Die
Schwarze Schar ist eine alte und berühmte Söldnereinheit,
die sich zur Zeit im Dienst der bösen Lady befindet, die ihr
Herrschaftsgebiet ständig erweitert.
Eines Tages wird Croaker, der Chronist und Arzt der schwarzen Schar,
zusammen mit weiteren Mitgliedern und einigen hochrangigen Dienern
der Lady in das ferne Juniper beordert.
Auf einem Hügel nahe der Stadt steht die Schwarze Burg, in der
niemand zu leben scheint, die aber dennoch langsam wächst. Nur
die Lady weiß, daß es sich hierbei um dämonische
Helfer ihres toten Gatten handelt, den sie vor hunderten von Jahren
lebendig begraben ließ. Nun will er wieder auferstehen, um sich
an seiner Gattin zu rächen - und seine Herrschaft würde
noch viel, viel dunkler werden, als es die der Lady jemals sein
kann.
Croaker geht nun in Juniper auf Spurensuche und findet hier Raven,
der vor langer Zeit mit seiner Gefährtin Darling desertierte.
Er, Croaker und ein paar andere wissen, daß Darling die
Weiße Rose ist, die später einmal der Lady den Untergang
bringen soll. Das macht die Sache für die Schwarze Schar
besonders prekär, da sie auf der einen Seite der Lady ergeben
sind, auf der anderen aber Darling und Raven schützen wollen.
Aber dazu müssen sie die beiden erst einmal haben. Und Raven -
nicht leicht aufzuspüren - hat sich schnell wieder vor seinen
ehemaligen Freunden versteckt.
In das Spiel mit den hohen Mächten werden aber auch noch ein
paar Einheimische verstrickt. Der verschuldete Wirt Shed wird von
Raven in einen seltsamen Leichenhandel mit hineingezogen, der ihm
zwar seine Schulden vom Hals schafft, ihm aber auch eine Menge neuer
Probleme und Sorgen verursacht. Außerdem müssen viele
arglose Bewohner von Juniper erfahren, daß man sich besser auf
der Seite der Schwarzen Schar aufhält, denn auf der anderen
verschwinden zu oft und zu leise viele, die man dann nie
wiedersieht...
Nacht über Juniper ist wie Band eins der
Schwarzen Schar ein recht gut in sich geschlossener Band,
der die Lektüre seines Vorgängers nicht unbedingt
voraussetzt, diese aber trotzdem durchaus zu empfehlen ist. Hier hat
Cook detailliert und anschaulich die Charaktere vorgestellt, die
jetzt wieder zu den Hauptfiguren werden.
Es gibt zum einen wieder die aus der Ich-Perspektive geschilderte
Ebene von Croaker, der aus seiner Sicht die Handlung erlebt und
kommentiert. Besonders hier wird die Verzweiflung dieser Welt
deutlich, denn gerade Croaker steht in der Zwickmühle, auf der
einen Seite für die Lady zu arbeiten (außerdem hat diese
zu ihm ein ganz besonders Verhältnis), auf der anderen Seite
aber Raven helfen zu wollen. Ständig ist ihm bewußt,
daß die Lady - wenn sie ihn wieder zu sich ruft - erfahren
wird, wer Darling ist, womit alle Hoffnung verloren wäre, die
Lady jemals zu stoppen. Doch in der Zwischenzeit tut er alles, damit
sich der Einfluß der Lady weiter ausbreitet bzw. ihr
wütender Ehemann in Juniper nicht wieder auferstehen kann.
Die andere Ebene ist die Ebene von Raven und Shed. Raven ist durch
die halbe Welt geflohen, um Darling zu schützen. Nun denkt er,
daß seine ärgsten Feinde ihn gefunden haben, doch sie sind
mehr oder weniger bloß zufällig hier. Genauso
zufällig, wie er, ohne es zu wissen, einen Feind
unterstützt, gegen den die Lady nur ein leichter Alptraum ist.
Ebenfalls ohne es zu wissen, zieht er Shed mit in die Ereignisse
hinein; und auch der Wirt sieht auf einmal seine hoffnungslose Welt
zu einem wahren Alptraum werden, gegen den alle Dinge der
Vergangenheit absolut nichtig erscheinen.
Alles in allem haben wir hier wieder einen Roman, der vor allem mit
einem glänzt: Verzweiflung. Egal, was die Protagonisten machen -
es ist falsch, und sie können nichts anderes tun, als irgendwie
in dieser Welt zu überleben und zuzusehen, wie die Unschuldigen
zwischen den übergeordneten Mächten zerrieben werden.
Gerade dadurch aber hat der Roman eine unglaublich fesselnde
Faszination.
Speziell in diesem Roman wird deutlich, daß es in dieser Welt
von Glen Cook keinen Unterschied zwischen Gut und Böse gibt,
sondern nur zwischen Böse und richtig Böse. Selbst die
Charaktere der Schwarzen Schar bedienen sich einiger Mittel, die zwar
zu ihrem Ziel führen, aber viele andere das Leben kosten. Und
selbst im Ziel sind sich alle Parteien gleich: Alle wollen
überleben.
Diese dunkle, düstere und fiese Welt ist dann auch noch
dermaßen gut ge- und beschrieben, daß man sich dem Roman
kaum noch entziehen kann. Man ist zwar irgendwo abgestoßen von
der Abscheulichkeit dieser Welt, aber noch viel stärker ist die
Anziehungskraft, die der Roman ausübt. Viel zu plastisch sind
die Charaktere, was vor allem für Croaker gilt, den man durch
die Ich-Perspektive besonders gut kennen- und auch verstehen lernen
kann.
Das mag zum einen an der Art liegen, wie der Roman geschrieben ist,
also am Stil des Autoren, der extrem fesselnd ist und der genau die
richtigen Worte für die Atmosphäre dieser tristen Welt
findet. Zum anderen fühlt man sich aber auch oft genug an die
Welt erinnert, in der man selbst lebt und die ähnliche Probleme
hat wie die in diesem Buch beschriebene.
Fazit:
Dark Fantasy - nicht mit vielen Dämonen, aber mit Dunkelheit und
Verzweiflung und einer sehr starken Faszination und Atmosphäre.
Wer Band eins schon kennt, muß hier unbedingt zuschlagen. Alle
anderen sollten einmal überlegen, ob ihre Welt nicht ein wenig
Dunkelheit vertragen könnte... (* Na danke - meine
hausgemachten Depris reichen mir persönlich allemal! ;-)
Heike)
13 Punkte
Alexander Haas