Band 1983: "Der Sonnentod"

Autor: Uwe Anton

Myles Kantor und der Wlatschide Ganzetta sind von zwei Dingen mittlerweile überzeugt: Die Sonne Eleprysi wird bald durch den Einfluß der Sonnenwürmer explodieren, und auf einer Station der Algioten hält sich Atlan auf. In einem wagemutigen Manöver gelingt es beiden, Atlans genauen Standort herauszufinden.
Dieser ist mittlerweile auf dem Planeten Holter gelandet bzw. - besser gesagt - abgestürzt. Derzeit befinden sie sich in einem Sumpfgebiet, was den Verletzungen ihrer Verwundeten überhaupt nicht guttut. Acht Arkoniden und Dro ga Demm befinden sich auf der Oberfläche des Planeten. Sie müssen nun versuchen, sich irgendwie in Sicherheit zu bringen und einen Hinterhalt auf ein Rettungskommando der Algioten vorzubereiten. Dazu müssen sie aber erst einmal aus dem Sumpf heraus, was an sich schon eine schwierige Angelegenheit ist, denn hier treibt sich allerhand Viehzeug herum; und schnell sind alle von einer seltsamen Art von Blutegeln befallen.
Die Rettung sieht im ersten Moment gar nicht danach aus. Seltsame Saurier nähern sich den Flüchtlingen. Doch es handelt sich dabei um die intelligenten Bewohner des Planeten, die Holterer. Sie wissen von einer kleinen wlatschidischen Station auf dem Planeten und sind bereit, die Arkoniden dorthin zu führen sowie auch die Verwundeten zu versorgen, was in Anbetracht der Schwere schon fast nicht mehr möglich ist. Besonders Kadett Gerenger muß leiden. Sein Arm ist gebrochen und entzündet, und niemand weiß, wie lange er ihn noch behalten kann, wenn keine moderne Medizin eingreifen kann.
Inzwischen wird aber auch die Situation im Weltraum dramatisch. Myles Kantor kann berechnen, daß die Lebensdauer der Sonne immer mehr abnimmt, diese also bald kollabieren wird, damit aber auch Atlan zum Tode verurteilt ist, wenn er nicht rechtzeitig gerettet wird, was in Anbetracht der starken Truppenkonzentration der Algioten im System aber vollkommen illusorisch erscheint.
Aber auch auf dem Planeten wird die Situation immer dramatischer. Hermon von Ariga ist von Würmern befallen worden, die darangehen, ihn von innen heraus aufzufressen - und hier kann ebenfalls nur die moderne Medizin helfen. Die Holterer haben da keine Möglichkeit. Schon gar nicht, als es den Algioten gelingt, ihren Standort auszumachen. Zwar können Atlan und seine Gefährten sich der erneuten Gefangennahme entziehen, aber es gelingt Dro ga Demm, ihnen zu entkommen.
Endlich aber erreichen sie den Stützpunkt und fliehen mit der wlatschidischen Besatzung.
Nun ist im Weltraum für Ganzetta endlich die Stunde des Handels gekommen. Es gelingt ihm, die kleine Fähre mit den Flüchtlingen vor der Vernichtung durch die Algioten zu bewahren und aus dem System herauszuholen.
So hat alles am Ende doch alles sein Gutes. Hermon von Ariga kann in letzter Sekunde gerettet werden. Gerenger bekommt erst einmal eine Prothese für seinen verlorenen Arm, und die Haluter sind endlich da!

Diesmal das letzte ganz zu Anfang: Na bitte, die Haluter sind da! Jetzt kann es also richtig losgehen, und wir haben bis zum Ende des Zyklus sogar noch ein Weilchen Zeit. Die Hoffnung bleibt also noch bestehen, daß es durch die Haluter nicht zu einem ganz extremen Hau-Ruck-Ende kommen wird, sondern sie einfach die entscheidenden Impulse im Kampf gegen Sonnenwürmer und Algioten geben können. Ich könnte mir sogar vorstellen, daß es mit der Waffe gegen die Würmer gelingt, dieses Problem zu neutralisieren und den Algioten dann ruhig gestatten, ihren Gott zu befreien. Das dürfte für diese dann eine recht peinliche Angelegenheit werden, denn wie bereits bekannt, ist da ja keiner! Damit hätte man sich auch gleich des Algioten-Problems entledigt. Man hätte so vielleicht sogar die Chance, sich irgendwie friedlich zu einigen. Auch wenn ich über die Verhandlungen da im Moment gar nicht nachdenken will, nach dem Leid, das die Chearther durch die Algioten durchmachen mußten...
Aber noch sind die Sonnenwürmer keinesweges Geschichte, sondern aktiver denn je. Und wenn man Kantors Theorien glauben schenken kann (daß die Sonnenwürmer die ÜBSEF-Konstante von Lebewesen wittern und so bevorzugt in bewohnte Systeme springen), ist das, was Uwe Anton uns hier in diesem Roman geboten hat, nur die alleroberste Spitze des Eisberges.
Während sich also oben in der Sonne die Würmer austoben, geraten Atlan und Begleitung auf der Oberfläche des Planten von einem Schlamassel ins andere; und ich muß an dieser Stelle erwähnen, daß Uwe Anton anscheinend genau weiß, wie man so etwas darzustellen hat. Alles verschwimmt ein wenig durch die Fieberphantasien des Erzählers, aber genau das gibt der ganzen Angelegenheit seine Spannung und Dramatik. Nichts ist unbedingt vorhersehbar, und viele Faktoren verleihen der Handlung eine hohe, aber überschaubare Komplexität. So weiß man zu keinem Zeitpunkt genau, ob es Gerenger nun gelingen wird, Dro ga Demm zu töten oder nicht bzw. ob er es wirklich versuchen wird.
Uwe Anton weiß aber hier aber auch um die Verhältnismäßigkeit der Mittel. Die Eingeborenen des Planeten spielen nur eine untergeordnete Rolle, und so bleiben sie auch recht wenig erklärt und eher am Rande der Bedeutung. Genau das führt aber dazu, daß der Roman nicht zu unübersichtlich wird, denn auch im Weltraum hat der Autor so einiges angesiedelt.
Hier kommen wir dann aber auch zu einen Bereich, den ich nicht so gut fand. Irgendwie konnte ich mich mit der Ich-Perspektive von Ganzetta nicht anfreunden. Zwar war deutlich zu bemerken, daß Uwe Anton versucht, die Fremdartigkeit des Wlatschiden darzustellen, doch zu oft hatte ich das Gefühl, daß einfach nur ein wenig "große Katze" über die herkömmlichen menschlichen Wahrnehmungen gezogen wurde. Auch fand ich den Perspektivenwechsel zwischen Ganzetta und Myles Kantor wenig angenehm. Ich hätte es bevorzugt, wenn man sich auf eine der beiden beschränkt hätte.

Fazit:
Ein vielfältiger, aber nicht zu komplexer Roman, der für mich eindeutig aus der Schwäche der letzten Wochen herausführen kann, sofern die anderen mitziehen.
11 Punkte

Alexander Haas

Endlich, möchte man ausrufen, endlich ein guter Chearth-Roman! Uwe Anton gelingt mit "Der Sonnentod" das, woran die meisten Romane dieser Handlungsebene kranken: Er schafft es, den Leser mit dramatischen und stimmungsvollen Schilderungen an den Roman zu fesseln. Sicherlich kommt dem Autor hierbei zugute, daß er ein interessantes Exposé erhalten hat - doch daß dies allein nicht alles ist, haben schon andere Bände dieser Handlungsebene gezeigt. Das Exposé will auch adäquat umgesetzt werden - und das ist Uwe Anton hier wirklich gut gelungen.
Vor allem die fiebergeschüttelte Schilderung der Geschehnisse um die Arkoniden auf Holter hat eine atmosphärische Dichte, die man auf dieser Handlungsebene lange vermißt hat. Durch die Entscheidung, hier den verwundeten und vom Fieber geplagten Arkoniden Gerenger, und nicht etwa den alles überstrahlenden Helden Atlan zur Hauptperson zu machen, gewinnt die Schilderung auf dem Planeten gewaltig an Dramatik. Uwe Anton gelingt es hervorragend, die geistige Verfassung des Arkoniden darzustellen, der sich an die fast aussichtslose Hoffnung klammert, innerlich jedoch immer stärker verzweifelt. Diese Szenen gehören unzweifelhaft zu den Höhepunkten des Romans.
Genau wie die Holterer - eine intelligente Rasse, deren dramatisches Schicksal sich hier erfüllt. Gerade dadurch, daß man sie gar nicht richtig kennenlernt, daß die chancenlosen Planetenbewohner für immer Unbekannte bleiben werden, wirkt ihr Schicksal umso stärker auf den Leser.
Aber auch außerhalb des Planeten kann Uwe Anton überzeugen. Im Ringen um eine Lösung des Problems gelingt es Anton, die Dramatik der planetengebundenen Handlung in den Weltraum hineinzuretten. Myles Kantor, dem die Hände gebunden sind, der zusehen muß, wie die Sonne Eleprysi dem Untergang näher- und näherkommt - das hat schon seine ganz eigene Wirkung auf den Leser.
Nur in einem Punkt kann Uwe Anton nicht gänzlich überzeugen. Die Wechsel der Ich-Perspektive zwischen Kantor und Ganzetta sind nicht immer klar nachvollziehbar und können schon einmal für Verwirrung beim Leser sorgen. Zwar wird die Identität des Ich-Erzählers in der Kapitel-Überschrift festgelegt, doch wirkt der Wlatschide in vielen Punkten zu menschlich, nähert sich seine Gedankenwelt zu sehr der Kantors an, als daß man hier klar unterscheiden könnte. Allerdings kann man dieser Gefahr bei konzentriertem Lesen recht gut entgehen, so daß diese Kleinigkeit nicht weiter groß ins Gewicht fällt.
Vor allem, da eine der besten Szenen des Romans aus der Sicht Ganzettas geschildert wird: Myles Kantors Erklärung der unterschiedlichen Farben eines Paratronschirms auf Seite 23 und 24. Der langsam immer mehr verzweifelnde Wlatschide, der von dem Wissenschaftler im wahrsten Sinne des Wortes zugelabert wird, ist dermaßen überzeugend dargestellt, daß man fast schon mit ihm mitleidet.
Und zum guten Schluß sind auch endlich die Haluter eingetroffen - wie um diesem Roman noch ein Sahnehäubchen aufzusetzen. Uwe Anton hat etwas geschafft, das auf dieser Handlungsebene noch keinem Autoren gelungen ist: Ich bin tatsächlich gespannt auf den nächsten Roman. Und das will schon sehr viel heißen...

Fazit:
"Der Sonnentod" ist das unbestrittene Highlight der Chearth-Handlungsebene. In Uwe Antons Roman findet sich mehr Dramatik, Atmosphäre und Spannung als in allen anderen Romanen dieser Ebene zusammengenommen.
14 Punkte.

Winfried Brand

Ich habe ja schon vor einer ganzen Zeit mit den Rezis zu Perry Rhodan aufgehört, aber der neue Roman von Uwe Antons "Der Sonnentod" veranlaßt mich doch, noch mal einen Kommentar loszulassen.
Uwe Antons Roman war wirklich das Beste, was in den letzten Jahren, wenigstens soweit ich es gelesen habe, bei Perry erschienen ist. Soviel Witz und soviel Menschlichkeit, wie Anton in diesem Heft verarbeitet hat, hätte eigentlich für mehrere Romane gereicht.
Ich will gar nicht groß auf einzelne Punkte eingehen, das wird von den üblichen Perry-Rezensenten bestimmt akribisch erledigt. Die Höhepunkte waren für mich jedenfalls die Unverständnis, die Ganzetta, der Silberwolf, im Gespräch mit Myles Kantor - die Menschen haben aber auch wirklich seltsame Sitten - zeigt; ein äußerst menschlicher, wenn auch in eine Nebenrolle gedrängter, Atlan auf Holter und die Leidensgeschichte des jungen Arkoniden Gerenger, die uns keinen coolen, jeder Situation gewachsenen Einzelkämpfer zeigt, sondern einen jungen, total überforderten Menschen (bzw. Arkoniden), dessen Reaktionen sehr nachvollziehbar sind und der am Ende vielleicht doch an seinen Erfahrungen gewachsen ist, aber das muß sich wohl erst noch herausstellen.
Uwe Anton kann ich jedenfalls nur zu diesem Roman gratulieren und wünschen, daß er so weitermacht.
Punkte: 15

Bernd Krosta

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