Flash:
Wie bist du ein professioneller Schriftsteller geworden?
John Marco: Ich wollte Autor werden, seit ich ein kleines Kind
war. Ich weiß nicht genau warum, aber ich wollte schon immer
Geschichten schaffen. Vielen Schriftstellern ergeht es so, und viele
sagen dasselbe: daß sie von klein auf schreiben wollten.
Ich habe mit kurzen Geschichten auf der Schreibmaschine meiner
Schwester angefangen. Die waren wirklich grauenvoll, aber sie haben
mir geholfen zu lernen. Als ich dann älter wurde, wollte ich
immer noch schreiben, aber ich nicht so recht geglaubt, daß es
wirklich funktionieren könnte. Ich hörte, daß die
Chancen einer Veröffentlichung eher schlecht ständen, und
so wurde ich statt dessen ein Technikautor. Das ist jemand, der Tips
und Tricks-Bücher, Bedienungsanleitungen etc. schreibt. Ich habe
etwa 10 Jahre damit verbracht, über Software, Flugzeuge und
andere Dinge zu schreiben. Aber immer noch wollte ich ein richtiger
Schriftsteller werden, und schließlich habe ich mich dazu
entschlossen, einer zu sein. Das Ergebnis davon ist das Imperium von
Nar.
Flash: Kannst Du davon leben?
John Marco: Ja, ich bin jetzt ein Vollzeit-Schriftsteller und
verdiene genug Geld, um genau das zu ermöglichen. Außerdem
hat meine Frau auch noch einen normalen Job, und das
hilft auch noch eine ganze Menge. Das mache ich jetzt etwas über
ein Jahr und bin viel glücklicher als zu der Zeit, da ich noch
gearbeitet habe. Es ist, als ob ein Traum wahr geworden
wäre.
Flash: Warum schreibst Du Fantasy und keine SF - oder etwas
ganz anderes?
John Marco: Das ist eine sehr schöne Frage. Es mag mich
vielleicht ein wenig in Schwierigkeiten bringen, aber ich mag die SF
einfach nicht mehr so. Ich las sie, als ich jünger war, aber ich
hab ziemlich schnell gemerkt, daß mich die Fantasy einfach mehr
faszinierte. Ich mag die Abenteuer und die Romantik der Fantasy. Und
ich mag die hier zugrundeliegende Einfachheit. Außerdem
fühle ich mich mit der ganzen Technik einfach nicht mehr so
wohl. Nachdem ich 10 Jahre über Technik geschrieben habe, bin
ich der ganzen Sache etwas müde geworden. Die Fantasy
ermöglicht es mir, in eine etwas einfachere Welt zu
entfliehen.
Was andere Dinge betrifft, so würde ich eines Tages einmal gerne
einen Thriller schreiben. Und der zweite Weltkrieg fasziniert mich
auch sehr, und ich denke manchmal daran, über diese Zeit ein
Buch zu schreiben.
Flash: Ich habe die Erfahrung gemacht, daß manche
SF-Autoren keine allzu gute Meinung über Fantasy-Autoren haben,
weil sie sie nur als Geschichtenerzähler sehen,
während sie sich in der SF in kritischer Weise mit der Zukunft,
der Gesellschaft etc. beschäftigen. Was denkst Du
hierüber?
John Marco: Ich denke, daß Dein Eindruck sehr oft
richtig ist. Es gibt da einen gewissen Snobismus unter SF-Autoren,
die die Fantasy nicht ernst nehmen. Natürlich denken nicht alle
so, aber es gibt einige davon, und das zeigt sich besonders oft in
SF-Magazinen. Ich glaube aber, daß die da falsch liegen.
Für mich ist die Fantasy genauso wichtig und wertvoll wie die
SF, und mindestens genauso unterhaltsam. Und ganz persönlich
lehne ich den Gedanken ab, daß die Fantasy auf irgendeine Weise
der SF untergeordnet ist.
Flash: Siehst Du dich eher als einen Geschichtenerzähler
und/oder versuchst Du Deinen Lesern auch etwas zwischen den Zeilen zu
vermitteln?
John Marco: Ich betrachte mich definitiv als einen
Geschichtenerzähler. Meine größte Hoffnung ist,
daß die Menschen meine Geschichten unterhaltsam finden und, ich
versuche ihnen wirklich nichts beizubringen. Es gibt da Themen in den
Geschichten, die sehr wichtig sind. Aber die sind von der Art,
über die man nichts spezielles mehr sagen muß. In den
ersten beiden Büchern wird Richius geistig sehr stark von den
Geschehnissen des Krieges mitgenommen. Aber niemand muß diese
beiden Bücher lesen, um zu wissen, daß Krieg
zerstörerisch ist - das ist einfach Allgemeinwissen. Es
wäre toll, wenn die Leute, die meine Geschichten lesen, etwas
besonders für sich herausziehen oder danach über bestimmte
Dinge ein wenig anders denken würden, aber hauptsächlich
sind sie dazu gedacht zu unterhalten.
Flash: Was liest Du für dich persönlich?
John Marco: Ich lese eine breite Spanne an Literatur, und das
schon immer. Ich glaube, daß es für einen Autoren wichtig
ist, verschiedene Genres zu lesen, weil das den Geist frisch
hält und hilft in neuen Bahnen zu denken. Natürlich lese
ich gerne Fantasy. Einige meiner Lieblingsautoren sind J.V. Jones,
Guy Gavriel Kay und Clive Barker. Ich lese auch gerne Thriller, weil
sie so schnell und aufregend sind. Aber ich interessiere mich auch
für non-fiction Bücher und besitze eine kleine Sammlung von
Millitär-Literatur.
Flash: Woher bekommst Du Deine Inspiration für Deine
Texte?
John Marco: Viele Ideen für meine Stories kommen aus der
Geschichte. Ich mag alle Aspekte der Geschichte, weil es so viele
großartige Hintergründe gibt. Das Tolle an der Fantasy
ist, daß man etwas interessantes, das man gelernt hat, einfach
in eine völlig neue Welt transferieren kann. Das ist, was ich
mit dem Imperium von Nar versucht habe, indem ich es ganz entfernt an
das Römische Imperium angelehnt habe.
Flash: Kennst Du oder spielst Du Fantasy-Rollenspiele?
John Marco: Als ich jünger, war habe ich viel Dungeons
und Dragons gespielt. Das war lustig! Für gewöhnlich habe
ich meine eigenen Charaktertypen kreiert, und ich habe sie immer
chaotisch gemacht, damit ich mit ihnen machen konnte, was
ich wollte. Ich war schon immer begeisterter von den Schurken, die
ich gespielt habe, als von gesetzestreuen Charakteren.
Ich hab die Bücher hier immer noch liegen, aber schon seit
Jahren nicht mehr gespielt. Ich denke, eines Tages kehre ich dahin
trotzdem noch mal zurück. Ich glaube, mir würde es immer
noch Spaß machen.
Flash: Magst Du und spielst Du andere Spiele (Karten oder
Brettspiele ...)? Kennst Du vielleicht Die Siedler von
Catan (was eines der populärsten Spiele in Deutschland
ist)?
John Marco: Unglücklicherweise habe ich nicht mehr viel
Zeit für Spiele und das ist schon eine richtige Schande, weil
sie so viel Spaß machen. Es ist eine großartige Art zu
entspannen und die Vorstellungskraft zu trainieren. Während ich
aufwuchs, spielten wir in meiner Familie oft alle möglichen
Arten von Brettspielen. Heutzutage spielen meine Frau und ich
gelegentlich Monopoly, und das wars dann auch.
Nein, ich habe noch nie von Siedler von Catan
gehört, deswegen weiß ich auch nicht, ob es in den USA
erhältlich ist. Wenn dem so ist, frage ich vielleicht einmal in
meinem örtlichen Spieleladen. Wie gesagt, vielleicht komme ich
mal zum Spielen zurück. Es ist immer noch sehr beliebt hier in
den USA.
Flash: Jetzt eine Frage, die ich die Tolkien-Frage
nenne. Tolkien hat die Fantasy wie kein anderer beeinflußt.
Manchmal habe ich den Eindruck, daß es Autoren gibt, die sich
selbst in der Tradition von Tolkien sehen und auch versuchen, in
dieser Art zu schreiben. Andere aber versuchen, sich genau von dieser
Tolkien-Schule abzusetzen. Würdest Du mir zustimmen
und/oder siehst Du dich selbst in diesem Schema?
John Marco: In Bezug auf Tolkiens Einfluß stimme ich Dir
voll zu. Es hat nie einen anderen Autoren gegeben, der einen solchen
Einfluß auf das Genre hatte. Ich selbst bin ein großer
Bewunderer Tolkiens. Ich glaube, daß sein Stil einfach
wundervoll und nicht einfach zu kopieren ist.
Ich glaube schon, daß Tolkien die Stories, die ich schreibe,
beeinflußt, aber nicht in der Art, wie ich sie schreibe. Das
heißt, Tolkien zu lesen hat mich dazu gebracht, epische Fantasy
zu schreiben. Ich will verschiedene Länder, Rassen und
große Schlachten haben, wie in Tolkiens Büchern. Aber ich
bin nie hingegangen und habe seinen Stil kopiert. Ich bin noch nicht
einmal sicher, ob das möglich ist, weil seine Art zu schreiben
so speziell war. In vielen Ebenen ist sein Stil altmodisch, und
während ich genau das bewundere, ist es etwas das ich nicht
kopieren könnte. Ich glaube, daß jeder Schriftsteller
versucht, seine eigene Stimme zu finden, völlig egal, wer das
Werk beeinflußt hat.
Flash: Der Name Tolkiens wird oft benutzt, um neue Bücher
und Autoren zu promoten. Ist das überhaupt fair? Nimmt es nicht
genau diesen Autoren die Chance, sich auf eigene Beine zu stellen und
ihren eigenen Stil zu entwickeln?
John Marco: Du hast recht - man sieht Tolkiens Namen
überall auf Büchern, speziell wenn es darum geht, neue
Autoren einzuführen. Ich weiß nicht, ob das fair ist oder
nicht, aber es ist doch ein wenig lächerlich, und manchmal wirkt
es eher wie ein Witz. Es scheint, daß jeder, der epische
Fantasy schreibt, mit Tolkien verglichen wird, und vielleicht wird
dadurch die Sache auch ein wenig herabgewürdigt. Ich
persönlich würde mich mit einem Tolkien-Vergleich sehr
unwohl fühlen. Er war der Meister, alles in allem, und es ist
nahezu unmöglich, diesem Vergleich gerecht zu werden.
Jeder Autor braucht seinen eigenen Stil und Ausdruck. Vergleiche mit
anderen Autoren können diesem eigenen Stil sehr schaden. Ich
weiß zum Beispiel, daß mich manche mit Raymond Feist
vergleichen. Das ist ein Weg, seine Fans auf mich aufmerksam zu
machen, aber wo es Ähnlichkeiten gibt, da gibt es auch
Unterschiede, und Leser von Feist könnten dadurch auch
enttäuscht werden, weil es einfach nicht dasselbe ist. Ich bin
nicht irgendwo in der Nähe von Tolkien oder Feist. Ich bin
einfach nur der erste John Marco.
Flash: Hast Du Pläne für eine Tour in Deutschland
oder Europa?
John Marco: Ich bekomme viele E-Mails von Europäern, die
mich das fragen, was sehr schmeichelhaft ist. Unglücklicherweise
muß ich ihnen immer dasselbe sagen: Es gibt keine aktuellen
Pläne für eine Promotions-Tour in Übersee.
Tatsächlich toure ich noch nicht einmal durch Amerika! Ich
schätze, daß alle Verleger sehr vorsichtig sind und erst
einmal sehen wollen, wie sich meine Bücher verkaufen, bevor sie
Geld in eine Tour investieren, was ich für sehr
verständlich halte. Aber ich würde sehr gerne eines Tages
Deutschland besuchen, weil es ein Land mit einer so vielfältigen
Geschichte ist. Hoffentlich werde ich es eines Tages dorthin
schaffen.
Flash: Weißt Du, wie sich Deine Bücher in Europa
verkaufen (besonders in Deutschland)?
John Marco: Unglücklicherweise habe ich überhaupt
keine Ahnung davon wie die Bücher in Übersee laufen. Mit
den meisten meiner Verleger stehe ich in keinem besonders engen
Kontakt, außer mit den Leuten von Droemer, die ganz
phantastisch sind. Mir ist gesagt worden, daß es Monate dauert,
bis man einigermaßen weiß, wie sich ein Buch verkauft,
und meine Bücher sind einfach noch nicht lange genug auf dem
Markt. Auf der anderen Seite habe ich einige E-Mails von Lesern aus
Deutschland, England und Holland bekommen, daher weiß ich,
daß überhaupt jemand meine Sachen liest. Und dafür
bin ich sehr dankbar. Es ist sehr aufregend zu wissen, daß
meine Bücher außerhalb der USA veröffentlicht werden,
besonders wenn sie in andere Sprachen übersetzt werden.
(Jetzt einige Fragen zu Nar:)
Flash: Dein zweites Buch, das in Deutschland herausgekommen
ist, trägt den Originaltitel Tyrants and Kings, The Jakal
of Nar Part 2". Wurden sie als ein Buch geschrieben und in
Deutschland als zwei veröffentlicht (das wird hier zur Zeit sehr
gerne gemacht), oder wurden sie als zwei Bände geschrieben?
John Marco: Ja, sie waren ursprünglich ein Buch mit dem
Titel The Jakal of Nar. Hier in den USA und in England
sind beide Bücher als ein großes veröffentlicht
worden. In Deutschland und den Niederlanden jedoch wurden sie in zwei
Teile aufgesplittet. Es wurde mir erklärt, daß die
Gründe dafür in der Übersetzung liegen würden.
(* Also für mich klingt das eher fadenscheinig - AH) Ein
richtig großes hätte einfach zu lange gedauert. Aber beide
- mein deutscher und niederländischer Verleger - haben ein
wirklichen guten Job bei der Teilung gemacht (* Hier hat er
allerdings recht - AH) und den zweiten Teil so schnell
rausgebracht, daß die Leute nicht zu lange warten mußten,
um zu erfahren, wie es weitergeht.
Flash: Wie lang wird das Imperium von Nar
werden?
John Marco: Im Augenblick gibt es drei dicke Bücher, die
alle aufgeteilt werden. Das heißt, daß die deutschen
Leser im ganzen sechs Bände bekommen werden. Was danach
passiert, weiß ich noch nicht genau. Ich würde die
Geschichte gerne fortführen, und ich werde ganz bestimmt noch
mehr über die Welt von Nar schreiben, aber ich bin mir nicht
sicher, wann das passieren wird.
Flash: Wann wird das ganze fertig sein?
John Marco: Das zweite Buch (bzw. das dritte und vierte in
Deutschland) ist schon fertig. Teil drei wird für Euch Die
Armee der Raben heißen und im November erscheinen. Teil 4
heißt Das Banner der Rache und wird im April
herauskommen. Ich bin mit den Büchern sehr zufrieden und hoffe,
daß die Leser sie ebenfalls mögen werden.
Der dritte große Teil ist ebenfalls schon für die deutsche
Veröffentlichung gekauft worden, und ich werde ihn wohl in
nächster Zeit abliefern. Er hat noch keinen deutschen Titel, und
es gibt auch noch kein Datum für die Herausgabe.
Flash: Der englische Titel für das Imperium von
Nar lautet Tyrants and Kings. Beim Lesen gewann ich
den Eindruck, daß es hier keine klare Linie zwischen einem
Tyrannen und einem König gibt. Zum Beispiel: Tharn. Ich
weiß nicht, ob er mehr Tyrann oder König ist (obwohl er
diesen Titel ja eigentlich gar nicht trägt). Wo liegen für
Dich die Unterschiede zwischen einem König und einem
Tyrannen?
John Marco: Das ist eine klasse Frage und ich freue mich sehr,
daß Du sie stellst, weil ich mich sehr bemüht habe, die
Grenzen zwischen dem, was ein König und was ein Tyrann ist, zu
verwischen. Tatsächlich repräsentiert der Titel
Tyrants and Kings mehr ein Konzept und die Idee,
daß Gut und Böse in jedem gefunden werden können.
Also bin ich froh, daß Du diese Konfusion gefunden
hast, denn sie war beabsichtigt.
Für mich ist der Unterschied zwischen einen König und einem
Tyrannen nicht wirklich deutlich. In Büchern und Filmen sind die
Tyrannen immer die Bösen und die Könige meist die Helden,
aber durch die reale Geschichte hindurch war der Unterschied nicht
immer so klar. Viele Helden wie Alexander der Große
waren unglaublich rücksichtslos. Auf der anderen Seite gab es
Tyrannen, wie z.B. die römischen Imperatoren, die vieles
erreicht haben. Meine Idealvorstellung von einem großen
König ist jemand, der das beste von beidem in sich vereinbart.
Ein großer König (oder Königin) sollte stark sein,
manchmal, jedoch auch unbarmherzig aber auch geduldig und
visionär. Und immer sollte er oder sie an das Beste für das
Land denken. In meiner Geschichte ist Tharn so. Er ist gnadenlos und
macht einige schreckliche Dinge, aber er denkt immer zuerst an sein
Volk.
Flash: Ich habe so den Eindruck, daß es keine richtige
Trennung von Gut und Böse in Deiner Geschichte gibt. Wieder ist
Tharn hier mein bestes Beispiel, aber auch der böse
Kaiser Arkus hat einige positive Elemente. Das macht diese Welt sehr
chaotisch und kreiert eine tragische Atmosphäre und Charaktere.
Es scheint fast, daß es in dieser Welt nicht viel Hoffnung
gibt.
John Marco: Um ehrlich zu sein, habe ich es von dieser Seite
aus noch gar nicht betrachtet. Eine Welt ohne Hoffnung wäre in
der Tat ein sehr trübseliger Ort, und das ist nun gar nicht das,
was ich erschaffen wollte. Aber jetzt, wo Du es erwähnst, halte
ich es sogar eher für sehr hoffnungsvoll denn hoffnungslos. Wie
Du sagst, sogar Arkus, der eigentlich ein sehr böser Mensch ist,
hat ein paar gute Qualitäten. Für mich ist das eine Art der
Erlösung. Ich mag die Idee, daß, so böse ein Mensch
auch agiert, es doch irgendwo etwas Gutes in ihm gibt. Und wie auch
Tharn, so hat Arkus einen Grund für das, was er tut. Er ist
manchmal sehr grausam, aber er hat ein großes Imperium zu
führen, und er will es ständig weiterentwickeln, um daraus
einen besseren Ort zu machen.
Aber das Fehlen von Gut oder Böse passiert mir oft ganz
natürlich, vermutlich weil ich nicht daran glaube, daß es
das absolut Gute oder Böse gibt. Richius, der Held des Buches,
ist eindeutig ein Guter, aber er ist weit entfernt von jeder
Perfektion. Er macht Fehler, und Menschen leiden unter seinen
falschen Entscheidungen. Ich mag das. Ich mag es zu wissen, daß
Menschen eher von Glaubenseinstellungen und Wünschen motiviert
werden, denn von dem simplen Klischee von Gut oder Böse.
Flash: Um die Linie der vorhergehenden Frage
weiterzuverfolgen: Kannst Du dich mit etwas identifizieren, das ich
Dark Fantasy nennen möchte?
John Marco: Hm, die Bücher haben sicherlich einen dunklen
Unterton. Es gibt zerstörerische Magie und einen blutigen Krieg.
In diesem Sinne ist es Dark Fantasy, denke ich. Auf der anderen Seite
gibt es keine Dämonen, alte böse Artefakte oder sonst
irgend etwas, daß man in der Dark Fantasy erwarten würde.
Also ist es vielleicht doch keine? Es ist für mich immer sehr
schwer, meine Geschichten einzuordnen, weil sie nirgendwo richtig zu
passen scheinen. Ich leihe mir Elemente von vielen verschiedenen
Orten und mache die Geschichten so eklektisch. Ein paar nennen sie
Epische Fantasy, andere nennen es Millitary Fantasy, ich aber
machs mir sehr einfach. Für mich sind sie einfach
Fantasy.
Flash: Wieviel ist von dir in der Welt von Nar oder ihren
Charakteren?
John Marco: Oh, es ist sehr viel von mir in all den
Büchern, denke ich. Ich erinnere mich, daß ich einmal
gehört habe, daß alles Literarische zumindest zum Teil
autobiographisch ist. Ich glaube das. Offensichtlich kommt alles, was
in dem Buch passiert, aus mir heraus, und alle Charaktere sind
irgendwie ein Teil von mir, vermischt mit allen den Elementen von
anderen Menschen, die ich getroffen oder von denen ich gehört
habe. Richius zum Beispiel ist der Gute, der wir immer sein wollen,
aber er muß um sich und seine Existenz kämpfen - so wie
wir alle. Und Tharn ist die mächtige Persönlichkeit, die
manche in ihren Träumen sein wollen, wie ein kleines Kind, das
davon träumt, magische Kräfte zu haben. Sogar Arkus ist ein
Teil von mir, da er so reich und mächtig ist, und ich habe mich
schon oft gefragt, wie da denn wohl wäre, so zu sein.
Was Nar betrifft, muß ich mich gar nicht so sehr anstrengen.
Wenn man sich diese Welt einmal etwas genauer ansieht, ist sie gar
nicht so unterschiedlich von der unseren. Nar ist eine Supermacht,
die kleinere und schwächere Länder dominiert, während
Lucel-Lor ein exotisches Land ist, das die meisten Menschen gar nicht
verstehen. Es gibt verschiedene Rassen und Kulturen, die auch
manchmal aneinander geraten. Es gibt auch hier Technologie, die allzu
oft für zerstörerische Zwecke mißbraucht wird. Alles,
was ich tun mußte, war, mich in unserer eigenen Welt umzusehen
und ein paar Dinge zu verändern.
Flash: Was ist dein Lieblingscharakter und warum?
John Marco: Dies mag vielleicht einige Leute überraschen,
aber meine Lieblinge sind nie die Guten gewesen. Seit ich ein kleiner
Junge war, habe ich immer die Bösewichter geliebt. Man kann mit
ihnen einfach so viel mehr machen, weil sie sich nie anzupassen
brauchen. Und obwohl ich Richius wirklich mag, meine liebsten
Charaktere sind doch die Bösen. Ich liebe Tharn und Arkus, aber
mein absoluter Favorit ist Lord Biagio. Er ist schlau, gutaussehend
und unglaublich reich, und es hat mir eine immense Freude gemacht,
über ihn zu schreiben. Er war für mich einfach lebendiger
als alle anderen Charaktere in der Geschichte. Deshalb wird er auch
eine wichtige Rolle in den kommenden Büchern spielen.
Flash: Vielen Dank für das Interview.
Das Interview führte
Rezensionen zu Romanen von John Marco im Flash:
"Die Jäger
des Tharn" (Das Imperium von Nar 1 - Flash 54)
"Die Paladine des
Dunkels" (Das Imperium von Nar 2 - Flash 63)