Zum
Inhalt:
Auf ihrer Flucht vor der Rache der Herzogin von Zar-Wildungen haben
sich Jedidiah Braun, Sera und Elsie Vorder auf den anderen Kontinent
begeben. Dort erforscht Jed zusammen mit Mr. Jonas, Gnom und Mitglied
der Glasmachergilde, das Pergament, das Lord Skelbrooke der Herzogin
entwendet hat, wobei es ihnen gelingt, eine Karte sichtbar zu machen,
die die Lage einer versunkenen Insel der panterranischen Kultur
preisgibt. Jed und der Gnom beschließen, eine Maschine zu
bauen, um einen Teil der Insel zu heben und die Geheimnisse der
untergegangenen Kultur zu ergründen. Doch die Herzogin hat von
ihrem Aufenthaltsort Wind bekommen und schmiedet bereits neue
Pläne, um sich für die erlittene Niederlage zu
rächen.
Bequemerweise "vergißt" Heyne, bei diesem Roman irgendwo zu
erwähnen, daß es sich um die direkte Fortsetzung von
"Unter dem Trollmond" (Heyne 06/902o) handelt (die sich schon bei
diesem Werk ankündigte), sondern stellt diesen Roman vielmehr
als Einzelwerk in den Raum. Allerdings dürfte dieses Buch
für den Leser, der das erste nicht gelesen hat, trotz der
teilweise eingeflochtenen Erklärungen ein wenig schwer zu
verstehen sein...
Inhaltlich bleibt Teresa Edgerton der eingeschlagenen Linie treu,
verzichtet auf rasante Handlung und wendet sich eher der
atmosphärischen Dichte zu, die sie auch sprachlich zu erzeugen
versucht, indem sie die stilistischen Elemente und ihre
Erzählweise an die Epoche anpaßt, in der die Geschichte
spielt. Diese Epoche ist dann in etwa mit dem frühen 18.
Jahrhundert vergleichbar, obwohl die Handlung im Buch natürlich
auf einer Art Parallelerde spielt. Dummerweise verfällt Edgerton
in ihren Bemühungen, die Atmosphäre zu erzeugen, dann des
öfteren in ausufernde "Schwafelphasen", die den Leser eher
ermüden, als daß sie ihn wirklich interessieren
würden.
Inhaltlich bietet der Roman dann auch nicht viel wirklich
Interessantes oder gar Neues. Ein nettes Intrigenspielchen der
Renaissance-Zeit auf einer Welt, in der halt nicht nur Menschen,
sondern auch Trolle, Gnomen, Elfen usw. leben, ist dann doch ein
bißchen zu wenig für einen wirklich guten Roman. Zumal es
Edgerton vor allem im Bereich der Menschen, Gnomen und Zwerge, die in
friedlicher Eintracht mit- und untereinander leben, kaum einmal
gelingt, den verschiedenen Rassen auch ein eigenes Profil zu geben.
Jede wirkt vertraut, benimmt sich "menschlich" und entwickelt
keinerlei eigenständige Merkmale. Das führt dann dazu,
daß auch die Protagonisten in ihrer Rasse austauschbar werden.
Ob es sich bei Mr. Jonas nun um einen Gnomen oder einen Menschen,
vielleicht auch einen Zwerg handelt, ist eigentlich egal - auch wenn
die Rassen eigentlich spezifische Fähigkeiten haben, werden die
Konsequenzen daraus nicht wirklich umgesetzt.
Was dann am Ende übrig bleibt, ist ein nett zu lesender,
manchmal jedoch arg langatmiger Fantasy-Roman auf einer vertrauten
Welt in altertümlicher Atmosphäre - nichts wirklich
schlechtes, aber auch weit davon entfernt, in irgendeiner Weise
aufregend zu sein. Daß sich der über zwei Bände
aufgebaute Konflikt dann am Ende in ein
"Friede-Freude-Eierkuchen"-Szenario auflöst, vermag eigentlich
nicht mehr zu verwundern. Glücklicherweise scheint mit diesem
Band dann auch die kurze Reihe abgeschlossen zu sein, so daß
wir uns wieder interessanteren Romanen zuwenden können.
Fazit:
Nicht wirklich schlecht, aber auch keineswegs aufregend oder gar
wirklich spannend, präsentiert Teresa Edgerton hier den zweiten
und abschließenden Teil ihres Kurz-Zyklus. Die erzeugte
Atmosphäre ist trotz ihrer Längen noch das Interessanteste
an diesem Buch.
5 Punkte.