Glen Cook:

„Nacht über Juniper“

(Die Schwarze Schar - Band 2)
OT: Shadows Linger
Ü: Heiko Langhans
USA 1984
(408 Seiten, Taschenbuch, Blanvalet 24895, ISBN 3-442-24895-7, DM 16,90)
- erschienen: September 1999 -

Die Schwarze Schar ist eine alte und berühmte Söldnereinheit, die sich zur Zeit im Dienst der bösen Lady befindet, die ihr Herrschaftsgebiet ständig erweitert.
Eines Tages wird Croaker, der Chronist und Arzt der schwarzen Schar, zusammen mit weiteren Mitgliedern und einigen hochrangigen Dienern der Lady in das ferne Juniper beordert.
Auf einem Hügel nahe der Stadt steht die Schwarze Burg, in der niemand zu leben scheint, die aber dennoch langsam wächst. Nur die Lady weiß, daß es sich hierbei um dämonische Helfer ihres toten Gatten handelt, den sie vor hunderten von Jahren lebendig begraben ließ. Nun will er wieder auferstehen, um sich an seiner Gattin zu rächen - und seine Herrschaft würde noch viel, viel dunkler werden, als es die der Lady jemals sein kann.
Croaker geht nun in Juniper auf Spurensuche und findet hier Raven, der vor langer Zeit mit seiner Gefährtin Darling desertierte. Er, Croaker und ein paar andere wissen, daß Darling die Weiße Rose ist, die später einmal der Lady den Untergang bringen soll. Das macht die Sache für die Schwarze Schar besonders prekär, da sie auf der einen Seite der Lady ergeben sind, auf der anderen aber Darling und Raven schützen wollen. Aber dazu müssen sie die beiden erst einmal haben. Und Raven - nicht leicht aufzuspüren - hat sich schnell wieder vor seinen ehemaligen Freunden versteckt.
In das Spiel mit den hohen Mächten werden aber auch noch ein paar Einheimische verstrickt. Der verschuldete Wirt Shed wird von Raven in einen seltsamen Leichenhandel mit hineingezogen, der ihm zwar seine Schulden vom Hals schafft, ihm aber auch eine Menge neuer Probleme und Sorgen verursacht. Außerdem müssen viele arglose Bewohner von Juniper erfahren, daß man sich besser auf der Seite der Schwarzen Schar aufhält, denn auf der anderen verschwinden zu oft und zu leise viele, die man dann nie wiedersieht...

„Nacht über Juniper“ ist wie Band eins der ‘Schwarzen Schar’ ein recht gut in sich geschlossener Band, der die Lektüre seines Vorgängers nicht unbedingt voraussetzt, diese aber trotzdem durchaus zu empfehlen ist. Hier hat Cook detailliert und anschaulich die Charaktere vorgestellt, die jetzt wieder zu den Hauptfiguren werden.
Es gibt zum einen wieder die aus der Ich-Perspektive geschilderte Ebene von Croaker, der aus seiner Sicht die Handlung erlebt und kommentiert. Besonders hier wird die Verzweiflung dieser Welt deutlich, denn gerade Croaker steht in der Zwickmühle, auf der einen Seite für die Lady zu arbeiten (außerdem hat diese zu ihm ein ganz besonders Verhältnis), auf der anderen Seite aber Raven helfen zu wollen. Ständig ist ihm bewußt, daß die Lady - wenn sie ihn wieder zu sich ruft - erfahren wird, wer Darling ist, womit alle Hoffnung verloren wäre, die Lady jemals zu stoppen. Doch in der Zwischenzeit tut er alles, damit sich der Einfluß der Lady weiter ausbreitet bzw. ihr wütender Ehemann in Juniper nicht wieder auferstehen kann.
Die andere Ebene ist die Ebene von Raven und Shed. Raven ist durch die halbe Welt geflohen, um Darling zu schützen. Nun denkt er, daß seine ärgsten Feinde ihn gefunden haben, doch sie sind mehr oder weniger bloß zufällig hier. Genauso zufällig, wie er, ohne es zu wissen, einen Feind unterstützt, gegen den die Lady nur ein leichter Alptraum ist. Ebenfalls ohne es zu wissen, zieht er Shed mit in die Ereignisse hinein; und auch der Wirt sieht auf einmal seine hoffnungslose Welt zu einem wahren Alptraum werden, gegen den alle Dinge der Vergangenheit absolut nichtig erscheinen.
Alles in allem haben wir hier wieder einen Roman, der vor allem mit einem glänzt: Verzweiflung. Egal, was die Protagonisten machen - es ist falsch, und sie können nichts anderes tun, als irgendwie in dieser Welt zu überleben und zuzusehen, wie die Unschuldigen zwischen den übergeordneten Mächten zerrieben werden. Gerade dadurch aber hat der Roman eine unglaublich fesselnde Faszination.
Speziell in diesem Roman wird deutlich, daß es in dieser Welt von Glen Cook keinen Unterschied zwischen Gut und Böse gibt, sondern nur zwischen Böse und richtig Böse. Selbst die Charaktere der Schwarzen Schar bedienen sich einiger Mittel, die zwar zu ihrem Ziel führen, aber viele andere das Leben kosten. Und selbst im Ziel sind sich alle Parteien gleich: Alle wollen überleben.
Diese dunkle, düstere und fiese Welt ist dann auch noch dermaßen gut ge- und beschrieben, daß man sich dem Roman kaum noch entziehen kann. Man ist zwar irgendwo abgestoßen von der Abscheulichkeit dieser Welt, aber noch viel stärker ist die Anziehungskraft, die der Roman ausübt. Viel zu plastisch sind die Charaktere, was vor allem für Croaker gilt, den man durch die Ich-Perspektive besonders gut kennen- und auch verstehen lernen kann.
Das mag zum einen an der Art liegen, wie der Roman geschrieben ist, also am Stil des Autoren, der extrem fesselnd ist und der genau die richtigen Worte für die Atmosphäre dieser tristen Welt findet. Zum anderen fühlt man sich aber auch oft genug an die Welt erinnert, in der man selbst lebt und die ähnliche Probleme hat wie die in diesem Buch beschriebene.

Fazit:
Dark Fantasy - nicht mit vielen Dämonen, aber mit Dunkelheit und Verzweiflung und einer sehr starken Faszination und Atmosphäre. Wer Band eins schon kennt, muß hier unbedingt zuschlagen. Alle anderen sollten einmal überlegen, ob ihre Welt nicht ein wenig Dunkelheit vertragen könnte... (* Na danke - meine hausgemachten Depris reichen mir persönlich allemal! ;-) Heike)

13 Punkte

Alexander Haas


Interesse? Hier kannst Du dieses Buch direkt bei amazon.de bestellen, und das Flash damit auch ein wenig finanziell unterstützen.


home...