Philip Pullman:

"Das magische Messer"

(Zweiter Band der Trilogie)
OT: His Dark Materials 2: The Subtle Knife
Ü: Wolfram Ströle
GB 1997
(335 Seiten, Taschenbuch, Heyne 01/10965, ISBN 3-453-15227-1, DM 14,90)
- erstmals auf Deutsch erschienen: 1997 als Hardcover bei Carlsen -
- erschienen: September 1999 -

Zum Inhalt:
Der zwölfjährige Will und seine Mutter werden von seltsamen Menschen bedroht. Will bringt seine Mutter zu seiner ehemaligen Klavierlehrerin, die auf sie aufpassen soll, dann geht er nach Hause zurück, um eine Mappe mit Unterlagen seines Vaters (eines Forschungsreisenden, der vor zwölf Jahren mit einer Polarexpedition verschwunden ist) zu suchen, hinter der auch die Männer her sind. Als er sie endlich findet, sind auch gerade zwei der Männer in das Haus eingebrochen. Auf seiner Flucht tötet er versehentlich einen von ihnen. Mit Hilfe einer Katze findet er schließlich den Durchgang in eine andere Welt, wo er auf Lyra trifft, die es ebenfalls in diese Welt verschlagen hat. Lyra will immer noch herausfinden, was es mit dem geheimnisvollen Staub denn so auf sich hat, und da ihr Alethiometer ihr rät, Will zu helfen, schließen sich die beiden zusammen, um ihre Aufgabe gemeinsam zu erfüllen.

Nach "Der goldene Kompaß" (Rezension in Flash Nr. 39) liegt mit "Das magische Messer" nun endlich der zweite Band von Pullmans Trilogie bei Heyne als Taschenbuch vor.
Während im ersten Band der stark märchenhafte, phantasievolle Charakter die Handlung dominierte und den Leser geradezu zum Weiterlesen gezwungen hat, enthüllt Pullman dem Leser im vorliegenden zweiten Band nach und nach die wahre Bedeutung, das wahre Ziel der Handlung - und dies ist ein wahrhaft großes Ziel. Ein Ziel, das alle Welten, alle Universen umfaßt.
Hiermit bezieht Pullman nun auch die Religion weitaus stärker in die Handlung ein, als dies noch im ersten Band der Fall war, wo sie zwar vorkam, jedoch keine so bedeutende Rolle spielte. Und Pullman bezieht eindeutig Stellung - auch im Hinblick auf unsere reale Welt. Im Gegensatz zum ersten Band, der auf einer Parallelwelt spielte, die unserer sehr ähnelte, aber doch ganz verschieden von ihr ist, spielt dieser Roman nun auf drei verschiedenen Welten - der aus dem ersten Band, unserer Realwelt und einer dritten, die beiden wiederum ähnelt, die aber dennoch auch vollkommen verschieden davon ist. Hierdurch und durch die Einbeziehung aller Welten in die Handlung geht Pullman über das hinaus, was in der Fantasy üblich ist, globalisiert seine Aussage, so daß sie auch für den Leser Gültigkeit erlangt.
Dabei bleibt jedoch immer ein wirklich interessanter und spannender Fantasy-Roman zurück, der den Leser fesselt und der einfach Spaß macht. In England ist dieser Roman bei einem Jugendbuchverlag erschienen, das Hardcover lief als Jugendbuch bei Carlsen - und Heyne macht nun daraus das "Taschenbuch des Monats". Das beweist nur, daß man den Roman bei Heyne richtig eingeschätzt hat. Pullman schreibt großartig und hochgradig interessant - nicht nur für Jugendliche. Die Zeit bis zum dritten und abschließenden Band kann man in freudiger Erwartung verbringen. Hoffentlich ist es bald soweit!

Fazit:
Märchenhafte Fantasy der Spitzenklasse, geeignet für alle Altersstufen. Philip Pullman gelingt eine Fortführung, die den ersten Band noch in den Schatten stellt.
14 Punkte.

Winfried Brand


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