Deirdre,
die ja immer noch als Tempeldirne arbeiten muß, kann es kaum
fassen: Der Schiffer Lodderin kauft sie im Auftrag der
Dame frei und bittet sie, mit ihm zu kommen. An Bord
seines Schiffes trifft Deirdre auch ihren alten Freund Chaim wieder.
Er hat sie schon lange im Auftrag der Dame beobachtet. Zusammen mit
Lodderins Frau Missel segeln sie über das Lavendel-Meer. Nach
einer Reise durch eine heiße Wüste erreichen sie das
Kloster der Dame. Sie sieht in Deirdre die Auserwählte, die die
hiesige Welt wieder mit dem Land Lure zusammenführen soll. Lure,
aus dem nur noch Legenden bekannt sind, scheint sich auf einen Krieg
mit den Schwesterländern vorzubereiten. Nach einer Zeit der
Besinnung und des Lernens macht sich eine kleine Gruppe um Deirdre
(unter ihnen auch die lurische Gefangene Katein) auf den Weg nach
Lure...
Die Sandrose nimmt den Platz des ungeliebten zweiten
Teiles ein. Er muß den Beginn mit dem Ende verbinden; oft
gelingt das dann nicht ganz so gut. So baut auch dieser Band im
Vergleich zum ersten stark ab. Das fängt erst einmal damit an,
daß die eigentliche Geschichte unglaublich schnell bricht und
man sich fragt, was denn Band 2 mit Band 1 zu tun hat. Und so ganz
schlau bin ich immer noch nicht daraus geworden. Ich hoffe aber,
daß sich dies in Band 3 wieder geben wird, denn es sind einfach
noch zu viele Dinge vom Anfang der Geschichte offen. Ich kann
eigentlich kaum glauben, daß ein Autor von Gijsens
Qualität sich eine derart verpatzte Story einfallen ließ.
Hoffnung schöpfe ich auch daraus, daß es in meinen Augen
durchaus Hinweise gibt, die auf eine Rückkehr der Geschichte
schließen lassen.
Aber bleiben wir beim Verlauf dieses Buches. Wie schon angedeutet,
war ich davon nicht ganz so angetan wie vom Vorgänger. Das liegt
hauptsächlich daran, daß besonders die Hauptprotagonistin
Deirdre in die Rolle der Beobachterin schlüpft und kaum noch
selbst agiert. Die Welt scheint irgendwie an ihr vorbeizuziehen, und
genauso wirkt auch der Roman. Mußte sich Deirdre in
Wendekreise noch selbst mit allerhand Ungemach
herumschlagen, so verkommt Die Sandrose
größtenteils zu einem bloßen Reiseroman, in dem der
interessante und faszinierende Charakter der Deirdre doch arg zu kurz
kommt. Und auch ihre Selbstfindung und die Ausbildung zur
Auserwählten bleiben ohne großen Reiz. Erst am Ende
gelingt es Gijsen, den Leser wieder stärker zu fesseln, und
wieder liegt das in meinen Augen an Deirdre. Sie nimmt wieder die
Zügel in die Hand und bestimmt das Leben um sich herum. Zudem
kommt die Handlung, die hier größtenteils brachlag, wieder
in Schwung und nimmt endlich Formen an. Zudem macht sie einige
unvermutete Wendungen, und wer schon argwöhnte, daß die
Geschichte hier zu klassisch verlaufen würde, der sieht sich am
Ende doch sehr überrascht.
Fazit:
Bis auf das letzte Drittel viel schwächer als der
Vorgänger, jedoch am Ende mit einem klasse Cliffhanger auf den
dritten Teil, der zum Glück nicht mehr lange auf sich warten
lassen wird und schätzungsweise in der übernächsten
Flash-Ausgabe zur Besprechung kommt. Dennoch kann man kaum auf den
zweiten verzichten, sofern man am ersten bereits angebissen hat.
8 Punkte