Band 1971: „Rätselhaftes Sarkamanth“

Autor: H.G. Francis

In Alashan macht sich langsam eine gewisse Weltuntergangsstimmung breit - was ja auch den Tatsachen entspricht. So haben sich einige Sekten gebildet, die ihren Anhängern eine bessere Zukunft in einer anderen Dimension versprechen, in die sie allerdings schon vorher hinüberwechseln müssen!
Von dieser Stimmung sind auch die Damen und Herren an der Spitze nicht verschont, und so stehen sich Stendal und Gia de Moleon solange gegenseitig auf den Füßen, bis endlich die beiden Korrago-Raumschiffe in Alashan sind und die Rettung gesichert scheint.
Dann jedoch taucht ein neues unbekanntes Objekt auf. Eine seltsame Scheibe erscheint im System und läßt sich unweit von Alashan nieder. Sie fängt an zu wachsen, und schnell hat sich eine Art exotische Stadt gebildet. Als Bewohner meldet sich Wechselbalg, der hier das Sarkamanth erbauen will. Ansonsten gibt das Wesen keine Informationen preis. In Folge tauchen in Alashan aber merkwürdige Clowngestalten auf, die sich keiner Kommunikation zugänglich zeigen, aber auch nichts anfassen oder sonst etwas tun und nach einer Weile von selbst wieder verschwinden.
Benjameen versucht in puncto Wechselbalg seine Fähigkeit als Paraträumer zu nutzen. Im Traum versucht er, in das Sarkamanth einzudringen, was ihm auch nach einigen Schwierigkeiten gelingt. Nach vielen ereignislosen Spaziergängen trifft er endlich einmal einen Bewohner. Er stellt sich als Toraaber aus der Galaxis Geunion-Pagawerth vor. Später trifft er auf viele weitere Völker, unter denen zum einen auch die Galornen sind. Fast scheint es, als ob hier die Völker und Gestalten eines ganzen Abschnittes des Universums untergebracht sind. Dann trifft er in einem Turm endlich Wechselbalg. Es handelt sich um ein Wesen ohne feste Konturen. Ständig ändert es sein Aussehen anhand der Elemente der Völker, die in seinem Reich leben. Es scheint sich bei ihm um eine Superintelligenz zu handeln, denn er gibt an, hier alle verschiedenen Wesen seiner Mächtigkeitsballung versammelt zu haben. Er erzählt Benjameen, daß es Mächte gibt, die die Gegenwart der Alashaner auf Thorrim wünschen (* .. und diese Mächte sind die geheimnisvollen und gar schrecklichen Expokraten... Winy) und daß er sie an der Flucht hindern wird - in der Zwischenzeit sind die Clowns nämlich fleißig dabei, eine Menge Dinge zu zerstören, unter anderem die beiden Korragoraumer.
Nachdem Benjameen Wechselbalg verlassen hat und wieder aufgewacht ist, erfährt er, daß Gia Sarkamanth angreifen will. Nur mit Unterstützung von Mondra Diamond kann er Gia von ihrem Plan abbringen. Mondra erzählt, daß ihr ein „Ratgeber“ empfohlen hat, Sarkamanth unter keinen Umständen anzugreifen. Als noch niemand so richtig weiß, was denn nun los ist, kommt es zu einer weiteren Erscheinung: Ein Wesen namens Nisaaru taucht nahe Thorrim auf, eine weitere SI.

Nu geht’s aber richtig rund. Superintelligenzenkongreß im Thorrim-System. Da fehlt ja eigentlich nur noch ES, aber diese sitzt ja vermutlich im Milchstraßen-Black Hole fest. Ich denke aber, daß ich nicht großartig fehlgehe, wenn ich davon ausgehe, daß sowohl Wechselbalg als auch Nisaaru wegen des großen Superbebens hier sind. Wenn man den Aussagen Wechselbalgs glauben darf, so wird dieses Beben auch tatsächlich stattfinden. Eine Sache, an die ich noch nicht so ganz glauben mag (siehe Rezi 1970), aber im Moment scheint es so auszusehen.
Auch die Verbindung zu Thoregon ist nun ganz offiziell. Wechselbalg ist die für die Galornen zuständige SI (auch wenn diese wohl noch keinen richtigen Kontakt hatten - zumindest kann ich mich da an keinen erinnern), und Nisaaru kennen wir ja schon von den Gharrern her.
Ansonsten wird deutlich, daß hier langsam aber sicher auf allen Ebenen - und besonders auf dieser - an dem Aufbau für ein wahrlich großes Finale gebastelt wird. Wie gesagt - ich kann immer noch nicht an den ganz großen Big Bang glauben, aber vielleicht hat Thoregon ja mit der Doppelgalaxis ganz andere Pläne; vielleicht gibt es den großen Knall, ohne daß hier sämtliches Leben ausgelöscht wird. Schließlich hatten wir damals mit der Tiefe auch einen gigantisch großen, künstlichen Lebensraum. Ein weiteres Zeichen dafür ist auch, daß die Alashaner offensichtlich besonders geschützt werden sollen. Offenbar gelten ihnen besondere Pläne, die eigentlich nur mit dem Aufbau und dem Beginn von Thoregon zu tun haben können.
Aber ich fürchte, ich verlaufe mich hier zu stark im Labyrinth der Spekulationen und will somit versuchen, mal wieder ein wenig zurück auf den Boden der Tatsachen zu kommen. Beschäftigen wir uns also wieder mehr mit Band 1971.
Zunächst einmal mußte ich feststellen: Ich habe immer noch keine Ahnung, was ein Paraträumer eigentlich ist. Zu Anfang sprang er wild und seltsam in den Träumen anderer Leute umher, dann konnte er das auf einmal konkret steuern - und jetzt läuft der einfach mal so, wieder in seinem eigenen Traum, durch die Gegend, aber in irgendwie anderen Realitäten? Hat eigentlich überhaupt jemand so richtig verstanden, was Benjameen nun wirklich kann? Ich wäre über Aufklärung sehr erfreut, denn zumindest ich habe da überhaupt keinen Plan.
Was gerade in Bezug auf diesen Roman sehr schlecht war, denn schließlich war der Arkonide und Neu-Alashaner eine der Hauptpersonen der vorliegenden Handlung. H.G. Francis wagte sich hier mutig daran, die Ebene um Benjameen in der Ich-Perspektive zu erzählen. Vielleicht eine kleine Hommage an Atlan, bei dem das ja auch durchaus nicht unüblich ist bzw. war. Allerdings hatte ich hier vom ersten Moment an ganz massive Probleme damit. Da wäre z. B. die Szene, als er zum ersten Mal seiner Freundin gegenübertritt. Ich habe schon Schilderungen der beiden gelesen, da waren sie so ein Herz und eine Seele, daß der Leser fast vermuten konnte, die beiden wären zusammengewachsen. Hier allerdings hatte ich im ersten Moment das Gefühl, daß Benjameen einer Fremden gegenübersteht. Zwar stellt sich dann doch noch irgendwie heraus, daß die beiden wohl ein Paar sind, aber generell bleibt besonders das Verhältnis zwischen den beiden doch arg kühl und sachlich. Jedoch ist das in meinen Augen lediglich symptomatisch für den ganzen Roman. Keine der Figuren ist wirklich interessant geschildert. Alles bleibt sehr fade - fast langweilig. Die Handlung geht mal hier, mal da - und ist nicht flüssig, sondern recht zäh zu lesen. Ein paar seltsame Nebencharaktere bevölkern zwar die Szene, halten sich aber genau an das Bild der anderen, und so schlägt der Versuch, an ihnen die psychische Verfassung der Alashaner zu zeigen, in meinen Augen ziemlich fehl.
Am meisten hat mich allerdings erschreckt, wie schnell die Alashaner einem dieser Nebencharaktere eine neue Persönlichkeit verpassen wollten. Zwar war der Verdacht, daß sie für einen nicht unerheblichen Schaden verantwortlich sein mußte, recht schwerwiegend, aber das „Verhör“ bei Stendal glich eher einer Schnellaburteilung als einer Anhörung oder einem klärenden Gespräch. Genau das widerspricht aber dem Bild, das ich bisher von Stendal hatte; und das kann auch nicht mit dem Streß erklärt werden, unter dem er im Moment steht. Für mich war das ganz einfach ein ziemlicher Fauxpas des Autoren.

Fazit:
Interessantes Ende, aber nicht mehr. Ist man endlich durch, freut man sich über zwei Sachen: den Schluß - und daß man ihn endlich erreicht hat.
3 Punkte

Alexander Haas

Das „rätselhafte Sarkamanth“ beschert H.G. Francis ein durchaus interessantes Exposé und dem Leser allemal einen guten Roman.
H.G. Francis schafft es hier vor allem, dem Leser nicht direkt am Anfang alles zu verraten, sondern ihn vielmehr durch mehrere Spekulationen zu schicken, die sich am Ende alle als falsch erweisen (zumindest ging es mir bei diesem Roman so).
Da taucht zuerst diese Scheibe auf - hm, da war doch mal was? Ist da vielleicht doch einer zurückgeblieben und fliegt nun auf der Suche nach Alaska durch die Gegend?
Nein, natürlich nicht - dieser Gedanke hält sich dann auch nicht besonders lange im Kopf des Lesers.
Statt dessen begegnet Benjameen in Sarkamanth einigen Fremdlebewesen. Auch hier konnte man durchaus spekulieren, daß es sich bei Wechselbalg um den (bzw. einen der) Erbauer der Brücke in die Unendlichkeit handelt, der die Pilze aufschlägt, wobei nun Thorrim an der Reihe wäre. Damit hätten die einzelnen Völker dann auch durchaus alle diejenigen sein können, auf deren Heimatplaneten ein Pilzdom steht. Daß dem nicht nur bei den Thoregon-Völkern so ist, ist inzwischen ja bekannt, da die Boten unter anderem auch die Aufgabe haben, andere Zugänge zur Brücke zu finden. Und das Auftauchen der Galornen scheint diese Annahme zunächst zu bestätigen.
Und schon wieder liegt der Leser daneben, kommt nur langsam dahinter, daß es sich bei Wechselbalg um eine SI handelt, die ihre „Völkerdatenbank“ mit sich herumschleppt. Schön gemacht - dieses Verwirrspiel.
Doch dies ist nicht alles, was dieser Roman zu bieten hat. Francis gelingt es auch, ihm eine gewisse humoristische Seite abzugewinnen. Immerhin haben wir da noch Benjameen, der in Sarkamanth herumturnt und nicht so genau weiß, was er denn nun womit anfangen soll. Daß dabei Szenen herauskommen, in denen er mit einfachen Türklinken oder Treppen nicht zurechtkommt, mag auf den ersten Blick ziemlich banal und klamaukartig erscheinen - jedoch wurde gerade dies von Francis schön umgesetzt, so daß der Leser mehr als nur einmal um ein Schmunzeln nicht herumkommt.
Der zweite Versuch, humoristische Elemente zumindest vom Aussehen der Handlungsträger her einzubringen (Clowns), muß jedoch eher als mißlungen bezeichnet werden. Gerade an diesen Stellen fühlt man sich dann doch zu sehr an Stephen Kings „Es“ erinnert.
Anonsten bleibt festzuhalten, daß nur selten innerhalb der Rhodan-Serie den Terranern (nun gut, hier sind es Alashaner) ein Problem so schnell bekannt und wieder gelöst wurde. Daß die Korrago-Raumer in der Handlung nur eine Statistenrolle bekommen würden, war ja schon im letzten Roman so gut wie klar. Daß jedoch eine SI namens Wechselbalg den Alashanern die Schiffe praktisch unter dem Hintern zusammenschießen würde, das konnte man sicherlich so schnell nicht erwarten.
So machen die Romane um Alashan dann doch schon wieder wesentlich mehr Spaß. Und man darf jetzt schon auf den nächsten Roman gespannt sein, wenn Perry langsam gegen MATERIA zu Felde ziehen will.

Fazit:
Mit „Rätselhaftes Sarkamanth“ beweist H.G. Francis wieder einmal, daß er bei einem entsprechenden Exposé gute Romane zu schreiben versteht. Es ist ihm vor allem sehr gut gelungen, die Identität Wechselbalgs bis fast zum Ende zu verschleiern und den Leser auf falsche Fährten zu führen.
11 Punkte.

Winfried Brand

Stefan Robijns Co-Rezension ist leider wohl irgendwo in der Post hängengeblieben. Wir werden sie nachreichen, sobald sie uns erreicht...

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