Mit
Star Vision tritt nun ein neuer Kandidat an, den Platz
auf den Regalen der Kioske mit einem weiteren Magazin noch enger
werden zu lassen. Im Bereich Sci-Fi tummeln sich in letzter Zeit die
Magazine recht heftig. Doch Star Vision gibt sich
zumindest den Anspruch, anders zu sein als alle anderen (ein nicht
gerade neuer Anspruch). Bereits im Editorial legt Chefredakteur
Oliver Denker dem Leser nahe, daß man sich kritisch aber fair
mit dem Genre auseinandersetzen und solcherlei Schnickschnack wie
vorgefertigte Pressemitteilungen der Filmverleiher oder
endlose Episoden-Updates von TV-Serien (die von Anfang an
nichts taugten) außen vor lassen will. Vielleicht
können wir mit Star Vision dazu beitragen, wieder etwas
SF-Kultur zu gestalten heißt es hier ebenso wie:
Dies ist ein SF- und kein Sci-Fi-Magazin. Hohe
Ansprüche, die zwar endlich einmal ein interessantes Magazin
versprechen, allerdings auch erst einmal gehalten werden wollen.
Erste Anzeichen, daß es sich hierbei nicht nur um eine reine
Absichtserklärung handeln könnte, finden sich auch schon in
der Mitarbeiterliste, die nicht nur Ralf Sander als Redakteur
präsentiert, sondern auch Namen wie Andreas Kasprzak, Joachim
Körber, Uli Kohnle oder Robert Vogel beinhaltet. Im gleichen
Impressum findet sich dann aber auch der Hinweis, daß Star
Vision in Kooperation mit der U.S.-Ausgabe von Starlog
erscheint - und dies ist wiederum ein Magazin, das nicht gerade allzu
bekannt für seine Kritikfähigkeit ist, wovon sich der
deutsche Leser vor einiger Zeit auch schon überzeugen
konnte.
Aber wenden wir uns dem Inhalt zu und versuchen herauszufinden, wie
denn nun die eigenen Ansprüche umgesetzt wurden, denn das
Titelbild scheint eher auf Gegenteiliges hinzudeuten, werden hier
doch nur Filmbeiträge erwähnt, wie man sie auf diversen
anderen (meist reichlich uninteressanten) Genre-Publikationen auch zu
lesen bekommt. Da hilft auch der Hinweis Unabhängig &
Kompetent nicht weiter - der in dieser Form sowieso eher auf
das Gegenteil hindeutet. Wer es schließlich nötig hat, so
direkt auf etwas eigentlich Selbstverständliches hinzuweisen,
scheint zumindest nicht der Meinung zu sein, daß der Leser
aufgrund des Inhalts von selbst auf so eine Idee kommen
könnte.
Inhaltlich beginnt Star Vision dann mit News der internationalen SF -
wobei SF hier dann eindeutig der falsche Begriff ist,
dreht es sich hier doch fast ausschließlich um kinorelevante
Informationen. Selbst wenn es sich um Ray Bradbury dreht, betrifft
die Info die Tatsache, daß er mit dem Drehbuch zur
Neuverfilmung des Klassikers Fahrenheit 451 nicht
zufrieden ist. Gerade mal eine Meldung zu Stephen Kings Unfall und
seinem Befinden, ein paar kurze Zeilen über eine neue
Dune-Trilogie von Kevin J. Anderson und Brian Herbert sowie eine
Meldung zu einer Auktion in Sachen Kosmonauten und
Astronauten-Fotos und -Autogramme durchbrechen das Einerlei der
Film-News.
Weiter gehts dann mit der Berichterstattung über Star
Wars: Episode 1, die naturgemäß (in diesem Monat
kommt nun wirklich kein Magazin an diesem Film vorbei) einen
Großteil des Heftes einnimmt. Hier zeigt sich dann auch zum
ersten Mal eine kritische Haltung zum Thema, wenn sich die Autorin
Saskia Klöckner zu den Rezensenten gesellt, die kaum ein gutes
Haar an dem Film lassen. Manchmal hat man hier jedoch das
Gefühl, die Rezensentin hätte um jeden Preis versucht,
Gegenargumente zum Film zu finden. Ob der Film denn nun wirklich so
schlecht ist, wie er hier gemacht wird, muß wohl jeder erst
einmal selber feststellen. Und selbst wenn diese Rezension stark
übertrieben sein sollte - amüsant zu lesen ist sie
jedenfalls allemal, und ich konnte mir mehr als einmal ein breites
Grinsen nicht verkneifen. Allerdings zieht sich diese eher negative
Meinung zum Film auch durch diverse andere Beiträge im Heft, die
auch von anderen Personen stammen. Lediglich das George
Lucas-Interview macht hier eine gewisse Ausnahme - dürfte
dafür aber auch aus dem Ami-Starlog übernommen sein.
Nachdem der Star Wars-Teil dann mit einem Yoda-Poster im A3-Format
abgeschlossen wird (Mußte das wirklich sein, oder kommt man
heutzutage einfach ohne Poster nicht mehr aus?), folgt ein Interview
mit den Drehbuchschreibern von Wild Wild West - das
ebenfalls aus Starlog stammt und dementsprechend keinerlei kritische
Ansätze aufzuweisen in der Lage ist, sondern vielmehr eher die
übliche Lobhudelei der normalen Sci-Fi-Mags beinhaltet.
Die hierauf folgende 1,5seitige Vorstellung eines Star Trek-Clubs
für Klingonen kann man ebenfalls getrost überblättern,
sollte man selber nicht gerade klingonische Anwandlungen haben.
Danach kommt mal wieder ein Interview - diesmal mit David Cronenberg
über dessen neuen Film eXistenZ. Hierzu gilt dann
das gleiche wie zu Wild Wild West: In Ansätzen
interessant, jedoch im allgemeinen nicht besonders kritisch - und
natürlich ebenfalls aus Starlog übernommen.
Nachdem wir nun rund drei Viertel des Magazins hinter uns haben,
kommen wir dann doch endlich zu einer Sparte, die sich als
durchgehend hochinteressant erweist: die Buchrezensionen von Joachim
Körber. Auf immerhin drei Seiten schreibt Körber hier
über drei Romane und eine Heftserie - um welche es sich bei
letzterer handelt, brauche ich wohl niemandem zu verraten.
Interessant ist jedoch, daß Körber sich hier auf eher
unbekanntere Romane bzw. Buchausgaben bezieht. Zwar ist mit James
Triptee Jr.s Die Sternenkrone ein Buch von Heyne
vertreten, der jedoch schon allein aufgrund der Tatsache, daß
es sich hierbei um eine Story-Sammlung handelt, eher unbeachtet
bleiben dürfte. Zusätzlich gibt es dann Rezensionen zu
Ursula K. LeGuins Planet der Habenichtse, der als neue
Ausgabe im Argument Verlag erschienen ist, sowie zu Eric Count
Stenbocks Studien des Todes - einem Buch aus Frank Festas
Edition Metzengerstein, die nun im Blitz Verlag erscheint.
Es folgt dann noch einmal eine Seite Infos zur Medien-SF sowie ein
Con-Kalender, der interessanterweise wenig Medien-Cons, dafür
aber umso mehr SF- und PR-Cons aufweist.
Die Sektion Computerspiele beschäftigt sich dann in dieser
Ausgabe mit drei Star Wars-Spielen (wie könnte es auch anders
sein), und auch die Comic-Sektion hat neben einer Vorstellung von
Transmetropolitan natürlich die Star Wars-Comics des
Dino-Verlags zum Inhalt. Wobei hier allerdings auch wieder erfreulich
kritisch mit dem vorliegenden Material umgegangen wird.
Abschließend gibt es dann noch einen sehr informativen Artikel
über Howard P. Lovecraft, der von Andreas Kasprzak verfaßt
wurde. Den Anlaß für diesen Atikel bietet natürlich
der erste Band der Lovecraft-Edition aus der Edition Phantasia - was
nicht weiter verwunderlich ist, finden sich die Herausgeber der
Edition Phantasia doch unter den Mitarbeitern dieses Magazins, so
daß man hier schon fast von Eigenwerbung sprechen kann.
Allerdings hat man dabei leider vergessen zu erwähnen, daß
die Lovecraft-Edition eine sehr geringe Auflage hat, so daß dem
Normalleser der Preis von DM 148 für einen Band wohl recht hoch
erscheinen wird.
Zu guter Letzt widmet sich HAL in der Rubrik HALs letzte
Worte wieder dem Thema Star Wars - diesmal in Gestalt eines
Briefes an George Lucas, dem in Glossenform die Gedanken zum neuen
Film dargebracht werden.
Insgesamt bleibt nach der Lektüre teilweise dann doch das
Gefühl, mal wieder eines der typischen Magazine gelesen zu
haben. Doch vor allem der eigenproduzierte Teil, der nicht aus
Starlog übernommen wurde, vermag über weite Strecken
durchaus zu überzeugen. Hier sind die deutlichen Stärken
des neuen Magazins zu finden, das trotz guter Ansätze aber immer
noch eher Sci-Fi- als SF-Magazin ist. Doch die erwähnten
Ansätze lassen hoffen, daß im Laufe der Zeit noch ein
wirklich empfehlenswertes Magazin dabei herauskommen könnte.
Vielleicht habe ich ja etwas verschrobene und nicht mehr
zeitgemäße Vorstellung eines SF-Magazins - aber ein
solches sollte sich m.E. auch ein bißchen weniger auf das
Medium Film konzentrieren und vielleicht eher ein kleines
bißchen mehr auf die Literatur - und auch vielleicht eine Story
pro Ausgabe wäre m.E. wünschenswert. Aber wie gesagt:
Vielleicht sind diese Vorstellungen ja wirklich antiquiert, und ein
SF-Magazin der 90er Jahre braucht so etwas nicht. Dann jedoch
fürchte ich, daß ich eben dieses SF-Magazin nicht
brauche...
Star Vision jedenfalls kommt von allen Magazinen der letzten Zeit
meinen Vorstellungen eines gutes SF-Magazins noch am nächsten.
Hier lohnt es sich wohl, noch ein wenig länger am Ball zu
bleiben und die weitere Entwicklung zu verfolgen. Vielleicht wird
hier ja noch ein bißchen davon umgesetzt, um es zu einem
wirklich empfehlenswerten Magazin zu machen. Die Leute für ein
solches Unterfangen sind jedenfalls vorhanden...
Allerdings sollte man sich auch einen Lektor anschaffen, denn die
Häufigkeit der Schreibfehler ist doch weit am unteren Ende der
Qualitätsskala angesiedelt, ebenso die Grammatikfehler - von
fehlenden Worten (die der Leser selber erraten darf) möchte ich
hier am besten erst gar nicht anfangen...
Fazit:
Star Vision stellt den bisher besten Ansatz der letzten
Jahre dar, ein SF-Magazin auf die Beine zu stellen, das auch einen
interessanten Inhalt bietet (SF Media lasse ich hier außen
vor, da dieses Magazin nur eine Ausgabe lang am Bahnhofskiosk und
nicht flächendeckend überall zu haben war). Das
selbstgesteckte Ziel wird zwar noch nicht so ganz erreicht, aber
immerhin ist dies die erste Ausgabe, und Magazine können sich
schließlich noch entwickeln.
8 Punkte.