Wim Gijsen:

„Wendekreise“

(1. Roman der Deirdre-Trilogie)
OT: Keerkringen
Ü: Hildegard Höhr
NL 1985
(333 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9039, ISBN 3-453-15604-8, DM 16,90)
- erschienen: Mai 1999 -

Deirde wächst im Tempel als Priesterin auf. Mit vollem Herzen glaubt sie an ihre Göttin und verachtet jene, die nur in die Gottesdienste gehen, um sich dort den Segen der Göttin zu erkaufen.
Eines Tages erhält sie Nachricht vom nahenden Tod ihres Vaters und bittet die Tempeloberen um die Erlaubnis, den Kranken zu besuchen. Diese wird ihr jedoch verweigert. Sie reißt also aus und kehrt zu ihrem Heimatdorf zurück. Hier ist der Vater bereits verstorben, und schnell wird sie als Ausgestoßene geoutet. Mit einem beträchtlichen Erbe ausgestattet, reist sie in die Stadt Chelle. Hier gelingt es ihr, zu einigem Ansehen zu kommen, bis sie erfährt, daß eine Frau an der Spitze eines Unternehmens in bestimmten Kreisen nicht gern gesehen ist - und schon gar nicht dann, wenn sie Erfolg hat.

Wim Gijsen zeigt in seinem ersten Band der Deirde-Trilogie, wieviel man in einen einzigen Band packen kann. Er hält sich zu Beginn nicht mit langen Erklärungen auf, sondern beschränkt sich darauf, seine neue Welt während der Reise seiner Heldin durchaus detailliert zu erklären. Überhaupt ist diese das absolute Zentrum des Romans. Es gibt keine Nebenhandlungen, was zwar der ganzen Geschichte ein wenig Komplexität nimmt, aber dafür gibt es um so mehr Handlung. Außerdem gibt die auf eine einzige Person fixierte Perspektive der ganzen Sache eine besondere Note. Oft bekommt man bei anderer Ausführung nämlich einen Einblick in die Gesinnung oder die Pläne der Gegenseite und kann so über den Verlauf der Handlung spekulieren. Dieser Einblick fehlt so ganz. Es gibt aber auch kaum eine einheitliche Gegenseite. Diese wird erst im Verlauf der Handlung wirklich aufgebaut, und ich wage zu bezweifeln, daß das bis zum Ende der Story so bleiben wird. Gijsen schafft es nämlich schon in einem Band, die Geschichte so oft zu drehen und zu wenden, daß ich davon ausgehe, daß dies auch noch ein Weilchen so weitergehen wird.
Überhaupt fehlen auf diese Weise die großen Bösewichter, Dämonen und Bedrohungen. Doch das macht den Roman höchstens ungewöhnlich, aber ganz und gar nicht langweilig.
„Wendekreise“ ist, wie schon angedeutet, keine Fantasy, in der die Welt bedroht oder aus den Fugen gehoben wird. Es ist eine einfühlsame Betrachtung vieler Menschen sowie des Auf und Ab der Haupthandlungsträgerin.

Fazit:
Schöne und faszinierende Fantasy mit viel Potential für einen großartigen Zyklus.
12 Punkte

Alexander Haas


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