Paul Wolf & Neal Davenport:

„Hexensabbat“

(Coco Zamis - Band 1)
(347 Seiten, Hardcover, Zaubermond-Verlag, ISBN 3-931407-14-4, DM 29,80)
- erschienen: April 1999 -

Die junge Coco Zamis ist in den Augen ihrer Familie eine ziemlich mißratene Hexe, da ihr die Grausamkeit ihrer dämonischen Artgenossen fernliegt.
Zur Ausbildung wird sie deshalb mit ihrer bösen Schwester Vera für mehrere Jahre auf das Schloß des Grafen Cyrano von Behemoth geschickt. Hier geschieht es, daß sich Coco in Rupert Schwinger, einen Sterblichen, verliebt, was sowohl ihr als auch Rupert schon bald allerlei Probleme beschert.
Als Coco schließlich sechzehn Jahre alt wird und zurück nach Hause darf, erscheint anläßlich ihrer Hexenweihe Asmodi, der gegenwärtig amtierende Fürst der Finsternis. Dieser will auf einem Hexensabbat mit ihr einen Dämon zeugen. Coco ist von diesem Gedanken naturgemäß wenig begeistert und stellt sich gegen ihre Familie.

Coco Zamis ist, wie vielleicht bekannt, eine der Hauptfiguren der klassischen Heftroman-Serie DÄMONENKILLER, die derzeit unter dem nicht ganz so martialischen Titel „Edition DK“ fortgeführt wird. So spannend ich es in den sonnigen Achtzigern auch fand, von den Jugendabenteuern der abtrünnigen Hexe zu lesen, war ich von diesem Roman doch enttäuscht.
Enthalten sind in dem vorliegenden Buch Passagen aus den Dämonenkiller-Heftromanen Nr. 30 (HEXENSABBAT) und 31 (DIE STUNDE DER AMEISEN) - beide von Neal Davenport - sowie aus den Taschenbücher Nr. 28 (COCO UND DER TEUFELSSCHÜLER) - von Paul Wolf - und 31 (COCO UND DER MAGIER) - wiederum von Davenport - in einer gekürzten und stark bearbeiteten Fassung. Bibliografische Angaben jedweder Art wird der geneigte Leser allerdings wie bei sämtlichen Zaubermond-Publikationen vergeblich suchen.
So beachtenswert die Absicht auch ist, die Jugendabenteuer der Hexe und insbesondere den Coco/Merlin-Zyklus aus den damaligen Taschenbüchern neu herauszubringen und mit einem Ende zu versehen, scheinen den Herren Lektoren hier doch so ziemlich sämtliche Gäule durchgegangen zu sein.
Die beiden enthaltenen Heftromane waren damals beispielsweise Bestandteil des vier- bzw. in der Neuauflage fünfbändigen Zamis-Zyklus, in welchem Coco sich mit dem Testament ihres von Asmodi hingemeuchelten Vaters auseinandersetzen muß und gezwungen werden soll, den fiesen Graf von Behemoth zu ehelichen. In einigen Rückblenden erinnert sie sich im Rahmen dieser Romane an ihre Jugendzeit. Für das vorliegende Buch wurde die Gegenwartshandlung kurzerhand weggeschnippelt und die in der dritten Person geschilderten Rückblenden brachial in die Ich-Form umgebrezelt.
Ganz ähnlich verfuhr man bei COCO UND DER TEUFELSSCHÜLER (das zweite Taschenbuch ist für mich leider gerade nicht greifbar, so daß ich nicht beurteilen kann, inwiefern diesem Gewalt angetan wurde). Dort war die Handlung sogar noch enger verzahnt, so daß man nach der kompletten Streichung der mehr als 40-seitigen Gegenwartsebene letztendlich gezwungen war, den Ereignissen ein neues Ende zu verpassen. Glücklicherweise entfiel hier wenigstens das Umschreiben in die Ich-Form, da besagtes Taschenbuch von vorneherein so abgefaßt war.
Obige Kritik soll nun allerdings nicht bedeuten, daß es sich bei HEXENSABBAT etwa um ein sagenhaft schlechtes Buch handelt. Immerhin handelt es sich bei den verwursteten (denn anders kann man diese Form der Bearbeitung nicht bezeichnen) Romanen durchaus um Höhepunkte der damaligen Serie. Noch immer liest sich der Text recht flüssig; lediglich an den „Nahtstellen“ stutzt man unwillkürlich ein wenig. Für Neu-Leser, die mit dem Dämonenkiller weniger vertraut sind, wird HEXENSABBAT daher auch zweifellos eine vergnügliche Lektüre darstellen. Wer jedoch eine unverfälschte Version von Cocos Jugendabenteuern vorzieht, sollte besser ins nächstbeste Antiquariat stiefeln und versuchen, die entsprechenden Hefte bzw. Taschenbücher aus den Siebzigern zu ergattern. Zwischen den Buchdeckeln von HEXENSABBAT wird man diese nämlich nicht finden.
Wertung: Normalerweise hätte ich für die hervorragenden Romane von Davenport und Wolf knackige 14 Punkte gezückt; so bleiben gerade mal 8 übrig. Wenn eine eventuelle DK-Classic-Edition in ähnlich verstümmelter Form daherkommen sollte, packt mich ehrlich das kalte Grausen. Romanbearbeitung mit der Heckenschere mag ich nämlich nicht.

Michael Breuer

Nun, ich muß gestehen, nach dem Coco-Vergangenheitseinschub in „Rebeccas Rache“ (Edition DK Band 2) stand ich dieser „neuen“ Serie mehr als nur skeptisch gegenüber - was wahrscheinlich recht günstig war, konnte mich dieser Band dann doch zumindest ein wenig positiv überraschen.
Daß diese Überraschung nicht größer ausfiel, liegt dann allerdings auch eher an der Tatsache, daß man hier einen Teil der Vergangenheitshandlung eines Zyklus aus der Heftserie aus dem Zusammenhang herausgeholt und mit zweien der Taschenbücher kombiniert hat. Daß dabei konsequent alles in die Ich-Form umgesetzt wurde, ist noch der positivste Aspekt dieses Romans. Durch das Fehlen der Verbindungshandlung wirkt das Buch jedoch stark zerfleddert - und da man auf die Ergebnisse der übriggebliebenen Handlung bereits mehrfach innerhalb der Dämonenkiller- und Edition DK-Bücher hingewiesen wurde, will die Spannung auch nicht so recht aufkommen.
Aber nicht etwa, daß dieser Roman schlecht wäre - nein, beileibe nicht. Die Geschichte ist angenehm zu lesen, bekommt durch die Ich-Form auch durchaus eine schöne Atmosphäre - doch irgendwie bleibt die Spannung bei Fragen wie z.B., was denn nun bei Cocos erstem Hexensabbat passiert, ein wenig auf der Strecke. Dafür entschädigt jedoch der angenehme und interessante Stil der Autoren, der an sich durchaus lesenswert ist.
Dabei hebt sich vor allem Cocos Zusammentreffen mit Rebecca wohltuend von der Teenie-Schilderung im oben erwähnten Band der Edition DK ab. Statt hier den „Charme“ diverser Teenie-Highschool-Serien zu adaptieren, kann man in diesem Buch durchaus von einer Horror-Handlung sprechen.
Insgesamt wirkt dieser erste Coco Zamis-Band dann durchaus interessant, jedoch hält sich die teilweise aufkeimende Spannung zumindest bei Lesern der Edition DK und wohl auch Alt-Fans stark in Grenzen, da die Ergebnisse der Ereignisse bereits bekannt sind.

Fazit:
Der erste Band der Vergangenheitsabenteuer der Coco Zamis bietet durchaus interessante Unterhaltung; die teilweise nicht so richtig aufkommende Spannung läßt die Bewertung dann allerdings auch nicht über ein „befriedigend“ hinauskommen.
8 Punkte.

Winfried Brand

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