Zum
Inhalt:
Der selbsternannte Admiral Gecko möchte in der Mausbiberkolonie
auf Mars eine Soldatentruppe aus Mausbibern bilden. Doch als er mal
wieder zu einem Appell ruft, geschehen Dinge, die nicht unbedingt
nach seinem Willen sind. Denn die jungen Mausbiber sind nicht gerade
gewillt, sich irgendeinem Kommando zu unterstellen - und sie spielen
Geckos Spiel nur so lange mit, wie sie Lust dazu haben. Angesichts
des nahen Vergnügungsviertels mit Freizeitpark ist dies jedoch
nicht allzu lange der Fall. Und Stoppelplopp - später bekannt
unter dem Namen Jumpy - und seine Freunde haben auch noch so ihre
Scherze parat...
Hier ist es nun - das erste Kinderbuch aus der Rhodan-Redaktion. Da
der Rezensent jedoch nicht mehr unbedingt der Zielgruppe zuzurechnen
ist, erfolgt diese Rezension eher aus der Sicht des Vaters, der sich
überlegt, inwieweit das Buch für seinen Sohn geeignet
wäre - und in welchem Alter er sein sollte, wenn er es zu lesen
bzw. vorgelesen bekommt - und natürlich auch, wie das Buch beim
älteren PR-Fan ankommt.
Zuerst einmal zu letzterem:
Dem recht albernen Inhalt der Handlung (selbst dem großen
Kindskopf wird es schon mal ein wenig zuviel der Albernheit) stehen
einige mehr als nur geniale Illustrationen Reinhard Habecks
gegenüber, die teilweise schon allein den Kauf dieses Buches
rechtfertigen können. Die Handlung jedenfalls ist dann doch zu
banal, als daß Erwachsene sich über die gesamte Länge
an ihr erfreuen könnten. Zwar streut Andreas Findig gerade im
Anfang noch ein paar wirklich amüsante Sätze ein, doch
wirkt das Ganze im weiteren Verlauf dann doch zu albern, als
daß weitere Spitzen intelligenten Humors abgefeuert werden
könnten. Statt dessen überwiegt reinster Slapstick mit
Rhodan-Hintergrund...
Problematisch wird das Ganze vor allem, wenn man jetzt an die
eigentliche Zielgruppe denkt: Die kleinen vielleicht
6-8jährigen. Hier hat man anscheinend vollkommen an der
Zielgruppe vorbeigeplant - und zwar von der Verlagsseite aus. Das
Hauptproblem besteht darin, daß man hier eigentlich ein
Bilderbuch vorgelegt hat, das für Grundschulkinder gedacht sein
soll. Doch gerade Grundschulkinder legen das Verlangen nach
illustrierten Stories (wenn auch meist mit Ausnahme von Comic-Heften)
mit Eintritt in die Schule ab. Schließlich ist man nun alt
genug, um in die Schule zu gehen - und Bilderbücher sind jetzt
nur noch was für Babies oder Kleinkinder, zu denen man nicht
mehr gehören möchte... Zumal die Handlung schon für
die Erstkläßler ein bißchen zu albern sein
dürfte, als daß diese sie noch akzeptieren
würden...
Dafür ist jedoch die Komplexität des Hintergrundes eher
für die etwas Größeren bestimmt - zumindest was die
PR-spezifischen Zusammenhänge betrifft. Diese sind eindeutig
nicht auf Vorschulkinder gemünzt; eher würden sie
wahrscheinlich zu Problemen hinsichtlich des Verständnisses
führen. Dies ist vor allem deshalb schade, weil die
Vorschulkinder diese Art der illustrierten Bücher lieben und
sich in den Illustrationen verfangen können - und die allgemeine
Handlung in ihrer Albernheit eher auf genau diese Kinder abgestimmt
zu sein scheint...
Im Großen und Ganzen ergibt sich hier also ein Patt - oder auch
eine klassische Fehlkonstruktion. Die Vorschulkiddies mögen
Bilderbücher und die alberne Handlung, werden aber mit dem
Hintergrund (vor allem den Para-Fähigkeiten) etwas
überfordert sein. Die Grundschulkinder können der Handlung
folgen, hassen aber Bilderbücher, da sie hierfür inzwischen
zu groß sind und nicht mehr für Babies gehalten werden
wollen. Damit wäre dann also die Zielgruppe insgesamt
ausgeschaltet. Bleiben noch die Rhodan-infizierten Eltern, die ihren
Nachwuchs in diese Richtung drängen wollen. Eric (2 Jahre, 4
Monate und bekannt aus dem Perry-Report als das Kind, das unter dem
Riesen-Gucky in Sinzig saß) ist jedenfalls begeistert von den
Illustrationen ("Guck mal, Papa - ganz viele Guckys!!!") -
irgendwann in den nächsten Wochen wird Papa beginnen, ihm das
Buch einmal vorzulesen. Vielleicht kann er dann ja das Argument
entkräften, daß Vorschulkinder (im weitesten Sinne) mit
der Handlung nicht so ganz mitkommen...
Fazit:
Ein Gucky-Kinderbuch für PR-begeisterte Eltern, die ihrem
Nachwuchs ein bißchen Lese-Kultur <grins> beibringen
wollen. Und auch für den kindsköpfigen PR-Fan durchaus
geeignet - vor allem Reinhard Habecks Illustrationen sind einfach
göttlich. Die Handlung ist eher banal - selbst für
Grundschulkinder schon zu albern. Die Zielgruppe wurde jedenfalls
verfehlt - dafür hat der erwachsene PR-Kindskopf-Fan ein
schönes Buch vor sich, das geradezu genial illustriert ist.
Erwachsenen-Wertung:
8 Punkte.
(*** Eric-Wertung: Gucky! Leuchtfigürchen! Gucky...! <grins>) (* Das auf einer Seite abgebildete "graue" Alien erinnerte Eric an seinen nachts leuchtenden Schlüsselanhänger in Alien-Form... Winy)
Winfried Brand