Band 1981: "Offensive der Algioten"

Autor: Arndt Ellmer

Die Situation am Sonnentresor wird für die Verteidiger immer dramatischer und hoffnungsloser. Zudem ist es mehr als fraglich, ob die Haluter noch rechtzeitig auftauchen können, um eine Katastrophe zu verhindern.
Hinzu kommt, daß die Algioten sich derzeit mehr als seltsam verhalten. Sie fliegen Angriffe, die sie noch vor dem Kampf wieder abbrechen, und unternehmen völlig sinnlose Manöver. Dennoch wird Atlan klar, daß gerade die Kämpfe um Thagarum herum das Ziel haben sollen, die Galaktiker an diesen Ort zu binden, um damit an anderen Orten leichtes Spiel zu haben.
In dieser Situation trifft der Oxtorner Denor Massal auf den Wlatschidenraumer FLAMBAT, der Geleitschutz für einen Gefangenenaustausch benötigt. Hier sollen einige gefangene Tazolen gegen den Wlatschidenadmiral Anschoruk ausgetauscht werden. Dieser ist von den Verhören und Folterungen arg gezeichnet und am Ende seiner Kräfte. Ständig hat er Anfälle und ist kaum ansprechbar.
Im Hauptquartier der Chearther ist man unterdessen recht nervös, da man nicht weiß, welche Geheimnisse der Admiral unter der Folter verraten hat. Er selbst behauptet, nur falsche, unwichtige oder veraltete Angaben gemacht zu haben. Dennoch kommt es in der Folge zu vielen Verlusten von Planeten. Egal, was der Admiral verraten hat oder auch nicht, die Algioten gehen nun viel aggressiver vor als bisher. Auch Ingar, das Hauptquartier der Allianz, wird vernichtet.
Während sich die hohen Offiziere mit der militärischen Lage beschäftigen, sind es gerade Denor Massal und die Siganesen um Domino Ross, die Anschoruk weiterhin aufmerksam beobachten. Sie versuchen hinter seinem seltsamen Verhalten einen Sinn zu sehen. Obwohl er nicht wie ein Gefangener behandelt wird, verhält er sich sehr abweisend. Er meidet jeden Kontakt mit seinen Artgenossen und zieht sich fast vollkommen zurück. Dann kommen seine Beobachter auf die Lösung. Anschoruk betet - wie ein Tazole.
Denor Massal und Domino Ross wollen so schnell wie möglich Atlan informieren, doch der macht sich rar. Hinzu kommt, daß Anschoruk auf einmal verschwunden ist. Es scheint, daß er nun endgültig zum Verräter werden wird. Sie können ihn einfangen, bevor Schlimmeres passiert, aber es gelingt Anschoruk, in der Nacht wiederum auszubrechen und einen Funkspruch abzusetzen.
Nun hilft nur noch die Flucht. Doch die Algioten stehen schon Raumschiff bei Fuß, sind in Windeseile im System und versuchen, die Verteidiger an der Flucht zu hindern. Das gelingt ihnen im Fall von Atlan auch recht gut. Sein Raumschiff wird eingekesselt und geentert. Zum ersten Mal ist es den Algioten gelungen, ein galaktisches Schiff zu zerstören.

Ich mag’s ja kaum glauben. Nun sind doch tatsächlich die so überlegenen Galaktiker einmal den Algioten in die Hände gefallen, und mit Atlan ist auch noch einer der obersten Krieger dieses Konfliktes dabei. Also - wenn das für die religiösen Fanatiker kein Grund zum Feiern ist; aber noch ist ja nicht aller Tage abend, und noch ist ja nicht beschrieben, wie Atlan wirklich in Gefangenschaft geht. Tja, im Moment sieht es stark danach aus, als ob die Haluter einen Zahn zulegen müssen, um in Chearth noch die Kartoffeln aus dem Feuer zu holen. Die Zeit wird hier wirklich langsam etwas knapp.
Wenn ich mir die Handlung also betrachte, dann scheint man in Chearth das Tempo eher etwas erhöht zu haben, was die Abfolge der Geschehnisse anbelangt. Wenn ich mir dagegen die Trägheit der Milchstraßenebene anschaue, in der eigentlich gar nichts passiert und deren letzten beiden Bände man in meinen Augen getrost vergessen kann (mal davon abgesehen, daß Shabazza dran glauben mußte), tut das dem Zyklus ganz gut, der in den letzten Wochen doch irgendwie an Faszination verloren hat (was, so denke ich, hauptsächlich der faden Milchstraßenebene zuzurechnen ist, die mich im Moment gar nicht begeistern kann).
Aber um hier jede falsche Hoffnung zu begraben: Gut war dieser von Arndt Ellmer vorgelegte Band auch nicht. Dabei ging es hier vor allem um Arndts schlechte Angewohnheit, dem Leser nicht mitzuteilen, von was er schreibt - und das ist bei einem Autoren eine ganz dumme Sache. Ich habe mich dabei erwischt, daß ich etwa auf Seite 10 oder 11 immer noch keinen blassen Schimmer davon hatte, wo wer war, und vor allem, warum hier irgend etwas passiert. Da erleben wir einige seltsame Schlachten, die Algioten drehen langsam endgültig am Rad. Wir erleben einen ganz suspekten Gefangenaustausch, bei dem die Galaktiker den Chearthern mal wieder erzählen müssen, wie’s geht, und der Leser (also ich) steht völlig fassungslos vor seinen Seiten und kapiert schlicht und ergreifend einfach gar nix! Wer wird hier gegen wen ausgetauscht und warum? Wer ist hier so wichtig, und was ist mit dem los? Hätte Arndt sich hier die Mühe gemacht, den Roman ein wenig gefühlvoller und detaillierter anzufangen, wäre alles, was danach gekommen ist, um vieles lesbarer gewesen. Ein kleine Erleichterung wäre auch schon gewesen, wenn man über den einzelnen Kapiteln die kleinen Überschriften eingefügt hätte, die viele Autoren verwenden. Das hätte die Orientierung zwischen den einzelnen Ebenen innerhalb des Romans um einiges erleichtert. Beispiel: Atlan. Im einen Moment ist er noch im Orbit um Thagarum, wo er sich darüber beschwert, daß die Algioten die galaktischen Kräfte binden, und dann ist er auf einmal auf Ingar, dem Chearther Zentrum für Kriegsführung!?!?!? Also, ich hatte da, wie schon erwähnt, einige Probleme, der Handlung zu folgen.
Ich als Leser kann über die Gründe dafür natürlich nur spekulieren. Aber ich hatte in den letzten (doch recht guten) Romanen von Arndt Ellmer das Gefühl, daß er sich ein wenig mehr Ruhe beim Schreiben gegönnt und sich ein bißchen intensiver mit seinen Inhalten auseinandergesetzt hat. Und genau das gegenteilige Gefühl habe ich nun bei diesem Roman hier. Er wirkt in meinen Augen lieblos heruntergeschrieben, ohne Blick für Details, ohne Gefühl für Stimmungen.
Einzig und allein die Dramatik der Situation ließ mich ein wenig aufatmen.

Fazit:
Weder spannend noch gut geschrieben.
4 Punkte

Alexander Haas

Oha - was ist denn da mit Atlan passiert? Steht er neuerdings unter dem Einfluß bewußtseinserweiternder Drogen? Anders ist kaum erklärbar, was am Ende dieses Romans passiert. Kann man wirklich glauben, daß der alte Arkoniden-Admiral, der inzwischen ja auch weit mehr als 20.000 Jahre auf dem Buckel hat, tatsächlich in der Lage ist, solchen Mist zu verzapfen, der so offensichtlich dazu führt, daß er in Gefangenschaft gerät? Meines Erachtens lautet die Antwort hierauf: „Nein!“
Abgesehen davon hat Arndt Ellmer nach seiner Hochphase der letzten Zeit inzwischen wohl leider zu seiner Normalform zurückgefunden. Die gesamten Aktionen seiner Akteure wirken irgendwie blaß, die Protagonisten sind zu keiner Zeit in der Lage, wirklich Farbe anzunehmen, geschweige denn so etwas wie Leben zu entwickeln. Domino Ross verkommt zum dumpfen Okrill-Reiter, und Denor Masall bringt außer Körpergewicht auch nicht viel auf die Waage - vor allem, wenn man bedenkt, daß die beiden die eigentlichen Hauptpersonen des Romans sind.
Erschwerend kommt hinzu, daß man den Personenkasten am Anfang des Romans wohl besser nicht gelesen hätte. Immerhin wird hier bereits zweifelsfrei geklärt, daß Anschoruk umgedreht wurde - dieser im Roman als Spannungsfaktor verwendete Punkt fällt also auch weg. Der Leser fragt sich hier bestenfalls noch genervt, wann denn nun erkannt wird, daß der Wlatschide ein doppeltes Spiel spielt. Ja, das steigert die Freude am Roman doch stark - immerhin ist der Leser schon schlechten Mutes, allein ob der Tatsache, daß es sich hier um einen Chearth-Roman handelt. Diese Handlungsebene hat bisher weiß Gott noch nicht mit Höhepunkten glänzen können.
Da bildet dieser Roman dann leider auch keine Ausnahme. Der alte Arkoniden-Admiral Atlan, der nun wirklich durch genügend Schlachten gegangen ist, um sich in solchen Gegebenheiten auszukennen, soll wirklich einen solchen Anfängerfehler begangen haben, wie er am Ende dieses Romans geschildert wurde? Das ist lächerlich und leider genau auf der Ebene des üblichen Ellmer-Niveaus, von dem wir hofften, er hätte es endlich abgelegt. Atlan wirkt hier eher wie der sprichwörtliche „unbekannte Sicherheitsmann“ der „Enterprise“, nicht wie der erfahrene Admiral. Sein Charakter wird in keiner Szene wirklich geschildert, stattdessen bleibt die Figur platt wie eine Flunder - gerade und auch vor allem in den Szenen, die Atlan als Ich-Erzähler beinhalten.
Nun gut, ich halte mich vielleicht zu lange mit dem Ende des Romans auf. Allerdings bietet dieses Ende die besten Beispiele - um auf den Rest des Romans näher einzugehen, fehlt mir einfach die Lust. Man könnte Kilobytes über Kilobytes darüber schreiben - mir ist dies jedoch einfach zu blöde. Immerhin müßte ich mich mit dieser Handlung dann noch weiter beschäftigen, was nun wirklich nicht sein muß. Als erklärendes Beispiel sollten die Schlußszenen eigentlich auch reichen.
Um also etwas genauer loszulegen:
1. Ein Admiral mit jahrzehntausendelanger Schlachtenerfahrung sitzt einfach nur da und erwartet, daß das, wovon er meint, daß es passieren müßte, auch passiert? Normalerweise reichen schon ein paar Jahrzehnte Erfahrung aus, ein instinktives Gefühl dafür zu entwickeln, was hier passiert. Die Befehle werden dann schon rein instinktiv gegeben. Daß ausgerechnet Atlan dies „vergißt“, ist einfach lächerlich. Ich würde ja wirklich lachen, wenn es nicht dermaßen zum Weinen wäre.
2. Als feststand, daß die ANUBIS nicht mehr entkommen konnte, wieso (zum Teufel!) wurden die Geheimnisträger nicht per Transmitter auf die URANIA transferiert??? Zeit genug wäre hier sicherlich noch gewesen... Und komme mir bitte keiner mit sowas wie Reichweite des Transmitters. Immerhin war die URANIA noch in der Nähe - und daß die Transmitter eine aureichende Reichweite haben, wissen wir allein schon aus diesem Roman, und zwar als die Maahks übernommen wurden, um sie zur Konferenz zu bringen. Atlan hat also noch nicht einmal daran gedacht, den Transmitter zu benutzen. Als logisch denkender Admiral wäre es das erste gewesen, die Geheimnisträger zu retten und notfalls den Rest der Besatzung der Gefangenschaft zu übereignen - sollte man nicht genügend Zeit haben, sie alle zu evakuieren. 20.000 Jahre Erfahrung - und jetzt gibt’s den Aussetzer par excellence. Das ist wirklich glaubhaft...
Tja, anscheinend wollte man Atlan auf Teufel komm raus gefangennehmen lassen - wogegen an sich eigentlich nichts zu sagen ist. Aber ein bißchen mehr Sorgfalt bei der Auswahl, wie dies denn nun vonstatten geht, hätte man sicherlich an den Tag legen sollen. So wirkt das alles viel zu konstruiert und paßt einfach nicht zum Charakter des Arkoniden.

Fazit:
Ein Haufen heiße Luft mit einem Ende, das dem Leser die Haare zu Berge stehen läßt. (* Hm, also - das kann ja ganz eindeutig nur heißen: Es war wohl mal wieder Föhn, was? ;-) Heike) (* Naja... Nicht ganz... Es war der Fön... ;-) Winy) (* Du kannst lesen und Dich gleichzeitig fönen??? DAS mußt Du mir aber mal zeigen... :-))) Heike) Es bleibt weiterhin nur abzuwarten, ob die Haluter die Chearth-Ebene vielleicht noch herumreißen können - wenn nicht, sieht’s düster aus...
3 Punkte.

Winfried Brand

Mit dieser Ausgabe verabschiedet sich Stefan Robijn leider aus dem Kreis der regelmäßigen PR-Rezensenten, da er sich nicht mehr dazu zwingen konnte, einen weiteren Band der Chearth-Handlungsebene zu lesen. Zum Glück bleibt er uns jedoch als sporadischer Rezensent erhalten, so daß auch in Zukunft Rezensionen von ihm im Flash zu lesen sein werden.

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