Star Vision #1

(68 Seiten, SF-Magazin, Miracle Images Verlag, DM 6,90)
Erscheinungsweise: 2monatlich
- erschienen: August 1999 -

Mit „Star Vision“ tritt nun ein neuer Kandidat an, den Platz auf den Regalen der Kioske mit einem weiteren Magazin noch enger werden zu lassen. Im Bereich Sci-Fi tummeln sich in letzter Zeit die Magazine recht heftig. Doch „Star Vision“ gibt sich zumindest den Anspruch, anders zu sein als alle anderen (ein nicht gerade neuer Anspruch). Bereits im Editorial legt Chefredakteur Oliver Denker dem Leser nahe, daß man sich kritisch aber fair mit dem Genre auseinandersetzen und solcherlei Schnickschnack wie „vorgefertigte Pressemitteilungen der Filmverleiher“ oder „endlose Episoden-Updates von TV-Serien (die von Anfang an nichts taugten)“ außen vor lassen will. „Vielleicht können wir mit Star Vision dazu beitragen, wieder etwas SF-Kultur zu gestalten“ heißt es hier ebenso wie: „Dies ist ein SF- und kein Sci-Fi-Magazin“. Hohe Ansprüche, die zwar endlich einmal ein interessantes Magazin versprechen, allerdings auch erst einmal gehalten werden wollen. Erste Anzeichen, daß es sich hierbei nicht nur um eine reine Absichtserklärung handeln könnte, finden sich auch schon in der Mitarbeiterliste, die nicht nur Ralf Sander als Redakteur präsentiert, sondern auch Namen wie Andreas Kasprzak, Joachim Körber, Uli Kohnle oder Robert Vogel beinhaltet. Im gleichen Impressum findet sich dann aber auch der Hinweis, daß Star Vision „in Kooperation mit der U.S.-Ausgabe von Starlog“ erscheint - und dies ist wiederum ein Magazin, das nicht gerade allzu bekannt für seine Kritikfähigkeit ist, wovon sich der deutsche Leser vor einiger Zeit auch schon überzeugen konnte.
Aber wenden wir uns dem Inhalt zu und versuchen herauszufinden, wie denn nun die eigenen Ansprüche umgesetzt wurden, denn das Titelbild scheint eher auf Gegenteiliges hinzudeuten, werden hier doch nur Filmbeiträge erwähnt, wie man sie auf diversen anderen (meist reichlich uninteressanten) Genre-Publikationen auch zu lesen bekommt. Da hilft auch der Hinweis „Unabhängig & Kompetent“ nicht weiter - der in dieser Form sowieso eher auf das Gegenteil hindeutet. Wer es schließlich nötig hat, so direkt auf etwas eigentlich Selbstverständliches hinzuweisen, scheint zumindest nicht der Meinung zu sein, daß der Leser aufgrund des Inhalts von selbst auf so eine Idee kommen könnte.
Inhaltlich beginnt Star Vision dann mit News der internationalen SF - wobei „SF“ hier dann eindeutig der falsche Begriff ist, dreht es sich hier doch fast ausschließlich um kinorelevante Informationen. Selbst wenn es sich um Ray Bradbury dreht, betrifft die Info die Tatsache, daß er mit dem Drehbuch zur Neuverfilmung des Klassikers „Fahrenheit 451“ nicht zufrieden ist. Gerade mal eine Meldung zu Stephen Kings Unfall und seinem Befinden, ein paar kurze Zeilen über eine neue Dune-Trilogie von Kevin J. Anderson und Brian Herbert sowie eine Meldung zu einer Auktion in Sachen „Kosmonauten und Astronauten“-Fotos und -Autogramme durchbrechen das Einerlei der Film-News.
Weiter gehts dann mit der Berichterstattung über „Star Wars: Episode 1“, die naturgemäß (in diesem Monat kommt nun wirklich kein Magazin an diesem Film vorbei) einen Großteil des Heftes einnimmt. Hier zeigt sich dann auch zum ersten Mal eine kritische Haltung zum Thema, wenn sich die Autorin Saskia Klöckner zu den Rezensenten gesellt, die kaum ein gutes Haar an dem Film lassen. Manchmal hat man hier jedoch das Gefühl, die Rezensentin hätte um jeden Preis versucht, Gegenargumente zum Film zu finden. Ob der Film denn nun wirklich so schlecht ist, wie er hier gemacht wird, muß wohl jeder erst einmal selber feststellen. Und selbst wenn diese Rezension stark übertrieben sein sollte - amüsant zu lesen ist sie jedenfalls allemal, und ich konnte mir mehr als einmal ein breites Grinsen nicht verkneifen. Allerdings zieht sich diese eher negative Meinung zum Film auch durch diverse andere Beiträge im Heft, die auch von anderen Personen stammen. Lediglich das George Lucas-Interview macht hier eine gewisse Ausnahme - dürfte dafür aber auch aus dem Ami-Starlog übernommen sein.
Nachdem der Star Wars-Teil dann mit einem Yoda-Poster im A3-Format abgeschlossen wird (Mußte das wirklich sein, oder kommt man heutzutage einfach ohne Poster nicht mehr aus?), folgt ein Interview mit den Drehbuchschreibern von „Wild Wild West“ - das ebenfalls aus Starlog stammt und dementsprechend keinerlei kritische Ansätze aufzuweisen in der Lage ist, sondern vielmehr eher die übliche Lobhudelei der normalen Sci-Fi-Mags beinhaltet.
Die hierauf folgende 1,5seitige Vorstellung eines Star Trek-Clubs für Klingonen kann man ebenfalls getrost überblättern, sollte man selber nicht gerade klingonische Anwandlungen haben.
Danach kommt mal wieder ein Interview - diesmal mit David Cronenberg über dessen neuen Film „eXistenZ“. Hierzu gilt dann das gleiche wie zu „Wild Wild West“: In Ansätzen interessant, jedoch im allgemeinen nicht besonders kritisch - und natürlich ebenfalls aus „Starlog“ übernommen.
Nachdem wir nun rund drei Viertel des Magazins hinter uns haben, kommen wir dann doch endlich zu einer Sparte, die sich als durchgehend hochinteressant erweist: die Buchrezensionen von Joachim Körber. Auf immerhin drei Seiten schreibt Körber hier über drei Romane und eine Heftserie - um welche es sich bei letzterer handelt, brauche ich wohl niemandem zu verraten. Interessant ist jedoch, daß Körber sich hier auf eher unbekanntere Romane bzw. Buchausgaben bezieht. Zwar ist mit James Triptee Jr.s „Die Sternenkrone“ ein Buch von Heyne vertreten, der jedoch schon allein aufgrund der Tatsache, daß es sich hierbei um eine Story-Sammlung handelt, eher unbeachtet bleiben dürfte. Zusätzlich gibt es dann Rezensionen zu Ursula K. LeGuins „Planet der Habenichtse“, der als neue Ausgabe im Argument Verlag erschienen ist, sowie zu Eric Count Stenbocks „Studien des Todes“ - einem Buch aus Frank Festas Edition Metzengerstein, die nun im Blitz Verlag erscheint.
Es folgt dann noch einmal eine Seite Infos zur Medien-SF sowie ein Con-Kalender, der interessanterweise wenig Medien-Cons, dafür aber umso mehr SF- und PR-Cons aufweist.
Die Sektion Computerspiele beschäftigt sich dann in dieser Ausgabe mit drei Star Wars-Spielen (wie könnte es auch anders sein), und auch die Comic-Sektion hat neben einer Vorstellung von „Transmetropolitan“ natürlich die Star Wars-Comics des Dino-Verlags zum Inhalt. Wobei hier allerdings auch wieder erfreulich kritisch mit dem vorliegenden Material umgegangen wird.
Abschließend gibt es dann noch einen sehr informativen Artikel über Howard P. Lovecraft, der von Andreas Kasprzak verfaßt wurde. Den Anlaß für diesen Atikel bietet natürlich der erste Band der Lovecraft-Edition aus der Edition Phantasia - was nicht weiter verwunderlich ist, finden sich die Herausgeber der Edition Phantasia doch unter den Mitarbeitern dieses Magazins, so daß man hier schon fast von Eigenwerbung sprechen kann. Allerdings hat man dabei leider vergessen zu erwähnen, daß die Lovecraft-Edition eine sehr geringe Auflage hat, so daß dem Normalleser der Preis von DM 148 für einen Band wohl recht hoch erscheinen wird.
Zu guter Letzt widmet sich HAL in der Rubrik „HALs letzte Worte“ wieder dem Thema Star Wars - diesmal in Gestalt eines Briefes an George Lucas, dem in Glossenform die Gedanken zum neuen Film dargebracht werden.
Insgesamt bleibt nach der Lektüre teilweise dann doch das Gefühl, mal wieder eines der typischen Magazine gelesen zu haben. Doch vor allem der eigenproduzierte Teil, der nicht aus Starlog übernommen wurde, vermag über weite Strecken durchaus zu überzeugen. Hier sind die deutlichen Stärken des neuen Magazins zu finden, das trotz guter Ansätze aber immer noch eher Sci-Fi- als SF-Magazin ist. Doch die erwähnten Ansätze lassen hoffen, daß im Laufe der Zeit noch ein wirklich empfehlenswertes Magazin dabei herauskommen könnte. Vielleicht habe ich ja etwas verschrobene und nicht mehr zeitgemäße Vorstellung eines SF-Magazins - aber ein solches sollte sich m.E. auch ein bißchen weniger auf das Medium Film konzentrieren und vielleicht eher ein kleines bißchen mehr auf die Literatur - und auch vielleicht eine Story pro Ausgabe wäre m.E. wünschenswert. Aber wie gesagt: Vielleicht sind diese Vorstellungen ja wirklich antiquiert, und ein SF-Magazin der 90er Jahre braucht so etwas nicht. Dann jedoch fürchte ich, daß ich eben dieses SF-Magazin nicht brauche...
Star Vision jedenfalls kommt von allen Magazinen der letzten Zeit meinen Vorstellungen eines gutes SF-Magazins noch am nächsten. Hier lohnt es sich wohl, noch ein wenig länger am Ball zu bleiben und die weitere Entwicklung zu verfolgen. Vielleicht wird hier ja noch ein bißchen davon umgesetzt, um es zu einem wirklich empfehlenswerten Magazin zu machen. Die Leute für ein solches Unterfangen sind jedenfalls vorhanden...
Allerdings sollte man sich auch einen Lektor anschaffen, denn die Häufigkeit der Schreibfehler ist doch weit am unteren Ende der Qualitätsskala angesiedelt, ebenso die Grammatikfehler - von fehlenden Worten (die der Leser selber erraten darf) möchte ich hier am besten erst gar nicht anfangen...

Fazit:
„Star Vision“ stellt den bisher besten Ansatz der letzten Jahre dar, ein SF-Magazin auf die Beine zu stellen, das auch einen interessanten Inhalt bietet (SF Media lasse ich hier außen vor, da dieses Magazin nur eine Ausgabe lang am Bahnhofskiosk und nicht flächendeckend überall zu haben war). Das selbstgesteckte Ziel wird zwar noch nicht so ganz erreicht, aber immerhin ist dies die erste Ausgabe, und Magazine können sich schließlich noch entwickeln.
8 Punkte.

Winfried Brand

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