Eins
vorweg: Diese Rezension enthält Spoiler bezüglich der
Handlung des Films. Wer sich die Spannung auf den Film nicht
verderben möchte, sollte an dieser Stelle am besten
aufhören zu lesen, da ich es nicht vermeiden kann, einzelne
Elemente der Handlung zur Rezension hinzuzuziehen (wenn ich auch
größtenteils versucht habe, hier nicht allzu konkret zu
werden).
Zum Inhalt:
Der Jedi Qui-Gon Jinn und sein Schüler Obi-Wan Kenobi sollen
einen Konflikt zwischen der Handelsföderation und dem Planeten
Naboo schlichten, der inzwischen belagert wird. Was sie aber nicht
wissen, ist, daß der Sith-Lord Darth Sidious und dessen
Schüler Darth Maul der Handelsföderation zur Seite stehen -
die eigentlichen Drahtzieher des Konflikts. Sehr schnell jedoch wird
das Schiff der Jedi vernichtet, während die beiden gerade so auf
den Planeten entkommen können, der von den Truppen der
Handelsföderation gestürmt wird. Nachdem sie auf den Gungan
Jar Jar Binks getroffen sind, der ihnen hilft, bis in die Hauptstadt
des Planeten zur Königin Amidala vorzudringen, entscheiden sie
sich dazu, eine Flucht zu versuchen, um den Fall auf Coruscant dem
Rat der Republik vorzutragen. Allerdings zwingt ein Treffer sie zur
Landung auf Tatooine, wo sie dem 9jährigen Anakin Skywalker
begegnen, einem Sklaven, der für seinen Herrn unter anderem an
den gefährlichen Kapselrennen teilnimmt. Dummerweise haben die
Jedi jedoch kein Geld dabei, um das benötigte Ersatzteil zu
kaufen, und so ersinnen sie einen Plan...
Knapp drei Monate vor dem mit Spannung erwarteten Kinostart des Films
in Deutschland steht bereits das Buch zum Film im Regal der
Buchhändler - wenn auch bisher nur als Hardcover. Mit der
Taschenbuch-Version ist jedoch ca. gleichzeitig zum Filmstart zu
rechnen, so daß es sich für den interessierten Leser, der
vorerst noch nichts über die Handlung erfahren möchte,
sicherlich eher lohnt, auf die preiswertere Fassung zu warten.
Da diese Gruppe gewiß die größte darstellt, richtet
sich die Hardcover-Fassung eher an zwei kleinere Lesergruppen. Zum
einen an diejenigen Fans, die es nicht mehr erwarten können,
endlich etwas zum neuen Film zu lesen (diese waren dann sicherlich
teilweise auch schon in den Staaten oder haben sich die 1,3 GB-Datei
aus dem Netz heruntergeladen), zum anderen an die Leser, denen es
nichts ausmacht, wenn sie die Handlung des Films bereits vorab kennen
- denen es teilweise sogar recht lieb ist, da sie sich dann besser
auf die F/X konzentrieren können.
Und wenn man sich die Handlung dieses Romans so ansieht, dürften
die Special Effects auch den wirklichen Sinn ausmachen, sich diesen
Film überhaupt anzusehen. Handlungsmäßig wird - wie
schon in den Episoden IV bis VI - nicht besonders viel geboten;
teilweise entdeckt man gar ganze Handlungsbögen aus Episode IV
wieder, die, in den Motiven leicht abgeändert, nicht besonders
schwer zu finden sind. Vor allem in der Schlußszene des
Endkampfes scheint es fast so, als ob der kleine Anakin Skywalker
schonmal seinem Sohn zeigen möchte, wie man die kleinen,
unmöglich zu treffenden Ziele eben trotzdem trifft.
Auch die Logik der Handlung wird - Star Wars-üblich - teilweise
doch recht stark strapaziert. So z.B., wenn man beim Lesen
plötzlich das Gefühl vermittelt bekommt, daß
anscheinend niemand der Naboo seine Königin bzw. deren Aussehen
kennt. Oder an der Stelle, als Yoda plötzlich ganz genau
weiß, daß es immer genau zwei Sith-Lords gibt - eine
Tatsache, die zu diesem Zeitpunkt nur den beiden Sith selber bekannt
war. Da aber Yoda es nun einmal weiß, wissen es jetzt
plötzlich alle... Und als letztes Beispiel nochmals die
Schlußszene, bei der es zumindest im Roman vollkommen unklar
ist, wie Anakin denn nun überhaupt auf das Landedeck gekommen
ist - während sich die anderen Jäger die Zähne an den
Schirmen ausbeißen...
Daß all diese kleinen Ungereimtheiten auch bei ihrer Masse
nicht wirklich ins Gewicht fallen, kommt jedoch eher daher, daß
es sich bei Star Wars schon immer um ein reines Märchen
gehandelt hat, was vor allem die Kritiker in Amiland anscheinend auch
bei Episode I noch nicht verstanden haben. Die Handlung ist hier nun
wirklich nicht das Wichtige - auf die Atmosphäre kommt es an.
Und diese ist im Buch dann auch durchaus vorhanden; mich zumindest
hat der Roman eher wieder zu dem Entschluß gebracht, das Kino
doch schon in der ersten oder zweiten Woche zu besuchen (eigentlich
wollte ich den großen Ansturm abwarten und mich so ca. in der
fünften Woche in aller Ruhe samstagnachmittags ins Kino bewegen
- ich hasse Gedrängel in Menschenmassen...). Sollten also die
Tricks stimmen, dürfte der Film trotz dürftiger Handlung
den ersten drei Filmen in nichts nachstehen.
Zurück zum Buch: Inzwischen ist es in den Newsgroups ja schon
reichlich zu Diskussionen bezüglich Jar Jar Binks gekommen.
Zumindest in der Buchfassung kann ich den Kritikern dieser Figur
jedenfalls nur Recht geben - Jar Jar nervt hier mit seinem reinen
Herumalbern nur noch. Vor allem, da man diese Figur als reine
Witzfigur gar nicht mal gebraucht hätte - spielen doch R2-D2 und
C-3PO auch hier bereits mit und sorgen für mehr als nur einen
Lacher.
Fazit:
Ein schönes Märchen, das auch in der Buchfassung gut zu
unterhalten weiß. Das Star Wars-Feeling erreicht den Leser
jedenfalls - und das ist das einzig Wichtige an diesem Roman, dessen
reine Handlung sicherlich nicht die originellste ist. Wem es nichts
ausmacht, die Handlung bereits vorher zu kennen, sollte sich durchaus
überlegen, ob er sich den Roman nun zulegt - die Entscheidung
zwischen Hardcover und dem später erscheinenden Taschenbuch
bleibt jedoch eine Zwickmühle zwischen Geldbeutel und
Spannungsgrad.
11 Punkte.