Andreas Findig:

"Lausbiber-Alarm"

Mit Illustrationen von Reinhard Habeck
D 1999
(94 Seiten, DIN A4-Hardcover, Moewig, ISBN 3-8118-2097-4, DM 19,80)
- erschienen: Juli 1999 -

Zum Inhalt:
Der selbsternannte Admiral Gecko möchte in der Mausbiberkolonie auf Mars eine Soldatentruppe aus Mausbibern bilden. Doch als er mal wieder zu einem Appell ruft, geschehen Dinge, die nicht unbedingt nach seinem Willen sind. Denn die jungen Mausbiber sind nicht gerade gewillt, sich irgendeinem Kommando zu unterstellen - und sie spielen Geckos Spiel nur so lange mit, wie sie Lust dazu haben. Angesichts des nahen Vergnügungsviertels mit Freizeitpark ist dies jedoch nicht allzu lange der Fall. Und Stoppelplopp - später bekannt unter dem Namen Jumpy - und seine Freunde haben auch noch so ihre Scherze parat...

Hier ist es nun - das erste Kinderbuch aus der Rhodan-Redaktion. Da der Rezensent jedoch nicht mehr unbedingt der Zielgruppe zuzurechnen ist, erfolgt diese Rezension eher aus der Sicht des Vaters, der sich überlegt, inwieweit das Buch für seinen Sohn geeignet wäre - und in welchem Alter er sein sollte, wenn er es zu lesen bzw. vorgelesen bekommt - und natürlich auch, wie das Buch beim älteren PR-Fan ankommt.
Zuerst einmal zu letzterem:
Dem recht albernen Inhalt der Handlung (selbst dem großen Kindskopf wird es schon mal ein wenig zuviel der Albernheit) stehen einige mehr als nur geniale Illustrationen Reinhard Habecks gegenüber, die teilweise schon allein den Kauf dieses Buches rechtfertigen können. Die Handlung jedenfalls ist dann doch zu banal, als daß Erwachsene sich über die gesamte Länge an ihr erfreuen könnten. Zwar streut Andreas Findig gerade im Anfang noch ein paar wirklich amüsante Sätze ein, doch wirkt das Ganze im weiteren Verlauf dann doch zu albern, als daß weitere Spitzen intelligenten Humors abgefeuert werden könnten. Statt dessen überwiegt reinster Slapstick mit Rhodan-Hintergrund...
Problematisch wird das Ganze vor allem, wenn man jetzt an die eigentliche Zielgruppe denkt: Die kleinen vielleicht 6-8jährigen. Hier hat man anscheinend vollkommen an der Zielgruppe vorbeigeplant - und zwar von der Verlagsseite aus. Das Hauptproblem besteht darin, daß man hier eigentlich ein Bilderbuch vorgelegt hat, das für Grundschulkinder gedacht sein soll. Doch gerade Grundschulkinder legen das Verlangen nach illustrierten Stories (wenn auch meist mit Ausnahme von Comic-Heften) mit Eintritt in die Schule ab. Schließlich ist man nun alt genug, um in die Schule zu gehen - und Bilderbücher sind jetzt nur noch was für Babies oder Kleinkinder, zu denen man nicht mehr gehören möchte... Zumal die Handlung schon für die Erstkläßler ein bißchen zu albern sein dürfte, als daß diese sie noch akzeptieren würden...
Dafür ist jedoch die Komplexität des Hintergrundes eher für die etwas Größeren bestimmt - zumindest was die PR-spezifischen Zusammenhänge betrifft. Diese sind eindeutig nicht auf Vorschulkinder gemünzt; eher würden sie wahrscheinlich zu Problemen hinsichtlich des Verständnisses führen. Dies ist vor allem deshalb schade, weil die Vorschulkinder diese Art der illustrierten Bücher lieben und sich in den Illustrationen verfangen können - und die allgemeine Handlung in ihrer Albernheit eher auf genau diese Kinder abgestimmt zu sein scheint...
Im Großen und Ganzen ergibt sich hier also ein Patt - oder auch eine klassische Fehlkonstruktion. Die Vorschulkiddies mögen Bilderbücher und die alberne Handlung, werden aber mit dem Hintergrund (vor allem den Para-Fähigkeiten) etwas überfordert sein. Die Grundschulkinder können der Handlung folgen, hassen aber Bilderbücher, da sie hierfür inzwischen zu groß sind und nicht mehr für Babies gehalten werden wollen. Damit wäre dann also die Zielgruppe insgesamt ausgeschaltet. Bleiben noch die Rhodan-infizierten Eltern, die ihren Nachwuchs in diese Richtung drängen wollen. Eric (2 Jahre, 4 Monate und bekannt aus dem Perry-Report als das Kind, das unter dem Riesen-Gucky in Sinzig saß) ist jedenfalls begeistert von den Illustrationen ("Guck mal, Papa - ganz viele Guckys!!!") - irgendwann in den nächsten Wochen wird Papa beginnen, ihm das Buch einmal vorzulesen. Vielleicht kann er dann ja das Argument entkräften, daß Vorschulkinder (im weitesten Sinne) mit der Handlung nicht so ganz mitkommen...

Fazit:
Ein Gucky-Kinderbuch für PR-begeisterte Eltern, die ihrem Nachwuchs ein bißchen Lese-Kultur <grins> beibringen wollen. Und auch für den kindsköpfigen PR-Fan durchaus geeignet - vor allem Reinhard Habecks Illustrationen sind einfach göttlich. Die Handlung ist eher banal - selbst für Grundschulkinder schon zu albern. Die Zielgruppe wurde jedenfalls verfehlt - dafür hat der erwachsene PR-Kindskopf-Fan ein schönes Buch vor sich, das geradezu genial illustriert ist.
Erwachsenen-Wertung:
8 Punkte.

(*** Eric-Wertung: ‘Gucky! Leuchtfigürchen! Gucky...!’ <grins>) (* Das auf einer Seite abgebildete "graue" Alien erinnerte Eric an seinen nachts leuchtenden Schlüsselanhänger in Alien-Form... Winy)

Winfried Brand


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