Terry Brooks:

„Star Wars: Episode 1 - Die dunkle Bedrohung“

OT: Star Wars: Episode I - The Phantom Menace
Ü: Regina Winter
USA 1999
(320 Seiten, Hardcover, Blanvalet, ISBN 3-7645-0083-2, DM 29,90)
- erschienen: Juni 1999 -

Eins vorweg: Diese Rezension enthält Spoiler bezüglich der Handlung des Films. Wer sich die Spannung auf den Film nicht verderben möchte, sollte an dieser Stelle am besten aufhören zu lesen, da ich es nicht vermeiden kann, einzelne Elemente der Handlung zur Rezension hinzuzuziehen (wenn ich auch größtenteils versucht habe, hier nicht allzu konkret zu werden).

Zum Inhalt:
Der Jedi Qui-Gon Jinn und sein Schüler Obi-Wan Kenobi sollen einen Konflikt zwischen der Handelsföderation und dem Planeten Naboo schlichten, der inzwischen belagert wird. Was sie aber nicht wissen, ist, daß der Sith-Lord Darth Sidious und dessen Schüler Darth Maul der Handelsföderation zur Seite stehen - die eigentlichen Drahtzieher des Konflikts. Sehr schnell jedoch wird das Schiff der Jedi vernichtet, während die beiden gerade so auf den Planeten entkommen können, der von den Truppen der Handelsföderation gestürmt wird. Nachdem sie auf den Gungan Jar Jar Binks getroffen sind, der ihnen hilft, bis in die Hauptstadt des Planeten zur Königin Amidala vorzudringen, entscheiden sie sich dazu, eine Flucht zu versuchen, um den Fall auf Coruscant dem Rat der Republik vorzutragen. Allerdings zwingt ein Treffer sie zur Landung auf Tatooine, wo sie dem 9jährigen Anakin Skywalker begegnen, einem Sklaven, der für seinen Herrn unter anderem an den gefährlichen Kapselrennen teilnimmt. Dummerweise haben die Jedi jedoch kein Geld dabei, um das benötigte Ersatzteil zu kaufen, und so ersinnen sie einen Plan...

Knapp drei Monate vor dem mit Spannung erwarteten Kinostart des Films in Deutschland steht bereits das Buch zum Film im Regal der Buchhändler - wenn auch bisher nur als Hardcover. Mit der Taschenbuch-Version ist jedoch ca. gleichzeitig zum Filmstart zu rechnen, so daß es sich für den interessierten Leser, der vorerst noch nichts über die Handlung erfahren möchte, sicherlich eher lohnt, auf die preiswertere Fassung zu warten.
Da diese Gruppe gewiß die größte darstellt, richtet sich die Hardcover-Fassung eher an zwei kleinere Lesergruppen. Zum einen an diejenigen Fans, die es nicht mehr erwarten können, endlich etwas zum neuen Film zu lesen (diese waren dann sicherlich teilweise auch schon in den Staaten oder haben sich die 1,3 GB-Datei aus dem Netz heruntergeladen), zum anderen an die Leser, denen es nichts ausmacht, wenn sie die Handlung des Films bereits vorab kennen - denen es teilweise sogar recht lieb ist, da sie sich dann besser auf die F/X konzentrieren können.
Und wenn man sich die Handlung dieses Romans so ansieht, dürften die Special Effects auch den wirklichen Sinn ausmachen, sich diesen Film überhaupt anzusehen. Handlungsmäßig wird - wie schon in den Episoden IV bis VI - nicht besonders viel geboten; teilweise entdeckt man gar ganze Handlungsbögen aus Episode IV wieder, die, in den Motiven leicht abgeändert, nicht besonders schwer zu finden sind. Vor allem in der Schlußszene des Endkampfes scheint es fast so, als ob der kleine Anakin Skywalker schonmal seinem Sohn zeigen möchte, wie man die kleinen, unmöglich zu treffenden Ziele eben trotzdem trifft.
Auch die Logik der Handlung wird - Star Wars-üblich - teilweise doch recht stark strapaziert. So z.B., wenn man beim Lesen plötzlich das Gefühl vermittelt bekommt, daß anscheinend niemand der Naboo seine Königin bzw. deren Aussehen kennt. Oder an der Stelle, als Yoda plötzlich ganz genau weiß, daß es immer genau zwei Sith-Lords gibt - eine Tatsache, die zu diesem Zeitpunkt nur den beiden Sith selber bekannt war. Da aber Yoda es nun einmal weiß, wissen es jetzt plötzlich alle... Und als letztes Beispiel nochmals die Schlußszene, bei der es zumindest im Roman vollkommen unklar ist, wie Anakin denn nun überhaupt auf das Landedeck gekommen ist - während sich die anderen Jäger die Zähne an den Schirmen ausbeißen...
Daß all diese kleinen Ungereimtheiten auch bei ihrer Masse nicht wirklich ins Gewicht fallen, kommt jedoch eher daher, daß es sich bei Star Wars schon immer um ein reines Märchen gehandelt hat, was vor allem die Kritiker in Amiland anscheinend auch bei Episode I noch nicht verstanden haben. Die Handlung ist hier nun wirklich nicht das Wichtige - auf die Atmosphäre kommt es an. Und diese ist im Buch dann auch durchaus vorhanden; mich zumindest hat der Roman eher wieder zu dem Entschluß gebracht, das Kino doch schon in der ersten oder zweiten Woche zu besuchen (eigentlich wollte ich den großen Ansturm abwarten und mich so ca. in der fünften Woche in aller Ruhe samstagnachmittags ins Kino bewegen - ich hasse Gedrängel in Menschenmassen...). Sollten also die Tricks stimmen, dürfte der Film trotz dürftiger Handlung den ersten drei Filmen in nichts nachstehen.
Zurück zum Buch: Inzwischen ist es in den Newsgroups ja schon reichlich zu Diskussionen bezüglich Jar Jar Binks gekommen. Zumindest in der Buchfassung kann ich den Kritikern dieser Figur jedenfalls nur Recht geben - Jar Jar nervt hier mit seinem reinen Herumalbern nur noch. Vor allem, da man diese Figur als reine Witzfigur gar nicht mal gebraucht hätte - spielen doch R2-D2 und C-3PO auch hier bereits mit und sorgen für mehr als nur einen Lacher.

Fazit:
Ein schönes Märchen, das auch in der Buchfassung gut zu unterhalten weiß. Das Star Wars-Feeling erreicht den Leser jedenfalls - und das ist das einzig Wichtige an diesem Roman, dessen reine Handlung sicherlich nicht die originellste ist. Wem es nichts ausmacht, die Handlung bereits vorher zu kennen, sollte sich durchaus überlegen, ob er sich den Roman nun zulegt - die Entscheidung zwischen Hardcover und dem später erscheinenden Taschenbuch bleibt jedoch eine Zwickmühle zwischen Geldbeutel und Spannungsgrad.
11 Punkte.

Winfried Brand


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