David Kenlock:

„Schatten“

D 1999
(303 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9057, ISBN 3-453-15632-3, DM 14,90)
- erschienen: Juli 1999 -

Im Reich Denan wird dem guten König Asthael ein Sohn und Thronerbe geschenkt, dem er den Namen Larin gibt. Seine Gemahlin überlebt die Geburt indessen nicht. Da alle Geschwister Larins bereits im Säuglingsalter auf mysteriöse Weise ums Leben kamen, beschließt Asthael nun, diesem zuvorzukommen, Er befiehlt also seinem Bruder Canai, den Jungen fortschaffen zu lassen, damit dieser bei Pflegeeltern aufwächst.
Fürst Canai ist jedoch ein ausgewachsener Schurke, der nach dem Königsthron strebt und nun seine Zeit gekommen sieht. Kurzerhand läßt er Asthael dahinmeucheln. Larin wird in einem Wald ausgesetzt.
Dort wird der Säugling schließlich von Gram entdeckt, dem Sohn eines fahrenden Händlers namens Djoran, der sich des Knaben annimmt und ihn unter dem Namen Karem großzieht.
Zehn Jahre sind vergangen, als Djorans Familie die Stadt Melwar erreicht. Dort erfährt der Junge erstmals von den Dimensionstoren, welche seine Welt mit zahlreichen anderen verbinden. Das Wissen um die Erbauer und die Funktionsweise jener Tore ist zwar längst verlorengegangen, jedoch werden sie immer noch rege genutzt, um Handel mit anderen Welten zu treiben.
Doch nicht nur freundliche Wesen finden ihren Weg durch die Dimensionsportale. Nach ihrem Besuch in Melwar begegnet die Familie einem Luftschiff von der Welt Omrak. Karems Pflegeeltern und Geschwister werden brutal dahingemetzelt. Er selbst tritt ein langes Sklavendasein an.
So landet er schließlich auf der Welt Roma Secundus, wo er auf dem Anwesen des Römers Farcellus Freundschaft mit einem jungen Ork schließt - nur um sich etwas später am Anfang einer blutigen Laufbahn als Arenakämpfer wiederzufinden...

Vorliegend haben wir eine hübsche Originalausgabe von einem Autoren, der mir auf Anhieb erstmal gar nix sagt. Der Titel „Schatten“ ist überdies so „aussagekräftig“, daß der wackere Rezensent gar nicht anders kann, als beherzt zuzugreifen.
Nun denn, wie man aus dem obigen Handlungsanriß jedoch bereits ersehen mag, hat David Kenlock mit diesem Roman nicht gerade das Rad neu erfunden. In puncto Originalität vermag das vorliegende Werk jedenfalls noch nicht so recht zu überzeugen. Ihres rechtmäßigen Thrones beraubte Prinzen sind dem geneigten Fantasy-Leser wohl nicht ganz unbekannt, und die zweifelhaften Freuden des Sklaven- und Arenakämpfer-Daseins hat auch schon der gute, alte Conan zu Genüge kennengelernt.
Eine Menge Sachen hat Kenlock in seinen - trotz des düsteren Titels - eigentlich recht quietschebunten Roman hineingepackt, um den Leser bei Laune zu halten: zum Beispiel wackere Orkhorden, die wie üblich mit den Menschen im Clinch liegen; die interessanten Dimensionstore, auf deren Rätsel leider nicht näher eingegangen wird, und viel farbenfrohes Schlachtengetümmel.
Dabei gibt es zwar für den erfahrenen Leser im Verlauf des Buches nur sehr wenige Wendungen, die wirklich zu überraschen vermögen; nichtsdestotrotz ist „Schatten“ ein unterhaltsamer Roman. Kenlock erzählt seine Geschichte in einem knappen, doch genauen Stil, ohne zuviele blumige Worte zu machen, was zur Rasanz seiner Schilderungen beiträgt. Die Charaktere sind gut ausgeformt und vermögen den Leser dazu zu bringen, sich für ihr weiteres Schicksal zu interessieren. Das Hauptgewicht liegt natürlich eindeutig auf der Action, wobei der Autor lediglich gegen Ende, welches nicht völlig zu überzeugen wußte, etwas die Kontrolle verloren zu haben scheint.
Fassen wir also kurz zusammen: Gewisse Grundideen und Handlungsverläufe von „Schatten“ muten nicht gerade originell an. Dennoch hat es Kenlock geschafft, mit diesem Roman ein solides Stück Helden-Fantasy auf die Beine zu stellen. Tiefschürfende Gedanken wird man vergeblich suchen; statt dessen bekommt man ein rasantes Stück Action, welches recht gut zu unterhalten weiß. Wer beispielsweise Conan und vergleichbare Fantasy-Helden mag, kann bei diesem Roman beherzt zugreifen. Insgesamt gibt es dafür von mir eine glatte 3.

Michael Breuer


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