Band 1977: "Transformation"

Autor: Horst Hoffmann

Die galaktische Eastside 26. Januar 2512
Die Besatzung der Explorer 1298 HUMBOLDT empfängt den Hilferuf eines Planeten, der von Bluespiraten angegriffen wird. Sie eilen zur Hilfe und treffen auf 10 Feindraumschiffe. In einem heftigem Kampf wird die HUMBOLDT schwer beschädigt, und die Besatzung muß aussteigen. Hier wird die Situation schnell unerträglich, denn sie treiben auf die Sonne zu, und einer nach dem anderen begeht Selbstmord, indem sie die Helme öffnen. Einer jedoch, Lotho Keraete, will nicht einfach so aufgeben.
Er ist es auch, der plötzlich wieder aufwacht. Er befindet sich in einem Raum mit einigen Robotern. Diese erklären ihm, daß er sich an Bord einer Raumstation befindet, die HEIM heißt, und daß er der Auserwählte sei. Außerdem erfährt er, daß er sich nicht länger in der Milchstraße, sondern in der Galaxis Whirlpool aufhält. "Besitzer" dieser Station ist übrigens ES, und Lotho soll im Konstituierenden Jahr in DaGlausch für die SI als Botschafter tätig sein.
Zwischen mehreren langen Tiefschlafphasen beginnt Lotho nun den Umgang mit verschiedenen technischen Geräten zu lernen. Eines Tages wird er gerufen, um einen Defekt in der Recyclinganlage zu reparieren, was ihm leider nicht gelingt.
Nachdem er wieder einmal fast 100 Jahre geschlafen hat, wacht er auf und entdeckt, daß er einen künstlichen Finger hat. Die Produktivität der Recyclinganlage machte das nötig. Doch nicht nur das hat sich verändert. In dem System, in dem sich HEIM aufhält, ist ein fremdes Volk aufgetaucht. Die spinnenartigen CawCadd haben durch ein Kesselbeben ihre Heimat verloren und bauen sich nun aus Raumschiffen eine neue planetenunabhängige Bleibe. Sie entdecken auch HEIM, aber treu dem Prinzip der bedingungslosen Tarnung schweigt die Station. Die Roboter an Bord sind davon überzeugt, daß es den Fremden nicht gelingen wird, in die Station einzudringen.
Nach seiner nächsten Schlafphase erfährt Lotho, daß der Zustand der Recyclinganlage sich weiter verschlechtert und man ihm deswegen auch noch eine Hand umgewandelt hat. Zu seinem Leidwesen gelingt es ihm auch nicht, die Anlage wieder zu reparieren. Dazu muß er auch noch auf die Außenseite der Station (die allgemein immer mehr technische Mängel hat), um eine Pflanzenart zu untersuchen, die die CawCadd hier im Vakuum angepflanzt haben. Es handelt sich dabei um eine anscheinend sehr aggressive fleischfressende Pflanze, denn Lotho wird von ihnen gebissen und bringt so die CawCadd auf den Eingang zur Station.
Eines Tages ist seine Transformation dann abgeschlossen, und er ist nun ein vollständiger Android, der zudem noch mit einigen netten technischen Gimmicks ausgestattet ist. Es ist das Jahr 4878, und ES hat endlich einen ersten Auftrag geschickt. Er soll mit einem Raumschiff schnellstens einen bestimmten Koordinatenpunkt anfliegen, der sich anscheinend in einem Schwarzen Loch befindet. Doch es gibt ein Problem, denn den CawCadd ist es gelungen, sein Raumschiff zu beschädigen. Außerdem gelingt es ihnen, in die Station einzudringen und fast alles zu zerstören. Lotho schafft es gerade noch, einen Notruf abzusetzen.
Dieser wird tatsächlich gehört, und er wird von einem gigantisch großen Raumschiff abgeholt.

Was soll man dazu sagen? Da kommt doch tatsächlich ein völlig neues Element ins Spiel. Und das auch noch auf der Seite der Guten! Zumindest scheint es so, denn wir müssen erst einmal abwarten, was dieses gigantische Raumschiff denn ist. Ich habe zur Vorsicht mal Band 1973 herausgekramt und die Maße von MATERIA nachgelesen. Ich kann mit Sicherheit sagen: Die ist es nicht, die ist um einiges kleiner.
Wenn meine Rechnung stimmt, dann endet der Roman um Lotho im Jahre 1286 NGZ. Damit fällt auch die Möglichkeit weg, daß es sich hierbei um Cairol handeln könnte, denn dieser ist ja nachweislich schon eine ganze Weile aktiv (siehe die "Anwerbung" von Shabazza). Es sieht also tatsächlich so aus, als ob ES es geschafft hätte, einen Hilfeposten für Perry Rhodan durch die Zeit zu bringen. Ich bin nur mal gespannt, was Lotho denn zum Auserwählten macht, bzw. was an ihm so besonders ist, daß man ihn aus dem 26. Jahrhundert alter Zeitrechnung holen muß, denn eigentlich hat ES ja noch seine ganzen Einzelbewußtseine, die es auf die Reise schicken kann.
Leider bleibt hier nur mal wieder das alte abgedroschene: Abwarten; im nächsten Band werden wir schon mehr erfahren, denn das Ding heißt ja schließlich: "Schlacht um Wanderer".
Ansonsten muß man sagen, daß die Roboter ES bzw. seine Technik nicht gerade in ein positives Licht rücken lassen. Denn nur um ein Haar entgeht Lotho am Ende der totalen Katastrophe, die ihm "seine" Roboter eingebrockt haben. Oder die Dinger waren mit Absicht so blöde. Der Sache mit der Transformation möchte ich doch glatt mal Absicht unterstellen, und das würde ja schon wieder in die Linie der anderen ignoranten Unfähigkeiten der Roboter passen. Ich denke, man hätte sich der CawCadd ohne größere Probleme und beiderseitige Verluste entledigen können. Mit ein bißchen Weitsicht hätte doch eigentlich gerade ein Roboter feststellen müssen, daß genau das angewandte Verhalten nicht ewig gutgehen kann. Besonders, wenn man ein Roboter von ES ist, das ja mit den Terranern zu tun hat; und die gehören ja nicht gerade zu den einfältigsten Völkern dieses Universums. Also vielleicht doch alles Absicht? Aber welchen Zweck sollten die CawCadd dann gehabt haben? Um ehrlich zu sein, außer Platz zu schaffen und einen Perry-Band zu füllen, fällt mir da nichts ein. Ich kann mir das aber auch nicht vorstellen, denn dann wären die doch bestimmt etwas intensiver dargestellt worden; und außer ein, zwei virtuellen Spaziergängen war hier ja nichts vorhanden. Also denke ich, daß die hier wirklich nur Funktion innerhalb des Bandes hatten und uns nicht weiter begegnen werden.
Der Band an sich hat mir aber auch nicht allzuviel gegeben. Die Story hatte nicht so viel Mitreißendes an sich. Sie folgt so dem Motto der letzten Zeit: immer ein bißchen mehr, aber nicht allzuviel.
Da ich auch noch keine Ahnung habe, welche Rolle Lotho in Zukunft spielen kann, kam es in meinen Augen also auf die Charakterisierung an; und die gab leider auch noch nicht viel her. Viel haben wir einfach nicht über den Guten erfahren, außer daß er lange Zeit ein paar mentale Probleme mit seiner Transformation hatte - und das ist doch eigentlich recht verständlich. Sonst kam da leider nicht viel rum. Die Handlung auf der Station gab dann auch weder über seinen Charakter noch über die Roboter noch über sonstwas Aufschluß und war auch im Zusammenhang mit den CawCadd ziemlich unspektakulär. Bleibt alles in allem kein allzugutes Bild.

Fazit:
Ein Roman ohne Höhen, aber auch ohne Ausrutscher; mit ein paar Informationen für die nächsten Bände.
5 Punkte

Alexander Haas

 Warum? Warum nur hat Horst Hoffmann diesen Roman nicht auf etwa Seite 45 beendet? Warum mußte er unbedingt die CawCadd mit in diesen Roman einbringen?
Ohne die wahrhaft unglaublichen Fähigkeiten dieser Spinnen wäre dieser Roman nämlich durchaus gut gewesen - doch so...
Nun, fangen wir am Anfang an: Da haben wir einen Terraner, der durchaus in der Lage ist, eine interessante Figur abzugeben (nebenbei: zuerst hatte ich ihn im Verdacht, später zu Cairol II. zu werden... Naja, das hat sich ja wohl inzwischen erledigt, wenn ich mir die Zeitangaben so ansehe...). Statt dessen wird er wohl ein neuer ES-Bote werden - immerhin mal ein positives Zeichen aus Richtung Thoregon, der bisher arg gebeutelten Allianz, für die Perry wohl die letzte Chance zur Rettung darstellt. Man zaubert also ein wenig aus dem Hut und bringt eine neue Figur ins Spiel, mit der niemand rechnen, geschweige denn die irgendjemand herbeispekulieren konnte. Gar nicht mal so schlecht...
Kommen wir aber zum eigentlichen Roman zurück... Da baut HoHo über 45 Seiten die Handlung auf und vergißt dabei, daß er am Ende plausibel bleiben sollte... (oder war dies wirklich so geplant - ich bin mir inzwischen nach einer etwas längeren Ruhepause für den Roman nicht mehr so sicher...)
Wir haben hier nun den Terraner, der sich über mehr als 2.000 Jahre hinweg für ES bereithält - und das wirklich gut geschildert... Es ist durchaus faszinierend, den Schilderungen zu folgen, und - wie gesagt, es scheint anfangs so, als ob wir Cairols Lebenslauf vor uns hätten - die ganzen Veränderungen wecken beim Leser durchaus Interesse, und es überrascht ihn irgendwie, daß Lotho doch irgendwie die ganze Zeit übersteht.
Problematisch an diesem Roman sind vor allem die Spinnen, die einfach so die SI-Technik besiegen können, sowie die Roboter, die insgesamt eher so wirken, als ob die Terraner sie sicherlich besser auf die Reihe bekommen hätten. Entweder die Expo-Redaktion hat hier einen der größten Schnitzer der letzten zehn Jahre hingelegt - oder das ganze war einfach so gewollt und von ES geplant.
Eigentlich tendiere ich eher zu letzterer Möglichkeit. Es geht einfach nicht an, daß ein dahergelaufenes Völkchen von Spinnen mal eben eine komplette Station von ES auf den Kopf stellt und sprichwörtlich zerlegt. Irgendetwas kann hier einfach nicht stimmen. Und auch der Ausfall der internen Recyling-Anlage, der die schlußendliche Umwandlung Lothos in einen mehr oder weniger unsterblichen Cyborg nötig macht, scheint irgendwie geplant zu sein. ES scheint da doch irgendetwas geplant zu haben, das bisher noch nicht so ganz ersichtlich ist. Lotho stellt jedenfalls in dieser Form die perfekte Ergänzung für Rhodan in seinem Kampf gegen die Gegner Thoregons dar.
Allerdings erscheint mir in diesem Zusammenhang ES bei seiner „Rekrutierung“ seines Boten doch ein wenig „rüde“ vorgegangen zu sein - es paßt einfach nicht zu dieser SI, eine ganze Raumschiffsbesatzung wissentlich in den Tod zu schicken, nur um einen von ihnen in letzter Sekunde zu retten und als Boten auszubilden. Wir werden wohl noch sehen, was dies denn nun sollte.
Kommen wir aber endlich zu den angesprochenen 15 Seiten am Ende dieses Romans. Hier häufen sich dann die Stellen der Unlogik doch recht stark. So stellt Lotho auf S. 43 fest, daß seine Hände wieder intakt sind - dummerweise hat er dies bereits beim letzten Aufwachen auf S. 42 festgestellt...
Man fragt sich auch, weshalb Lotho sich auf S. 50 wundert, daß die Roboter gute Schützen sind. Die Jungs stammen schließlich von ES, so daß eher das Gegenteil verwunderlich wäre...
Dazu bleibt wohl auf S. 51 angesichts der Spinnenarmee und der Menge derer, die hier vernichtet werden, nur der Schluß übrig, daß sich hier das ganze Volk versammelt hat, um die Bollwerke von ES anzugreifen. Schließlich haben sich die Jungs auf Kannibalismus verlegt, die Bevölkerungszahl sollte also nicht allzu hoch sein...
Ein wenig unverständlich ist auf, wie Lotho auf S. 56 auf die Idee kommt, in einer Schleuse auf den Druckausgleich zu warten, während die äußere Schleusentür noch offen ist... Dafür öffnet sich aber wenigstens das Innenschott, ohne daß dieser Druckausgleich, egal wie gering er nun wirklich ist, erfolgt ist (s. meine Bemerkung zum Schließen des Außenschotts...)

Fazit:
Für das Ende des Romans gilt eindeutig die alte Weisheit: Weniger wäre mehr gewesen. An diesen Stellen verstrickt sich HoHo in logische Widersprüche und physikalische Unmöglichkeiten. Die ersten drei Viertel des Romans jedoch sind mehr als nur ansprechend und bieten einen HoHo at his best...
10 Punkte.

Winfried Brand

Wenn in der PR-Serie zwischendurch auch mal Einzelromane erscheinen, was in der letzten Zeit aber eigentlich eher selten passiert, handelt es sich bei diesen ja doch oftmals um Lückenfüller, die abgesehen davon, daß sie die Handlung kaum oder gar nicht voranbringen, meist nicht allzuviel zu bieten haben. Natürlich gibt es da auch Ausnahmen, aber die sind wohl eher rar.
Was die Handlungsrelevanz betrifft, so könnte man auch von Horst Hoffmanns neuem Werk, zumindest auf den ersten Blick, annehmen, einen bloßen Einschubband vor sich zu haben. Bis man zu lesen anfängt... und merkt, daß es einem einfach unmöglich ist, das Heft aus der Hand zu legen...
Spätestens nach zwanzig Seiten wird hier nämlich klar, daß es sich bei "Transformation" zwar schon um einen Einzelroman ohne großes Star- bzw. Heldenaufgebot handelt; mit der Bezeichnung ‘Lückenbüßer’ würde man diesem Roman jedoch ebensowenig gerecht werden wie damals dem Eschbach-Band "Der Gesang der Stille". Ähnlich wie in dem preisgekrönten Roman gibt es auch in diesem Werk nur wenige, oder besser gesagt, nur eine einzige handelnde Person, wenn man die Roboter nicht mitzählt. Die anderen beiden im Handlungskasten aufgeführten Besatzungsmitglieder segnen nämlich bereits nach wenigen Seiten das Zeitliche.
Doch ähnlich wie bei besagtem Eschbach-Roman kommt diese spärliche Besetzung auch diesem Werk nur zugute. Die langsame Entwicklung des Lotho Keraete vom Menschen zum Cyborg-ähnlichen Wesen wird von Hoffmann mit einer inneren Dramatik geschildert, die man in Heftromanen nur selten vorfindet. Es gelingt Hoffmann, die Emotionen seiner Figur bzw. deren Reaktionen auf die Manipulationen an seinem Körper äußerst feinfühlig und glaubwürdig zu schildern. Der eindringliche, ebenfalls fast schon die Grenzen des Heftromans sprengende Schreibstil unterstreicht das beklemmende Geschehen an Bord der Raumstation noch, und somit braucht der Autor auch in diesem Punkt einen Vergleich mit oben genanntem Autor nicht zu scheuen.
Was nun die Handlung selbst angeht, so gibt es da zwar durchaus einen Punkt, der wieder absolut typisch für einen Lückenfüller wäre, allerdings fällt dies angesichts der Qualität der Ausführung kaum noch ins Gewicht. Wenn nämlich die Spinnenwesen, bei denen von Anfang an klar ist, daß sie für die weitere Handlung keine Rolle mehr spielen, nicht bei der Raumstation aufgetaucht wären, so wäre unterm Strich eigentlich nicht viel mehr passiert, als daß Lotho schlafenderweise versucht, die Jahrtausende herumzukriegen, bis er endlich gebraucht wird und seinen Auftrag von ES bekommt, während die Roboter ihm immer wieder irgendwelche Körperteile abschneiden und durch hochwertige Metallteile ersetzen.
Was diesen Aspekt der Handlung angeht, so ist die Transformation Lothos zwar sicher das tragende Element des Romans; allerdings frage ich mich, ob man das Problem der Nahrungsbeschaffung nicht auch anders hätte lösen können bzw. müssen. Das Prinzip der Recyclinganlage, die aufgrund ihrer nachlassenden Leistung immer wieder "gefüttert" werden muß, erschien mir doch etwas sehr merkwürdig und schwer nachvollziehbar. Warum hat man sich nicht einfach mit ein oder zwei Tonnen Konzentraten ausgerüstet? Bei nur einem einzigen Besatzungsmitglied hätte man damit doch locker die läppischen Jahrtausende überbrücken können. Und selbst wenn nicht, hätte man die Anlage auch mit anderem organischen Material füttern können, das man für diesen Fall halt mal eben aus dem Tiefkühlfach geholt hätte...
Aber natürlich wäre man dann niemals in den Genuß dieser schleichenden Entwicklung bzw. dieses hervorragenden Romans gekommen.

Fazit:
Eine Glanzleistung, die der Bedeutung dieses Zyklus zur Ehre gereicht. Horst Hoffmann dürfte jedenfalls für diesen Roman ebenso Laßwitz-preiswürdig sein wie Kollege Eschbach.
14 Punkte

Stefan Robijn

PS: Verwandlungs- oder Entwicklungs-Storys sind meistens genial. Ob nun als Buch oder Film. Meine persönlichen Favoriten:
"Die Fliege" (Mensch wird zu Fliege)
"Shining" (braver Familienvater wird zu Irrer Axtschwinger)
"Der Affe im Menschen" (liebes Äffchen wird zu böses Äffchen)
"Christine" (schüchterner Junge wird zu Besessener, über Leichen gehender Fiesling)
"Thinner" (extrem dicker Mann wird zu extrem dünner Mann)
"Hyperion" (erwachsene Frau wird zu Säugling)
"Misery" (hilfsbereite Krankenschwester wird zu geisteskranke Psychopathin)
"Die unglaubliche Geschichte des Mr. C" (großer Mann wird zu winziger Mann)
"Die Mumie" (modrige Mumie wird zu Mensch)
"Hellraiser" (modriger Zombie wird zu Mensch)

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