Wolfgang Hohlbein:

"Der dritte Mond"

(Charity - Band 12)
D 1999
(223 Seiten, Taschenbuch, Bastei Lübbe 23213, ISBN 3-404-23213-5, DM 10,90)
- erschienen: Juni 1999 -

Zum Inhalt:
Fast direkt nach der Landung Gurks greifen die Fremden in den Rochenschiffen erneut an - sie scheinen es auf den kleinen Außerirdischen abgesehen zu haben, der mit einem ihrer Schiffe angekommen ist. Doch auch dieser Angriff kann abgewehrt werden, und so findet sich Charity nach ihrem künstlichen Koma zuhause wieder, während Gurk kurzerhand in eine Gefängniszelle geschafft wurde, da man glaubt, nicht ausschließen zu können, daß dieser mit den Fremden gemeinsame Sache macht. Gurk selber jedenfalls gibt auch nicht gerade viel Anlaß dazu, dieses Mißtrauen ihm gegenüber abzubauen, da er offensichtlich Informationen vorenthält, die die Fremden betreffen. Und die Stimmung der Menschheit schlägt zur Zeit auch nicht gerade zugunsten Außerirdischer aus.

Ein halbes Jahr nach dem letzten Band der Serie ist nun dieser Roman erschienen. Wie gewohnt bietet das Buch Action pur, ohne daß irgendein tiefergehender Anspruch gestellt wird. Dafür ist die Handlung dann aber auch so rasant geschrieben, daß man den Roman förmlich überfliegen kann, praktisch von ihr mitgerissen wird.
Schade ist bei der spannenden Geschichte jedoch, daß manchmal ein paar kleine Ungereimtheiten auftreten. So fragt sich der Leser z.B., weshalb die Rochenschiffe am Anfang des Romans halt "Rochenschiffe" genannt werden, während man irgendwann mittendrin ohne irgendeinen Anlaß oder eine Erklärung zum Begriff "Stingray" wechselt.
Oder die Szene um dem Druckverlust im Kommandoraum. Nicht nur, daß innerhalb der beschriebenen fünf Sekunden die Zentrale bei dieser Größe des Lochs schon lange luftleer gewesen wäre - im Vakuum lebt sich’s halt nicht besonders gut - man fühlt sich an dieser Stelle doch glatt an eine sattsam bekannte Folge von Star Trek - The Next Generation erinnert.
Ein wenig übel stößt dann auch das "Ende" des Romans auf. Sicherlich ist dies eine Serie - dabei jedoch mitten in der Handlung den Schlußpunkt zu setzen, mag zwar bei wöchentlichen oder auch zweiwöchentlichen Heftroman-Serien gehen; selbst bei einer Taschenbuchserie, die monatlich erscheint, ist dies gerade noch akzeptabel. Doch hier wird man wohl wieder ein halbes Jahr auf die Fortsetzung warten müssen - und da fällt diese Vorgehensweise doch eher negativ auf, da man bei Erscheinen des nächsten Bandes diesen auch erst einmal wieder hervorholen und nachlesen muß, worum es denn nun eigentlich ging.

Fazit:
Flotte Action-SF ohne Anspruch, die den Leser rasant überrollt, so daß die Seiten quasi in Rekordzeit vor seinen Augen vorbeifliegen. Für Freunde der actionbetonten Space Opera sicherlich eine gute Wahl - all jenen, die lieber ein bißchen Hintergrund haben wollen, jedoch sicherlich nicht anzuraten.
10 Punkte

Winfried Brand

Für mittlerweile fast 11 Mark habe ich mal wieder das bekommen, was ich von einem "Charity"-Band erwarte: gnadenlose SF-Action...
Wer behauptet, Hohlbein würde die Serie nicht mit neuen Ideen vorantreiben, der irrt. Die Schritte sind zwar klein - sehr klein (ein wirkliches Ende um die Moron(i)-Handlung konnte ich mir eigentlich nie vorstellen) - und doch ist es jetzt passiert: Die Bedrohung scheint aus der Zukunft zu kommen. Oder gibt es andere Überlebende aus den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts, die auf dem Mars leben und eine eigenständige Kultur entwickelt haben?
Vorgekommen sind auch gleich mehrere ruhige Textpassagen, mit denen ich ebenfalls nicht gerechnet habe; Laird denkt, wenn auch nur kurz, über die Vergangenheit der Deutschen nach sowie über deren besondere Fähigkeiten; sie stellt fest, daß die Deutschen es scheinbar immer noch lieben, Uniformen zu tragen - und zu gehorchen.
An einer anderen Stelle fühlt sich Charity für den Tod des gesamten Moroni-Volkes verantwortlich, bekommt sogar Alpträume davon.
Abn El Gurk der vierte - jetzt der fünfte - scheint mehr zu wissen, als er vorgibt.
Dummerweise ist es wie bei fast jedem Roman der Serie - es gibt noch mehr Fragen als vorher, die man am liebsten gleich aufgelöst sehen möchte. Und wenn ein Autor so schreibt, daß der Leser am liebsten den Folgeband gleich hinterher lesen möchte, hat er alles richtig gemacht.

Schade, daß im Hause Bastei niemand auf den Gedanken kommt, einer SF-Heftserie eine Chance zu geben, die Elemente einer solchen SF-Action beinhaltet.
Wann kommt eigentlich der nächste "Charity"-Band?!
12 Punkte

Guido Latz


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