Jonathan Wylie:

"Die letzte Prophezeiung"

(Die Insel Zalys - 3)
OT: The Last Augury
Ü: Annelie von Könemann
GB 1994
(447 Seiten, Taschenbuch, Bastei Lübbe 20363, ISBN 3-404-20363-1, DM 14,90)
- erschienen: Juli 1999 -

Xantium, die Hauptstadt des Kaiserreiches, liegt in Trümmern, und das Reich ist zerfallen. Der Kaiser und seine Getreuen sind geflohen, ebenso die Bewohner Zalys, die wieder auf ihre Insel zurückgekehrt sind.
Doch der böse Kanzler Verkho hat noch nicht aufgegeben. Er ernennt sich zum Kaiser und sendet seine unheimlichen Boten aus, um die abtrünnigen Staaten wieder ans Reich zu binden.
Auch auf Zalys taucht ein Bote auf und fordert Unterwerfung und Geiseln. Doch die Bewohner wehren sich. Sie suchen nach der verschwundenen Magie der Insel, mit der sie ihre Unabhängigkeit bewahren wollen. Magie generell ist das Zauberwort, denn auch der Kaiser weiß, daß dies seine einzige Waffe sein kann, will er gegen Verkho bestehen.
Doch auch die Götter haben noch ein Wörtchen mitzureden...

Mit diesem Band geht nun die „Insel Zalys - Trilogie“ zu Ende. Das Besondere daran war, daß die drei Romane jeweils relativ abgeschlossen und deshalb auch recht gut einzeln zu lesen waren, zumindest, was die Story anging. Jeder der drei Bände hatte seinen eigenen Schwerpunkt, und im letzten liegt dieser eindeutig in der Suche nach der Magie. Magie hier, Magie da, man mag es kaum noch lesen. Irgendwie geht das Ganze dann doch auf Kosten der Lesbarkeit. Aber wenigstens macht er hieraus dann keine große Wissenschaft mehr und entmystifiziert alles. Vielmehr läßt er Spontaneität und Legenden greifen.
Außerdem schafft Wylie nun endlich etwas, was ich ihm in den anderen Romanen immer vorgeworfen habe. Er bringt einen anständigen Aufbau des Romans. Die Handlung entwickelt sich Schritt für Schritt und macht keine Sprünge, die der Leser nicht nachvollziehen kann. Leider macht sie aber auch keine großen Wendungen, so daß es am Ende dann zwar mit großen Effekten, aber nicht übermäßig spannend zur Sache geht.
Es ist halt mal wieder so eine Sache, mit viel Schicksal, vielen Toten und den immer unberechenbaren Göttern, die auf Kosten der Sterblichen ihr eigenes Süppchen kochen. Wem’s gefällt...
„Die letzte Prophezeiung“ ist etwas für jene, die verzweifelte und wagemutige Pläne lieben, denn davon gibt es eine Menge. Und die Bewohner von Zalys haben auch genügend zu tun, um sich gegen die äußere Bedrohung und innere religiöse Eiferer zur Wehr zu setzen.
Dennoch fehlt der ganzen Geschichte die wahre Faszination. Die Spannung hält sich in Grenzen, weil einfach zu klar ist, wie es ausgehen muß; und tauchen überhaupt ein paar Überraschungen auf, dann höchstens ganz am Ende - die vermögen dann aber auch keine große Faszination mehr zu erzeugen. Ich hätte mir ein paar unerwartete Wendungen etwas früher gewünscht, denn zu lange vorher ist schon ganz klar, wohin die Handlung laufen und woran Verkho schließlich scheitern muß.

Fazit:
Alles in allem ein ganz passabler Roman, der aber ohne große Spitzen bleibt.
8 Punkte

Alexander Haas


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