Im Reich
Denan wird dem guten König Asthael ein Sohn und Thronerbe
geschenkt, dem er den Namen Larin gibt. Seine Gemahlin überlebt
die Geburt indessen nicht. Da alle Geschwister Larins bereits im
Säuglingsalter auf mysteriöse Weise ums Leben kamen,
beschließt Asthael nun, diesem zuvorzukommen, Er befiehlt also
seinem Bruder Canai, den Jungen fortschaffen zu lassen, damit dieser
bei Pflegeeltern aufwächst.
Fürst Canai ist jedoch ein ausgewachsener Schurke, der nach dem
Königsthron strebt und nun seine Zeit gekommen sieht. Kurzerhand
läßt er Asthael dahinmeucheln. Larin wird in einem Wald
ausgesetzt.
Dort wird der Säugling schließlich von Gram entdeckt, dem
Sohn eines fahrenden Händlers namens Djoran, der sich des Knaben
annimmt und ihn unter dem Namen Karem großzieht.
Zehn Jahre sind vergangen, als Djorans Familie die Stadt Melwar
erreicht. Dort erfährt der Junge erstmals von den
Dimensionstoren, welche seine Welt mit zahlreichen anderen verbinden.
Das Wissen um die Erbauer und die Funktionsweise jener Tore ist zwar
längst verlorengegangen, jedoch werden sie immer noch rege
genutzt, um Handel mit anderen Welten zu treiben.
Doch nicht nur freundliche Wesen finden ihren Weg durch die
Dimensionsportale. Nach ihrem Besuch in Melwar begegnet die Familie
einem Luftschiff von der Welt Omrak. Karems Pflegeeltern und
Geschwister werden brutal dahingemetzelt. Er selbst tritt ein langes
Sklavendasein an.
So landet er schließlich auf der Welt Roma Secundus, wo er auf
dem Anwesen des Römers Farcellus Freundschaft mit einem jungen
Ork schließt - nur um sich etwas später am Anfang einer
blutigen Laufbahn als Arenakämpfer wiederzufinden...
Vorliegend haben wir eine hübsche Originalausgabe von einem
Autoren, der mir auf Anhieb erstmal gar nix sagt. Der Titel
Schatten ist überdies so
aussagekräftig, daß der wackere Rezensent gar
nicht anders kann, als beherzt zuzugreifen.
Nun denn, wie man aus dem obigen Handlungsanriß jedoch bereits
ersehen mag, hat David Kenlock mit diesem Roman nicht gerade das Rad
neu erfunden. In puncto Originalität vermag das vorliegende Werk
jedenfalls noch nicht so recht zu überzeugen. Ihres
rechtmäßigen Thrones beraubte Prinzen sind dem geneigten
Fantasy-Leser wohl nicht ganz unbekannt, und die zweifelhaften
Freuden des Sklaven- und Arenakämpfer-Daseins hat auch schon der
gute, alte Conan zu Genüge kennengelernt.
Eine Menge Sachen hat Kenlock in seinen - trotz des düsteren
Titels - eigentlich recht quietschebunten Roman hineingepackt, um den
Leser bei Laune zu halten: zum Beispiel wackere Orkhorden, die wie
üblich mit den Menschen im Clinch liegen; die interessanten
Dimensionstore, auf deren Rätsel leider nicht näher
eingegangen wird, und viel farbenfrohes Schlachtengetümmel.
Dabei gibt es zwar für den erfahrenen Leser im Verlauf des
Buches nur sehr wenige Wendungen, die wirklich zu überraschen
vermögen; nichtsdestotrotz ist Schatten ein
unterhaltsamer Roman. Kenlock erzählt seine Geschichte in einem
knappen, doch genauen Stil, ohne zuviele blumige Worte zu machen, was
zur Rasanz seiner Schilderungen beiträgt. Die Charaktere sind
gut ausgeformt und vermögen den Leser dazu zu bringen, sich
für ihr weiteres Schicksal zu interessieren. Das Hauptgewicht
liegt natürlich eindeutig auf der Action, wobei der Autor
lediglich gegen Ende, welches nicht völlig zu überzeugen
wußte, etwas die Kontrolle verloren zu haben scheint.
Fassen wir also kurz zusammen: Gewisse Grundideen und
Handlungsverläufe von Schatten muten nicht gerade
originell an. Dennoch hat es Kenlock geschafft, mit diesem Roman ein
solides Stück Helden-Fantasy auf die Beine zu stellen.
Tiefschürfende Gedanken wird man vergeblich suchen; statt dessen
bekommt man ein rasantes Stück Action, welches recht gut zu
unterhalten weiß. Wer beispielsweise Conan und vergleichbare
Fantasy-Helden mag, kann bei diesem Roman beherzt zugreifen.
Insgesamt gibt es dafür von mir eine glatte 3.