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Inhalt:
Auf Jombuur, einem Planeten in der Nähe des
Milchstraßenzentrums, ist es Brauch, jedem Kind kurz nach der
Geburt einen Stern zu schenken. Das führte dann nicht nur dazu,
daß die Jomburaaner sich zu den besten Astronomen der Galaxis
entwickelten, sondern auch dazu, daß ein Jomburaaner namens
Kelwitt schließlich die Sonne geschenkt bekommt. Doch es ist
auch Brauch, daß der jeweilige Jomburaaner später eine
Orakelfahrt zu seinem Stern macht, um aus dessen Beschaffenheit sowie
der seiner Planeten herauszudeuten, wie sein weiteres Leben verlaufen
soll. Kelwitt wird also mit einem kleinen Beiboot in unserem
Sonnensystem abgesetzt, während das Handelsschiff weiterfliegt
und ihn ein paar Tage später wieder abholen will. Natürlich
hält er sich nicht an die Richtlinie, sich von den Planeten
fernzuhalten, bekommt folglich auch gleich Ärger und wird
abgeschossen. Er kracht schließlich mit seinem Schiff durch das
Dach eines Heuschobers mitten auf der Schwäbischen Alb. Sein
Absturz wird allerdings nicht nur vom dorfbekannten Säufer
beobachtet, sondern auch von einem Agenten des BND, der die
Absturzstelle schließlich ausfindig macht und Kelwitt mit sich
nimmt. Durch einen Autounfall kann Kelwitt ihm jedoch entkommen und
trifft auf die zwei Mitglieder der Stuttgarter Familie Mattek, die
ihn mit nach Hause nehmen.
Ein neuer Eschbach - und wieder ein neues Genre. Diesmal widmet sich
der Autor dem humoristischen SF-Roman. Gerade hier ist es besonders
schwierig, gute Romane zu schreiben. Meistens wirkt entweder der
Humor aufgesetzt, oder die Handlung erweist sich letztendlich als
hanebüchen. Doch Andreas Eschbach schafft es auch hier, die
Fallstricke elegant zu umschiffen und den Roman konstant auf dem
höchsten Grad des Interesses zu halten.
Vor allem gelingt es Eschbach, den Roman weitestgehend von einem
Adams-Plagiat fernzuhalten, auch wenn er vor allem zu Beginn stark
Gefahr läuft, den Stil der ersten Anhalter-Romane zu kopieren.
Vor allem der Anfang von Kapitel 4 erinnert hier doch frappant an den
englischen Autor. Doch danach entfernt sich Eschbach immer weiter von
diesem Vorbild und entwickelt seine eigene Erzählweise eines
humoristischen Romans - sehr zur Freude des Lesers.
Auch im inneren Zusammenhalt des Romans erweist dieser sich wieder
als wohldurchdacht. Bei Eschbach gibt es keine
Füllszenen, um den Roman zu strecken. Hier ist jede
Szene wichtig, wird später auf jede Begebenheit wieder
eingegangen, die sich dann als homogenes Ganzes erweisen - gerade
für einen humoristischen Roman ist dies recht ungewöhnlich
und bemerkenswert, werden hier doch gerne Szenen aufgrund ihres
Gag-Gehalts eingeschoben und nicht, weil die Handlung diese Szene
zwingend erfordern würde.
Da Andreas Eschbach hier jedoch die Szenen der Handlung unterordnet,
erweist sich Kelwitts Stern weniger als Gag-SF, sondern
eher als humoristisch, was ihm insgesamt sehr guttut, da er so auch
in der Lage ist, das Interesse des Lesers nicht nur auf der
Witzebene, sondern auch auf der Spannungsseite zu wecken.
Da sieht der Leser es nun auch mit einem lachenden und einem
weinenden Auge, daß dieser Roman relativ dünn geraten ist
(zumindest im Vergleich mit seinem Vorgänger Jesus
Video). Zum einen hat man so natürlich leider viel weniger
Eschbach zu lesen (und muß trotzdem wohl wieder
rund ein Jahr warten, bis man den nächsten Roman von ihm zu
lesen bekommt - wenn nicht wieder ein Perry Rhodan-Roman aus seiner
Feder erscheinen sollte, was wirklich äußerst
begrüßenswert wäre), zum anderen ist der Leser jedoch
auch in der Lage, diesen Roman wirklich auf einen Rutsch zu lesen,
ohne großartig auf Schlaf verzichten zu müssen. Und gerade
letzteres erlangt eine recht gewichtige Bedeutung, da Kelwitts
Stern eindeutig wieder zu der Sorte Romane gehört, die an
einem Stück gelesen werden wollen - wenn er
zugegebenermaßen auch nicht ganz so stark danach verlangt wie
z.B. Solarstation oder Jesus Video.
Nachdem letztgenannter Roman im letzten Jahr der restlichen Truppe
deutscher SF-Schriftsteller keinerlei Chance ließ, auch nur
halbwegs reell von einem der großen deutschen SF-Preise zu
träumen, läßt Eschbach dann diesmal eine kleine
Möglichkeit offen, denn mit Jesus Video kann
Kelwitts Stern insgesamt dann doch nicht ganz mithalten -
wenn der Abstand in Sachen Lesespaß und Qualität zwischen
den beiden auch nur recht klein ist. Doch leider hat bisher noch
keiner der Kollegen diese Chance zu nutzen gewußt. Die deutsche
SF ist außerhalb eines Andreas Eschbach immer noch in einer Art
Stasis-Feld gefangen, aus dem sie sich nicht befreien kann. Wie denn
auch, wenn die Verlage sie nicht lassen?
Fazit:
Kelwitts Stern erweist sich als hervorragender
humoristischer SF-Roman, der jedoch auch auf der Handlungsseite
einiges an Pluspunkten sammeln kann, da diese so gut durchdacht ist
wie selten bei einem Roman dieses Genres. Wieder mal ein Kandidat
für einen erfüllten Abend, der weit in die Nacht
hineinreicht, vom Star der deutschen SF.
14 Punkte.