Raistlin
und Camaron sind Zwillinge und leben in der gemütlichen
Baumstadt Solace.
Eines Tages kommt der Magier Antimodes auf seiner Reise durch die
Stadt und trifft hier auf Raistlin. In ihm erkennt er ein
großes, aber düsteres magisches Potential. Trotzdem sorgt
er zukünftig dafür, daß Raistlin eine magische
Ausbildung bekommt.
Raistlins späteres Schicksal scheint bereits in seiner Jugend
geprägt zu werden. Die geistige Krankheit seiner Mutter, der
frühe Tod des Vaters, der Fortgang seiner Schwester... In kurzen
Worten: Raistlin und Camaron wird das Erwachsenwerden nicht gerade
leichtgemacht. Doch zum Glück haben sie auch ein paar Freunde:
den jungen, ritterlichen Storm, den Zwerg Flint, den Halbelfen Tanis
und den quirligen Kender Tolpan. Gemeinsam stolpern sie durch die
Jahre, und Raistlin ist sich gewiß, daß er am Ende als
großer Kriegsmagier hervorgehen wird.
Nicht zum ersten Mal habe ich es bedauert, daß ich nie dazu
gekommen bin, die Bücher der Drachenlanze zu lesen. Hier nun
liegt die Jugendbiografie eines ihrer wohl größten Akteure
vor, nämlich die des Kriegsmagiers Raistlin.
Zwar fehlten mir einige Hintergründe, aber die hätte ich
wahrscheinlich nur für den allerfeinsten Genuß gebraucht.
Ansonsten versteht es Margaret Weis m. E. sehr geschickt, auch
für Drachenlanze und AD&D Nicht-Kenner einen
verständlichen Roman zu schreiben. Und wer ein wenig aufmerksam
ist, der wird auch mit dem Hintergrund keinerlei Probleme haben.
Für Kenner allerdings dürfte es ein besonderer Festschmaus
sein. Denn Raistlin erscheint wirklich tragisch. Von einem inneren
Feuer angestachelt, besteht sein Leben aus starken Leiden, für
die er teilweise selbst verantwortlich ist. Es macht ihn zu einem
Menschen, der ständig im Konflikt mit seiner Umwelt steht,
welche nicht selten völlig verständnislos vor seinem
Gedanken passen muß.
Die Handlung des Romans ist recht banal. Hier gibt es keine Welt zu
retten, keine (bzw. fast keine) großen und bösen Magier zu
vernichten und keine großen Schlachten zu schlagen. Es geht
vielmehr um die Kindheit und Jugend einiger Menschen, deren Leben
immer wieder durch Schicksalsschläge erschüttert wird.
Dennoch reicht gerade das vollkommen aus. Margaret Weis zeigt
geschickt, daß es nicht immer der große Rahmen sein
muß, sondern daß man manchmal auch auf dem Teppich
bleiben sollte. Und so erzählt sie in einer wunderbaren Sprache
ein faszinierendes und doch tragisches Märchen, das jeden Leser
(ob Kenner oder nicht) sofort in den Bann ziehen wird. Allein von der
Faszination ist dieses Buch das beste, das ich dieses Jahr bisher
gelesen habe.
Das Buch ist ein wunderbares Beispiel dafür, was gute von
schlechter oder mittelmäßiger Literatur unterscheidet. Man
kann schnell über vieles hinweglesen und dadurch die vielen
kleinen Feinheiten verpassen, die oft in kurzen Nebensätzen oder
Nebenhandlungen versteckt sind. Daher: Aufgepaßt beim Lesen -
es lohnt sich wirklich.
Fazit:
Ein Buch von starker erzählerischer Kraft. Ein wunderbares
Märchen. Für alle Fantasy-Fans eine absolute
Empfehlung.
14 Punkte