Band 1975: „Sonnenecho“

Autor: Ernst Vlcek

In Chearth hat sich Myles Kantor ein neues Ziel gesetzt. Er will durch den Riß in den Sonnentresor einfliegen, um hier vor Ort nach Vincent Garron zu suchen. Dazu nimmt er Arnulf Rohmer mit. Arnulf betreut vier sogenannte Avatare: humanoide Roboter, die als Ersatzkörper für Vincent genutzt werden sollen.
Jedoch sind sie hier nicht allein, denn auch die Algioten entsenden eine Expedition, geleitet von dem fetten Scoctoren Norgo ro Yong. Er ist überzeugt davon, daß es seine Aufgabe ist, den Gott Gaintanu zu befreien. Das ist keine leichte Aufgabe, denn nicht alle seine Untergebenen sind so gläubig wie er.
Bevor die Galaktiker starten, kommt Mhogena wieder aus der Milchstraße zurück. Er berichtet, daß das Volk der Haluter auf dem Weg nach Chearth ist und unterwegs eine Waffe gegen die Sonnenwürmer bauen will.
Der Vesta-Kreuzer PYXIS unter dem Kommando von Ronald Tekener erreicht schließlich sein Ziel: die rote Sonne Skoghal, den Ort, an dem sich die Sonnenwürmer aufhalten. Hier machen sie sich nun daran, mit dem Hyperraum-Resonator nach der Hypersenke von Vincent Garron zu suchen. Vincent scheint schließlich Tuyulas Anwesenheit zu spüren und erscheint auf der PYXIS. Er schlüpft in einen der Androidenkörper, doch leider ist es Garrons Soboth-Persönlichkeit, die den eigentlichen Vincent in den Hintergrund gedrängt hat. Soboth läßt den ersten Androiden erst einmal durchbrennen und übernimmt dann Tuyula. Hinzu kommt, daß die Galaktiker auf einmal von einer Flotte Algioten angegriffen werden. Es ist Norgo ro Yong, der sie aus der Nähe von Gaintanu vertreiben will. Da sie im Moment hoffnungslos unterlegen sind, flüchten sie in die Korona der Sonne.
Währenddessen versucht man im Hangar der PYXIS verzweifelt, die Vincent-Persönlichkeit wieder an die Oberfläche zu holen. Es ist schließlich mal wieder Ronald Tekener, der es schafft, den tief in Tuyula versteckten Vincent zu provozieren und hervorzulocken. Es gelingt Garron, Soboth in den Hintergrund zu drängen; und er ist nun auch bereit, einen der Androiden zu übernehmen.
Er berichtet, daß er zu einem der Guan a Var engeren Kontakt hatte. Die anderen sind viel zu aufgeregt, um sich sinnvoll zu äußern. Die Guan a Var selbst sehen sich gar nicht als Gefahr. Sie existieren nur teilweise in diesem Universum und können gar nicht begreifen, daß sie andere Existenzen bedrohen.

So weit, so gut. Immer mehr nimmt der Zyklus auf allen Ebenen an Gestalt an, und ich frage mich so langsam, wie man das Ganze noch 24 Bände lang hinauszögern will. Besonders auf der Chearth-Ebene ist man in meinen Augen dabei, das Ende einzuläuten. Wenn die Haluter tatsächlich mit ihrer Anti-Guan-a-Var-Waffe in der Galaxis ankommen, kann die Sache nur eine Frage der Zeit sein. Zwar bleibt da immer noch der moralische Zweifel des Völkermords, denn die Guan a Var sind zweifelsohne intelligent, aber wie will man die Sache sonst lösen? Wir haben hier einfach die Situation, daß sich hier die Lebensräume zweier völlig unterschiedlicher Lebensformen derart überschneiden, daß zwangsläufig eine davon auf der Strecke bleiben muß. Übrigens ein ähnlicher Fall wie Goedda, auch wenn diese künstlich erschaffen war.
Aber gibt es Alternativen? Ich glaube eher nein, denn was kann man hier schon tun? Ein Universum suchen, in dem kein (intelligentes) Leben entstanden ist und wo sich die Sonnenwürmer nach Belieben austoben können? Na - das dürfte die technischen Möglichkeiten unserer Galaktiker doch ein wenig übersteigen.
Im Moment drängt sich mir aber noch eine Frage auf. Wie alt ist das Volk der Guan a Var eigentlich, und wo kommen sie her? Sie müßten eigentlich eine gigantische Spur vernichteter Galaxien hinter sich hergezogen haben. Das sollte doch sehr auffällig sein. Sind die Guan a Var am Ende auch nur Geschöpfe einer anderen Macht? Ich kann’s kaum glauben, aber auf jeden Fall würde mich die Entstehungsgeschichte der Sonnenwürmer schon arg interessieren.
Was ich mich auch noch frage, was aber weniger mit den Guan a Var zu tun hat: Ganzetta berichtet von einer großen Rüstungsindustrie der Wlatschiden, die die Ankunft der Haluter begleiten soll. Es scheint so, als ob die Völker von Chearth sich so langsam von den militärischen Niederlagen erholen würden.
Aber irgendwie hatte ich die Schilderung vom Beginn des Zyklus noch ganz anders im Kopf. Da warf man hektisch jedes Raumschiff gegen die Algioten, das sich auftreiben ließ, und nun auf einmal hat man eine ganz funkelnagelneue Rüstungsindustrie, die vermutlich innerhalb der nächsten Bände eine große Flotte gegen die Algioten ins Feld schicken wird. Vermutlich wird es am Ende so aussehen, als ob man die Galaktiker gar nicht gebraucht hätte! Also, da weiß ich noch nicht so ganz, was ich davon zu halten habe.
Das weiß ich im großen und ganzen auch nicht von diesem Roman hier.
O.K., Vincent Garron ist mal wieder zurück, und er hat auch einen neuen Körper und ist gleich bereit, sich voll in den Konflikt mit den Guan a Var einzubringen. So weit, so gut; aber ich muß ehrlich gestehen, so langsam geht mir das ganze Hin und Her mit Garron und seinen Persönlichkeiten, Hyperraumsenken usw. auf die Nerven. Es wäre an der Zeit, sich da mal auf eine Linie zu einigen und endlich mal zu Ergebnissen kommen, denn so kann mich die Sache nicht mehr begeistern.
Das kann aber in diesem Fall auch daran liegen, daß ich mit dem Roman allgemein ein wenig meine Probleme hatte. Weder die Ebene um die Algioten noch um Garron konnte mich so richtig fesseln, und es hat mich schon eine ganze Menge Mühe gekostet, mich durch den Roman zu kämpfen, obwohl ich eigentlich mit ziemlicher Begeisterung gestartet bin. Irgendwie fehlte der Sache einfach jene fesselnde Wirkung, wie man sie z.B. im ersten von Rainer Castors Doppelband beobachten konnte. Ernst Vlcek ist es diesmal einfach nicht gelungen, die Charaktere so zu vermitteln, daß man sich in sie hineinversetzen konnte. Die Handlung wirkte einfach und tiefenlos heruntererzählt, ohne daß die Akteure wirklich stimmungsvoll charakterisiert wurden.

Fazit:
Irgendwie bildet dieser Roman nicht mehr als eine Brücke zu weiteren Ereignissen, die langsam zu Ende gebracht werden sollten, sonst wird die Sache arg zäh am Ende, so wie dieser Roman.
5 Punkte

Alexander Haas

Zurück in Chearth.
Bereits im Vorfeld dieses Romans plagten mich recht zwiespältige Gefühle. Einerseits geht es zurück auf die Handlungsebene, die m. E. zur Zeit die schwächste der Serie darstellt; andererseits stammt dieser Roman aus der Feder Ernst Vlceks, also eines Expokraten. Und diese sind ja nun dafür bekannt, daß sie sich die Schlüsselromane für sich selber reservieren (wenn dies in der letzten Zeit auch nicht immer der Fall war). Vom Autorennamen her hätte man hier also einen handlungstechnischen Knaller erwarten können.
Doch hierzu kam es dann leider doch nicht. Zwar kann man unser aller Langweiler Vincent Garron einfangen, doch dieser ist mal wieder von seiner Zweitpersönlichkeit besessen. Daß diese immerhin einen realen Hintergrund in Form eines der Würmchen zu haben scheint, wirft wenigstens noch die Frage auf, wie das denn damals nun mit dem lieben Quotor gewesen sein soll. Dieser wurde ja auch am Anfang eher als eine reale Person angesehen, während er später zu einer Zweitpersönlichkeit degradiert wurde. Wartet Quotor denn nun auch noch irgendwo da draußen? Wenn ja, werden wir dies wohl erst im nächsten Zyklus erfahren (und ehrlich gesagt interessiert mich dies auch nicht wirklich brennend - es ist eher eine ungelöste Frage am Rande).
Was passiert sonst in diesem Roman: Man schlägt sich also ein wenig mit Garron herum, die Würmchen wimmeln durch den Tresor, und... äh... - ach ja, die Algioten sind ja auch noch da und greifen ein bißchen gottbefreiend ein. Und irgendwie wars das dann auch schon.
Das Hauptproblem der Chearth-Ebene scheint mir zur Zeit zu sein, daß die Romane keinerlei bleibenden Eindruck beim Leser hinterlassen, er sie zwar recht interessiert liest, aber nach kurzer Zeit schon wieder vergessen hat. Mir ging es auch bei diesem Roman wieder so, daß ich ihn beim Schreiben dieser Rezension praktisch noch einmal komplett lesen mußte, anstatt ihn nur einmal kurz zu überfliegen, um überhaupt noch zu wissen, was denn hier eigentlich passierte. Im Normalfall rezensiere ich Romane jedenfalls nicht direkt nach der Beendigung der Lektüre, da hier noch spontane Gefühle vorhanden sind, die eine halbwegs objektive Bewertung paktisch verhindern. Stattdessen gebe ich einem Roman zwei bis drei Tage, um sich zu setzen, bevor ich ihn noch einmal hervorkrame, meine Notizen und einzelne Stellen kurz begutachte, um dann erst die Rezension zu schreiben. „Sonnenecho“ habe ich drei Tage zum „Setzen“ gegeben - und hatte danach keinerlei Ahnung mehr, was überhaupt darin passiert ist. Ich glaube kaum, daß dies ein gutes Zeichen für einen Roman ist.
Aber man merkt schon - es fällt mir nicht mehr besonders viel ein, was man über diese Heft noch schreiben könnte; deshalb möchte ich hier jetzt auch zu dem Teil der Rezension kommen, der sich da nennt:

Fazit:
Ohne wirklich schlecht zu sein, bleibt Ernst Vlceks „Sonnenecho“ doch weit hinter den Erwartungen zurück, die der Leser an einen Roman eines Expo-Autoren stellt. Handwerklich in Ordnung, verliert sich die Handlung selber jedoch in der Langeweile und fällt schnell des Vergessens anheim. Es wird Zeit, daß die Haluter den Leser dieser Ebene mit einem Paukenschlag aufwecken...
4 Punkte.

Winfried Brand

Stefan Robijns Co-Rezension wird in der nächsten Ausgabe nachgeliefert.

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