide ist von diesem Plan begeistert und bringt Shalyn, Cy und Klakkarak auf den Planeten Shari, die Heimatwelt der Shariik, einem der verborgenen Häuser der AVATARA, die vor mehr als 1.000 Jahren verbannt wurden. Hier hofft man weitere Verbündete gegen die Völker der AVATARA zu finden.

Mit diesem Band der neuen Abenteuer der Promet gelingt es den Autoren wieder einmal mühelos, das kleine Tief, das im vorigen Band zur Mitte des Zyklus herrschte, zu überwinden und an die gewohnte Qualität anzuknüpfen. Vor allem die Handlungsebene auf der Erde gewinnt hier deutlich an Dramatik und Spannung, so daß man froh sein kann, daß der nächste Band der Reihe gleich miterschienen ist. (Danach dauert es dann allerdings noch ein halbes Jahr, bis dieser Zyklus mit den nächsten beiden Bänden abgeschlossen sein wird.)
Aber auch die AVATARA-Ebene kann durchaus überzeugen. Die Geschehnisse auf Shari geben einen tieferen Einblick in den inneren Aufbau der AVATARA, als dies im gesamten letzten Band geschehen war, der immerhin alle anderen offenen Häuser vorgestellt hat, die der Leser noch nicht kannte. Dies liegt vor allem daran, daß diese Einblicke hier wesentlich interessanter und spannender verpackt sind, als es im letzten Band der Fall war.
Bei all der positiven Handlung fällt dann weniger ins Gewicht, daß der Korrekturleser an manchen Stellen schlicht und einfach geschlafen zu haben scheint. Nicht nur, daß teilweise recht seltsame Formulierungen im Text erscheinen (z.B. „Ich sagte schon, daß das die Gaia-Front gewarnt wurde.“, S. 11), da findet sich dann auch z.B. ein „T.H. Yoghan“ - „T. für Theodor, A. für Antonius“ oder eine „Mater Oin Shardook“, die eigentlich „Unuon Shardook“ heißt. Daß es sich hierbei um eine schlichte Namensverwechslung handelt, wird erst ein paar Seiten später klar, wenn wir auf eine „Mater Oin Sharveed“ stoßen... Es mutet ebenfalls seltsam an, wenn es auf S. 111 heißt: „...in denen sich Imbißstuben und Holo-Etablissements bemühten, die an die hohen Beamten und Techniker ausgezahlten Gehälter wieder der Konzernleitung zuzuführen.“ Das liest sich dann so, als ob in der Promet-Zukunft die Gehälter der Beamten von den Konzernen bezahlt würden - und das habe ich bisher noch nicht bemerken können.
Nun gut, all dies ist Beiwerk, das man aber hätte vermeiden können und das schon einen etwas schlampigen Eindruck beim Leser hinterläßt, der sich jedoch nicht in der Bewertung niederschlägt.
Insgesamt bleibt wieder ein solider, gut zu lesender und spannender Roman dieser Reihe, die immer wieder beweist, daß es neben PR auch andere gute Serien-SF aus deutschen Landen gibt. Man muß sich halt nur trauen, sie auch zu veröffentlichen.

Fazit:
Solide, interessant und spannend präsentiert sich dem Leser der sechste Band dieser Reihe. Die neuen Abenteuer der Promet beweisen auch hier wieder, daß sie eigentlich eine viel größere Leserschaft verdient hätten.
13 Punkte.

Winfried Brand

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