"Meine Lieblinge sind nie die Guten gewesen."

Ein Interview mit John Marco von Alexander Haas

Flash: Wie bist du ein professioneller Schriftsteller geworden?

John Marco: Ich wollte Autor werden, seit ich ein kleines Kind war. Ich weiß nicht genau warum, aber ich wollte schon immer Geschichten schaffen. Vielen Schriftstellern ergeht es so, und viele sagen dasselbe: daß sie von klein auf schreiben wollten.
Ich habe mit kurzen Geschichten auf der Schreibmaschine meiner Schwester angefangen. Die waren wirklich grauenvoll, aber sie haben mir geholfen zu lernen. Als ich dann älter wurde, wollte ich immer noch schreiben, aber ich nicht so recht geglaubt, daß es wirklich funktionieren könnte. Ich hörte, daß die Chancen einer Veröffentlichung eher schlecht ständen, und so wurde ich statt dessen ein Technikautor. Das ist jemand, der Tips und Tricks-Bücher, Bedienungsanleitungen etc. schreibt. Ich habe etwa 10 Jahre damit verbracht, über Software, Flugzeuge und andere Dinge zu schreiben. Aber immer noch wollte ich ein richtiger Schriftsteller werden, und schließlich habe ich mich dazu entschlossen, einer zu sein. Das Ergebnis davon ist das Imperium von Nar.

Flash: Kannst Du davon leben?

John Marco: Ja, ich bin jetzt ein Vollzeit-Schriftsteller und verdiene genug Geld, um genau das zu ermöglichen. Außerdem hat meine Frau auch noch einen „normalen“ Job, und das hilft auch noch eine ganze Menge. Das mache ich jetzt etwas über ein Jahr und bin viel glücklicher als zu der Zeit, da ich noch gearbeitet habe. Es ist, als ob ein Traum wahr geworden wäre.

Flash: Warum schreibst Du Fantasy und keine SF - oder etwas ganz anderes?

John Marco: Das ist eine sehr schöne Frage. Es mag mich vielleicht ein wenig in Schwierigkeiten bringen, aber ich mag die SF einfach nicht mehr so. Ich las sie, als ich jünger war, aber ich hab ziemlich schnell gemerkt, daß mich die Fantasy einfach mehr faszinierte. Ich mag die Abenteuer und die Romantik der Fantasy. Und ich mag die hier zugrundeliegende Einfachheit. Außerdem fühle ich mich mit der ganzen Technik einfach nicht mehr so wohl. Nachdem ich 10 Jahre über Technik geschrieben habe, bin ich der ganzen Sache etwas müde geworden. Die Fantasy ermöglicht es mir, in eine etwas einfachere Welt zu entfliehen.
Was andere Dinge betrifft, so würde ich eines Tages einmal gerne einen Thriller schreiben. Und der zweite Weltkrieg fasziniert mich auch sehr, und ich denke manchmal daran, über diese Zeit ein Buch zu schreiben.

Flash: Ich habe die Erfahrung gemacht, daß manche SF-Autoren keine allzu gute Meinung über Fantasy-Autoren haben, weil sie sie „nur“ als Geschichtenerzähler sehen, während sie sich in der SF in kritischer Weise mit der Zukunft, der Gesellschaft etc. beschäftigen. Was denkst Du hierüber?

John Marco: Ich denke, daß Dein Eindruck sehr oft richtig ist. Es gibt da einen gewissen Snobismus unter SF-Autoren, die die Fantasy nicht ernst nehmen. Natürlich denken nicht alle so, aber es gibt einige davon, und das zeigt sich besonders oft in SF-Magazinen. Ich glaube aber, daß die da falsch liegen. Für mich ist die Fantasy genauso wichtig und wertvoll wie die SF, und mindestens genauso unterhaltsam. Und ganz persönlich lehne ich den Gedanken ab, daß die Fantasy auf irgendeine Weise der SF untergeordnet ist.

Flash: Siehst Du dich eher als einen Geschichtenerzähler und/oder versuchst Du Deinen Lesern auch etwas zwischen den Zeilen zu vermitteln?

John Marco: Ich betrachte mich definitiv als einen Geschichtenerzähler. Meine größte Hoffnung ist, daß die Menschen meine Geschichten unterhaltsam finden und, ich versuche ihnen wirklich nichts beizubringen. Es gibt da Themen in den Geschichten, die sehr wichtig sind. Aber die sind von der Art, über die man nichts spezielles mehr sagen muß. In den ersten beiden Büchern wird Richius geistig sehr stark von den Geschehnissen des Krieges mitgenommen. Aber niemand muß diese beiden Bücher lesen, um zu wissen, daß Krieg zerstörerisch ist - das ist einfach Allgemeinwissen. Es wäre toll, wenn die Leute, die meine Geschichten lesen, etwas besonders für sich herausziehen oder danach über bestimmte Dinge ein wenig anders denken würden, aber hauptsächlich sind sie dazu gedacht zu unterhalten.

Flash: Was liest Du für dich persönlich?

John Marco: Ich lese eine breite Spanne an Literatur, und das schon immer. Ich glaube, daß es für einen Autoren wichtig ist, verschiedene Genres zu lesen, weil das den Geist frisch hält und hilft in neuen Bahnen zu denken. Natürlich lese ich gerne Fantasy. Einige meiner Lieblingsautoren sind J.V. Jones, Guy Gavriel Kay und Clive Barker. Ich lese auch gerne Thriller, weil sie so schnell und aufregend sind. Aber ich interessiere mich auch für non-fiction Bücher und besitze eine kleine Sammlung von Millitär-Literatur.

Flash: Woher bekommst Du Deine Inspiration für Deine Texte?

John Marco: Viele Ideen für meine Stories kommen aus der Geschichte. Ich mag alle Aspekte der Geschichte, weil es so viele großartige Hintergründe gibt. Das Tolle an der Fantasy ist, daß man etwas interessantes, das man gelernt hat, einfach in eine völlig neue Welt transferieren kann. Das ist, was ich mit dem Imperium von Nar versucht habe, indem ich es ganz entfernt an das Römische Imperium angelehnt habe.

Flash: Kennst Du oder spielst Du Fantasy-Rollenspiele?

John Marco: Als ich jünger, war habe ich viel Dungeons und Dragons gespielt. Das war lustig! Für gewöhnlich habe ich meine eigenen Charaktertypen kreiert, und ich habe sie immer „chaotisch“ gemacht, damit ich mit ihnen machen konnte, was ich wollte. Ich war schon immer begeisterter von den Schurken, die ich gespielt habe, als von „gesetzestreuen“ Charakteren. Ich hab die Bücher hier immer noch liegen, aber schon seit Jahren nicht mehr gespielt. Ich denke, eines Tages kehre ich dahin trotzdem noch mal zurück. Ich glaube, mir würde es immer noch Spaß machen.

Flash: Magst Du und spielst Du andere Spiele (Karten oder Brettspiele ...)? Kennst Du vielleicht „Die Siedler von Catan“ (was eines der populärsten Spiele in Deutschland ist)?

John Marco: Unglücklicherweise habe ich nicht mehr viel Zeit für Spiele und das ist schon eine richtige Schande, weil sie so viel Spaß machen. Es ist eine großartige Art zu entspannen und die Vorstellungskraft zu trainieren. Während ich aufwuchs, spielten wir in meiner Familie oft alle möglichen Arten von Brettspielen. Heutzutage spielen meine Frau und ich gelegentlich Monopoly, und das war’s dann auch.
Nein, ich habe noch nie von „Siedler von Catan“ gehört, deswegen weiß ich auch nicht, ob es in den USA erhältlich ist. Wenn dem so ist, frage ich vielleicht einmal in meinem örtlichen Spieleladen. Wie gesagt, vielleicht komme ich mal zum Spielen zurück. Es ist immer noch sehr beliebt hier in den USA.

Flash: Jetzt eine Frage, die ich die „Tolkien“-Frage nenne. Tolkien hat die Fantasy wie kein anderer beeinflußt. Manchmal habe ich den Eindruck, daß es Autoren gibt, die sich selbst in der Tradition von Tolkien sehen und auch versuchen, in dieser Art zu schreiben. Andere aber versuchen, sich genau von dieser „Tolkien-Schule“ abzusetzen. Würdest Du mir zustimmen und/oder siehst Du dich selbst in diesem Schema?

John Marco: In Bezug auf Tolkiens Einfluß stimme ich Dir voll zu. Es hat nie einen anderen Autoren gegeben, der einen solchen Einfluß auf das Genre hatte. Ich selbst bin ein großer Bewunderer Tolkiens. Ich glaube, daß sein Stil einfach wundervoll und nicht einfach zu kopieren ist.
Ich glaube schon, daß Tolkien die Stories, die ich schreibe, beeinflußt, aber nicht in der Art, wie ich sie schreibe. Das heißt, Tolkien zu lesen hat mich dazu gebracht, epische Fantasy zu schreiben. Ich will verschiedene Länder, Rassen und große Schlachten haben, wie in Tolkiens Büchern. Aber ich bin nie hingegangen und habe seinen Stil kopiert. Ich bin noch nicht einmal sicher, ob das möglich ist, weil seine Art zu schreiben so speziell war. In vielen Ebenen ist sein Stil altmodisch, und während ich genau das bewundere, ist es etwas das ich nicht kopieren könnte. Ich glaube, daß jeder Schriftsteller versucht, seine eigene Stimme zu finden, völlig egal, wer das Werk beeinflußt hat.

Flash: Der Name Tolkiens wird oft benutzt, um neue Bücher und Autoren zu promoten. Ist das überhaupt fair? Nimmt es nicht genau diesen Autoren die Chance, sich auf eigene Beine zu stellen und ihren eigenen Stil zu entwickeln?

John Marco: Du hast recht - man sieht Tolkiens Namen überall auf Büchern, speziell wenn es darum geht, neue Autoren einzuführen. Ich weiß nicht, ob das fair ist oder nicht, aber es ist doch ein wenig lächerlich, und manchmal wirkt es eher wie ein Witz. Es scheint, daß jeder, der epische Fantasy schreibt, mit Tolkien verglichen wird, und vielleicht wird dadurch die Sache auch ein wenig herabgewürdigt. Ich persönlich würde mich mit einem Tolkien-Vergleich sehr unwohl fühlen. Er war der Meister, alles in allem, und es ist nahezu unmöglich, diesem Vergleich gerecht zu werden.
Jeder Autor braucht seinen eigenen Stil und Ausdruck. Vergleiche mit anderen Autoren können diesem eigenen Stil sehr schaden. Ich weiß zum Beispiel, daß mich manche mit Raymond Feist vergleichen. Das ist ein Weg, seine Fans auf mich aufmerksam zu machen, aber wo es Ähnlichkeiten gibt, da gibt es auch Unterschiede, und Leser von Feist könnten dadurch auch enttäuscht werden, weil es einfach nicht dasselbe ist. Ich bin nicht irgendwo in der Nähe von Tolkien oder Feist. Ich bin einfach nur der erste John Marco.

Flash: Hast Du Pläne für eine Tour in Deutschland oder Europa?

John Marco: Ich bekomme viele E-Mails von Europäern, die mich das fragen, was sehr schmeichelhaft ist. Unglücklicherweise muß ich ihnen immer dasselbe sagen: Es gibt keine aktuellen Pläne für eine Promotions-Tour in Übersee. Tatsächlich toure ich noch nicht einmal durch Amerika! Ich schätze, daß alle Verleger sehr vorsichtig sind und erst einmal sehen wollen, wie sich meine Bücher verkaufen, bevor sie Geld in eine Tour investieren, was ich für sehr verständlich halte. Aber ich würde sehr gerne eines Tages Deutschland besuchen, weil es ein Land mit einer so vielfältigen Geschichte ist. Hoffentlich werde ich es eines Tages dorthin schaffen.

Flash: Weißt Du, wie sich Deine Bücher in Europa verkaufen (besonders in Deutschland)?

John Marco: Unglücklicherweise habe ich überhaupt keine Ahnung davon wie die Bücher in Übersee laufen. Mit den meisten meiner Verleger stehe ich in keinem besonders engen Kontakt, außer mit den Leuten von Droemer, die ganz phantastisch sind. Mir ist gesagt worden, daß es Monate dauert, bis man einigermaßen weiß, wie sich ein Buch verkauft, und meine Bücher sind einfach noch nicht lange genug auf dem Markt. Auf der anderen Seite habe ich einige E-Mails von Lesern aus Deutschland, England und Holland bekommen, daher weiß ich, daß überhaupt jemand meine Sachen liest. Und dafür bin ich sehr dankbar. Es ist sehr aufregend zu wissen, daß meine Bücher außerhalb der USA veröffentlicht werden, besonders wenn sie in andere Sprachen übersetzt werden.

(Jetzt einige Fragen zu Nar:)

Flash: Dein zweites Buch, das in Deutschland herausgekommen ist, trägt den Originaltitel „Tyrants and Kings, The Jakal of Nar Part 2". Wurden sie als ein Buch geschrieben und in Deutschland als zwei veröffentlicht (das wird hier zur Zeit sehr gerne gemacht), oder wurden sie als zwei Bände geschrieben?

John Marco: Ja, sie waren ursprünglich ein Buch mit dem Titel „The Jakal of Nar“. Hier in den USA und in England sind beide Bücher als ein großes veröffentlicht worden. In Deutschland und den Niederlanden jedoch wurden sie in zwei Teile aufgesplittet. Es wurde mir erklärt, daß die Gründe dafür in der Übersetzung liegen würden. (* Also für mich klingt das eher fadenscheinig - AH) Ein richtig großes hätte einfach zu lange gedauert. Aber beide - mein deutscher und niederländischer Verleger - haben ein wirklichen guten Job bei der Teilung gemacht (* Hier hat er allerdings recht - AH) und den zweiten Teil so schnell rausgebracht, daß die Leute nicht zu lange warten mußten, um zu erfahren, wie es weitergeht.

Flash: Wie lang wird das „Imperium von Nar“ werden?

John Marco: Im Augenblick gibt es drei dicke Bücher, die alle aufgeteilt werden. Das heißt, daß die deutschen Leser im ganzen sechs Bände bekommen werden. Was danach passiert, weiß ich noch nicht genau. Ich würde die Geschichte gerne fortführen, und ich werde ganz bestimmt noch mehr über die Welt von Nar schreiben, aber ich bin mir nicht sicher, wann das passieren wird.

Flash: Wann wird das ganze fertig sein?

John Marco: Das zweite Buch (bzw. das dritte und vierte in Deutschland) ist schon fertig. Teil drei wird für Euch „Die Armee der Raben“ heißen und im November erscheinen. Teil 4 heißt „Das Banner der Rache“ und wird im April herauskommen. Ich bin mit den Büchern sehr zufrieden und hoffe, daß die Leser sie ebenfalls mögen werden.
Der dritte große Teil ist ebenfalls schon für die deutsche Veröffentlichung gekauft worden, und ich werde ihn wohl in nächster Zeit abliefern. Er hat noch keinen deutschen Titel, und es gibt auch noch kein Datum für die Herausgabe.

Flash: Der englische Titel für das „Imperium von Nar“ lautet „Tyrants and Kings“. Beim Lesen gewann ich den Eindruck, daß es hier keine klare Linie zwischen einem Tyrannen und einem König gibt. Zum Beispiel: Tharn. Ich weiß nicht, ob er mehr Tyrann oder König ist (obwohl er diesen Titel ja eigentlich gar nicht trägt). Wo liegen für Dich die Unterschiede zwischen einem König und einem Tyrannen?

John Marco: Das ist eine klasse Frage und ich freue mich sehr, daß Du sie stellst, weil ich mich sehr bemüht habe, die Grenzen zwischen dem, was ein König und was ein Tyrann ist, zu verwischen. Tatsächlich repräsentiert der Titel „Tyrants and Kings“ mehr ein Konzept und die Idee, daß Gut und Böse in jedem gefunden werden können. Also bin ich froh, daß Du diese „Konfusion“ gefunden hast, denn sie war beabsichtigt.
Für mich ist der Unterschied zwischen einen König und einem Tyrannen nicht wirklich deutlich. In Büchern und Filmen sind die Tyrannen immer die Bösen und die Könige meist die Helden, aber durch die reale Geschichte hindurch war der Unterschied nicht immer so klar. Viele „Helden“ wie Alexander der Große waren unglaublich rücksichtslos. Auf der anderen Seite gab es Tyrannen, wie z.B. die römischen Imperatoren, die vieles erreicht haben. Meine Idealvorstellung von einem großen König ist jemand, der das beste von beidem in sich vereinbart. Ein großer König (oder Königin) sollte stark sein, manchmal, jedoch auch unbarmherzig aber auch geduldig und visionär. Und immer sollte er oder sie an das Beste für das Land denken. In meiner Geschichte ist Tharn so. Er ist gnadenlos und macht einige schreckliche Dinge, aber er denkt immer zuerst an sein Volk.

Flash: Ich habe so den Eindruck, daß es keine richtige Trennung von Gut und Böse in Deiner Geschichte gibt. Wieder ist Tharn hier mein bestes Beispiel, aber auch der „böse“ Kaiser Arkus hat einige positive Elemente. Das macht diese Welt sehr chaotisch und kreiert eine tragische Atmosphäre und Charaktere. Es scheint fast, daß es in dieser Welt nicht viel Hoffnung gibt.

John Marco: Um ehrlich zu sein, habe ich es von dieser Seite aus noch gar nicht betrachtet. Eine Welt ohne Hoffnung wäre in der Tat ein sehr trübseliger Ort, und das ist nun gar nicht das, was ich erschaffen wollte. Aber jetzt, wo Du es erwähnst, halte ich es sogar eher für sehr hoffnungsvoll denn hoffnungslos. Wie Du sagst, sogar Arkus, der eigentlich ein sehr böser Mensch ist, hat ein paar gute Qualitäten. Für mich ist das eine Art der Erlösung. Ich mag die Idee, daß, so böse ein Mensch auch agiert, es doch irgendwo etwas Gutes in ihm gibt. Und wie auch Tharn, so hat Arkus einen Grund für das, was er tut. Er ist manchmal sehr grausam, aber er hat ein großes Imperium zu führen, und er will es ständig weiterentwickeln, um daraus einen besseren Ort zu machen.
Aber das Fehlen von Gut oder Böse passiert mir oft ganz natürlich, vermutlich weil ich nicht daran glaube, daß es das absolut Gute oder Böse gibt. Richius, der Held des Buches, ist eindeutig ein Guter, aber er ist weit entfernt von jeder Perfektion. Er macht Fehler, und Menschen leiden unter seinen falschen Entscheidungen. Ich mag das. Ich mag es zu wissen, daß Menschen eher von Glaubenseinstellungen und Wünschen motiviert werden, denn von dem simplen Klischee von Gut oder Böse.

Flash: Um die Linie der vorhergehenden Frage weiterzuverfolgen: Kannst Du dich mit etwas identifizieren, das ich „Dark Fantasy“ nennen möchte?

John Marco: Hm, die Bücher haben sicherlich einen dunklen Unterton. Es gibt zerstörerische Magie und einen blutigen Krieg. In diesem Sinne ist es Dark Fantasy, denke ich. Auf der anderen Seite gibt es keine Dämonen, alte böse Artefakte oder sonst irgend etwas, daß man in der Dark Fantasy erwarten würde. Also ist es vielleicht doch keine? Es ist für mich immer sehr schwer, meine Geschichten einzuordnen, weil sie nirgendwo richtig zu passen scheinen. Ich leihe mir Elemente von vielen verschiedenen Orten und mache die Geschichten so eklektisch. Ein paar nennen sie Epische Fantasy, andere nennen es Millitary Fantasy, ich aber mach’s mir sehr einfach. Für mich sind sie einfach Fantasy.

Flash: Wieviel ist von dir in der Welt von Nar oder ihren Charakteren?

John Marco: Oh, es ist sehr viel von mir in all den Büchern, denke ich. Ich erinnere mich, daß ich einmal gehört habe, daß alles Literarische zumindest zum Teil autobiographisch ist. Ich glaube das. Offensichtlich kommt alles, was in dem Buch passiert, aus mir heraus, und alle Charaktere sind irgendwie ein Teil von mir, vermischt mit allen den Elementen von anderen Menschen, die ich getroffen oder von denen ich gehört habe. Richius zum Beispiel ist der Gute, der wir immer sein wollen, aber er muß um sich und seine Existenz kämpfen - so wie wir alle. Und Tharn ist die mächtige Persönlichkeit, die manche in ihren Träumen sein wollen, wie ein kleines Kind, das davon träumt, magische Kräfte zu haben. Sogar Arkus ist ein Teil von mir, da er so reich und mächtig ist, und ich habe mich schon oft gefragt, wie da denn wohl wäre, so zu sein.
Was Nar betrifft, muß ich mich gar nicht so sehr anstrengen. Wenn man sich diese Welt einmal etwas genauer ansieht, ist sie gar nicht so unterschiedlich von der unseren. Nar ist eine Supermacht, die kleinere und schwächere Länder dominiert, während Lucel-Lor ein exotisches Land ist, das die meisten Menschen gar nicht verstehen. Es gibt verschiedene Rassen und Kulturen, die auch manchmal aneinander geraten. Es gibt auch hier Technologie, die allzu oft für zerstörerische Zwecke mißbraucht wird. Alles, was ich tun mußte, war, mich in unserer eigenen Welt umzusehen und ein paar Dinge zu verändern.

Flash: Was ist dein Lieblingscharakter und warum?

John Marco: Dies mag vielleicht einige Leute überraschen, aber meine Lieblinge sind nie die Guten gewesen. Seit ich ein kleiner Junge war, habe ich immer die Bösewichter geliebt. Man kann mit ihnen einfach so viel mehr machen, weil sie sich nie anzupassen brauchen. Und obwohl ich Richius wirklich mag, meine liebsten Charaktere sind doch die Bösen. Ich liebe Tharn und Arkus, aber mein absoluter Favorit ist Lord Biagio. Er ist schlau, gutaussehend und unglaublich reich, und es hat mir eine immense Freude gemacht, über ihn zu schreiben. Er war für mich einfach lebendiger als alle anderen Charaktere in der Geschichte. Deshalb wird er auch eine wichtige Rolle in den kommenden Büchern spielen.

Flash: Vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte

Alexander Haas

Rezensionen zu Romanen von John Marco im Flash:
"Die Jäger des Tharn" (Das Imperium von Nar 1 - Flash 54)
"Die Paladine des Dunkels" (Das Imperium von Nar 2 - Flash 63)

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