Teresa Edgerton:

"Die Gnomen-Maschine"

OT: The Gnome’s Engine
Ü: Alfons Winkelmann
USA 1991
(382 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9021, ISBN 3-453-14931-9, DM 16,90)
- erschienen: Juni 1999 -

Zum Inhalt:
Auf ihrer Flucht vor der Rache der Herzogin von Zar-Wildungen haben sich Jedidiah Braun, Sera und Elsie Vorder auf den anderen Kontinent begeben. Dort erforscht Jed zusammen mit Mr. Jonas, Gnom und Mitglied der Glasmachergilde, das Pergament, das Lord Skelbrooke der Herzogin entwendet hat, wobei es ihnen gelingt, eine Karte sichtbar zu machen, die die Lage einer versunkenen Insel der panterranischen Kultur preisgibt. Jed und der Gnom beschließen, eine Maschine zu bauen, um einen Teil der Insel zu heben und die Geheimnisse der untergegangenen Kultur zu ergründen. Doch die Herzogin hat von ihrem Aufenthaltsort Wind bekommen und schmiedet bereits neue Pläne, um sich für die erlittene Niederlage zu rächen.

Bequemerweise "vergißt" Heyne, bei diesem Roman irgendwo zu erwähnen, daß es sich um die direkte Fortsetzung von "Unter dem Trollmond" (Heyne 06/902o) handelt (die sich schon bei diesem Werk ankündigte), sondern stellt diesen Roman vielmehr als Einzelwerk in den Raum. Allerdings dürfte dieses Buch für den Leser, der das erste nicht gelesen hat, trotz der teilweise eingeflochtenen Erklärungen ein wenig schwer zu verstehen sein...
Inhaltlich bleibt Teresa Edgerton der eingeschlagenen Linie treu, verzichtet auf rasante Handlung und wendet sich eher der atmosphärischen Dichte zu, die sie auch sprachlich zu erzeugen versucht, indem sie die stilistischen Elemente und ihre Erzählweise an die Epoche anpaßt, in der die Geschichte spielt. Diese Epoche ist dann in etwa mit dem frühen 18. Jahrhundert vergleichbar, obwohl die Handlung im Buch natürlich auf einer Art Parallelerde spielt. Dummerweise verfällt Edgerton in ihren Bemühungen, die Atmosphäre zu erzeugen, dann des öfteren in ausufernde "Schwafelphasen", die den Leser eher ermüden, als daß sie ihn wirklich interessieren würden.
Inhaltlich bietet der Roman dann auch nicht viel wirklich Interessantes oder gar Neues. Ein nettes Intrigenspielchen der Renaissance-Zeit auf einer Welt, in der halt nicht nur Menschen, sondern auch Trolle, Gnomen, Elfen usw. leben, ist dann doch ein bißchen zu wenig für einen wirklich guten Roman. Zumal es Edgerton vor allem im Bereich der Menschen, Gnomen und Zwerge, die in friedlicher Eintracht mit- und untereinander leben, kaum einmal gelingt, den verschiedenen Rassen auch ein eigenes Profil zu geben. Jede wirkt vertraut, benimmt sich "menschlich" und entwickelt keinerlei eigenständige Merkmale. Das führt dann dazu, daß auch die Protagonisten in ihrer Rasse austauschbar werden. Ob es sich bei Mr. Jonas nun um einen Gnomen oder einen Menschen, vielleicht auch einen Zwerg handelt, ist eigentlich egal - auch wenn die Rassen eigentlich spezifische Fähigkeiten haben, werden die Konsequenzen daraus nicht wirklich umgesetzt.
Was dann am Ende übrig bleibt, ist ein nett zu lesender, manchmal jedoch arg langatmiger Fantasy-Roman auf einer vertrauten Welt in altertümlicher Atmosphäre - nichts wirklich schlechtes, aber auch weit davon entfernt, in irgendeiner Weise aufregend zu sein. Daß sich der über zwei Bände aufgebaute Konflikt dann am Ende in ein "Friede-Freude-Eierkuchen"-Szenario auflöst, vermag eigentlich nicht mehr zu verwundern. Glücklicherweise scheint mit diesem Band dann auch die kurze Reihe abgeschlossen zu sein, so daß wir uns wieder interessanteren Romanen zuwenden können.

Fazit:
Nicht wirklich schlecht, aber auch keineswegs aufregend oder gar wirklich spannend, präsentiert Teresa Edgerton hier den zweiten und abschließenden Teil ihres Kurz-Zyklus. Die erzeugte Atmosphäre ist trotz ihrer Längen noch das Interessanteste an diesem Buch.
5 Punkte.

Winfried Brand


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