Vergangenheit:
Die Tazolen wagen den ersten Schritt aus dem Schatten ihres
Heimatplaneten heraus und entsenden eine Raumkapsel auf eine
Umlaufbahn. Das Besatzungsmitglied soll eine Reihe von Forschungen
anstellen, bevor es auf dem Rückweg sterben wird - so wollen es
die Götter. Doch es kommt anders als geplant. In der Umlaufbahn
trifft der Tazole ein außerirdisches Raumschiff der Urungaber.
Diese haben die Tazolen schon lange beobachtet und nutzen diese
Gelegenheit für den Kontakt. Tarimgor ist aber gar nicht
glücklich über sein neues Leben; er war fest entschlossen,
für seine Götter zu sterben. Allerdings stößt er
mit seinem Wunsch bei den Urungabern auf wenig Gegenliebe. Sie
erklären kurzerhand den Tazolen, daß ihr
Vielgötterglaube Unsinn ist und daß sie diesen aufgeben
müssen. Daran denken diese jedoch überhaupt nicht. Vielmehr
reformieren sie ihren Glauben und passen ihn an die neuen
Gegebenheiten an.
In der Folgezeit werden die Tazolen von ihren neuen
Freunden als Arbeiter und Soldatenvolk mißbraucht,
was nicht gerade zu einer positiven Stimmung innerhalb der
Beziehungen zwischen beiden Völkern führt.
Die Wende in der Geschichte bringt der Daffin-Aufstand. Die Tazolen
verbünden sich mit einem weiteren, ebenfalls unterdrückten
Volk und kämpfen von nun an nicht mehr für, sondern gegen
die Urungaber. Gemeinsam mit den Voranesen gelingt es ihnen, sich
ihre Freiheit zu erkämpfen und das Clannach-Imperium zu
gründen. Nachdem dieses sich einigermaßen konsolidiert
hat, werden die ehemaligen Unterdrücker in einem heiligen
Glaubenskrieg endgültig vernichtet - als Rache für die
religiösen Schmähungen der Vergangenheit.
Im Jahre 596 der tazolischen Raumfahrt wird der Junge Vilandos
geboren. Er wird in ein Kloster gegeben, damit er eine
göttergefällige Ausbildung erhält. Schnell macht er
sich durch einen fanatischen Glauben und dessen Umsetzung bei den
Oberen beliebt, gerät aber bei den Eingeborenen des Planeten
damit in Verruf. Dennoch macht Vilandos schnell Karriere als
Missionar. Er erkennt, daß es viele Völker gibt, die
grundsätzlich nichts gegen den Glauben der Tazolen haben, sich
in diesem aber einfach nicht wiederfinden, und so muß halt
schon mal hier und da eine kleine Umdefinierung stattfinden - so ist
z.B. die Farbe grün nicht mehr Zeichen für
Minderwertigkeit, und schon hat man eine ganze weitere Gruppe von
Völkern ins Imperium gezogen. Dennoch muß im Glaubenskrieg
in Algion schon mal das eine oder andere Volk dran glauben, wenn es
nicht glauben will.
All das läuft unter der Leitung von Vilandos. Dieser nimmt im
Alter von 399 Jahren die Scoctorenwürde an und trägt von
nun an den Namen Vil an Desch.
19 Jahre vor der Invasion bekommen die Tazolen Besuch von ihrem Gott
Xion. Er gibt ihnen zwei Geschenke: die Schilde gegen die Gharrer und
die Technik, mit der sie den Sonnentresor knacken können, denn
er will, daß sie seinen Götterbruder Gaintanu
befreien.
Gegenwart:
Die Algioten sind weiterhin sehr aktiv am Sonnentresor zugange. Es
ist ihnen mittlerweile gelungen, einen großen Strukturriß
zu erzeugen, der für weitere Instabilität sorgt. Myles
Kantor läßt ein Team aussenden, das diesen Riß
vermessen soll. Mit von der Partie ist der Wlatschide Ganzetta, der
lernen will, wie die Galaktiker in solchen Situationen vorgehen und
miteinander umgehen.
Zurück auf der MERLIN verhält sich jedoch eines der
Besatzungsmitglieder auf einmal recht seltsam. Es stellt sich heraus,
daß es sich Vincent Garron eingefangen hat, der scheinbar
planlos in der Gegend des Sonnentresors herumirrt. Es gelingt ihm nur
in halbmaterieller Form, an Bord zu kommen. Er erzählt von einem
Soboth, der mit ihm spricht und der seine Farben gestohlen hat. Am
Ende scheint klar, daß es sich bei Soboth nicht nur um eine
neue Persönlichkeitsausprägung Garrons, sondern wohl auch
um einen Guan a Var handeln wird.
Wäre also mal wieder eine Handlungsebene vorerst abgehandelt
(und mit insgesamt 5 Bänden in Folge war sie sogar mal relativ
lang).
Ich muß aber rückblickend sagen, daß man vom Krieg
in Chearth allgemein gar nicht so viel mitbekommt. Es scheint sich
alles auf den Sonnentresor zu konzentrieren und hier auf die
GILGAMESCH, die hier einen Ein-Raumschiff-Krieg gegen 200.000
Algioten zu führen scheint. Zwar kommt in der 69 der
Wlatschide Ganzetta mal zum Zug, das aber auch nur als Beobachter der
Cameloter. Auf diesem Sektor würde ich mir noch ein wenig mehr
wünschen, denn schließlich muß es doch auch noch
Krisenherde geben, an denen die Einheimischen
kämpfen; und vor dem Eintreffen der GILGAMESCH haben sie diesen
Krieg ja auch noch allein geführt.
Ansonsten kann ich für meinen Teil sagen, daß - entgegen
aller Unkenrufe aus anderen Richtungen - mir die Chearth-Ebene
eigentlich recht gut gefallen hat, ich aber immer noch gespannt auf
das Eintreffen der Haluter warte. Die werden, wenn man sich nicht
beeilt, nur noch als Feuerwehr und zum Aufräumen benötigt -
schließlich sind es ja nur noch 30 Bände bis
Band 2000, und ein bißchen was sollten sie in meinen Augen
schon zu tun haben, sonst hätte sich die Vorbereitung in der
Milchstraße doch gar nicht gelohnt. Und das meine ich in
doppelter Hinsicht, zum einen für die Haluter, zum anderen
für die Leser, denn schließlich hat man die Sache ja in
zwei Bänden eingeführt.
Zu den Tazolen:
Man gibt sich bei der Vorstellung dieses Volkes ja reichlich
Mühe. Auch Vil an Desch hat mittlerweile eine recht umfangreiche
Einführung bekommen. Ich bin mal gespannt, ob das meine Theorien
über diesen Charakter stützt oder eher nicht (siehe Rezi
zum Vorband). (* Na, wenn ich da z.B. an gewisse Mönche
denke, die, kaum daß sie mit großem Trara und Brimborium
eingeführt waren, auch schon wieder abserviert wurden...
Winy)
Aber ansonsten kann ich nur sagen, daß mir ein Faktor an den
Tazolen recht gut gefällt: Sie zählen noch gar nicht so
lange zu den raumfahrenden Völkern und haben trotzdem eine
Vormachtstellung in ihrer Galaxis. Mal ehrlich, kommt das nicht
irgendjemandem bekannt vor? Bisher waren es immer die anderen, die
schon seit Tausenden von Jahren zwischen den Sternen herumflogen und
dann auf einmal von einem jungen, dynamischen Volk namens Terraner
einen aufs Maul bekommen haben.
Jetzt sind die Terraner mal die Alten, und die Tazolen
sind erst seit ein paar hundert Jahren der Raumfahrt mächtig.
Bzw., alt sind die Terraner nach kosmischen Maßstäben ja
auch nicht zu nennen, aber zumindest haben wir hier mit den Tazolen
mal ein Volk, das noch keine kosmische Geschichte von einigen
Jahrtausenden hat.
Dennoch hat der Roman in meinen Augen nur sehr begrenzt
geglänzt. Der Part um die Tazolen war zwar recht interessant -
besonders um die Vergangenheit über Vil an Desch - aber der
Chearth-Teil war dafür todlangweilig, und langsam fängt
auch Vincent Garron wieder an zu nerven. Es passiert einfach nichts.
Man dreht sich da im Kreis. Tuyula ist zum hundertsten Mal mit ihren
Nerven am Ende, und die Ärzte wissen auch nicht, was sie machen
sollen; und Vincent selbst geht spazieren wie er will. Neu ist zwar,
daß er Kontakt zu einem Sonnenfresser hat, aber auch das
verschwindet im Wust der restlichen Lappalien.
Doch auch die Vergangenheitsebene wirkt irgendwie lustlos. Zum
Beispiel der Erstkontakt der Urungaber. Hier hat man den Eindruck,
daß der für den Kontakt Verantwortliche sich lieber im
Bett räkeln würde, als sich mit irgendeiner jungen Rasse
herumzuschlagen. Eine anständige Charakterisierung ist schon gar
nicht gegeben, und so wirkt die ganze Szene sehr blaß - lustlos
halt. Später, während der Geschehnisse um Vil an Desch,
wird das dann in meinen Augen ein wenig flüssiger, z.B. der
Befreiungskrieg und die Entdeckung des Sonnentresors durch die
versklavten Tazolen.
Fazit:
Zwar voll mit interessanten Infos über die Vergangenheit - aber
nur mäßig aufregend - die Gegenwartsebene flopt in meinen
Augen total.
8 Punkte
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Grausame Götter - welch ein passender
Titel. Es müssen wahrhaft grausame Götter gewesen
sein, die uns die Chearth-Handlungsebene beschert haben. Mit
diesem Heft bewegt sich der nächste Band dieser
Handlungsebene nur im Kreise - es passiert nun wirklich rein
gar nichts Interessantes. Gerade in der Gegenwartshandlung
hätte man sich so langsam mal ein bißchen
Bewegung gewünscht. |
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Nun präsentiert Ernst Vlcek uns nach langer
schöpferischer Pause also die Hintergründe des
tazolischen Glaubens. Ein Handlungselement, das wir alle mit
Spannung erwartet haben... (sigh) |