Zum
Inhalt:
John Dunbar wurde aus dem Weltraum auf die Erde verbannt. Als er dort
in eine Schlägerei verwickelt wird, droht ihm die Abschiebung
auf den Strafplaneten Luzifer II. Bei einem Fluchtversuch wird er an
Bord eines Raumschiffes gestellt, mit dem er sich dem Zugriff der
Sicherheitsbehörden entziehen wollte. Doch statt ins Straflager
wird er zum Geheimdienst-Chef gebracht, der ihm anbietet, wieder in
den Weltraum zu fliegen. Im Sternbild Sagittarius sind in den letzten
Jahren vier Forschungsschiffe verschwunden, und so hat man sich
entschlossen, die SINGA, ein Schlachtschiff, hinterherzuschicken, die
nach deren Verbleib forschen soll. John Dunbar ist als erster
Offizier der SINGA vorgesehen, ein Angebot, das dieser natürlich
sofort annimmt. Und so macht man sich bereits kurze Zeit später
auf, um nach dem Verbleib der vier Schiffe zu forschen.
Operation Sagittarius ist bereits 1970 als Terra
Nova-Doppelband 108/109 erschienen und wurde für die nun
vorliegende Ausgabe von Konrad Schaef überarbeitet - mit
großer Anhänglichkeit an den Urtext, wie man
dem Klappentext entnehmen kann. Anscheinend war der Urtext jedoch so
anhänglich, daß der Autor einige kleine, teilweise aber
auch gravierende Fehler bei der Überarbeitung glatt
übersehen hat. Doch hierzu später mehr.
Bei Operation Sagittarius handelt es sich um eine reine
Space Opera, locker, flockig erzählt, jedoch ohne
größeren Tiefgang. Und so ganz nebenbei handelt es sich
bei diesem Roman auch um ein Paradebeispiel, wenn man in die
Zwangslage kommt, die qualitätsmäßigen Unterschiede
zwischen einem Heftroman und einem Hardcover erklären zu
müssen. Die Handlung dieses Romans läuft zwar zielstrebig
ihrem Ende entgegen, läßt jedoch jegliche Verzahnung
innerhalb ihrer selbst vermissen. So wird Dunbar am Anfang in eine
Schlägerei mit einem Zwillingspärchen verwickelt, das ihm
ans Leder will. Dabei erfährt er auch den Heimatplaneten der
beiden: Free-Conor. Was es auch bedeutete, er würde es
nicht vergessen. Tja, dreimal darf man jetzt raten, was denn
der Autor vergessen hat. Richtig: Von Free-Conor ist im weiteren Lauf
der Handlung genauso wenig zu lesen wie von dem
Zwillingspärchen. Wenn der Leser hier vermutet hat, daß
diese später Dunbars Verbannung aufdecken und so für
Spannungen unter der Mannschaft sorgen, die diese Tasache nicht
kennt, so wird er sicherlich in diesem Buch nicht fündig
werden.
Auch wird gleich die ganze SINGA recht früh im Roman in die
Flotte zwangsrekrutiert und kann sich diesem Vorhaben nur durch
Flucht entziehen. Nachdem dies dann jedoch gerade so geklappt hat,
wird auch hierauf natürlich nicht mehr eingegangen.
Anderes Beispiel: Die SINGA wird kurz nach Erreichen des Zielgebietes
von einem Robotschiff angegriffen. Zwar wird sie durch dieses
Robotschiff auf das Ziel ihrer Suche gebracht, doch die Antwort auf
die Frage, wieso das Schiff überhaupt unterwegs war, bleibt der
Autor dem Leser schuldig. Nach Kenntnis der weiteren Handlung sowie
der Geschehnisse in der Vergangenheit gibt es jedenfalls keinen
Grund, weshalb dieses Schiff überhaupt existierte...
So ergeben sich viele, viele kleine Einzelhandlungen, die an einem
roten Faden aufgereiht wirken, bei dem zusammen aber kein wirkliches
Ganzes dabei herauskommt, der Faden sich zu keinem Knäuel
zusammenfindet.
Bliebe noch stellvertretend der gröbste Fehler nachzutragen, der
sich beim Angriff des Robotschiffs auf die SINGA findet. Während
man hier mit 77% LG durch die Gegend fliegt, entdeckt man 320.000 km
entfernt ein fremdes Schiff, das sich mit 80% LG auf Kollisionskurs
befindet. Ich weiß zwar nicht, welchen Kurs man hier geflogen
ist, aber man muß schon einiges an Umwegen hinzurechnen, damit
man den Zeitpunkt des Zusammentreffens 14,3 min. später
errechnen kann. Dies ist schlicht und einfach unmöglich. Wo auch
immer die Schiffe sehen und in welchem Winkel sich ihr Kurs befindet,
das Zusammentreffen muß bei diesen Geschwindigkeiten
spätestens nach ca. 30 Sekunden erfolgen...
Insgesamt bleibt ein zwiespältiger Eindruck angesichts dieses
Romans zurück. Einerseits ergibt sich eine gut und flott zu
lesende Space Opera, auf der anderen Seiten jedoch liegen die
erwähnten Schwächen in Logik und Handlungsaufbau.
Fazit:
Eine eher einfach und schnurgerade erfolgende Space Opera, die
keineswegs in der Lage ist, höhere Ansprüche als die, die
an einen Heftroman gestellt werden, zu erfüllen. Insgesamt ist
das unter dem Begriff Utopische Klassiker dann doch ein
wenig enttäuschend - ohne jetzt die vorhandenen Qualitäten
der Story abwerten zu wollen. In der vorliegenden Form hat die
Geschichte jedoch gerade mal ein ausreichend
verdient.
5 Punkte.