Konrad Schaef:

„Operation Sagittarius“

(Utopische Klassiker - Band 6)
(Blitz - Band 16)
D 1970
(171 Seiten, Paperback, Blitz-Verlag, ISBN 3-932171-26-8, DM 19,80)
- erschienen: April 1999 -

Zum Inhalt:
John Dunbar wurde aus dem Weltraum auf die Erde verbannt. Als er dort in eine Schlägerei verwickelt wird, droht ihm die Abschiebung auf den Strafplaneten Luzifer II. Bei einem Fluchtversuch wird er an Bord eines Raumschiffes gestellt, mit dem er sich dem Zugriff der Sicherheitsbehörden entziehen wollte. Doch statt ins Straflager wird er zum Geheimdienst-Chef gebracht, der ihm anbietet, wieder in den Weltraum zu fliegen. Im Sternbild Sagittarius sind in den letzten Jahren vier Forschungsschiffe verschwunden, und so hat man sich entschlossen, die SINGA, ein Schlachtschiff, hinterherzuschicken, die nach deren Verbleib forschen soll. John Dunbar ist als erster Offizier der SINGA vorgesehen, ein Angebot, das dieser natürlich sofort annimmt. Und so macht man sich bereits kurze Zeit später auf, um nach dem Verbleib der vier Schiffe zu forschen.

„Operation Sagittarius“ ist bereits 1970 als Terra Nova-Doppelband 108/109 erschienen und wurde für die nun vorliegende Ausgabe von Konrad Schaef überarbeitet - mit „großer Anhänglichkeit an den Urtext“, wie man dem Klappentext entnehmen kann. Anscheinend war der Urtext jedoch so anhänglich, daß der Autor einige kleine, teilweise aber auch gravierende Fehler bei der Überarbeitung glatt übersehen hat. Doch hierzu später mehr.
Bei „Operation Sagittarius“ handelt es sich um eine reine Space Opera, locker, flockig erzählt, jedoch ohne größeren Tiefgang. Und so ganz nebenbei handelt es sich bei diesem Roman auch um ein Paradebeispiel, wenn man in die Zwangslage kommt, die qualitätsmäßigen Unterschiede zwischen einem Heftroman und einem Hardcover erklären zu müssen. Die Handlung dieses Romans läuft zwar zielstrebig ihrem Ende entgegen, läßt jedoch jegliche Verzahnung innerhalb ihrer selbst vermissen. So wird Dunbar am Anfang in eine Schlägerei mit einem Zwillingspärchen verwickelt, das ihm ans Leder will. Dabei erfährt er auch den Heimatplaneten der beiden: „Free-Conor. Was es auch bedeutete, er würde es nicht vergessen.“ Tja, dreimal darf man jetzt raten, was denn der Autor vergessen hat. Richtig: Von Free-Conor ist im weiteren Lauf der Handlung genauso wenig zu lesen wie von dem Zwillingspärchen. Wenn der Leser hier vermutet hat, daß diese später Dunbars Verbannung aufdecken und so für Spannungen unter der Mannschaft sorgen, die diese Tasache nicht kennt, so wird er sicherlich in diesem Buch nicht fündig werden.
Auch wird gleich die ganze SINGA recht früh im Roman in die Flotte zwangsrekrutiert und kann sich diesem Vorhaben nur durch Flucht entziehen. Nachdem dies dann jedoch gerade so geklappt hat, wird auch hierauf natürlich nicht mehr eingegangen.
Anderes Beispiel: Die SINGA wird kurz nach Erreichen des Zielgebietes von einem Robotschiff angegriffen. Zwar wird sie durch dieses Robotschiff auf das Ziel ihrer Suche gebracht, doch die Antwort auf die Frage, wieso das Schiff überhaupt unterwegs war, bleibt der Autor dem Leser schuldig. Nach Kenntnis der weiteren Handlung sowie der Geschehnisse in der Vergangenheit gibt es jedenfalls keinen Grund, weshalb dieses Schiff überhaupt existierte...
So ergeben sich viele, viele kleine Einzelhandlungen, die an einem roten Faden aufgereiht wirken, bei dem zusammen aber kein wirkliches Ganzes dabei herauskommt, der Faden sich zu keinem Knäuel zusammenfindet.
Bliebe noch stellvertretend der gröbste Fehler nachzutragen, der sich beim Angriff des Robotschiffs auf die SINGA findet. Während man hier mit 77% LG durch die Gegend fliegt, entdeckt man 320.000 km entfernt ein fremdes Schiff, das sich mit 80% LG auf Kollisionskurs befindet. Ich weiß zwar nicht, welchen Kurs man hier geflogen ist, aber man muß schon einiges an Umwegen hinzurechnen, damit man den Zeitpunkt des Zusammentreffens 14,3 min. später errechnen kann. Dies ist schlicht und einfach unmöglich. Wo auch immer die Schiffe sehen und in welchem Winkel sich ihr Kurs befindet, das Zusammentreffen muß bei diesen Geschwindigkeiten spätestens nach ca. 30 Sekunden erfolgen...
Insgesamt bleibt ein zwiespältiger Eindruck angesichts dieses Romans zurück. Einerseits ergibt sich eine gut und flott zu lesende Space Opera, auf der anderen Seiten jedoch liegen die erwähnten Schwächen in Logik und Handlungsaufbau.

Fazit:
Eine eher einfach und schnurgerade erfolgende Space Opera, die keineswegs in der Lage ist, höhere Ansprüche als die, die an einen Heftroman gestellt werden, zu erfüllen. Insgesamt ist das unter dem Begriff „Utopische Klassiker“ dann doch ein wenig enttäuschend - ohne jetzt die vorhandenen Qualitäten der Story abwerten zu wollen. In der vorliegenden Form hat die Geschichte jedoch gerade mal ein „ausreichend“ verdient.
5 Punkte.

Winfried Brand

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