Band 1973: "MATERIA"

Autor: Rainer Castor

Aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz haben Gucky, Monkey und der weiße Haluter Blo Rakane die Landung auf MATERIA überlebt und befinden sich nun auf deren Oberfläche. Doch Eile ist geboten; denn hier haben sie keine großen Hoffnungen, die ständigen Wechsel unter den Ereignishorizont des Schwarzen Loches auf Dauer zu überstehen. Wieder gelingt das Unmögliche, und schnell befinden sie sich im Innern. Hier entscheiden Monkey und Rakane zu warten, bis Gucky wieder zu sich kommt, denn der geht mal wieder seinem Lieblingshobby seit dem Wiederauftauchen der SOL nach: in Ohnmacht gefallen zu sein.
Sobald er aber wieder in die normale Welt zurückgefunden hat, macht er sich auch prompt auf den Weg, murmelt noch etwas von einer ganzen Menge Lebewesen - und weg ist er.
Noch im Dämmerzustand hat er bereits losgeespert und eine Vielzahl verschiedener Lebensformen geortet: Shabazza, seinen Boß Torr Samaho und den anscheinend nur halbmechanischen Roboter Cariol den zweiten - außerdem noch jede Menge anderer intelligenter Lebewesen, von denen eins ganz besonders in Gefahr ist. Gucky heißt nicht umsonst Retter des Universums; zumindest jedenfalls bricht er sofort zur Rettung des Gefährdeten auf. Dies natürlich, ohne seinen Kameraden etwas davon zu sagen, weil die Sache dann ja nur halb so lustig wäre.
Bei dem Geretteten handelt es sich um einen Erranten, einen Abkömmling desselben Volkes, das Perry Rhodan in Andromeda im Konflikt mit den Meistern der Insel als Kosmische Ingenieure oder auch Paddler kennenlernte. Laut Ki thaRao haben die Erranten eine lange Geschichte, die bereits bei den alten Hathorern begann und über die Ritter der Tiefe bis hin zum Schwarm geht. Auch haben sie viel mit den Kosmokraten zu tun, die sie auch auf MATERIA führten. Hier scheinen sie allerdings ihre Aufgabe erfüllt zu haben und dürfen nur noch überall zusehen. Sie sind an Bord nur noch geduldet, nicht mehr erwünscht. Aufgrund dieser Außenseiterposition wird Ki thaRao schnell sehr vertrauensvoll und will das Einsatzteam zu seinem Volk bringen. Unterwegs kann er ihnen noch ein wenig von der Fabrik zeigen, unter anderem auch die Stelle, wo der Ultimate Stoff hergestellt wird.
Im Sektor der Erranten beruft Ki thaRao eine Versammlung ein, in der er von Gucky, Monkey und Blo Rakane sowie deren Erzählungen berichtet. Die Versammlung beschließt, mit den dreien zur SOL zu fliehen. Da sie an deren Umbau beteiligt waren, können die Erranten hier eine Menge Hinweise geben, wie die neuen Teile funktionieren.
Doch dann erfahren wir, daß MATERIA die gesuchte SI gefunden zu haben scheint, denn ganz groß über der Stadt können die drei Galaktiker auf einmal den von ES bewohnten künstlichen Planeten Wanderer beobachten.

Das ist er also, der Perry Rhodan-Einstieg von Rainer Castor. Sein Debüt war vermutlich einer der mit der größten Spannung erwarteten Romane der letzten Zeit, hat Castor sich doch schon im Vorhinein den Ruf des lang vermißten Technikers der Serie geschaffen - und nicht wenige Autoren jammern schon über seine Technikblätter. Dennoch hat Rainer hier durchaus höhere Qualitäten bewiesen, als daß er nur reine Technikbeschreibungen abgeliefert hätte. Vielmehr bekommen gerade Gucky und Blo Rakane Leben eingehaucht wie schon lange kein Charakter mehr. Dabei geht Rainer Castor auch ganz eigensinnig selbstgewählte Wege - oder kann sich irgend jemand schon mal an einen Dialog der beiden Gehirne eines Haluters erinnern? Ich zumindest nicht. Das führt zu einer ganzen Menge grandioser Dialoge, in denen Gucky mal wieder bis zum Umfallen herumespern darf - egal, ob es sich dabei um Ki thaRao oder eines der beiden Halutergehirne handelt. Das alles führt dazu, daß man trotz einer angespannten Atmosphäre, die die Situation kreiert, einen äußerst unterhaltsamen Roman zu lesen bekommt - der natürlich mit allerhand Hintergrundinformationen und Erklärungen gespickt ist, aber ich wäre fast enttäuscht gewesen, wenn das hier nicht so gewesen wäre. Meiner Meinung geht nach, Rainer Castor auch gekonnt der Gefahr aus dem Weg, zuviel hineinzubringen, indem er geschickt zwischen Technik und Charakteren hin und her springt. Dabei schafft er vor allem die unterschiedlichen Perspektiven, die ständig zwischen den drei Hauptcharakteren wechseln und dem Leser so immer wieder aus verschiedenen Blickwinkeln Einblick in dieselben Szenen geben.
Im großen und ganzen finde ich auch die Art, wie sich die Handlung im Moment entwickelt, gar nicht schlecht. Denn durch die Erranten bekommen die Galaktiker nun endlich die Hilfe, mit der es ihnen möglich sein kann, effektiv gegen MATERIA vorzugehen, ohne daß es völlig unlogisch und konstruiert wirkt. Bisher war MATERIA hoffnungslos überlegen; nun aber können Rhodan & Co auf Insiderwissen zurückgreifen. Auf diese Weise werden sie wahrscheinlich einen Weg finden, ES zu helfen. Und wenn ich mir das Ende dieses Romans ansehe, dann ist hier auch höchste Eile geboten, denn da die Gegner ihr Opfer nun ausfindig gemacht haben, werden sie darangehen, es zu erledigen. So bleibt den Helfenden nicht mehr viel Zeit; bzw. man sollte sich bereits an Bord von MATERIA etwas einfallen lassen, wobei ich davon ausgehe, daß der Gegner nicht sofort auseinandergenommen wird. Wir haben bis Band 2000 ja noch ein Weilchen Zeit; und da wäre es doch ungeschickt, den großen Oberbösewicht schon jetzt ins Gras beißen zu lassen. Shabazza könnte allerdings doch langsam mal das Zeitliche segnen, denn den hatte man ja eigentlich schon bei Band 1950 am Ende geglaubt. Das wäre so ein Kurzstreckenerfolg, der noch einmal Schwung in Richtung Jahresende geben könnte. Shabazza plattmachen (* Ts ts ts, Alex - wie kannst Du nur sowas sagen, äh, schreiben? Der kommt in psychologische Behandlung... und dann ist er wieder wie neu, und zwar FÜR Thoregon! Ha! Würd’ mich fast nicht wundern... ;-) Heike) und ES befreien. Das gibt auch noch Stoff für ein, zwei Bände, denn ES könnte hier die Chance gegeben werden, mal wieder ein paar Geschichten vom Stapel zu lassen. Und ich persönlich fand ES immer schon cool! (* Näääh! Mich nervt ES... Heike)
Ach ja, einen Punkt hätte ich aber noch: der Ultimate Stoff. Irre ich mich, oder läuft die Produktion hier am Schwarzen Loch tatsächlich schneller ab als normal? Und wieso hat das bei den Produzenten noch keiner gemerkt? Bzw. - wieso wird das Zeug dann nicht ständig in der Nähe von Schwarzen Löchern hergestellt? Irgendwie scheinen die Kosmokraten auch nur Halbgötter zu sein, wenn denen sowas erst so spät auffällt. (* Na, na - wer wird denn wieder diese perfektionistischen Ansprüche erheben? ;-) Heike)

Fazit:
Extrem guter Einstieg, mit Potential. Prognose: Wenn Castor nur halbwegs so weitermacht, dann steht einer grandiosen Zukunft im Perry Rhodan-Team wohl nichts mehr im Weg.
14 Punkte

Alexander Haas

Eieiei - nach der Lektüre von Rainer Castors Einstiegsband in die Hauptserie muß der Leser erst einmal tief, tief Luft holen und sich an die neuen Gegebenheiten im Perry-Universum gewöhnen.
Kaum ein Roman (vielleicht mit Ausnahme von Andreas Eschbachs Band 1935) wurde in den letzten Jahren so gespannt erwartet wie dieses "Erstlingswerk" von Rainer Castor. Und - auch dies erwartete man schon im Voraus - ja, die Serie hat endlich wieder einen Techniker im Autoren-Team. Castor beweist dies dann auch schon in diesem ersten Teil seines Einstiegs-Doppelbandes mehr als zur Genüge, übertreibt es teilweise gar ein wenig. Fast scheint es so, als ob er die fehlenden Technik-Angaben der letzten 200 Hefte in zwei Bänden komprimieren wollte. Langsam, langsam, Rainer, möchte man ihm da zurufen. Wir müssen uns erst wieder daran gewöhnen, daß es mit dem Satz "Das funktioniert halt so" inzwischen nicht mehr getan ist. "MATERIA" hat zumindest gute Chancen, auch Altleser in Hinsicht auf die technischen Erklärungen mehr als nur zu verwirren und in den Versuchen, das Geschilderte nachzuvollziehen, erst einmal gründlich vor dem Roman ins Grübeln zu bringen. Nicht umsonst habe ich weit mehr als die doppelte Zeit gebraucht, bis ich schließlich am Ende des Heftes angelangt war. Sicher, genau das ist es eigentlich, was wir alle von Rainer Castor erwartet hatten - nur: Ein bißchen weniger und vor allem langsamer wäre hier ein Stückchen mehr gewesen. (Ich glaube ja selber kaum, daß ich diese Worte schreibe - gehöre ich doch zu der Fraktion, die schon seit Jahren das Fehlen jeglicher technischer Beschreibungen vehement anprangert...)
Doch die Technik ist nur der geringere Teil dieses Romans. Wie schon fast gewohnt, krempelt Rainer hier auch wieder mal kräftig an den Hemdsärmeln der Perry-Historie, stellt lose Enden ins Rampenlicht, von denen der Leser teilweise noch gar nicht wußte, daß sie überhaupt existieren - vor allem in Hinsicht auf die Erranten.
Hier haben wir also nun ein Paddler-Zweigvolk (jaja, ich weiß, der Ausdruck ist nicht so ganz korrekt), das Perry natürlich wie gerufen kommen muß. Schließlich haben wir noch eine ganze SOL wieder auf Vordermann zu bringen - und wer könnte dies besser als die Kosmischen Ingenieure? Womit zwar die Frage, ob man von MATERIA fliehen kann, schon fast wieder beantwortet wäre - aber angesichts der sonstigen Informationsfülle dieses Heftes macht dies dann eigentlich gar nichts mehr aus (schließlich wird sowieso wohl kaum ein Leser daran zweifeln, daß man die Fabrik zumindest in lebendigem Zustand wieder verlassen wird).
Überhaupt: Dieses Einsatzkommando! Selten haben die handelnden Personen in einem Perry-Roman der letzten Zeit eine derartige Dichte besessen. Rainer Castor gelingt es fast mühelos, dem Leser das Innenleben seiner Protagonisten transparent zu machen, ihnen Leben einzuhauchen, wie es - mit Ausnahme von Andreas Eschbachs Roman - schon lange nicht mehr der Fall gewesen ist. Allein schon die Auseinandersetzungen zwischen dem Ordinär- und dem Planhirn Blo Rakanes sind ein Genuß sondergleichen und erinnern aufs positivste an die damaligen Schilderungen bezüglich Atlans Extrasinn. Die halutische Variante erweist sich hier stellenweise als ähnlich amüsant und auflockernd, ohne daß dabei auch nur im Geringsten ein Zweifel daran aufkommen kann, daß dies vielleicht nicht ins Perry-Universum passen könnte.
Aber nicht nur bezüglich des Haluters entwickelt Castor bisher ungelesene und ungeahnte Aspekte, auch Gucky lernen wir auf eine bisher noch nicht dagewesene Weise praktisch neu kennen. Der Ilt kann ja wirklich denken! <grins> Gerade in diesen Schilderungen leistet Castor Großartiges, wie man es bisher selten gelesen hat.
Angesichts der jetzt schon gegebenen Umwälzungen und Ergänzungen in der PR-Historie kann man sich nur schwerlich vorstellen, was noch alles passieren wird, wenn sich Rainer aktiver an der Entwicklung der Serie beteiligen wird. Und ich glaube, man braucht kein großer Hellseher zu sein, um vorauszusagen, daß Rainer Castor spätestens mit Band 2100 im Expo-Team zu finden sein wird - alles andere wäre die reinste Verschwendung für das Potential, das man mit diesem Autoren nun plötzlich zur Verfügung hat. Rainer Castors Einstieg in die Serie dürfte hinsichtlich ihrer Entwicklung so ziemlich das wichtigste Ereignis der letzten 10 Jahre gewesen sein. Jemand, der sich mit der Technik der Serie auskennt und gleichzeitig auch hinsichtlich der Charaktere interessante und spannende Romane zu schreiben vermag, ist in seiner Bedeutung wahrlich nicht zu unterschätzen. Wenn Rainer so weitermacht, vermag man kaum vorherzusehen, welchen Stellenwert für die Serie er noch einzunehmen in der Lage ist.

Fazit:
Wir schreiben das Jahr 1 n.C. (nach Castor). Nach diesem Roman wird nichts mehr im PR-Universum so sein, wie es vorher gewesen ist. Nicht nur, daß Rainer kosmische Zusammenhänge mal eben aus dem Ärmel schüttelt und die lange verlorengeglaubte Technik bei PR wiederbelebt - er schafft es auch gleichzeitig, seinen Handlungsträgern (und seien sie noch so altbekannt) buchstäblich neues Leben einzuhauchen. Würde er in Sachen Technik nicht ein bißchen übertreiben und es dann doch ein Stückchen zu gut meinen, wäre sicherlich noch mindestens ein Punkt mehr für diesen Roman fällig.
13 Punkte.

Winfried Brand

Endlich liegt er vor uns, der erste PR-Heftroman des Atlan-Spezialisten und TB-Autors Rainer Castor. Bereits bei seinem Einstand wartet der Mann mit so einigen Überraschungen und einer Premiere auf.
Entgegen der üblichen Gepflogenheiten, einen neuen Team-Autoren erst einmal ganz behutsam einzuführen und ihn als erstes einen Völker-Einführungsband oder Lückenfüller schreiben zu lassen, wird Rainer Castor nicht nur ohne Wenn und Aber an das derzeit wohl brisanteste Thema herangelassen, sondern darf auch gleich einen Doppelband schreiben. So etwas hat es - meines Wissens - bei Perry Rhodan noch nicht gegeben. Aber natürlich wird man in diesem Fall wohl auch gewußt haben, daß man bei Rainer ein eher geringes Risiko eingeht, wenn man ihn gleich voll zuschlagen läßt. Schließlich hat der Mann erst in jüngster Vergangenheit maßgeblich an der Traversan-Serie mitgearbeitet und dort die unumstritten besten Romane abgeliefert.
Was nun den vorliegenden PR-Roman angeht, so kann auch hier Entwarnung gegeben werden, falls überhaupt so etwas wie Zweifel vorhanden waren, daß Castor den schon im Vorfeld immensen Erwartungen an seine Leistung nicht gerecht werden könnte.
Zwar zeigt "MATERIA" - trotz des reißerischen Titels - noch nicht in vollem Maße, wozu der Autor fähig ist; allerdings läßt sich bereits an diesem Erstling erkennen, was für ein gewaltiges Potential in diesem Mann schlummert.
Es gibt so viele positive Eindrücke, daß der Rezensent gar nicht weiß, welche er zuerst aufzählen soll.
Eines aber ist Rainer schon mit diesem ersten PR-Heft eindeutig gelungen: Er weiß mit den Figuren so vertraut umzugehen, als wäre er schon seit Jahren dabei. Und die Geschichte der Serie scheint ihm gar noch besser bekannt zu sein als selbst den Lexikon-Autoren des Teams.
Etwas, wofür Rainer Castor ja mittlerweile bekannt ist - nämlich lose Handlungsfäden aus fast 40 Jahren Perry Rhodan zu verknüpfen, Rätsel zu lösen, von denen man gar nicht gewußt hat, daß es sie gab, und Zusammenhänge zu finden, die vorher nicht unbedingt ersichtlich gewesen sein müssen - das hat er auch in diesem seinem ersten PR-Heft nicht lassen können. Zumindest ist mir die Tatsache, daß die Paddler (oder genauer gesagt, die Erranten) aus den Porleytern hervorgegangen sein sollen, absolut neu. Nun, natürlich freut man sich als Fan immer wieder über solche kleinen und großen Enthüllungen; allerdings darf die Frage nicht unberechtigt sein, wohin das führen soll, wenn Castor gleich in seinem Erstling damit anfängt...
Was mir am vorliegenden Roman definitiv nicht gefallen hat, war das etwas zu häufig eingesetzte technische Vokabular. (* Castor'sches Tachnobabble? :-) Heike) Man hatte teilweise den Eindruck, da wolle jemand gleich klarstellen, daß die Zeiten des Degraders ein für allemal vorbei sind. Nun, darüber freuen wir uns alle, Rainer, aber laß es lieber etwas langsamer angehen. Selbst Gucky schmeißt hier wild mit technischen Begriffen um sich, was er sonst eigentlich nie tat. Davon abgesehen, hat Gucky mir hier allerdings sehr gut gefallen. Humormäßig wird der Ilt in absoluter Topform präsentiert. Allein der Spruch "Mich laust der Monkey" reißt schon alles raus.
Etwas schade fand ich die Wahl des Titelbild-Motivs. Wenn schon der Name der KF in Blockbuchstaben auf dem Cover prangt, warum sie dann nicht auch abbilden? Der schwarze Erranten-Zwerg paßt ganz einfach nicht zu dem reißerischen Titel. Naja, vielleicht beim nächsten Mal.

Fazit:
Castor schreibt wie ein junger Gott. (* Bemühst jetzt auch Du - nach Alex - schon die höheren Mächte? ;-) Oder weißt Du aus Erfahrung, was junge Götter so schreiben...? :-) Heike) Abgesehen von dem etwas übertriebenen Technik-Vokabular gibt es wirklich kaum etwas zu meckern.
Alles in allem ein wirklich gelungener Einstand. Aber etwas anderes hat wohl auch keiner erwartet.
10 Punkte

Stefan Robijn

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