Weiter geht
die tragische Geschichte von Richius Vantran, dem Schakal von
Lucel-Lor.
Er reist nach Lucel-Lor, um hier von seinem totgeglaubten Freund
Lucyler zu erfahren, daß seine Geliebte Dyana noch lebt und
jetzt mit Tharn verheiratet ist. Tharn ist es gelungen, in Lucel-Lor
für Frieden zu sorgen und alle verfeindeten Clans zu einen.
Richius weiß, daß der Frieden nur von kurzer Dauer sein
kann, ist er doch von Kaiser Arkus beauftragt worden, Lucel-Lor zu
erobern, um für Arkus den Unsterblichkeitszauber zu besorgen.
Doch Richius Widersacher erfahren von seine Reise und
brandmarken ihn als Verräter.
Auf einmal steht der, der Lucel-Lor haßt wie die Pest,
vertrieben aus seinem Königreich ohne Heimat da, inmitten eines
Landes, dessen Bevölkerung ihm im vergangenen Krieg
verachtungsvoll den Namen Schakal gab; und nun bleibt ihm keine
andere Möglichkeit, als mit seinen ehemaligen Feinden gegen
seine alten Freunde zu kämpfen. Doch nicht alle stehen auf
seiner Seite, und nicht alle alten Freunde sind bereit, ihm zu
vertrauen...
Vorweg: "Die Jäger des Tharn" und "Die Paladine des Dunkels"
waren im Original ein Band; und so ist es auch unabdingbar, beide zu
lesen, um den Roman wirklich in seiner ganzen Fülle erfahren zu
können. Allerdings hat der Verlag diesmal an einer Stelle
getrennt, die die Handlung nicht ganz so stark unterbricht und man
auf diese Art ruhig eine Pause zwischen der Lektüre der beiden
ertragen konnte.
So kann der Leser also auch relativ gut wieder in den Roman
einsteigen. Und was kann ich sagen: War ich von "Die Jäger des
Tharn" schon recht angetan, so bin ich von "Die Paladine des Dunkels"
gerade zu begeistert. Ich will schon fast sagen, das beste, was ich
seit Tad Williams in der letzten Zeit gelesen habe.
Allerdings muß man hier ein wenig einschränken, weil die
Welt, die Charaktere, die Atmosphäre, das sind alles Elemente,
die nicht jedem zusagen werden.
Alles ist überschattet von einer extremen Tragik und Dunkelheit.
Speziell der Hauptcharakter Richius wird von einem Schicksalsschlag
nach dem anderen gebeutelt. Dennoch gleitet die Geschichte nie ins
Kitschige ab, sondern behält immer einen gewissen Rahmen und
schützt sich so vor Übertreibungen. Die Atmosphäre ist
eine Mischung aus düsteren und romantischen Elementen. In einer
Welt, die von Krieg und Gewalt dominiert wird, entsteht zwischen
Dyana und Richius eine zarte Liebe, von der beide wissen, daß
sie eigentlich gar nicht sein darf.
Die Welt an sich besteht aus einem großen Kontinent, auf dem
sich zwei große Reiche befinden, nämlich das
"zivilisierte" Imperium der Nar und das wilde und gespaltene
Lucel-Lor. Inmitten dieser Welt haben es die Charaktere schwer, weil
es alles andere als einfach ist, zwischen Gut und Böse zu
unterscheiden. Die Menschen sind nicht einfach gut oder schlecht,
sondern haben durchaus positive Elemente, aber auch Fehler und
schlechte Charaktereigenschaften. Haben wir in den meisten
Geschichten oft gewisse Stereotypen, also klassisch Gut oder
Böse, so fehlt dies hier fast völlig. Ich möchte
beinahe sagen: den klassischen rein Guten gibt es gar nicht. Zwar
geht Richius am ehesten in diese Richtung, doch zeigt Marco ganz klar
dessen Grenzen, denn Richius ist auch nur ein Mensch mit
Gefühlen und vor allem auch mit Fehlern. Im Gegensatz dazu gibt
es aber durchaus auch den einen oder anderen klassisch und wirklich
bösen und gerissenen Charakter, durchtrieben und voller
Dunkelheit in allen Gedanken und Handlungen. Aber böse zu sein,
ist halt einfacher...
Man merkt: Es ist nicht einfach, in dieser Welt gut zu sein.
Ganz allgemein muß ich sagen, daß mich dieser Roman
einfach von Anfang an fasziniert und über zwei Bände nicht
mehr losgelassen hat, wobei sich dabei vom Anfang bis zum Ende hin
noch mal eine deutliche Steigerung feststellen ließ - und die
Sache fing schon wirklich gut an.
Fazit:
Keine Dark Fantasy im klassischen Sinne, aber tendenziell in diese
Richtung gehend. Für Freunde großer epischer Fantasy ein
absolutes Muß, zumindest in meinen Augen. Ein Roman voller
Dichte, Spannung und Dramatik, wie sie mir selten vor die Augen
gekommen ist. Kein Tolkien oder Williams, aber verdammt nah
dran...
14 Punkte