Wim Gijsen:

"Die Sandrose"

(2. Roman der Deirdre-Trilogie)
OT: Bidahinne
Ü: Hildegard Höhr
NL 1985
(286 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9040, ISBN 3-453-15605-6, DM 14,90)
- erschienen: Juni 1999 -

Deirdre, die ja immer noch als Tempeldirne arbeiten muß, kann es kaum fassen: Der Schiffer Lodderin kauft sie im Auftrag der „Dame“ frei und bittet sie, mit ihm zu kommen. An Bord seines Schiffes trifft Deirdre auch ihren alten Freund Chaim wieder. Er hat sie schon lange im Auftrag der Dame beobachtet. Zusammen mit Lodderins Frau Missel segeln sie über das Lavendel-Meer. Nach einer Reise durch eine heiße Wüste erreichen sie das Kloster der Dame. Sie sieht in Deirdre die Auserwählte, die die hiesige Welt wieder mit dem Land Lure zusammenführen soll. Lure, aus dem nur noch Legenden bekannt sind, scheint sich auf einen Krieg mit den Schwesterländern vorzubereiten. Nach einer Zeit der Besinnung und des Lernens macht sich eine kleine Gruppe um Deirdre (unter ihnen auch die lurische Gefangene Katein) auf den Weg nach Lure...

„Die Sandrose“ nimmt den Platz des ungeliebten zweiten Teiles ein. Er muß den Beginn mit dem Ende verbinden; oft gelingt das dann nicht ganz so gut. So baut auch dieser Band im Vergleich zum ersten stark ab. Das fängt erst einmal damit an, daß die eigentliche Geschichte unglaublich schnell bricht und man sich fragt, was denn Band 2 mit Band 1 zu tun hat. Und so ganz schlau bin ich immer noch nicht daraus geworden. Ich hoffe aber, daß sich dies in Band 3 wieder geben wird, denn es sind einfach noch zu viele Dinge vom Anfang der Geschichte offen. Ich kann eigentlich kaum glauben, daß ein Autor von Gijsens Qualität sich eine derart verpatzte Story einfallen ließ. Hoffnung schöpfe ich auch daraus, daß es in meinen Augen durchaus Hinweise gibt, die auf eine Rückkehr der Geschichte schließen lassen.
Aber bleiben wir beim Verlauf dieses Buches. Wie schon angedeutet, war ich davon nicht ganz so angetan wie vom Vorgänger. Das liegt hauptsächlich daran, daß besonders die Hauptprotagonistin Deirdre in die Rolle der Beobachterin schlüpft und kaum noch selbst agiert. Die Welt scheint irgendwie an ihr vorbeizuziehen, und genauso wirkt auch der Roman. Mußte sich Deirdre in „Wendekreise“ noch selbst mit allerhand Ungemach herumschlagen, so verkommt „Die Sandrose“ größtenteils zu einem bloßen Reiseroman, in dem der interessante und faszinierende Charakter der Deirdre doch arg zu kurz kommt. Und auch ihre „Selbstfindung“ und die Ausbildung zur Auserwählten bleiben ohne großen Reiz. Erst am Ende gelingt es Gijsen, den Leser wieder stärker zu fesseln, und wieder liegt das in meinen Augen an Deirdre. Sie nimmt wieder die Zügel in die Hand und bestimmt das Leben um sich herum. Zudem kommt die Handlung, die hier größtenteils brachlag, wieder in Schwung und nimmt endlich Formen an. Zudem macht sie einige unvermutete Wendungen, und wer schon argwöhnte, daß die Geschichte hier zu klassisch verlaufen würde, der sieht sich am Ende doch sehr überrascht.

Fazit:
Bis auf das letzte Drittel viel schwächer als der Vorgänger, jedoch am Ende mit einem klasse Cliffhanger auf den dritten Teil, der zum Glück nicht mehr lange auf sich warten lassen wird und schätzungsweise in der übernächsten Flash-Ausgabe zur Besprechung kommt. Dennoch kann man kaum auf den zweiten verzichten, sofern man am ersten bereits angebissen hat.
8 Punkte

Alexander Haas


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