Deirde
wächst im Tempel als Priesterin auf. Mit vollem Herzen glaubt
sie an ihre Göttin und verachtet jene, die nur in die
Gottesdienste gehen, um sich dort den Segen der Göttin zu
erkaufen.
Eines Tages erhält sie Nachricht vom nahenden Tod ihres Vaters
und bittet die Tempeloberen um die Erlaubnis, den Kranken zu
besuchen. Diese wird ihr jedoch verweigert. Sie reißt also aus
und kehrt zu ihrem Heimatdorf zurück. Hier ist der Vater bereits
verstorben, und schnell wird sie als Ausgestoßene geoutet. Mit
einem beträchtlichen Erbe ausgestattet, reist sie in die Stadt
Chelle. Hier gelingt es ihr, zu einigem Ansehen zu kommen, bis sie
erfährt, daß eine Frau an der Spitze eines Unternehmens in
bestimmten Kreisen nicht gern gesehen ist - und schon gar nicht dann,
wenn sie Erfolg hat.
Wim Gijsen zeigt in seinem ersten Band der Deirde-Trilogie, wieviel
man in einen einzigen Band packen kann. Er hält sich zu Beginn
nicht mit langen Erklärungen auf, sondern beschränkt sich
darauf, seine neue Welt während der Reise seiner Heldin durchaus
detailliert zu erklären. Überhaupt ist diese das absolute
Zentrum des Romans. Es gibt keine Nebenhandlungen, was zwar der
ganzen Geschichte ein wenig Komplexität nimmt, aber dafür
gibt es um so mehr Handlung. Außerdem gibt die auf eine einzige
Person fixierte Perspektive der ganzen Sache eine besondere Note. Oft
bekommt man bei anderer Ausführung nämlich einen Einblick
in die Gesinnung oder die Pläne der Gegenseite und kann so
über den Verlauf der Handlung spekulieren. Dieser Einblick fehlt
so ganz. Es gibt aber auch kaum eine einheitliche Gegenseite. Diese
wird erst im Verlauf der Handlung wirklich aufgebaut, und ich wage zu
bezweifeln, daß das bis zum Ende der Story so bleiben wird.
Gijsen schafft es nämlich schon in einem Band, die Geschichte so
oft zu drehen und zu wenden, daß ich davon ausgehe, daß
dies auch noch ein Weilchen so weitergehen wird.
Überhaupt fehlen auf diese Weise die großen
Bösewichter, Dämonen und Bedrohungen. Doch das macht den
Roman höchstens ungewöhnlich, aber ganz und gar nicht
langweilig.
Wendekreise ist, wie schon angedeutet, keine Fantasy, in
der die Welt bedroht oder aus den Fugen gehoben wird. Es ist eine
einfühlsame Betrachtung vieler Menschen sowie des Auf und Ab der
Haupthandlungsträgerin.
Fazit:
Schöne und faszinierende Fantasy mit viel Potential für
einen großartigen Zyklus.
12 Punkte