Band 1969: „Grausame Götter“

Autor: Ernst Vlcek

Vergangenheit:
Die Tazolen wagen den ersten Schritt aus dem Schatten ihres Heimatplaneten heraus und entsenden eine Raumkapsel auf eine Umlaufbahn. Das Besatzungsmitglied soll eine Reihe von Forschungen anstellen, bevor es auf dem Rückweg sterben wird - so wollen es die Götter. Doch es kommt anders als geplant. In der Umlaufbahn trifft der Tazole ein außerirdisches Raumschiff der Urungaber. Diese haben die Tazolen schon lange beobachtet und nutzen diese Gelegenheit für den Kontakt. Tarimgor ist aber gar nicht glücklich über sein neues Leben; er war fest entschlossen, für seine Götter zu sterben. Allerdings stößt er mit seinem Wunsch bei den Urungabern auf wenig Gegenliebe. Sie erklären kurzerhand den Tazolen, daß ihr Vielgötterglaube Unsinn ist und daß sie diesen aufgeben müssen. Daran denken diese jedoch überhaupt nicht. Vielmehr „reformieren“ sie ihren Glauben und passen ihn an die neuen Gegebenheiten an.
In der Folgezeit werden die Tazolen von ihren neuen „Freunden“ als Arbeiter und Soldatenvolk mißbraucht, was nicht gerade zu einer positiven Stimmung innerhalb der Beziehungen zwischen beiden Völkern führt.
Die Wende in der Geschichte bringt der Daffin-Aufstand. Die Tazolen verbünden sich mit einem weiteren, ebenfalls unterdrückten Volk und kämpfen von nun an nicht mehr für, sondern gegen die Urungaber. Gemeinsam mit den Voranesen gelingt es ihnen, sich ihre Freiheit zu erkämpfen und das Clannach-Imperium zu gründen. Nachdem dieses sich einigermaßen konsolidiert hat, werden die ehemaligen Unterdrücker in einem heiligen Glaubenskrieg endgültig vernichtet - als Rache für die religiösen Schmähungen der Vergangenheit.

Im Jahre 596 der tazolischen Raumfahrt wird der Junge Vilandos geboren. Er wird in ein Kloster gegeben, damit er eine göttergefällige Ausbildung erhält. Schnell macht er sich durch einen fanatischen Glauben und dessen Umsetzung bei den Oberen beliebt, gerät aber bei den Eingeborenen des Planeten damit in Verruf. Dennoch macht Vilandos schnell Karriere als Missionar. Er erkennt, daß es viele Völker gibt, die grundsätzlich nichts gegen den Glauben der Tazolen haben, sich in diesem aber einfach nicht wiederfinden, und so muß halt schon mal hier und da eine kleine Umdefinierung stattfinden - so ist z.B. die Farbe grün nicht mehr Zeichen für Minderwertigkeit, und schon hat man eine ganze weitere Gruppe von Völkern ins Imperium gezogen. Dennoch muß im Glaubenskrieg in Algion schon mal das eine oder andere Volk dran glauben, wenn es nicht „glauben“ will.
All das läuft unter der Leitung von Vilandos. Dieser nimmt im Alter von 399 Jahren die Scoctorenwürde an und trägt von nun an den Namen Vil an Desch.
19 Jahre vor der Invasion bekommen die Tazolen Besuch von ihrem Gott Xion. Er gibt ihnen zwei Geschenke: die Schilde gegen die Gharrer und die Technik, mit der sie den Sonnentresor knacken können, denn er will, daß sie seinen Götterbruder Gaintanu befreien.

Gegenwart:
Die Algioten sind weiterhin sehr aktiv am Sonnentresor zugange. Es ist ihnen mittlerweile gelungen, einen großen Strukturriß zu erzeugen, der für weitere Instabilität sorgt. Myles Kantor läßt ein Team aussenden, das diesen Riß vermessen soll. Mit von der Partie ist der Wlatschide Ganzetta, der lernen will, wie die Galaktiker in solchen Situationen vorgehen und miteinander umgehen.
Zurück auf der MERLIN verhält sich jedoch eines der Besatzungsmitglieder auf einmal recht seltsam. Es stellt sich heraus, daß es sich Vincent Garron eingefangen hat, der scheinbar planlos in der Gegend des Sonnentresors herumirrt. Es gelingt ihm nur in halbmaterieller Form, an Bord zu kommen. Er erzählt von einem Soboth, der mit ihm spricht und der seine Farben gestohlen hat. Am Ende scheint klar, daß es sich bei Soboth nicht nur um eine neue Persönlichkeitsausprägung Garrons, sondern wohl auch um einen Guan a Var handeln wird.

Wäre also mal wieder eine Handlungsebene vorerst abgehandelt (und mit insgesamt 5 Bänden in Folge war sie sogar mal relativ lang).
Ich muß aber rückblickend sagen, daß man vom Krieg in Chearth allgemein gar nicht so viel mitbekommt. Es scheint sich alles auf den Sonnentresor zu konzentrieren und hier auf die GILGAMESCH, die hier einen Ein-Raumschiff-Krieg gegen 200.000 Algioten zu führen scheint. Zwar kommt in der ’69 der Wlatschide Ganzetta mal zum Zug, das aber auch nur als Beobachter der Cameloter. Auf diesem Sektor würde ich mir noch ein wenig mehr wünschen, denn schließlich muß es doch auch noch Krisenherde geben, an denen die „Einheimischen“ kämpfen; und vor dem Eintreffen der GILGAMESCH haben sie diesen Krieg ja auch noch allein geführt.
Ansonsten kann ich für meinen Teil sagen, daß - entgegen aller Unkenrufe aus anderen Richtungen - mir die Chearth-Ebene eigentlich recht gut gefallen hat, ich aber immer noch gespannt auf das Eintreffen der Haluter warte. Die werden, wenn man sich nicht beeilt, nur noch als Feuerwehr und zum Aufräumen benötigt - schließlich sind es ja „nur“ noch 30 Bände bis Band 2000, und ein bißchen was sollten sie in meinen Augen schon zu tun haben, sonst hätte sich die Vorbereitung in der Milchstraße doch gar nicht gelohnt. Und das meine ich in doppelter Hinsicht, zum einen für die Haluter, zum anderen für die Leser, denn schließlich hat man die Sache ja in zwei Bänden eingeführt.
Zu den Tazolen:
Man gibt sich bei der Vorstellung dieses Volkes ja reichlich Mühe. Auch Vil an Desch hat mittlerweile eine recht umfangreiche Einführung bekommen. Ich bin mal gespannt, ob das meine Theorien über diesen Charakter stützt oder eher nicht (siehe Rezi zum Vorband). (* Na, wenn ich da z.B. an gewisse Mönche denke, die, kaum daß sie mit großem Trara und Brimborium eingeführt waren, auch schon wieder abserviert wurden... Winy)
Aber ansonsten kann ich nur sagen, daß mir ein Faktor an den Tazolen recht gut gefällt: Sie zählen noch gar nicht so lange zu den raumfahrenden Völkern und haben trotzdem eine Vormachtstellung in ihrer Galaxis. Mal ehrlich, kommt das nicht irgendjemandem bekannt vor? Bisher waren es immer die anderen, die schon seit Tausenden von Jahren zwischen den Sternen herumflogen und dann auf einmal von einem jungen, dynamischen Volk namens Terraner einen aufs Maul bekommen haben.
Jetzt sind die Terraner mal die „Alten“, und die Tazolen sind erst seit ein paar hundert Jahren der Raumfahrt mächtig. Bzw., alt sind die Terraner nach kosmischen Maßstäben ja auch nicht zu nennen, aber zumindest haben wir hier mit den Tazolen mal ein Volk, das noch keine kosmische Geschichte von einigen Jahrtausenden hat.

Dennoch hat der Roman in meinen Augen nur sehr begrenzt geglänzt. Der Part um die Tazolen war zwar recht interessant - besonders um die Vergangenheit über Vil an Desch - aber der Chearth-Teil war dafür todlangweilig, und langsam fängt auch Vincent Garron wieder an zu nerven. Es passiert einfach nichts. Man dreht sich da im Kreis. Tuyula ist zum hundertsten Mal mit ihren Nerven am Ende, und die Ärzte wissen auch nicht, was sie machen sollen; und Vincent selbst geht spazieren wie er will. Neu ist zwar, daß er Kontakt zu einem Sonnenfresser hat, aber auch das verschwindet im Wust der restlichen Lappalien.
Doch auch die Vergangenheitsebene wirkt irgendwie lustlos. Zum Beispiel der Erstkontakt der Urungaber. Hier hat man den Eindruck, daß der für den Kontakt Verantwortliche sich lieber im Bett räkeln würde, als sich mit irgendeiner jungen Rasse herumzuschlagen. Eine anständige Charakterisierung ist schon gar nicht gegeben, und so wirkt die ganze Szene sehr blaß - lustlos halt. Später, während der Geschehnisse um Vil an Desch, wird das dann in meinen Augen ein wenig flüssiger, z.B. der Befreiungskrieg und die Entdeckung des Sonnentresors durch die versklavten Tazolen.

Fazit:
Zwar voll mit interessanten Infos über die Vergangenheit - aber nur mäßig aufregend - die Gegenwartsebene flopt in meinen Augen total.
8 Punkte

Alexander Haas

„Grausame Götter“ - welch ein passender Titel. Es müssen wahrhaft grausame Götter gewesen sein, die uns die Chearth-Handlungsebene beschert haben. Mit diesem Heft bewegt sich der nächste Band dieser Handlungsebene nur im Kreise - es passiert nun wirklich rein gar nichts Interessantes. Gerade in der Gegenwartshandlung hätte man sich so langsam mal ein bißchen Bewegung gewünscht.
Nun gut, sicherlich geht es in diesem Band eher um die Weiterführung der Geschichte der Tazolen, bzw. Vil an Deschs, doch dann hätte man die Garron-Episoden am besten eher ganz fallengelassen, als dem Leser damit weiter auf dem Nerven herumzutrampeln. Vor allem, da sich hier auch wirklich gar nichts Neues anbahnt. Nun gut, Garron „unterhält“ sich anscheinend mit einem der Sonnenwürmer - na und? Daß seine „Farben“ mit dem Tresor zusammenhängen, war ja schon klar. Daß es sich dabei um Sonnenwürmer handelt, kann dabei dann nicht mehr weiter überraschen - zu sehr hat man mit so etwas ja schon gerechnet. Zudem steht jetzt vielmehr zu befürchten, daß man sich mit dem Gewürms ja glatt noch friedlich einigen könnte, halt am Verhandlungstisch. Sollte das tatsächlich geschehen, frage ich mich allerdings, weshalb die Würmchen denn so gefährlich sein sollen, daß man sie erst einmal kaltstellen muß. Schließlich wäre man innerhalb der Koalition Thoregon auch so in der Lage gewesen, mit den Würmern zu reden - Möglichkeiten hätte es da sicherlich gegeben, seien sie nun technischer (Baolin-N’da) oder psionischer (Gestalter) Art. Oder haben die hinter der Koalition stehenden SIs mal wieder vorausgesehen, daß man einen Garron mitbringen würde, und deshalb den Tresor so konstruieren lassen, daß er zusammenbricht, wenn die Terraner mit ihrem Todesmutanten auftauchen? Das ist dann ja wohl doch ein bißchen zu weit hergeholt... Nun ja, wir werden sehen - und die Wahrscheinlichkeit für eine friedliche Lösung des Problems mit den Würmern erscheint mir selber ja auch schon nicht gerade allzu hoch...
In der Vergangenheitsebene des Romans erfahren wir dann etwas über Vil an Desch sowie den tazolischen Glauben und ihre Götter. Sonderlich aufregend ist dies dann aber auch nicht gewesen, auch wenn man hier ein paar Hintergrundinfos eingebaut hat. Dafür, daß dieser Roman jedoch von Ernst Vlcek geschrieben wurde und man daher sicherlich die Erwartung eines Schlüsselromans an ihn geknüpft hat, ist das Ganze dann aber doch bei weitem zu wenig.
Ein wenig Interesse kann vielleicht noch die Tatsache wecken, daß es sich bei den Tazolen um eine relativ junge Rasse handelt, die ihre technischen Errungenschaften anderen Völkern zu verdanken hat. Leichte Vergleiche zu den Terranern drängen sich dem Leser hier dann doch schon auf.
Allerdings haben die Terraner es nie geschafft, ihren Glauben über eine ganze Galaxis zu verbreiten - noch dazu in solch kurzer Zeit. Irgendwie kommt mir dies dann auch ein wenig komisch vor, schließlich dürften die Tazolen nicht die einzigen Fanatiker gewesen sein, die es in dieser Galaxis gab. Immerhin liegen Glauben und Fanatismus nun nicht gerade allzuweit auseinander - und mit mindestens einer zweiten Glaubensrichtung konfrontiert, deren Anhänger ähnlich fanatisch sind wie sie selber, hätte es sicherlich eine ganze Weile länger gedauert, bis man eine ganze Galaxis(!) seinem Glauben unterworfen hat. Wie gesagt: Ein wenig seltsam kommt mir dies dann doch vor.
Wo wir dann gerade bei seltsam sind: Wie kommt es eigentlich, daß Vil an Desch Mhogena von seiner Geburt erzählen kann? Eine Spalte weiter erfahren wir, daß diese Tatsachen niemals ans Licht kamen, daß seine Herkunft in absoluter Dunkelheit liegt und niemals geklärt werden konnte. Überstrapaziere ich jetzt das Wort, wenn ich hier noch einmal „seltsam“ schreibe?!?
Aber zum Roman selber zurück:
Ernst Vlcek kann man sicherlich den (nicht vorhandenen) Handlungsaspekt voll anlasten, jedoch kann man ihm nicht den Vorwurf machen, er hätte nun auch noch einen stilistisch schlechten Roman abgeliefert. In dieser Hinsicht handelt es sich bei „Grausame Götter“ durchaus um einen recht guten PR-Roman, der jedoch deutlich an fehlender wirklich interessanter Handlung sowie Wiederkäuen diverser Handlungsbögen der Vergangenheit um Vincent Garron krankt.

Fazit:
Stilistisch gekonnt leitet Ernst Vlcek den Leser durch die Langeweile dieser Handlungsebene. Gibt die Geschichte der Tazolen und Vil an Deschs wenigstens noch den einen oder anderen interessanten Aspekt wieder, versetzt die Handlung um Vincent Garron und das Bluesmädchen Tuyula den Leser so langsam ins Koma.
6 Punkte.

Winfried Brand

Nun präsentiert Ernst Vlcek uns nach langer schöpferischer Pause also die Hintergründe des tazolischen Glaubens. Ein Handlungselement, das wir alle mit Spannung erwartet haben... (sigh)
Daß ich die Tazolen für ein reines Seitenschinder-Volk halte, habe ich ja schon in der letzten Rezi angedeutet. Und auch wenn Ernst sich hier sehr detailliert mit ihrer Geschichte befaßt, so ändert das nichts daran, daß die Tazolen als Volk und vor allem als Gegner sehr wenig hergeben. Zu konstruiert wirkt einfach ihre Religion im Zusammenhang mit der Invasion in Chearth.
Doch zum Roman selbst: Ich habe grundsätzlich nichts gegen Fantasy, aber soweit es PR betrifft, war ich schon immer der Meinung, daß dieses Element hier nichts verloren hat, aber gerade Ernst Vlcek scheint es nicht lassen zu können, immer mal wieder einen Hauch Mystizismus in die Romane einfließen zu lassen, ob nun als Autor oder - was natürlich viel schlimmer ist - als Exposé-Macher. Sicherlich ist das Thema Algioten und Sonnentresor hauptsächlich auf seinem Mist gewachsen. Von daher darf wohl gesagt werden, daß es wirklich langsam an der Zeit wäre, mal jemand anderen auf den Expo-Thron zu lassen. Robert Hector war es, glaube ich, der diesen Punkt ebenfalls zur Sprache brachte und hier Uwe Anton vorschlug. Ich kann da nur zustimmen, jedenfalls wird es Zeit für etwas Neues, und spätestens nach Band 2000 sollte Vlcek sich m.E. aufs Altenteil zurückziehen.
Was nun diesen Roman hier angeht, so kann man hier schon kaum noch von einem Hauch Mystizismus sprechen; trotzdem erweist sich die Handlung um die grausamen Götter als immer noch interessanter und lesbarer als der Rest. Tuyula ist wieder mal in Sorge um ihren Vincent, welcher mit seinem merkwürdigen Verhalten immer noch Rätsel aufgibt; das Autauchen Shabazzas bei den Tazolen wird kurz geschildert, aber ansonsten ist wieder mal nichts wirklich Nennenswertes erreicht worden.
Und was Shabazza anbetrifft: Glauben die Autoren wirklich, daß es noch jemanden vom Hocker haut, wenn Ereignisse geschildert werden, die dem Leser bereits seit Wochen bekannt sind?
Die Szene, in der Shabazza als Gott Xion bei den Tazolen aufkreuzt und ihnen die Psi-Netze überreicht, wird dem Leser als grandioses Finale verkauft, obgleich dies, wie gesagt, längst bekannte Fakten sind.
Soll das etwa noch spannend sein, oder was? Also entweder, man überlegt sich vorher, wann man die Katze aus dem Sack läßt, oder man tut es nur einmal und beläßt es dann bitte auch dabei.

Fazit:
Was soll man dazu noch groß sagen? Die Mystik-Handlung ist wohl nur was für Fantasy-Fans, der Rest gibt auch nicht viel her. Eindeutiger Höhepunkt des Romans ist die Vorschau auf den nächsten Roman, welche dem Rezensenten zum ersten Mal seit Beginn der Lektüre die Augen glänzen ließen: Nächste Woche gibt’s keinen Chearth-Roman! Halleluja!
5 Punkte.

Stefan Robijn

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