Margaret Weis:

„Die Zauberprüfung“

(Ein Drachenlanze-Roman)
OT: DragonLance Saga, The Soulforge
Ü: Imke Brodersen
USA 1998
(511 Seiten, Paperback, Blanvalet 24907, ISBN 3-442-24907-4, DM 22,00)
- erschienen: Juni 1999 -

Raistlin und Camaron sind Zwillinge und leben in der gemütlichen Baumstadt Solace.
Eines Tages kommt der Magier Antimodes auf seiner Reise durch die Stadt und trifft hier auf Raistlin. In ihm erkennt er ein großes, aber düsteres magisches Potential. Trotzdem sorgt er zukünftig dafür, daß Raistlin eine magische Ausbildung bekommt.
Raistlins späteres Schicksal scheint bereits in seiner Jugend geprägt zu werden. Die geistige Krankheit seiner Mutter, der frühe Tod des Vaters, der Fortgang seiner Schwester... In kurzen Worten: Raistlin und Camaron wird das Erwachsenwerden nicht gerade leichtgemacht. Doch zum Glück haben sie auch ein paar Freunde: den jungen, ritterlichen Storm, den Zwerg Flint, den Halbelfen Tanis und den quirligen Kender Tolpan. Gemeinsam stolpern sie durch die Jahre, und Raistlin ist sich gewiß, daß er am Ende als großer Kriegsmagier hervorgehen wird.

Nicht zum ersten Mal habe ich es bedauert, daß ich nie dazu gekommen bin, die Bücher der Drachenlanze zu lesen. Hier nun liegt die Jugendbiografie eines ihrer wohl größten Akteure vor, nämlich die des Kriegsmagiers Raistlin.
Zwar fehlten mir einige Hintergründe, aber die hätte ich wahrscheinlich nur für den allerfeinsten Genuß gebraucht. Ansonsten versteht es Margaret Weis m. E. sehr geschickt, auch für Drachenlanze und AD&D Nicht-Kenner einen verständlichen Roman zu schreiben. Und wer ein wenig aufmerksam ist, der wird auch mit dem Hintergrund keinerlei Probleme haben.
Für Kenner allerdings dürfte es ein besonderer Festschmaus sein. Denn Raistlin erscheint wirklich tragisch. Von einem inneren Feuer angestachelt, besteht sein Leben aus starken Leiden, für die er teilweise selbst verantwortlich ist. Es macht ihn zu einem Menschen, der ständig im Konflikt mit seiner Umwelt steht, welche nicht selten völlig verständnislos vor seinem Gedanken passen muß.
Die Handlung des Romans ist recht banal. Hier gibt es keine Welt zu retten, keine (bzw. fast keine) großen und bösen Magier zu vernichten und keine großen Schlachten zu schlagen. Es geht vielmehr um die Kindheit und Jugend einiger Menschen, deren Leben immer wieder durch Schicksalsschläge erschüttert wird.
Dennoch reicht gerade das vollkommen aus. Margaret Weis zeigt geschickt, daß es nicht immer der große Rahmen sein muß, sondern daß man manchmal auch auf dem Teppich bleiben sollte. Und so erzählt sie in einer wunderbaren Sprache ein faszinierendes und doch tragisches Märchen, das jeden Leser (ob Kenner oder nicht) sofort in den Bann ziehen wird. Allein von der Faszination ist dieses Buch das beste, das ich dieses Jahr bisher gelesen habe.
Das Buch ist ein wunderbares Beispiel dafür, was gute von schlechter oder mittelmäßiger Literatur unterscheidet. Man kann schnell über vieles hinweglesen und dadurch die vielen kleinen Feinheiten verpassen, die oft in kurzen Nebensätzen oder Nebenhandlungen versteckt sind. Daher: Aufgepaßt beim Lesen - es lohnt sich wirklich.

Fazit:
Ein Buch von starker erzählerischer Kraft. Ein wunderbares Märchen. Für alle Fantasy-Fans eine absolute Empfehlung.
14 Punkte

Alexander Haas


Interesse? Hier kannst Du dieses Buch direkt bei amazon.de bestellen.


home...