In Alashan
macht sich langsam eine gewisse Weltuntergangsstimmung breit - was ja
auch den Tatsachen entspricht. So haben sich einige Sekten gebildet,
die ihren Anhängern eine bessere Zukunft in einer anderen
Dimension versprechen, in die sie allerdings schon vorher
hinüberwechseln müssen!
Von dieser Stimmung sind auch die Damen und Herren an der Spitze
nicht verschont, und so stehen sich Stendal und Gia de Moleon solange
gegenseitig auf den Füßen, bis endlich die beiden
Korrago-Raumschiffe in Alashan sind und die Rettung gesichert
scheint.
Dann jedoch taucht ein neues unbekanntes Objekt auf. Eine seltsame
Scheibe erscheint im System und läßt sich unweit von
Alashan nieder. Sie fängt an zu wachsen, und schnell hat sich
eine Art exotische Stadt gebildet. Als Bewohner meldet sich
Wechselbalg, der hier das Sarkamanth erbauen will. Ansonsten gibt das
Wesen keine Informationen preis. In Folge tauchen in Alashan aber
merkwürdige Clowngestalten auf, die sich keiner Kommunikation
zugänglich zeigen, aber auch nichts anfassen oder sonst etwas
tun und nach einer Weile von selbst wieder verschwinden.
Benjameen versucht in puncto Wechselbalg seine Fähigkeit als
Paraträumer zu nutzen. Im Traum versucht er, in das Sarkamanth
einzudringen, was ihm auch nach einigen Schwierigkeiten gelingt. Nach
vielen ereignislosen Spaziergängen trifft er endlich einmal
einen Bewohner. Er stellt sich als Toraaber aus der Galaxis
Geunion-Pagawerth vor. Später trifft er auf viele weitere
Völker, unter denen zum einen auch die Galornen sind. Fast
scheint es, als ob hier die Völker und Gestalten eines ganzen
Abschnittes des Universums untergebracht sind. Dann trifft er in
einem Turm endlich Wechselbalg. Es handelt sich um ein Wesen ohne
feste Konturen. Ständig ändert es sein Aussehen anhand der
Elemente der Völker, die in seinem Reich leben. Es scheint sich
bei ihm um eine Superintelligenz zu handeln, denn er gibt an, hier
alle verschiedenen Wesen seiner Mächtigkeitsballung versammelt
zu haben. Er erzählt Benjameen, daß es Mächte gibt,
die die Gegenwart der Alashaner auf Thorrim wünschen (* ..
und diese Mächte sind die geheimnisvollen und gar schrecklichen
Expokraten... Winy) und daß er sie an der Flucht hindern
wird - in der Zwischenzeit sind die Clowns nämlich fleißig
dabei, eine Menge Dinge zu zerstören, unter anderem die beiden
Korragoraumer.
Nachdem Benjameen Wechselbalg verlassen hat und wieder aufgewacht
ist, erfährt er, daß Gia Sarkamanth angreifen will. Nur
mit Unterstützung von Mondra Diamond kann er Gia von ihrem Plan
abbringen. Mondra erzählt, daß ihr ein
Ratgeber empfohlen hat, Sarkamanth unter keinen
Umständen anzugreifen. Als noch niemand so richtig weiß,
was denn nun los ist, kommt es zu einer weiteren Erscheinung: Ein
Wesen namens Nisaaru taucht nahe Thorrim auf, eine weitere SI.
Nu gehts aber richtig rund. Superintelligenzenkongreß im
Thorrim-System. Da fehlt ja eigentlich nur noch ES, aber diese sitzt
ja vermutlich im Milchstraßen-Black Hole fest. Ich denke aber,
daß ich nicht großartig fehlgehe, wenn ich davon ausgehe,
daß sowohl Wechselbalg als auch Nisaaru wegen des großen
Superbebens hier sind. Wenn man den Aussagen Wechselbalgs glauben
darf, so wird dieses Beben auch tatsächlich stattfinden. Eine
Sache, an die ich noch nicht so ganz glauben mag (siehe Rezi 1970),
aber im Moment scheint es so auszusehen.
Auch die Verbindung zu Thoregon ist nun ganz offiziell. Wechselbalg
ist die für die Galornen zuständige SI (auch wenn diese
wohl noch keinen richtigen Kontakt hatten - zumindest kann ich mich
da an keinen erinnern), und Nisaaru kennen wir ja schon von den
Gharrern her.
Ansonsten wird deutlich, daß hier langsam aber sicher auf allen
Ebenen - und besonders auf dieser - an dem Aufbau für ein
wahrlich großes Finale gebastelt wird. Wie gesagt - ich kann
immer noch nicht an den ganz großen Big Bang glauben, aber
vielleicht hat Thoregon ja mit der Doppelgalaxis ganz andere
Pläne; vielleicht gibt es den großen Knall, ohne daß
hier sämtliches Leben ausgelöscht wird. Schließlich
hatten wir damals mit der Tiefe auch einen gigantisch großen,
künstlichen Lebensraum. Ein weiteres Zeichen dafür ist
auch, daß die Alashaner offensichtlich besonders geschützt
werden sollen. Offenbar gelten ihnen besondere Pläne, die
eigentlich nur mit dem Aufbau und dem Beginn von Thoregon zu tun
haben können.
Aber ich fürchte, ich verlaufe mich hier zu stark im Labyrinth
der Spekulationen und will somit versuchen, mal wieder ein wenig
zurück auf den Boden der Tatsachen zu kommen. Beschäftigen
wir uns also wieder mehr mit Band 1971.
Zunächst einmal mußte ich feststellen: Ich habe immer noch
keine Ahnung, was ein Paraträumer eigentlich ist. Zu Anfang
sprang er wild und seltsam in den Träumen anderer Leute umher,
dann konnte er das auf einmal konkret steuern - und jetzt läuft
der einfach mal so, wieder in seinem eigenen Traum, durch die Gegend,
aber in irgendwie anderen Realitäten? Hat eigentlich
überhaupt jemand so richtig verstanden, was Benjameen nun
wirklich kann? Ich wäre über Aufklärung sehr erfreut,
denn zumindest ich habe da überhaupt keinen Plan.
Was gerade in Bezug auf diesen Roman sehr schlecht war, denn
schließlich war der Arkonide und Neu-Alashaner eine der
Hauptpersonen der vorliegenden Handlung. H.G. Francis wagte sich hier
mutig daran, die Ebene um Benjameen in der Ich-Perspektive zu
erzählen. Vielleicht eine kleine Hommage an Atlan, bei dem das
ja auch durchaus nicht unüblich ist bzw. war. Allerdings hatte
ich hier vom ersten Moment an ganz massive Probleme damit. Da
wäre z. B. die Szene, als er zum ersten Mal seiner Freundin
gegenübertritt. Ich habe schon Schilderungen der beiden gelesen,
da waren sie so ein Herz und eine Seele, daß der Leser fast
vermuten konnte, die beiden wären zusammengewachsen. Hier
allerdings hatte ich im ersten Moment das Gefühl, daß
Benjameen einer Fremden gegenübersteht. Zwar stellt sich dann
doch noch irgendwie heraus, daß die beiden wohl ein Paar sind,
aber generell bleibt besonders das Verhältnis zwischen den
beiden doch arg kühl und sachlich. Jedoch ist das in meinen
Augen lediglich symptomatisch für den ganzen Roman. Keine der
Figuren ist wirklich interessant geschildert. Alles bleibt sehr fade
- fast langweilig. Die Handlung geht mal hier, mal da - und ist nicht
flüssig, sondern recht zäh zu lesen. Ein paar seltsame
Nebencharaktere bevölkern zwar die Szene, halten sich aber genau
an das Bild der anderen, und so schlägt der Versuch, an ihnen
die psychische Verfassung der Alashaner zu zeigen, in meinen Augen
ziemlich fehl.
Am meisten hat mich allerdings erschreckt, wie schnell die Alashaner
einem dieser Nebencharaktere eine neue Persönlichkeit verpassen
wollten. Zwar war der Verdacht, daß sie für einen nicht
unerheblichen Schaden verantwortlich sein mußte, recht
schwerwiegend, aber das Verhör bei Stendal glich
eher einer Schnellaburteilung als einer Anhörung oder einem
klärenden Gespräch. Genau das widerspricht aber dem Bild,
das ich bisher von Stendal hatte; und das kann auch nicht mit dem
Streß erklärt werden, unter dem er im Moment steht.
Für mich war das ganz einfach ein ziemlicher Fauxpas des
Autoren.
Fazit:
Interessantes Ende, aber nicht mehr. Ist man endlich durch, freut man
sich über zwei Sachen: den Schluß - und daß man ihn
endlich erreicht hat.
3 Punkte
|
Das rätselhafte Sarkamanth beschert H.G.
Francis ein durchaus interessantes Exposé und dem
Leser allemal einen guten Roman. |
|
Stefan Robijns Co-Rezension ist leider wohl irgendwo in der Post hängengeblieben. Wir werden sie nachreichen, sobald sie uns erreicht... |